KATHARINA VON GENUA (Caterina Fieschi Adorno), Mystikerin, Terziarin des Franziskanerordens (TOF), Heilige, * 5.4. 1447, Genua, † 15.9. 1510, Genua. - K. stammte aus der Genueser Aristokratenfamilie Fieschi, aus der auch die Päpste Innozenz IV., K.s Großonkel, und Hadrian V. kamen. Der Vater Giacomo (Jacopo), Vizekönig von Neapel unter René von Anjou, kehrte nach dem dortigen Machtwechsel 1442 nach Genua zurück. Die Mutter Francesca di Negro (de' Negri) war die Tochter des Marchese Sigismondo di Negro. K. wurde als jüngstes von fünf Kindern postum einige Monate nach dem Tod des Vaters (September 1446) im Palazzo der Fieschi im Vicolo del Filo geboren. Mit acht Jahren schlief sie im Stroh mit einem Brett als Kissen und übte sich im Schweigen, doch planten die Eltern schon für die 9jährige die spätere Hochzeit (Verlobungsgeschenke der Familie Doria, Urkunde com 27.8. 1456), mit 12 Jahren soll sie die "Gabe des Gebets" ("Zungenreden") erhalten haben, mit 13 Jahren wünschte sie erfolglos den Augustinerinnen im Genueser Konvent von S. Maria delle Grazie beizutreten, wo sich bereits ihre Schwester Limbania befand. Mit 16 Jahren wurde sie am 13.1. 1463 an den reichen, etwa 30jährigen (1461 hatte er bereits drei oder fünf außereheliche Kinder) genovesischen Geschäftsmann Giuliano Adorno verheiratet (Urkunde erhalten), eine Heirat, die als Versöhnung zwischen den guelfischen (papstfreundlichen) Fieschi und den ghibellinischen (kaiserfreundlichen) Adorno gedacht war, doch entpuppte sich der Bräutigam als leichtfertiger Spieler und Lebemann, der das Vermögen verschleuderte. Die Ehe blieb kinderlos. 1465 zog das Ehepaar in den Palazzo Adorno in der Via S. Agnese. Nach fünf Jahren gespannter Beziehung schien sich K. an das mondäne Leben zu gewöhnen, bis sie nach einem Besuch ihrer Schwester im Kloster am 20.3. 1473 (Erleuchtung über die eigenen Sünden vor der geplanten, aber abgebrochenen Beichte, zwei Tage danach Vision der Kreuztragung Christi) beschloß, ihr Leben radikal zu ändern. Sie zog in ein bescheidenes Haus in der Nähe des 1471 mit Spenden des Notars Bartolomeo Bosco erneuerten und vergrößerten Ospedale di Pammatone (jetzt Palazzo di Giustizia) und pflegte hier, Madonna Caterinetta oder Catalineta genannt, aufopfernd die Kranken, später auch im 1499 gegründeten Ospedale degli Incurabili. K. übte Askese, geißelte sich, trug das Büßerhemd, ernährte sich in Advent und Fastenzeit von der Eucharistie und von Wasser, Salz und Essig. Ihre Lektüre beschränkte sich auf wenige franziskanische Schriften wie die Laudi des Spiritualen Jacopone von Todi (um 1300). Mit der Zeit brachte sie Giuliano dazu, sie in ihrer karitativen Tätigkeit zu unterstützen. 1476 legten beide ein Keuschheitsgelübde ab, 1478 zogen sie ins Spital, 1479 (oder 1488) traten sie dem Dritten Orden der Franziskaner bei. 1489-1499 (LThK, DBI, DSp; 1490-1496: DHGE, BiblSS) wirkte K. als Rektorin der Frauenabteilung des Spitals. 1493 erkrankte sie an der verheerenden Pest, die vier Fünftel von Genuas Bevölkerung dahinraffte, nachdem sie nach dem Vorbild des Franziskus eine Pestkranke umarmt hatte, kam aber davon. Kurz nach dem Tod Giulianos 1497 vereinigte sich der Kreis ihrer Anhänger im Ospedale di Pammatone am 26.12. 1497 unter der Leitung des Notars Ettore Vernazza zur "Gemeinschaft der Göttlichen Liebe" (Compagnia del Divino Amore), die bald in andern Städten Italiens Nachahmung fand. 1499 trat sie aus gesundheitlichen Gründen als Rektorin zurück. Bis zum Ende ihres fortan von Ekstasen, Visionen und der Stigmatisierung geprägten Lebens war sie von einem schmerzhaften Leiden gequält. Zwei Jahre nach ihrem Tod wurde bei Bauarbeiten ihr Leib unverwest aufgefunden und in der Kirche des Kapuzinerkonvents SS. Annunziata di Portoria in einem Marmorsarkophag beigesetzt. Die Seligsprechung erfolgte nach zahlreichen Wunderheilungen auf Antrag der Spitalleitung am 6.4. 1675 durch Clemens X., die Heiligsprechung zusammen mit Vinzenz von Paul durch Clemens XII. am 16.6. 1737 (falsch DSp 30.4., BiblSS 16.5.). Diese gab den Anlaß zur Neugestaltung der Grabkapelle, wo der unverweste Leichnam seit der Ausschmückung durch den Genueser Bildhauer Francesco Maria Schiaffino (1738-1744) in einem den Altarprospekt bekrönenden Kristallschrein ausgestellt ist (1960 nach SS. Annunziata di Portoria verlegt: Martinelli 1986, 101 Abb.). 1684 wurde K. von der Stadtregierung zur Stadtpatronin von Genua ernannt, 1944 von Pius XII. zur Sekundärpatronin der italienischen Krankenhäuser erklärt. Widersprüchlich sind die Angaben zu ihrem Festtag (DBI 22.3., BiblSS 22.5., DHGE 15.9.); heute wird das Fest am 5. Sonntag nach Pfingsten gefeiert. - K.s mystische Erfahrungen sind im sog. Opus Catharinianum festgehalten, einer Kompilation mündlicher Zeugnisse, vielleicht auch schriftlicher Aufzeichnungen (begonnen 1497) aus K.s Umkreis, deren Autorschaft schwer abzugrenzen ist. Die Dokumente wurden erstmals 1551 als "Libro de la vita mirabile e dottrina santa de la beata Catarinetta da Genova" von Anhängern publiziert und fand in mehreren Auflagen in verschiedenen Sprachen weite Verbreitung. Wichtigen Anteil an der Entstehung des Textes hatte Cattaneo Marabotto (Bonzi 1935 und Hügel 1908: Ettore und Tommasina-Battistina Vernazza), seit 1499 K.s geistlicher Berater. Die darin enthaltene dreiteilige Schrift "Geistlicher Dialog" stellt eine Art spiritueller Autobiographie in Form eines Gesprächs zwischen Seele, Leib, Eigenliebe, Geist und Gott dar (nur der erste von den drei Teilen dürfte von K. stammen, der zweite und dritte von Tommaso Doria oder Angelo da Chivasso; zur Lehre eingehend Bonzi in DSp 299-321). Die "Abhandlung über das Fegefeuer" aus K.s letzten Lebensjahren zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Deutung des Seelenzustands als Mischung von Vorfreude über Erlösung und von Schmerz über Gottferne aus ("Die Freude der Seelen im Fegefeuer ist nur mit der Freude im Paradies vergleichbar"), so daß das Opus 1583 in Spanien auf den Index librorum prohibitorum geriet. Überliefert sind ferner einige geistliche Gedichte. - Ikonographie: Das Porträt K.s, ein Gemälde, das der mit K. entfernt verwandten, auch als Autorin tätigen Dominikanerin Tommasina Fieschi zugeschrieben wird (vgl. aber DSp 291), um 1510, befindet sich im Ospedale di Pammatone in Genua (Ricci 1931, Mostaccio 1999). Die Grabkapelle in SS. Annunziata di Portoria wurde 1823-1826 von Santino Tagliafichi mit Fresken im Stil der Renaissance ausgeschmückt, darunter K.s Vision der Teilnahme an der Kreuztragung Christi (Martinelli 1986, 98 Abb.).
Quellen: Übersicht in DHGE 11, 1506; AASS Sept. V, 123-195. Bulle Clemens' XII. vom 16. Juni 1737: AASS Sept. V, 181-188. Kanonisierungakten: Congregatio sacrorum rituum, Canonizationis beatae Catharinae Fliscae Adurnae informatio [...], Romae 1675. Umfangreiche Bibliographien in den Art. in DSp, DHGE, DBI.
Werke: Opus Catharinianum, I, Vita e dottrina (Leben und Lehre): Marabotto 1551 u.a.; II, Dialogo spirituale (Dialogo della detta Madonna Catarinetta tra anima corpo amor proprio spirito umanità e Dio) und III, Il trattato del Purgatorio (Trattato del Purgatorio della detta Beata Madonna Caterinetta Adorna); jeweils beide Schriften in folgenden Ausgaben: Marabotto 1551 (ital.); Marabotto 1598 (frz.); Marabotto-Vernazza 1601; Desmarets 1661 (frz.); Poiret 1691 (frz.); Maineri 1737; Lechner 1859 (dt.); Bussierre 1913 (frz.); Pantasina 1929; Sertorius 1939 (dt.); Bonzi 1962; Hughes 1979 (engl.); Carpaneto 1990; Giuggia 1996; Trovato 1999; Einzelausgaben: Rolfo 2004 (Trattato); - Geistliche Gedichte (Rime spirituali): Luisa Bergalli Gozzi, Componimenti poetici delle più illustri rimatrici d'ogni secolo, vol. 1, Venezia 1726, 29f; - Textausgaben online: www.split.it/users/scaterina/purgatorio.htm (Carpaneto 1990: Purgatorio); engl. (Helen Douglas Irvine 1946): http://www.cfpeople.org/Apologetics/page51a013.html.
Lit.: Cattaneo Marabotto, Libro de la vita mirabile & dottrina santa de la beata Caterinetta da Genoa, Genova 1551; - Cattaneo Marabotto, La vie admirable et pleine des plus excellents traicts de l'amour divin de la bien-heureuse & séraphique Catherine d'Adorny native de la ville de Gennes, Paris 1598; - Cattaneo Marabotto / Ettore Vernazza, Vita della beata Caterina Adorni da Genova con un dialogo [...] tra l'Anima, il Corpo, l'Humanità, l'Amor proprio e il Signore composto dalla medesima, rev. Ausgabe, Venedig 1601 (Reprint Padua 1743); - Jean Desmarets de Saint-Sorlin, La vie & les oeuvres de Sainte Catherine de Gênes, Paris 1661; - Pierre Poiret, La théologie de l'amour ou la vie et les oeuvres de Sainte Catherine de Génes, Köln 1691; - Alessandro Maineri, Vita di Santa Caterina Fieschi-Adorno da Genova ricavata dai Processi fatti per la canonizzazione della Santa, con un compendio delle sue opere, cioe` del Trattato del Purgatorio e del Dialogo fra l'anima ed il corpo, Genova 1737 (Reprint 1887); - Paolo Fontana, Celebrando Caterina: Santa Caterina Fieschi Adorno e il suo culto nella Genova barocca, Genova 1820 (Reprint 1999); - Peter Lechner, Leben und Schriften der heiligen Katharina von Genua, Regensburg 1859; - Fliche, Sainte Catherine de Gênes, sa vie et son esprit, Paris 1883; - Friedrich von Hügel, The mystical element of religion: as studied in Saint Catherine of Genoa and her friends, 2 Bde. (Introduction and biographies, Critical studies), London 1908 (Reprints, zuletzt New York 1999, intr. Michael Downey; grundlegend); - Luigi Augusto Cervetto, Santa Caterina Fieschi Adorno e i Genovesi: cenni biografici storici ed artistici, Genova 1910; - Marie-Théodore Renouard de Bussierre, Les oeuvres de Sainte Catherine de Gênes: précédéees de sa vie, Paris 1913 (Reprint 1926); - Gabriele da Pantasina, Vita di Santa Caterina Fieschi-Adorno da Genova con ricordi e documenti: Trattato del Purgatorio ed in compendio il Dialogo spirituale, Genova 1929; - Elisa Ricci, Mille santi nell' arte, Milano 1931, 126 Abb.; - Umile Bonzi da Genova, L'Opus catharinianum et ses auteurs; étude critique sur la biographie et les écrits de sainte Catherine de Gênes, in: Revue d'ascétique et de mystique 16, 1935, 351-370; - Umile Bonzi da Genova, S. Caterina Fieschi Adorno: 1, Teologia mistica di S. 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