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Verlag Traugott Bautz
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KOHLER, Kaufmann, jüdischer Theologe, * 10. Mai 1843 in Fürth, † 28. Januar 1926 in New York. - K. wurde als Sohn eines Kaufmanns und einer Rabbinertochter geboren. Unter den Vorfahren befanden sich zahlreiche Theologen und Rabbiner, darunter Ezra Jehuda Jakob von Sulzberg. Der außergewöhnliche Vorname erinnert an die Berufstätigkeit des väterlichen Großvaters. Ursprünglich selbst zum Geistlichen bestimmt, erhielt K. durch Samson Raphael Hirsch (1808-1888) eine rabbinische Unterweisung. Noch während der Ausbildungszeit löste K. sich von der orthodoxen Religiosität seiner Eltern und Lehrer. Die Übernahme des geistlichen Amtes trat in der beruflichen Planung hinter die akademische Laufbahn zurück. K. widmete sich intensiv religionsgeschichtlichen und bibelwissenschaftlichen Themen. Seit 1864 studierte er in München, Berlin und Erlangen Geschichte, Philosophie und Altertumswissenschaft. Zu seinen akademischen Lehrern gehörten Johann Gustav Droysen (1808-1884), Heymann Steinthal (1823-1899), Hermann Leberecht Strack (1848-1922) und Franz Delitzsch (1813-1890). Gleichzeitig beschäftigte er sich mit hebräischen Studien. Seine Dissertation über den Segen Jakobs, aufgrund derer er 1867 in Erlangen zum Dr. phil. promoviert wurde, weist eine radikale bibelkritische Tendenz auf. Von großer Bedeutung wurden für K. die Forschungsergebnisse Julius Wellhausens (1844-1917) und Abraham Kuenens (1829-1891). Seinen orthodoxen Lehrern warf er vor, daß sie, wie es in einer Gedenkrede auf Hirsch aus dem Jahre 1908 hieß, keinen Zugang zur religionsgeschichtlichen Problematik hatten: They »had not the faintest idea of the historical growth of language and law, of custom and tradition«, nor did they »ever recognize the use or necessity of studying the various historical forces, or the strata of either Biblical, Talmudic or post-Talmudic Judaism« (zitiert nach: Studies in Jewish Literature, Berlin 1913, 3). 1868 erhielt er die Berechtigung zur Übernahme des Rabbiner-Amtes. An eine Gemeindetätigkeit war jedoch, zumindest im süddeutschen Raum, nicht zu denken, da K. nach Veröffentlichung der Dissertation als extremer Traditionskritiker galt. Angeregt durch Abraham Geiger (1810-1874), einen der Führer der Reformpartei und Protagonisten der modernen historischen Forschung in der jüdischen Theologie, setzte er 1868 und 1869 zunächst das Studium in Leipzig fort, indem er sich der arabischen und persischen Sprache und Kulturgeschichte widmete. In dieser Situation trat K., ebenfalls durch Vermittlung Abraham Geigers, mit einigen amerikanischen Geistlichen in Kontakt, die ihn zu einer Reise in die USA bewegten. Hier fand er das liberale religiöse Klima, das es ihm ermöglichte, doch noch eine geistliche Tätigkeit aufzunehmen. 1869 wurde er von der Beth-El-Congregation in Detroit und 1871 von der Sinai Congregation in Chicago zum Rabbiner gewählt. Bereits in dieser Zeit trat K. auch als produktiver und eigenständiger theologischer Autor hervor, der es verstand, in der Gemeinde Interesse an theologischen Fragen zu wecken. 1879 folgte er seinem Schwiegervater David Einhorn (1809-1879), einem der streitbarsten und engagiertesten Vertreter des amerikanischen Kulturjudentums, als Rabbiner des Beth-El Tempels in New York. In seiner jahrzehntelangen Wirksamkeit als Geistlicher trat K. auf regionaler und auf überregionaler Ebene für eine Reform der Gottesdienstpraxis und der jüdischen Gemeindetheologie ein. In Chicago, später auch in New York, führte er Sonntagsandachten ein, die den Sabbatgottesdienst ergänzen sollten (»Supplementary Sunday Services«). Da jedoch diese Neuerung von der Gemeinde nicht angenommen wurde, ging K. seit 1893 zu Freitagabendpredigten über. 1885 gehörte er zu den Initiatoren der Pittsburgh Conference, deren Grundsatzerklärung als klassisches Dokument des amerikanischen Reformjudentums gilt (vgl. David Philipson: The Reform Movement in Judaism, New York / London 1907, 491-492; Ders.: Kaufmann Kohler as Reformer, in: Studies in Jewish Literature, 11-29). Auch beteiligte er sich an der Ausarbeitung des »Union Prayer Book«, das in den Reformgemeinden der USA weiteste Verbreitung fand. Während der New Yorker Jahre übernahm K. zahlreiche weitere Aufgaben und Ämter. 1903 wurde er zum Honorary President der Central Conference of American Rabbis gewählt. Im gleichen Jahr erhielt er als Nachfolger von Isaac Meyer Wise (1819-1900) die Berufung zum Präsidenten des Hebrew Union College in Cincinnati / Ohio. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit am College trug K. Vorlesungen über Homiletik, Praktische Theologie und hellenistische Literaturgeschichte vor. 1921 trat er in den Ruhestand. - K. verfaßte neben einer Vielzahl von Ansprachen, Predigten und biblischen Auslegungen eine Reihe von Monographien zu religionsgeschichtlichen, bibelwissenschaftlichen und ethisch-theologischen Themen. Wissenschaftliche Aufsätze und Artikel erschienen u.a. in den Zeitschriften `Liberales Judentum', `Allgemeine Zeitung des Judentums', `Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland', `Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur', `Jewish Quarterly Review', `Judaean Year Book', `Hebrew Union College Annual', `American Journal of Theology', `Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft' sowie, in großer Zahl, in der `Jewish Encyclopedia', deren Abteilung »Jüdische Theologie und Philosophie« er überdies als Herausgeber verantwortlich betreute. 1885 erschien das Werk »A Series of Discourses on Reform Judaism«, zwei Jahre später eine Studie über »The Ethical Basis of Judaism« (New York 1887). 1910 veröffentlichte K. im Rahmen der von der `Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums' herausgegebenen Schriften sein Hauptwerk, den in deutscher Sprache verfaßten »Grundriss einer systematischen Theologie des Judentums auf geschichtlicher Grundlage« (Leipzig 1910; englische Ausgabe: Jewish Theology systematically and historically considered, New York 1918). Als Beitrag zur Judaica-Festschrift für Hermann Cohen (1842-1918) veröffentlichte K. 1912 eine historische Studie über »Die Nächstenliebe im Judentum«. Das letzte größere Werk widmete er dem Thema: »Heaven and Hell in Comparative Religion« (New York 1923). 1880 gab K. ausgewählte Predigten David Einhorns heraus. Seit 1881 war er verantwortlicher Herausgeber der Zeitschrift »The Sabbath Visitor«, seit 1886 des »Jewish Reformer«. Eine umfangreiche Festschrift unter dem Titel »Studies in Jewish Literature« erschien 1913 anläßlich des siebzigsten Geburtstages im Berliner Verlag von Georg Reimer. - In seinem wissenschaftlichen Werk, das sich mit religionsgeschichtlichen, religionsphilosophischen und theologischen Fragen befaßt, knüpfte K. an die kritische Bibelforschung an, wie sie im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts vor allem von protestantischen Theologen ausgearbeitet worden war. Durch zahlreiche kritische Referate führte er wichtige Forschungsergebnisse der protestantischen Theologie in die jüdisch-theologische Debatte ein. Seine theologische Reformprogrammatik blieb auch nach seiner Auswanderung in vieler Hinsicht mit entsprechenden Positionen der zeitgenössischen liberalen Theologie in Deutschland verbunden. Umgekehrt flossen auch spezifische Einsichten des amerikanischen Reformjudentums in den »Grundriss einer systematischen Theologie des Judentums« und andere in Deutschland veröffentlichte Werke ein. So übernahm K. eine wichtige doppelte Vermittlungsfunktion, einerseits zwischen dem liberalen Judentum beider Kontinente und andererseits zwischen jüdischer und christlicher Theologie. - Die »geschichtliche Grundlage«, auf die K. die jüdische Theologie stellen will, bedeutet für ihn, einen Gegenstand aus seiner prinzipiell unabgeschlossenen geschichtlichen Entwicklung heraus zu verstehen, die er von den Anfängen der biblischen Tradition über die Auffassungen der Propheten, Rabbinen sowie der großen mittelalterlichen Religionsphilosophen bis zur Gegenwart durchlaufen hat. Dabei legt K. großen Wert darauf, die religionsgeschichtlichen, insbesondere babylonischen und persischen, Einflüsse aufzuzeigen, die das Judentum rezipiert und jeweils auf spezifische Weise umgeformt hat. Die Tendenz der Entwicklung des Judentums geht von einer sinnlich-äußerlichen hin zu einer geistig-innerlichen Religion. Dem entspricht die »doppelte Geistesströmung«, die K. im Judentum ausmacht: »eine priesterlich-gesetzliche Richtung, die Staat und Tempel durch Rechts- und Ritualbestimmungen ordnen, also das Volks- und Privatleben gesetzlich regeln will, und eine prophetisch-ethische Richtung, die das sittlich-religiöse Bewusstsein des Menschen und der Menschheit wecken und heben will« (Grundriss, 35). K. vertritt hier eine klare Position: »Unserem heutigen religiösen Bewusstsein jedoch ist der traditionelle Glaube, dass das mosaische Gesetzbuch, das Fünfbuch der Thora mitsamt der rabbinischen Auslegung unmittelbar von Gott dem Moses auf dem Sinai übergeben worden, als allen Gesetzen des Denkens zuwiderlaufend unannehmbar, und wir sind innerlich genötigt, uns auf den Standpunkt der Propheten zu stellen, die von der Thora als dem allen schriftlichen Gesetzessammlungen zugrunde liegenden ungeschriebenen Gesetz der Sittlichkeit sprachen« (Ebd., 36). Die Orthodoxie, die die priesterlich-gesetzliche Richtung vertrete, versuche in der Gegenwart einen Standpunkt zu repristinieren, der entwicklungsgeschichtlich bereits seit dem Auftreten der Propheten prinzipiell überwunden sei. Denn die Propheten haben die »kindliche Stufe« der religiösen Entwicklung abgeschlossen, wenn sich auch ihre Einsichten in der Folge nicht vollständig durchgesetzt haben. »Sobald jedoch der moderne Jude aus der Vormundschaft blinden Autoritätsglaubens sich zu befreien unternahm und nach dem Zwecke all der Schranken, die das Gesetz ihm auferlegte, fragte, da ging die tausendjährige Gesetzestreue in die Brüche. [...] Gebieterisch trat da an die vom prophetischen Geist erfüllten Führer die Pflicht heran, den Grundgedanken des Priesterheiligkeitsgesetzes zu erspähen und demgemäss den Kern von der Schale zu sondern. Es galt der den Buchstaben vergötternden Orthodoxie gegenüber festzustellen, dass weder die Absonderung Israels von der Welt, die es für die göttliche Wahrheit vollends zu gewinnen hat, an sich Selbstzweck sein kann, noch blinde Gesetzesübung wahre Frömmigkeit bedeutet« (Grundriss, 265-266). Die Parallelen zu Reformansätzen im liberalen Protestantismus, wie z.B. bei Adolf von Harnack (1851-1930), reichen hier bis in die Terminologie. Auch Harnack unterschied scharf zwischen einem Kern - bei ihm das von Jesus verkündigte Evangelium - und einer grundsätzlich verzichtbaren Schale, die nach Harnack, ähnlich wie bei K., in Dogma und Ritus bestand. Harnacks Bemühen darum, daß solche peripheren Elemente den Blick auf das »Wesen des Christentums« nicht verstellen sollten, führte zu zahlreichen Kontroversen, aufgrund derer Harnack für die christlich-protestantische Orthodoxie ebenso untragbar schien wie K. für die jüdische. Die scharfe Abgrenzung von der Orthodoxie, wie K. sie vornahm, darf jedoch seiner Ansicht nach nicht zu einer Spaltung des Judentums führen. K. will daher von Sonderlehren, die nur für das Reformjudentum gelten, nichts wissen. So kann etwa, nach David Neumark, einem Kohler-Schüler, auch der orthodoxe Jude in K.s »Grundriss einer systematischen Theologie des Judentums« ein getreues Bild seines Judentums finden (Dr. Kohler's Systematic Theology, in: Studies in Jewish Literature, 32). Der Gegensatz liegt K. zufolge nicht in einzelnen Inhalten, sondern im »Prinzip der Stabilität«, das die Orthodoxie »in Verkennung alles geschichtlichen Werdens« geltend mache (Die dreizehn Artikel des Maimonides und das Glaubenssystem des modernen Judentums, in: Allgemeine Zeitung des Judentums. Jahrgang 1906, 417). - Zwar teilt K. die seit Hermann Cohen für das liberale Judentum charakteristische, vom Prophetismus her vorgenommene Bestimmung des Judentums als Religion des ethischen Monotheismus. Doch betont er auf der anderen Seite deutlicher als viele andere jüdische Theologen, daß auch die Propheten Teil einer geschichtlichen Entwicklung sind, deren Ausdrucksformen insgesamt vom aufgeklärten, den Erkenntnissen der modernen (Natur-)Wissenschaften verpflichteten »heutigen religiösen Bewusstsein« aus kritisch geprüft werden müssen. Dieses religiöse Bewußtsein - und nicht eine aus der Tradition gewonnene Norm - ist für K. die entscheidende Instanz der Beurteilung. K. geht dabei von einer der Religion vorgegebenen einheitlichen modernen Weltanschauung aus. Traditionelle Annahmen wie die vom Menschen als dem Zweck der Schöpfung, der herkömmliche Auferstehungsglaube oder die biblischen Wunderberichte werden von daher verworfen. K. zielt jedoch nicht auf einen radikalen Rationalismus ab. »Allein wie die Quelle aller Religion und Sittlichkeit nicht der Verstand, sondern das Herz, das Gemütsleben mit seinen Gefühlen und Willenskräften ist, so ist jede Einseitigkeit der Verstandesbildung [...] der Religion nachteilig« (Grundriss, 340). So groß auch die Sympathie ist, die K. grundsätzlich für die jüdische Religionsphilosophie des Mittelalters mit ihrer vernünftigen Kritik an anthropomorphen Gottesbildern und anderen sinnlich-äußeren Elementen jüdischer Frömmigkeit erkennen läßt, so macht er ihr doch immer wieder zum Vorwurf, daß sie die berechtigten Bedürfnisse des religiösen Gemütes zuwenig berücksichtigt habe. Der Glaube an die göttliche Fürsorge vor allem dürfe keinesfalls durch philosophische Kritik destruiert werden. Er sei vielmehr in der göttlichen Offenbarung gegründet, welche das religiöse Empfinden als »Himmelsleiter [...] in das Reich des Unfassbaren« hineinragen sehe. »Die Vernunft kann und soll dem Offenbarungsinhalt stets als Korrektiv dienen, die angeschaute Wahrheit stets von neuem läutern, vertiefen und vergeistigend durchdringen; Quelle der Wahrheit kann sie nimmer sein« (Ebd., 53). - Obwohl K. die traditionellen Gottesprädikate der Allmacht, Allwissenheit, Allgegenwart und Ewigkeit Gottes durchaus zu würdigen weiß, ist sein Interesse an metaphysischer Spekulation sehr gering. Das überweltliche Wesen Gottes muß uns ewig unbegreiflich bleiben. Neben der Einheit und Einzigkeit Gottes - der »Grundlehre und Grundbedingung des Judentums« - legt K. vor allem Wert darauf, an Gott als dem »höchsten Selbstbewußtsein« festzuhalten. Das religiöse Bewußtsein könne nicht wie das philosophische Denken von einer göttlichen Persönlichkeit abstrahieren. Auch durch die Evolutionstheorie Charles Darwins (1809-1882), die K. als einer der ersten jüdischen Theologen positiv aufnimmt, könne der »Glaube an eine Schöpfungstat Gottes« nicht beeinträchtigt werden. »Worauf es uns wirklich ankommt, ist die freie Tätigkeit Gottes als der schöpferischen Macht im Gegensatz zur willenlosen Naturnotwendigkeit, bei der die heidnische Philosophie anlangt und stehen bleibt« (Ebd., 115). Allen Nachdruck legt K. nur auf diejenigen Eigenschaften Gottes, »die uns die eigene sittliche Natur kennen lehrt und die dem ganzen Dasein eine höhere sittliche Bedeutung verleihen«. Der auch für eine breite Strömung christlicher Theologie seit dem 19. Jahrhundert charakteristische, sich an Kant und Schleiermacher orientierende Einsatz beim religiösen Bewußtsein des Menschen zeigt sich hier darin, daß, so K., »Gott als Träger der sittlichen Weltordnung ein Postulat des Glaubens ist« (Ebd., 222). Nur das Judentum habe jedoch »das sittliche Wesen der Gottheit klar begriffen und in dem Ausdruck `Heiligkeit' den Begriff höchster sittlicher Vollkommenheit geschaffen« (Ebd., 75-76). Der Mensch solle mit seinem Handeln der Heiligkeit Gottes entsprechen. Gerechtigkeit und Liebe Gottes seien zugleich Leitbilder für das sittliche Handeln des Menschen, wobei das »höchste Prinzip der Sittlichkeit« nicht wie im Christentum die Liebe sei, »die nur gar zu oft den Rechtszustand untergräbt und die Gesellschaft, statt sie zur Tugend zu erziehen, verweichlicht, sondern die Gerechtigkeit, die die sittliche Kraft in jedem entfaltet und hebt« (Ebd., 90). - So wird schon in der Gotteslehre, die auf das sittliche Handeln des Menschen hin abzielt, deutlich, daß nach K. die Anthropologie, die Theorie des Menschen als eines ethischen Subjektes, das Zentrum der Religion darstellt. Der Mensch kann und soll mit seinem Handeln Gott entsprechen, weil er als Gottes Ebenbild geschaffen wurde; »sein geistig-sittliches Streben ist Abglanz und Entfaltung der Gottesnatur« (Grundriss, 155). Gegenüber der christlichen Lehre von der Erbsünde betont K. die unverlierbare sittliche Freiheit des Menschen, die die Verwirklichung seiner Gottesebenbildlichkeit im sittlich guten Handeln überhaupt erst möglich macht. Da im übrigen die Gottesebenbildlichkeit Mann und Frau gemeinsam zukommt, ergibt sich für K. die volle religiöse Gleichberechtigung der Frau. Sie hat im Reformjudentum zur Ersetzung der Bar-Mizwa-Feier, in der traditionell nur der männliche Jugendliche am Ende seines dreizehnten Lebensjahres zum vollberechtigten Mitglied der jüdischen Gemeinschaft erklärt wird, durch die Konfirmation geführt. - Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen versteht K. nicht primär als habituelle Würde, sondern vornehmlich als Befähigung des Menschen zu sittlicher Verantwortung. Ebenso ist K. zufolge auch die Erwählung Israels nicht primär Privileg als vielmehr Aufgabe. Sie schließt auch Leiden ein. Wie sich Gott im sittlichen Handeln seines menschlichen Ebenbilds der Welt vermittelt, so vermittle er sich der Menschheit durch Israel. Als »das Priestervolk« führe Israel die Menschheit »zur Zionshöhe« empor, »die mit jedem Aufstieg der Zeiten sich weiter emporhebt, bis dass [...] sie, alle Gipfelpunkte der Menschheitsideale überragend, die erhabenste Spitze aller Geisteshöhen der Völker und der Zeiten bildet und alle Geister, alle Herzen zu Gott, dem Einen, emporträgt« (Grundriss, 275). Israels »Erbtugenden«, die es nach K. zu seinem weltgeschichtlichen Beruf befähigen, sind wiederum rein sittlicher Art: »seine strenge Sittsamkeit, seine Barmherzigkeit und seine tätige Menschenliebe« (Ebd., 247-248). Das Judentum wird somit als entscheidender Faktor des kulturellen und sittlichen Fortschritts gesehen, der erst im diesseitig vorgestellten Idealzustand der im Glauben an den einen Gott vereinten Menschheit sein Ziel finde, wenn nämlich die »Ideale sozialer Gerechtigkeit« im Gottesreich verwirklicht seien (Ebd., 341-342). In seiner Erwählung sei der grundsätzliche Optimismus des Judentums begründet. Dieser Optimismus führt zu der Auffassung, daß der Fortschritt in der Welt ein stetiger ist und das Ziel erreicht werden wird. Eine solche Entwicklung könne freilich nur durch die reformorientierten Kräfte im Judentum vorangebracht werden, die den universalen Charakter des Judentums weder durch die religiöse Engführung der Orthodoxie noch durch die nationale Engführung des Zionismus preisgeben. - Eine wichtige förderliche Wirkung des Judentums auf die Menschheit ist nach K. auch durch die jüdischen »Tochterreligionen«, das Christentum und den Islam, erfolgt. Beide werden als solche durchaus positiv gesehen. Das Christentum, dessen Leistungen auf kulturellem Gebiet K. ausdrücklich anerkennt, sei jedoch in vieler Hinsicht hinter den im Judentum erreichten Stand der religiösen Entwicklung zurückgefallen. Die nach K. zentralen Inhalte des Judentums, die Einzigkeit Gottes und die zentrale Bedeutung des sittlichen Handelns, seien vom Christentum aufgegeben worden. An die Stelle des Monotheismus seien Trinität und Marienkult, an die Stelle optimistischer Diesseitigkeit pessimistische Jenseitigkeit getreten. Statt sittlichem Handeln aus Freiheit rücke das Christentum die Erlösung von der Erbsünde durch Glauben und Sakramente in den Mittelpunkt. Wie K. unter Berufung auf Hermann Cohen und Leo Baeck (1873-1956) feststellt, ist das Christentum »seinem Wesen nach eine mythologische, das Judentum eine ethische Religion« (Die dreizehn Artikel des Maimonides und das Glaubenssystem des modernen Judentums, in: Allgemeine Zeitung des Judentums. Jahrgang 1906, 417). Jesus selbst hält K. für einen der zahlreichen Messiasprätendenten, mit dessen Tod sich allerdings die »erregte Phantasie« seiner Anhänger nicht abfinden konnte. Verantwortlich für die negative Entwicklung des Christentums sei vor allem Paulus. Mit seiner Deutung des Kreuzestodes Jesu als eines sühnenden Opfers des Gottessohnes habe er eine heidnische Mythologie in die christliche Lehre eingeführt. Die »paulinische Kirche« habe dem Christentum schließlich »den Judenhass eingeimpft, der bis zum heutigen Tage fortwuchert und das Evangelium der Liebe zur Quelle des Religionshasses gemacht hat« (Grundriss, 321). Dies bedeute eine völlige Verkennung dessen, daß »nicht ein Jude, nein, der Jude, der Gottessendling, [...] der Völker Heiland heissen« werde (Ebd., 282). - Im Vergleich mit dem Christentum hat sich nach K. der Islam »als besserer Sohn Abrahams« bewährt (Ebd., 315). Sein klarer Monotheismus und seine Verdienste um die freie wissenschaftliche Forschung im Mittelalter haben ihn nach K. zu einem »unschätzbaren Bundesgenossen« des Judentums gemacht. Allerdings stehe er noch zu sehr auf einer sinnlich-äußerlichen Entwicklungsstufe, der insbesondere die jüdische Hoffnung auf eine vereinte Menschheit fehle. K. sieht freilich im zeitgenössischen Islam bedeutende Reformbestrebungen am Werk und erkennt auch die Zielsetzungen der »Neuchristen unter Harnacks Führung« innerhalb der protestantischen Kirche ausdrücklich an. Zumindest bis die inferioren Elemente überwunden sind, bleibe aber die reine Einsicht dem Judentum vorbehalten. Ihm steht es als der »Mutter« zu, über die Wahrheit der Tochterreligionen zu befinden, die in keinem wesentlichen Punkt über das Judentum hinausgelangt sind und denen daher, wie auch anderen Religionen, eher eine auf die reine Wahrheit vorbereitende Funktion zukommt. - Von seiten der protestantischen Theologie ist vor allem K.s Stellungnahme zum Christentum wahrgenommen worden. So begrüßte etwa der Gießener Neutestamentler Wilhelm Bousset (1865-1920) zwar »mit einer gewissen Freude«, daß sich bei K. »ein etwas freieres und weiteres Urteil zeigt« (Theologische Literaturzeitung 37 (1912), 227), jedoch habe er »im ganzen und großen doch nicht [...] diejenige gerechte Beurteilung des Christentums erreicht [...], die ihm auch von seinem Standpunkt aus möglich gewesen wäre« (Ebd., 228). K.s Beurteilung des Paulus stehe »wirklich noch auf derselben Höhe, wie die der fanatischen und fanatisierten Judaisten, die wir aus dem Leben des Paulus kennen« (Ebd., 229). - Aus heutiger Sicht stellt sich K.'s theologischer Entwurf als einer der entschiedensten Versuche dar, jüdisches Denken mit der Moderne zu versöhnen. Hierin ist er entsprechenden Entwürfen auf christlicher Seite, besonders im liberalen Protestantismus, ebenbürtig. Insofern die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Moderne nach wie vor ein dringendes Anliegen aller Religionsgemeinschaften sein muß, verdient K.s Werk größere Beachtung, als ihm bislang zuteil wurde. Insbesondere aufgrund seiner religionsübergreifenden Perspektive vermag dieses Werk auch der christlichen Theologie und Kirche der Gegenwart wichtige Anfragen und Anregungen zu vermitteln.
Archivalien: Der Nachlaß Kohlers (Kaufmann Kohler Papers) befindet sich in den American Jewish Archives (AJA), Cincinnati (Ohio / USA). Er umfaßt im wesentlichen Manuskripte, Belegexemplare von Publikationen, vor allem von Zeitungsartikeln, amtliche Dokumente und Korrespondenzbestände. Eine detaillierte Übersicht ist als Internet-Publikation (huc.edu/aja) zugänglich.
Bibliographie: Adolph S. Oko: Bibliography of Rev. Kaufmann Kohler, Ph. D. 1867-1913, in: Studies in Jewish Literature issued in Honor of Professor Kaufmann Kohler, Ph. D., on the Occasion of his Seventieth Birthday May the Tenth Nineteen Hundred and Thirteen, Berlin 1913, 266-301. - Die folgende Bibliographie nennt lediglich eine Auswahl der wichtigsten Veröffentlichungen.
Separate Werke: Der Segen Jacob's. Mit besonderer Berücksichtigung der alten Versionen und des Midrasch, kritisch-historisch untersucht und erklärt. Ein Beitrag zur Geschichte des hebräischen Alterthums wie zur Geschichte der Exegese, Berlin 1867; Die Bibel und die Todesstrafe. Eine Zeitfrage vom kritisch-historischen Standpunkte aus betrachtet, Leipzig o.J. [1868]; Das neue Wissen und der alte Glaube. Vortrag zum ersten Sonntagsgottesdienste am 18. Jan. [1874], gehalten vor der Sinai-Gemeinde, Chicago 1874; Das Hohe Lied. Übersetzt und kritisch neubearbeitet von K. Kohler, New York 1878; Moses Mendelssohn and modern Judaism. A lecture delivered before the Y. M. H. A., Louisville 1879; Deutschland und die Juden. Der jüdische Cosmopolitismus. Zwei Abhandlungen, Milwaukee, Wis. 1881; Chronological table of Jewish history, New York 1881; The ethical basis of Judaism, New York 1887 (Nachdruck in: American Hebrew 29 [1887]); Manual of religious instruction, New York 1887; What is Judaism? Lecture delivered Oct. 23, New York 1887 (Series of Sunday lectures published by the Temple Beth-El, New York, Nr. 2) (Nachdruck in: Menorah 3 [1887]); The Bible in the light of modern research. Lecture delivered Nov. 13, New York 1887 (Series of Sunday lectures published by the Temple Beth-El, New York, Nr.5); Prejudice. Lecture delivered Nov. 20, New York 1887 (Series of Sunday lectures published by the Temple Beth-El, New York, Nr. 6); The fallacies of agnosticism. Lecture delivered Feb. 12, New York 1888 (Series of Sunday lectures published by the Temple Beth-El, New York, Nr. 14); Jew and Gentile. Lecture delivered Apr. 15, New York 1888 (Series of Sunday lectures published by the Temple Beth-El, New York, Nr. 23); Principle of ethics. Lecture delivered Apr. 22, New York 1888 (Series of Sunday lectures published by the Temple Beth-El, New York, Nr. 24); Christianity vs. Judaism. A rejoinder to the Rev. Dr. R. Heber Newton. Lecture, New York o. J. [1890]; Moses and Jesus. Lecture, New York 1892; Haben wir nicht alle einen Vater? Zwei Zeitpredigten, New York 1892; Synagogue and church in their mutual relations, particularly in reference to the ethical teachings, Chicago o. J. [1893] (Nachdruck in: Reform Advocate 6 (1893), und in: Judaism at the World's Parliament of Religions, Cincinnati 1894); The Psalms and their place in the liturgy, Philadelphia 1897; Guide for instruction in Judaism. A manual for schools and homes, New York 1898 (Vierte Auflage: New York 1907); The historical development of Jewish charity. Paper read before the Chautauqua session July 26, 1903, Chicago o. J. [1903]; Grundriss einer systematischen Theologie des Judentums auf geschichtlicher Grundlage, Leipzig 1910 (Schriften der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin) [Nachdruck der deutschen Ausgabe: Hildesheim 1979]; Jewish Theology systematically and historically considered, New York 1918 [Nachdruck: New York 1968]; Heaven and hell in comparative religion. With special reference to Dante's Divine Comedy, New York 1923; The origins of the Synagogue and the Church. With a biographical essay. The Kaufmann Kohler memorial volume. Edited by Hyman Gerson Enelow, New York 1929 [Nachdruck: New York 1973 (The Jewish people)]; Studies, Addresses, and Personal Papers, New York 1931; A living faith. Selected sermons and addresses from the literary remains of Dr. Kaufmann Kohler. Edited by Samuel S. Cohon, Cincinnati 1948.
Aufsätze und Artikel: Aus Briefen, in: Jüdische Zeitschrift 6 (1868), 70-73. 232.233. 291-292; Unsere jetzigen Reformbestrebungen, in: Jewish Times 1 (1869). Nr. 17-18; Die Stellung Israels in der Weltgeschichte. Eine Reihe religionsgeschichtlicher Betrachtungen, in: Jewish Times 1 (1869). Nr. 52 / 2 (1870). Nr. 1-2. 7-9. 11; Die fortschreitende Kultur und die Religion, in: Jewish Times 3 (1871). Nr. 42-43; Aufruf zur Gründung einer Geigerstiftung zum Behufe einer allgemeinen Verbreitung der sämmtlichen Geiger'schen Schriften, in: Jewish Times 6 (1874). Nr. 40; Jesus of Nazareth, in: Jewish Times 7 (1875). Nr. 48; Das Christenthum, seine Entstehung und Ausbreitung, seine Blüte und sein Verfall, in: Jewish Times 7 (1875), Nr. 51; Baruch Spinoza. Sketch of the life and labours of the great philosopher, in: Jewish Times 9 (1877). Nr. 3; The Old Testament, or: The sacred books of the Jews. An essay, in: Unity 2 (1878). Nr. 6; Geiger, Holdheim und Einhorn, die drei Pioniere des Reform-Judenthums. Vortrag, in: Zeitgeist 1 (1880), 173-175. 190-191; Atheismus und Pessimismus, die Modekrankheiten unserer Zeit, in: Zeitgeist 2 (1881), 46-48; Die Dunkelmänner und die Zukunft des Judenthums. Vortrag, in: Zeitgeist 2 (1881), 132-133; Die jüdische Wissenschaft und das jüdische Leben. Ein Schreiben an einen jungen Theologen in Deutschland, in: Zeitgeist 3 (1882), 10-12; Die Arbeiterfrage, in: Jewish Reformer 1 (1886). Nr. 8; Die Frau im Bild der Volkssitte und des Eherechtes, in: Jewish Reformer 1 (1886). Nr. 10 u. 12; Is the Golden rule of Christian or Jewish origin?, in: Jewish Reformer 1 (1886). Nr. 12; Jesus and Christianity, in: Jewish Reformer 1 (1886). Nr. 18; The Jew's share in Occidental civilization, in: Jewish Reformer 1 (1886). Nr. 15; Das Reform-Judentum und die Würdigung des Weibes, in: Jewish Reformer 1 (1886). Nr. 6; Vorbedingungen und Mißgriffe in der häuslichen Erziehung, in: Jewish Reformer 1 (1886). Nr. 16; What constitues Judaism?, in: Jewish Reformer 1 (1886). Nr. 14; Wissenschaft und Judenthum, in: Jewish Reformer 1 (1886). Nr. 19; The basis of Jewish ethics, in: Menorah 5 (1888), 331-334; Die chaldäischen Namen Daniels und seiner drei Freunde, in: Zeitschrift für Assyriologie 1 (1889), 46; The messianic mission of the Jew, in: American Hebrew 37 (1889), 211-212; Sage und Sang im Spiegel jüdischen Lebens, in: Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland 3 (1889), 234-242; Chanuka and Christmas, in: Menorah 9 (1890), 305-314; What is the future of Judaism? Of Christianity? What is the use of conversion?, in: Peculiar people, April 1890; Der Antheil der Araber, Juden und Deutschen an der Entdeckung und culturellen Entwickelung Amerikas. Vortrag, gehalten vor der Deutschen Historischen Gesellschaft von New York, in: Neuzeit 31 (1891), 245. 277-278. 284-285. 293; The religious status of the Jews [Entgegnung auf Hermann Leberecht Strack: The diaspora and the religious status of the Jews], in: The Independent, Juli 1891; The cradle of Christianity. Chapters from a forthcoming work, in: Menorah 12 (1892), 265-281. 363-375 / 13 (1892), 17-31; The discovery of America: its influence upon the world's progress, and its especial significance for the Jews, in: Menorah 13 (1892), 234-242; Moses and Jesus. Lecture, in: Menorah 12 (1892), 158-168; Human brotherhood as taught by the religions based on the Bible, in: John Henry Barrows (Ed.): The world's parliament of religions. An illustrated and popular story of the world's first parliament of religions, Vol. 1, Chicago 1893, 366-373 (Nachdruck in: Judaism at the World's Parliament of Religions, Cincinnati 1894); Is Reform Judaism destructive or constructive?, in: C.C.A.R.-Year Book 3 (1893), 101-114; Über die Ursprünge und Grundformen der synagogalen Liturgie. Eine Studie, in: Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judenthums 37 (1893), 441-451. 489-497; The ethics of the Talmud. With a special reference to anti-Semitic accusations, in: American Hebrew 54 (1894), 136. 159-162. 263-264. 314-317. 342-344. 459-461. 487-488. 523-525. 551-553. 619-621. 647-649. 759-761; Der Gott Israels, in: Jeschurun 3 (1894), 401-403; The inadequacy of Christian ethics, in: Reform Advocate 7 (1894), 69-71; Professor Moritz Lazarus, in: Menorah 17 (1894), 193-205 (Nachdruck in: American Hebrew 55 [1894], 612-616); Über die Bedeutung des Reform-Judenthums, in: Populärwissenschaftliche Monatsblätter 14 (1894), 103-108; Was Paul a great religious genius?, in: American Hebrew 55 (1894), 77-79; The sayings of Jesus, in: American Hebrew 62 (1897), 169-170. 225-226; The Testament of Job. An Essene Midrash on the Book of Job. Reedited and translated with introductory and exegetical notes, in: George Alexander Kohut (Hg): Semitic studies in memory of Alexander Kohut, Berlin 1897, 264-338; The New Testament in the light of Judaism. Lecture, in: Jewish Exponent 28 (1898), Nr. 9 (Nachdruck in: Homiletic Review 37 [1897]); The relation between Jew and non-Jew. Discourse, in: Menorah 26 (1898), 349-355; Sage und Sang im Spiegel jüdischen Lebens, in: Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland 3 (1898), 234-242; Abba, father. Title of spiritual leader and saint, in: Jewish Quarterly Review 13 (1901), 567-580; Zachariah Frankel, in: Menorah 31 (1901), 364-366; The attitude of Christian scholars toward Jewish literature, in: Menorah 33 (1902), 91-101; Three discourses on Jewish ethics. With special reference to the Decalogue, in: Papers presented at the fifth annual session of the summer assembly of the Jewish Chautauqua Society, Philadelphia 1902, 71-91; Zur Beleuchtung jüdischer Sagen und Bräuche, in: Mitteilungen d. Gesellschaft für jüdische Volkskunde (1902), Nr. 1; What a Jewish institution of learning should be. Inaugural address, in: American Hebrew 73 (1903), 734-736. 760-763 (Nachdruck in: Reform Advocate 26 [1903], und in: Menorah 35 [1903]); The four ells of the Halakah, and the requirements of a modern Jewish theological school, in: Hebrew Union College Annual 1 (1904), 8-25; Maimonides and Rashi. Lecture, in: Reform Advocate 30 (1905), 38-41 (Nachdruck in: Menorah 39 [1905]); Report of the Committee on the Theological Aspect of Reformed Judaism, and on a motion to have a creed of Reformed Judaism prepared for final adoption by a synod. By K. Kohler, chairman, in: Reform Advocate 29 (1905), 694-697. 721-723. 748-750. 773-774; Room for all. Address, in: The two hundred and fiftieth anniversary of the settlement of the Jews in the United States. Addresses, o. O. [New York] 1905, 131-141; Die dreizehn Artikel des Maimonides und das Glaubenssystem des modernen Judenthums, in: Allgemeine Zeitung des Judentums 35-41/1906, 416-417. 428-429. 437-439. 450-451. 464-466. 478-479. 487-488; The dangers, the fallacies and the falsehoods of Zionism, in: Reform Advocate 33 (1907), 258-259. 283-285. 349-350; The conflict between realism and idealism, in: Modern sermons by world scholars, New York o. J. [1909], 137-148; David Einhorn, the uncompromising champion of Reform Judaism. A biographical essay. Written for the one hundredth anniversary of his birth, in: C.C.A.R.-Year Book 19 (1909), 215-270; Das Reformjudentum und die deutsche Judenheit, in: Liberales Judentum 1 (1909), 193-197; Abraham Geiger, der Baumeister des modernen Judentums, in: Allgemeine Zeitung des Judentums 44 (1910), 402-403. 412-414; Gustav Karpeles, in: American Jewish Historical Society - Publications 19 (1910), 184-189; Seltsame Vorstellungen und Bräuche in der biblischen und rabbinischen Literatur. Ein Beitrag zur vergleichenden Sagenkunde, in: Archiv für Religionswissenschaft 13 (1910), 75-84. 153-154; Die Nächstenliebe im Judentum. Eine historische Studie, in: Judaica. Festschrift zu Hermann Cohens 70. Geburtstage. Herausgegeben von Ismar Elbogen, Berlin 1912, 470-480 (Nachdruck: New York 1980).
Predigten und Reden: Dr. Abraham Geiger. Gedächtnisrede, in: Jewish Times 6 (1874). Nr. 40; Die Prinzipien und Ziele des Reform-Judenthums. Antrittsrede, gehalten am 6. September 1879 vor der Beth-El-Gemeinde in New York, in: Zeitgeist 1 (1880), 58-60; Natürliche Religion. Predigt, in: Zeitgeist 1 (1880), 398-399; Die Messiasmission des Judenthums. Predigt, in: Zeitgeist 2 (1881), 388-389; Alte und moderne Wohlthätigkeit. Predigt, in: Jewish Reformer 1 (1886). Nr. 1; Leopold Zunz. Gedenkrede, in: Jewish Reformer 1 (1886). Nr. 13; Moses Mendelssohn. Rede, in: Jewish Reformer 1 (1886). Nr. 3; Symbol oder Wesen? Buchstabe oder Geist? Predigt, in: Jewish Reformer 1 (1886). Nr. 7; Zur Erinnerung an Samuel Hirsch. Gedächtnisrede, in: Populärwissenschaftliche Monatsblätter 9 (1889), 265-268; The priestly blessing. Farewell sermon at Temple Beth-El, in: American Hebrew 73 (1903), 113-115 (Nachdruck in: Menorah 35 [1903]); Religion is peace. Sermon, in: American Hebrew 77 (1905), 379-380 (Nachdruck in: Menorah 39 [1905]).
Herausgeber: David Einhorn: Ausgewählte Predigten und Reden. Herausgegeben von K. Kohler, New York 1880 (Neuausgabe: David Einhorn: Memorial volume. Selected sermons and addresses. Edited with a biographical essay by K. Kohler, New York 1911).
Rezensionen: David Strauss' Alter und neuer Glaube [Rezension zu: David Friedrich Strauß: Der alte und der neue Glaube. Ein Bekenntnis, Leipzig 1872], in: Jewish Times 4 (1872). Nr. 52 / 5 (1873). Nr. 1; E. v. Hartmann's »Selbstzersetzung des Christenthums und die Religion der Zukunft« [Berlin 1874], in: Jewish Times 6 (1874). Nr. 43-45; Alexander Kohut: Moses Mendelssohn und seine Familie. Eine Festschrift zum 100jährigen Todestage M. Mendelssohns, in: Jewish Reformer 1 (1886), Nr. 4; S. Schindler: Messianic expectations and modern Judaism, Boston 1886, in: Jewish Reformer 1 (1886), Nr. 16; »Loyal and free.« Addresses and lectures by M. Lazarus [zu Moritz Lazarus: Treu und frei. Gesammelte Reden und Vorträge über Juden und Judenthum, Leipzig 1887], in: American Hebrew 32 (1887), 84-84; Morris Jastrow: Talmudic dictionary, London 1886-1888, in: Hebraica 5 (1888), 1-6; Julius S. Spiegler: Geschichte der Philosophie des Judenthums. Nach den neuesten Forschungen dargestellt, Leipzig 1890, in: Jewish Messenger. Ausgabe vom 12. September 1890; Crawford H. Toy: Judaism and Christianity. A sketch of the progress of thought from Old Testament to New Testament, Boston 1891, in: Jewish Messenger 69 (1891), Nr. 7, 10-11; Josephine Lazarus: The spirit of Judaism, New York 1895, in: Menorah 18 (1895), 321-332 (Nachdruck in: American Hebrew 58 [1895]); Anatole Leroy-Beaulieu: Israel among the nations. A study of the Jews and antisemitism. Translated by F. Hellmann, New York 1895, in: American Hebrew 58 (1895), 129-132; A. Wiener: Die jüdischen Speisegesetze, Breslau 1895, in: Allgemeine Zeitung des Judentums 59 (1895), 245-247. 257-259; Moritz Lazarus: Die Ethik des Judenthums, Frankfurt am Main 1898, in: American Hebrew 63 (1898), 782; Juda Bergmann: Jüdische Apologetik im neutestamentlichen Zeitalter, Berlin 1908, in: American Journal of Theology 13 (1909), 444-446; Eine Prophetenstimme aus dem Grabe [zu Moritz Lazarus: Die Erneuerung des Judentums. Ein Aufruf, Berlin 1909], in: Liberales Judentum 1 (1909), 233-236.
Lit.: Wilhelm Bousset: [Rezension von] Kohler, Rekt. Dr. Kaufmann: Grundriss einer systematischen Theologie des Judentums auf geschichtlicher Grundlage, in: Theologische Literaturzeitung 37 (1912), 227-230; - Studies in Jewish Literature issued in Honor of Professor Kaufmann Kohler, Ph.D., on the Occasion of his Seventieth Birthday May the Tenth Nineteen Hundred and Thirteen, Berlin 1913 [Nachdruck: New York 1980]; - Hyman Gerson Enelow: Kaufmann Kohler, New York 1926; - Eugen Pessen: Kohler, Kaufmann, in: Jüdisches Lexikon. Band III, Berlin 1929, 752-754; - Moritz Lazarus und Heymann Steinthal - Die Begründer der Völkerpsychologie in ihren Briefen. Mit einer Einleitung herausgegeben von Ingrid Belke (Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo-Baeck-Instituts. Band 21), Tübingen 1971; - Jacob Habermann: Kaufmann Kohler and his Teacher Samson Raphael Hirsch, in: Leo Baeck Institute Yearbook 43 (1998), 73-102.
Frank Surall
Matthias Wolfes
Literaturergänzung:
Kaufmann Kohler: Personal Reminiscences of my Early Life, Cincinnati (Hebrew Union College) 1918 (zuerst veröffentlicht in: Hebrew Union College Monthly, May 1918; 12 S., 3 Photos).
Letzte Änderung: 13.06.2006