KIND, Albert Gustav, * 27. November 1853 in Mitlödi GL. - Albert Gustav Kind wurde als Sohn des Pfarrers Paul Gottlob Kind, der zu dieser Zeit Pfarrer der reformierten Schweizergemeinde in Mailand war, im Glarner Dorf Mitlödi geboren. Seine Familie stammte aus Chur. Er besuchte die Volksschule im Prättigauer Dorf Schiers und danach die Mittelschule in Basel. Dort hatte er mit Friedrich Nietzsche in Griechisch und Jakob Burckhardt in Geschichte zwei bedeutende Lehrer. Nach der Schule begann er in Basel ein Studium der evangelischen Theologie, daß er in den Jahren 1874-1876 an der Universität Tübingen fortsetzte. 1876 wurde er im appenzellischen Herisau ordiniert und noch im gleichen Jahr Vikar in Bauma im Kanton Zürich. Im folgenden Jahr wurde er Pfarrer der reformierten Gemeinde Braunau im Kanton Thurgau. Im Jahre 1883 wurde er Pfarrer in der Glarner Gemeinde Mitlödi und übte dieses Amt bis zum Jahre 1923 aus. In dieser Zeit wurde er auch zum Mitbegründer und Mitherausgeber der Glarner Familienbibel. Er gehörte über lange Jahre der Konkordatsprüfungskommission der Schweizer reformierten Kantonalkirchen an und machte sich als Förderer des Schulwesens einen Namen. Zeitweise war er auch Hilfslehrer für Griechisch am Progymnasium in Glarus. Neben seinen pfarramtlichen Aufgaben war er ein großer Naturfreund und eifriger Botaniker. Über lange Jahre war er auch ein begeisterter Bergsteiger, der viele Gipfel in den Kantonen Glarus und Graubünden bestieg. Seinen Ruhestand verbrachte Kind ebenfalls in Mitlödi, wo er, zuletzt durch ein Hüftleiden an den Rollstuhl gebunden, im Jahre 1944 verstarb.
Lit.: Gottfried Heer, Die ev. Geistlichkeit d. Landes Glarus 1530-1900, Schwanden 1908, 64; - Willy Wuhrmann, Verzeichnis der evangelischen Pfarrer des Kantons Thurgau von 1863 bis 1936. Sonderdruck aus Heft 73 der Thurgauischen Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Frauenfeld 1936; - Richard Kind, Geschichte d. Bürgerfamilie Kind v. Chur, Winterthur 1980; - Felici Maissen, Bündner Studenten an der Universität Tübingen 1477-1914, in: BM 1992, 460-504; - HBLS IV, 492.
Erich Wenneker
Letzte Änderung: 06.11.2011