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Band XV (1999)Spalten 799-826 Autor: Matthias Wolfes

KRACAUER, Siegfried, Schriftsteller und Journalist, * 8. Februar 1889 in Frankfurt am Main, † 26. November 1966 in New York. - K. kann als einer der wichtigsten Kulturphilosophen des zwanzigsten Jahrhunderts bezeichnet werden. Er ist als Essayist, als Feuilletonist, als Romanautor, als Kultur- und Wissenschaftskritiker, als Historiker und als Geschichtstheoretiker hervorgetreten. Als langjähriger Redakteur der Frankfurter Zeitung begründete K. einen neuen Stil feuilletonistischer Literatur. An der Etablierung des Kinos seit 1918 hatte K. als Filmkritiker maßgeblichen Anteil. Zugleich nahm er aber auch, was bisher kaum beachtet worden ist, besonders in den frühen zwanziger Jahren durch zahlreiche kritische Stellungnahmen Einfluß auf die zeitgenössischen theoretischen Debatten, so vor allem auch auf die religionsphilosophischen und theologischen Auseinandersetzungen der ersten Nachkriegszeit. - K. wurde als Sohn eines jüdischen Handelsreisenden in Frankfurt am Main geboren. Er besuchte seit 1898 das Philanthropin, das liberale Realgymnasium der Frankfurter Israelitischen Gemeinde, das jüdischen und christlichen Schülern gleichermaßen offenstand. An dieser Schule unterrichtete auch K.s Onkel, Isidor Kracauer (1852-1923), ein Historiker, der vor allem durch zahlreiche Studien zur Regionalgeschichte bekannt wurde und dessen zweibändige »Geschichte der Juden in Frankfurt am Main 1150-1824« (posthum herausgegeben 1925-1927) bis heute ein Standardwerk ist. Durch den Onkel und dessen Frau, bei denen K. nach dem frühen Tod des eigenen Vaters aufwuchs, wurde K. in das kulturelle Leben des Frankfurter Bildungsbürgertums eingeführt und früh schon zu eigener literarischer Arbeit angeregt. Bereits 1906 erschien der erste Feuilleton-Artikel K.s in der Frankfurter Zeitung. Von 1907 bis 1911 studierte K. in Darmstadt, Berlin und München Architektur. Anschließend arbeitete er als Architekt in einem Münchener Architektenbüro. 1914 promovierte K. an der Technischen Hochschule Berlin mit einer Arbeit über »Die Entwicklung der Schmiedekunst in Berlin, Potsdam und einigen Städten der Mark vom 17. Jahrhundert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts« (Worms 1915). Neben dem ansonsten stark mathematisch-technisch ausgerichteten Studium nahm K. in Darmstadt auch an den Vorlesungen des Privatdozenten Julius Goldstein (1873-1929) über »Hauptfragen der Ethik« teil. Goldstein wurde später mit einer Zeitschrift »Der Morgen« bekannt, die zwischen jüdischer und christlicher Religiosität zu vermitteln suchte. Während seiner Münchener Studienzeit besuchte K. weitere philosophische und soziologische Lehrveranstaltungen. Dem Ratschlag Georg Simmels (1858-1918), mit dem K. briefliche Verbindung aufgenommen hatte, sich ganz dem Philosophiestudium zu widmen, konnte K. nicht folgen. Ein ausgeprägtes künstlerisches Interesse regte ihn um 1912 zu langen Studienreisen nach Italien an. Den Ausbruch des Krieges im August 1914 erlebte der introvertierte, durch eine Sprachhemmung zusätzlich beeinträchtigte K. als Befreiung von den Gefühlen der Einsamkeit und der Selbst-Reflexion (vgl.: Vom Erleben des Kriegs, in: Preußische Jahrbücher 58 (1915), 410-422). Die euphorische Aufbruchstimmung der Zeit teilte auch er. Erst im Laufe des Jahres 1916, als bereits einige persönliche Bekannte Opfer des Krieges geworden waren, dazu auch infolge von Einwirkungen aus einer mittlerweile hergestellten Verbindung zu dem katholischen Philosophen und Kultursoziologen Max Scheler (1874-1928), traten Eindrücke in den Vordergrund, die K. zunehmend in Distanz zu der noch immer weit verbreiteten Zustimmung zur Kriegsführung der Reichsleitung brachten. Im September 1917 wurde K. selbst zum Kriegsdienst einberufen, doch mußte er an Kriegshandlungen im engeren Sinne nicht teilnehmen. Schon im Januar 1918 erhielt er eine Anstellung als Architekt im Stadtbauamt Osnabrück. In den Jahren von 1919 bis 1930 lebte K. in Frankfurt am Main. Zunächst ohne feste Anstellung, erhielt K. erst seit Jahresbeginn 1921 die Möglichkeit, regelmäßig für die Frankfurter Zeitung zu arbeiten. Bedingt zunächst auch durch die eigene prekäre berufliche Situation, dann verfestigt aufgrund von Eindrücken eines intensiven Studiums der zeitgenössischen philosophischen Literatur, erwuchs eine tief pessimistische Sicht der Gegenwartssituation. Sie fand Ausdruck in zahlreichen schriftstellerischen Projekten dieser Jahre, prägte aber auch das Privatleben sehr stark. Noch 1919 verfaßte K. eine ausführliche, bis heute, abgesehen vom Einleitungskapitel, unveröffentlichte Monographie zu »Georg Simmel. Ein Beitrag zur Deutung des geistigen Lebens unserer Zeit«. Gegen Ende des Krieges knüpfte K. eine später sehr intensive, dennoch nicht von schweren Enttäuschungen freie Freundschaft zu Theodor Wiesengrund-Adorno (1903-1969). Insbesondere diese Verbindung wurde durch eine gemeinsame gegenwartskritische Einstellung getragen. Adorno berichtete später, daß er mit K. über viele Jahre hindurch Kants »Kritik der reinen Vernunft« und andere philosophische Klassiker studiert habe. »Nicht im leisesten übertreibe ich, wenn ich sage, daß ich dieser Lektüre mehr verdanke, als meinen akademischen Lehrern« (Theodor W. Adorno: Der wunderliche Realist, 17-18). Auch zu Leo Löwenthal, der ebenso wie Adorno seit 1930 zum Mitarbeiterkreis des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main gehören sollte, nahm K. schon 1919 Kontakt auf. Er trat überdies in Verbindung zu dem jüdisch-religionsphilosophischen Reformkreis um Martin Buber (1878-1965) und Franz Rosenzweig (1886-1929); daneben unterhielt er weiterhin Kontakte zu Max Scheler. Zu diesem Zeitpunkt waren Simmels Relativismus und seine, allerdings der letzten metaphysischen Tiefe ermangelnde, Lebensphilosophie, dazu Max Webers scharfe Trennung zwischen Wertrelativismus und wissenschaftlichem Objektivitätsideal für K.s Weltbild die beiden wichtigsten Säulen. Daneben aber waren auch Georg Lukßcs' Auffassung von der im Werk Dostojewskis vorgebildeten Erfüllung der Sehnsucht nach einer sinnerfüllten Welt sowie Max Schelers religiös-katholische Phänomenologie von großer Bedeutung für K. Im Mittelpunkt seiner Weltsicht stand der Prozeß einer Entzauberung der Welt und der Beziehungen zwischen den Menschen. Die Wissenschaften leisten diesem als verhängnisvoll erfahrenen Geschehen nur Vorschub; einen Ausweg aus der Krise können sie nicht weisen (vgl. Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule. Geschichte - Theoretische Entwicklung - Politische Bedeutung, München 1986, 84-85). - Im August 1921 wurde K. endlich als fester Mitarbeiter mit Jahresgehalt bei der Frankfurter Zeitung angestellt. Bis zu seiner Kündigung im August 1933 war K. einer der produktivsten und vielseitigsten Autoren der Zeitung; er trug nicht unerheblich zu ihrem herausragenden Renommee während der späten zwanziger und frühen dreißiger Jahre bei. Auch bot ihm die Zeitungstätigkeit die ohnehin gesuchte Gelegenheit, sich intensiver mit philosophischen und soziologischen Themen zu beschäftigen. Die Bibliographie seiner Veröffentlichungen verzeichnet seit 1921 weit mehr als 1800 Beiträge für die diversen Ausgaben der Frankfurter Zeitung. Daneben publizierte K. in der »Weltbühne« Siegfried Jacobsohns (1881-1926), den »Neuen Blättern für Kunst und Literatur« und anderen Zeitschriften. Als Redaktionsmitarbeiter der Frankfurter Zeitung berichtete K. über lokale und regionale Ereignisse, über Stadtverordnetenversammlungen, über Messen und Ausstellungen, neue Filme und Lichtspieltheater, über Kongresse, Tagungen und einzelne Vorträge zu Themen der Kunstgeschichte, der Architektur, Philosophie, Soziologie, der Religion und Religionskritik, über Reformbewegungen in Schule und Hochschule, gelegentlich auch über Themen aus dem Bereich der jüdischen Religionsgemeinschaft. Seit 1924 konnte K. die lokale Berichterstattung zunehmend abgeben, dafür übernahm er nun als verantwortlicher Redakteur die Kritik des sich jetzt immer mehr durchsetzenden Filmes. - Eine Neuorientierung seines weltanschaulichen Denkens löste etwa 1925 die intensive Beschäftigung mit Karl Marx (1818-1883) aus, dessen Frühschriften K. zu einer ideologiekritischen »Hinwendung zum Konkreten, zur Empirie, zur Analyse der 'Oberflächenäußerungen'« anregten (vgl.: Siegfried Kracauer 1889-1966. Bearbeitet von Ingrid Belke und Irina Renz (Marbacher Magazin 47/1988), Marbach 1989, 37). Fortan standen die unscheinbaren, unbeachteten Phänomene des Alltags und seiner sozialen Formen, dahinter aber die Widersprüche und Konflikte der Gesellschaft im Mittelpunkt des Interesses. Der autobiographische Roman »Ginster« (Berlin 1928) steht ebenso wie das wohl berühmteste Buch K.s, »Die Angestellten. Aus dem neuesten Deutschland (Frankfurt am Main 1930), im Zeichen eines solchen materialistischen Umdenkens. Auch die zahlreichen kulturkritischen und literatursoziologischen Aufsätze, die K. später zum Teil in Sammelbänden vereinigt hat, bringen diese Haltung zum Ausdruck. Inwiefern die langjährige enge Freundschaft mit Adorno tatsächlich für K.s ideelle Neuorientierung verantwortlich ist und wie das komplexe persönlich-geistige Beziehungsgefüge zwischen K., Adorno, Löwenthal, Ernst Bloch, den jüdischen Religionsphilosophen um Buber und Rosenzweig sowie einigen weiteren späteren Mitarbeitern des 1924 gegründeten Frankfurter Instituts für Sozialforschung, darunter auch Max Horkheimer (1895-1973), K. geprägt hat, umgekehrt aber auch von ihm selbst mit beeinflußt worden ist, ist in den Einzelheiten bisher noch nicht völlig klar; zu dieser Frage bedarf es weiterer Forschung, für die vor allem auf die zum Teil erst jetzt zugänglich gewordenen Korrespondenzen zurückzugreifen sein wird. Neben seiner journalistischen Tätigkeit arbeitete K. 1922 eine ausführliche soziologische Studie aus, die unter dem Titel: »Soziologie als Wissenschaft« (Dresden 1922) erschien; jedoch eröffnete ihm diese Arbeit nicht die erhoffte wissenschaftliche Perspektive für seine Berufslaufbahn. Seit November 1924 war K.s Stellung im Redaktionsverband der Zeitung endgültig gefestigt, ein Umstand, den K. selbst immer wieder auch auf die Förderung durch den Leiter des Feuilletons, Benno Reifenberg (1882-1970), zurückführte. Anfang 1926 verband K. sich mit Elisabeth Ehrenreich, die seit 1924 als Bibliothekarin im Institut für Sozialforschung beschäftigt war. 1930 heirateten beide; die Ehe blieb kinderlos. Großen Erfolg hatte K. mit seinem Roman »Ginster«, der weithin als gültige Darstellung des Krieges, gespiegelt in einer sehr subjektiven Sichtweise, aufgefaßt wurde. Auch die im Reportage-Stil verfaßte Studie über die Lage der Angestellten fand starke Resonanz. Nach einem Vorabdruck in der Frankfurter Zeitung erschien das Buch im Januar 1930 in der Frankfurter Societäts-Druckerei. Im April 1930 wechselte K. aus der Frankfurter Zentralredaktion in die Berliner Redaktion der Frankfurter Zeitung, wo er die Leitung des Feuilletons übernahm. Dieser Wechsel stand im Zusammenhang mit einer großen personellen und politischen Neuausrichtung der Zeitung. Die Vorgänge, die auch weit über den Medienbereich hinaus für Aufsehen sorgten, wurden von K. in seinem zweiten autobiographischen Roman »Georg« (Niederschrift 1930 bis 1933; Erstpublikation: Frankfurt am Main 1973) dargestellt. Trotz der Unterstützung Thomas Manns, der bereits einen holländischen Verleger gefunden hatte, gelang es K. nicht, zu Lebzeiten den Roman zu veröffentlichen. - Zunächst gab der Umzug nach Berlin K. die willkommene Gelegenheit, die kulturkritischen Analysen nunmehr in der Millionenstadt fortzuführen. Zahlreiche Feuilletons K.s aus diesen Jahren gelten heute als klassische Texte der Gattung. Doch begann schon 1931 die allmähliche Distanzierung der Frankfurter Zeitungsleitung von dem mehr und mehr unliebsamen, politisch überaus kritischen Mitarbeiter. Durch Gehaltskürzungen, Publikationseinschränkungen und sogar die Empfehlung, sich nach einem Nebenerwerb umzusehen, wurde die Trennung vorbereitet. Adorno sah in dieser Entwicklung bereits Vorboten einer »allgemeinen Judenpsychose« (Brief an Kracauer vom 2. Januar 1931) und riet zum Wechsel. Nachdem der Widerstand immer stärker geworden war und etwa eine Rezension des - Kracauer gewidmeten - Kierkegaard-Buches von Adorno (Theodor W. Adorno: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen, Tübingen 1933) im Februar 1933 zwar noch gesetzt, aber nicht mehr gedruckt werden konnte, entschloß K. sich, seine Berliner Position aufzugeben. Noch während des Reichstagsbrandes schickte der Verlagschef der Frankfurter Zeitung K. telegraphisch in einen »Arbeitsurlaub« nach Paris, wohin K. unverzüglich, am Morgen des 28. Februar, reiste. Mit Schreiben vom 25. August 1933 erhielt er dann, unter Gewährung einer geringen Abfindung, die endgültige Entlassung aus dem Redaktions- und Mitarbeiterverbund der Frankfurter Zeitung. Von 1933 bis 1941 hielt K. sich im Exil in Frankreich auf. Der Aufenthalt dort wurde zu einer schweren Belastung. K. und seine Frau lebten in bitterer Armut; ständig waren sie auf die finanzielle Unterstützung von Freunden und Bekannten angewiesen - ein Umstand, den sie als demütigend erpfangen. Hinzu kamen persönliche Sorgen wegen der zurückgelassenen Mutter und einer Tante. Um beide nicht zu gefährden, schloß K. sich keiner antifaschistischen Gruppe an. Große Hoffnungen setzte er in eine Jacques Offenbach-Biographie, mit deren Ausarbeitung er schon im Oktober 1934 begonnen hatte. Durch eine weiträumige und literarisch glänzende Gesellschaftsschilderung wollte K. sich als Kenner der französischen Kultur ausweisen und die Grundlage für weitere Arbeitsaufträge legen (Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit, Amsterdam 1937). Doch erfüllten sich die Erwartungen nicht. Immerhin eröffnete sich nun eine neue Aussicht: Trotz früherer Spannungen erhielt K. seit 1937 wiederholt Hilfe durch Horkheimer; die Verbindung zu dem mittlerweile nach New York übergesiedelten Institut für Sozialforschung blieb allerdings locker und wurde auch später nicht intensiviert. Als die politische Situation in Paris immer bedrohlicher wurde, versuchte K. einen Forschungsauftrag in Übersee zu erhalten, doch scheiterte auch dieser Plan. Erst im Frühjahr 1941, kurz vor dem deutschen Einmarsch in Frankreich und nach mehrmonatiger Lagerhaft, gelang die Flucht in die USA. Vor allem die Wochen des Wartens in Lissabon, der Zwischenstation seiner Flucht, wurden von dem nunmehr völlig mittellosen K. traumatisch erlebt. Als er endlich in New York eintraf, bot sich ihm tatsächlich die lange ersehnte Arbeitsmöglichkeit: Unterstützt von Horkheimer und zahlreichen anderen Personen, erhielt K. als »special assistant« die Gelegenheit, auf der Grundlage der Bestände der Film Library des Museums of Modern Art in New York, eine Analyse der totalitären Filmpropaganda auszuarbeiten. Doch waren auch diese Jahre schwer, da trotz der bis ans Äußerste gehenden Aufbietung aller Kräfte K. und seine Frau durch kurzfristige (bisweilen monatsweise!) und geringe Stipendien sowie zahlreiche weitere Arbeitsaufträge lediglich ein Minimum an finanziellen Mitteln zum Lebensunterhalt erwerben konnten. Als Ergebnis seiner Arbeiten erschien 1947 K.s Buch »From Caligari to Hitler. A Psychological History of the German Film« (Princeton 1947). Für dieses Werk hatte K. systematisch eine Auswertung nahezu des kompletten Bestandes an deutschen Filmen und der zugehörigen Literatur seit 1918 vorgenommen. Auch trat er für diese Studie in engere Verbindung zu Fritz Lang (1890-1976). Die Untersuchung selbst verstand sich als geistesgeschichtlicher Beitrag zur Klärung der Frage, wie der Erfolg der Nationalsozialisten möglich gewesen war. Es ging K. um die »innere Disposition des deutschen Volkes«, die hinter den ökonomischen, sozialen und politischen Erklärungsfaktoren wirksam war. »Die Aufdeckung dieser Disposition im Medium des deutschen Films könnte dazu beitragen, Hitlers Aufstieg und Machtergreifung zu verstehen« (Einleitung). - Im Anschluß an die Veröffentlichung seines Buches erlitt K. einen seelischen und körperlichen Zusammenbruch, zu dem auch die nunmehr erst ihn erreichenden genaueren Nachrichten über das furchtbare Schicksal der Mutter und der Tante sowie weiterer Bekannter, die Opfer des Holocaust geworden waren, noch beigetragen haben. Eine sehr schwere Belastung stellte für K. der Umstand dar, daß er seit November 1941 über die verzweifelte Lage seiner Mutter und später auch über die Deportation informiert gewesen war, es ihm aber nicht hatte gelingen können, die hohen Summen für ein Kuba-Visum und die erforderlichen Reisekosten aufzubringen. Bis 1952, als auch Horkheimer schon wieder nach Deutschland zurückgekehrt war, waren alle Versuche, eine sicherere Stellung zu erhalten, erfolglos geblieben. Eine Rückkehr nach Deutschland kam zu diesem Zeitpunkt verständlicherweise nicht in Frage: »Wofür haben wir denn so viel ausgehalten? Um wieder dort zu beginnen, wo man uns (und der ganzen Welt) all das namenlose Leid zugefügt hat? Uns selber käme es niemals in den Sinn nach Deutschland zurückzukehren. Nicht als ob wir nicht glaubten, es gäbe auch dort anständige Menschen und so weiter, aber die Luft ist dort noch auf lange, lange hinaus verpestet, man weiß nicht, wem man die Hand gibt und zuletzt, wir haben ja in den siebzehn Jahren nach unserem Weggang weiter gelebt und gelernt, und es hieße, dieses ganze neue Leben verleugnen und zunichte machen, wollte man sich wieder unter die Spukgestalten von damals mischen [...]« (Brief an Fritz Wahl vom 10. September 1950; Nachlaß Kracauer. Deutsches Literaturarchiv Marbach). Über Jahre hinweg mußte K. sich als freier Schriftsteller, u.a. auch für das New York Times Book Review und die Voice of America, erhalten. Erst mit seiner Berufung zum Research Director im Bureau of Applied Social Research der Columbia University und als gesuchter Gutachter großer amerikanischer Stiftungen erhielt er in den fünfziger Jahren allmählich die verdiente Anerkennung. Im Juli 1956 reiste K. erstmals wieder nach Europa. Auch dort erwarb er sich nunmehr ein hohes wissenschaftliches Ansehen. Dennoch konnte die deutsche Ausgabe des Buches »From Caligari to Hitler« lediglich in einer stark gekürzten Version erscheinen, in der K.s differenzierte Methodologie und vor allem seine politische Interpretation der Filmgeschichte nach 1918 weitgehend ausgespart blieben. Das große Projekt einer Filmtheorie (Theory of Film. The Redemption of Physical Reality. New York 1960), an dem K. bereits seit Beginn der fünfziger Jahre schrieb, wurde nun auch durch mehrere Forschungsstipendien gefördert. Seit dem Erscheinen des Buches galt K. in Deutschland endgültig als einer der wichtigsten Kulturtheoretiker. Wiederholt erreichten ihn jetzt ehrenvolle Einladungen. So nahm er als Gast an der Arbeitstagung »Poetik und Hermeneutik« teil. Auch seine essayistischen Arbeiten aus den zwanziger und frühen dreißiger Jahren fanden jetzt ein erneutes Interesse. Nachdem schon 1959 im Verlag für Demoskopie des Allensbacher Institutes eine Neuausgabe der »Angestellten« erschienen war, gab K. selbst vier bzw. fünf Jahre später zwei Bände mit gesammelten Texten zur Kulturkritik heraus (Das Ornament der Masse. Essays, Frankfurt am Main 1963 / Straßen in Berlin und anderswo, Frankfurt am Main 1964). Das letzte große Unternehmen seines Lebens, eine Ausarbeitung seiner geschichtstheoretischen Überlegungen, konnte er nicht mehr vollenden. Erst drei Jahre nach seinem Tod erschien eine aus den vorliegenden umfangreichen Textpartien von Paul Oskar Kristeller zusammengestellte Fassung (History. The Last Things Before the Last, New York 1969). Wiederum machte dieses Buch eine neue Facette in der vielseitigen und vielschichtigen intellektuellen Persönlichkeit des Autors sichtbar, zumal K. sich zuvor zu Fragen der Geschichtstheorie kaum geäußert hatte. - Die Nachwirkungen der langjährigen, überaus entbehrungsreichen Emigrantenzeit blieben trotz des späten Erfolges nicht spurenlos. Zeitgenossen berichten zwar, daß K. in den sechziger Jahren einen geradezu jugendlichen Eindruck gemacht habe; für die soziale und politische Entwicklung in Deutschland ebenso wie in den USA zeigte er großes Interesse. Auch beflügelte ihn der neue und ungewohnte Erfolg während seiner Besuche im alten Heimatland. Schon damals deutete sich an, daß K. bald zu einem der meistgelesenen Autoren der Zwischenkriegszeit werden sollte. Dennoch blieben Körper und Seele von den Erfahrungen der Ausgrenzung und der Verfolgung, den Ängsten der Flucht und den Sorgen des mehrfachen Neubeginns gezeichnet. Nachdem er noch im September 1966 an einer Tagung in Lindau am Bodensee teilgenommen hatte, erkrankte er Anfang November schwer. Am 26. November 1966 erlag K. in New York einer Lungenentzündung. - Religiöse Überzeugungen, aber auch religionsphilosophische Positionen, theologische Fragen und Problemstellungen standen von früh an im Mittelpunkt des Denkens von K. Im vorliegenden Kontext kann allein auf einzelne Aspekte hingewiesen werden. Obwohl durch den eigenen Lebensweg zunächst vor allem mit mathematisch-technischen Aufgaben konfrontiert, zeichnete sich doch die literarische Arbeit K.s seit ihrem Beginn durch eine intensive Erörterung und Beobachtung der religiös-weltanschaulichen Problematik aus. Besonders seit dem Ende des ersten Weltkrieges bis etwa zur Mitte der zwanziger Jahre, als zunehmend kulturpolitische und filmtheoretische Interessen in den Vordergrund rückten, widmete K. sich in intensiver Weise dem religiös-theologischen Bereich. Gegen Ende seines Lebens, als er sich zu einer geschlossenen Ausarbeitung seiner geschichtsphilosophischen Überlegungen entschloß, knüpfte K. in zahlreichen Motiven noch einmal an diese frühere Arbeit an. - Der religiösen Aufbruchsstimmung, die nach dem Zusammenbruch von 1918 in allen Konfessionen und religiösen sowie theologischen Richtungen propagiert wurde, stand K. skeptisch, ja ablehnend gegenüber. Der scharfe Ton, mit dem er etwa den entsprechenden Veröffentlichungen des zuvor sehr geschätzten Max Scheler entgegentrat, führte zu einer Entfremdung von bisherigen Weggefährten wie Margarete Susman (1874-1966), Eugen Rosenstock (1888-1973) oder Franz Rosenzweig. In einem Brief an Leo Löwenthal vom 16. Dezember 1921 bekennt er sich zu einer agnostischen Form von Religiosität: »[...] ich kann nicht an diesen Messias glauben: etwas herbeizusehnen aber, woran ich nicht glaube, ist mir unmöglich. Sollte dagegen der Messias keine Realität sein, sondern nur eine Art von Zuchtideal, so langt schließlich auch der deutsche Idealismus. [...] Meine ganze Erbitterung auf diese neuen homines religiosi ist die, daß sie von Dingen reden, die sie au fond garnicht wissen. [...] Mein Katechismus klingt demgegenüber sehr karg: ich glaube, daß ein hohes Wesen über uns waltet und daß wir Creaturen sind und darum keinen Zugang haben zu Schöpfungsgeheimnissen. Aussagen über Weltbeginn, Weltende usw. lehne ich strikte ab. [...] Christus selbst hat von allen diesen verschlossenen Dingen geschwiegen, er hat sich mit seinem Sein begnügt.« - In eine heftige Auseinandersetzung ließ K. sich ein, als 1925 der erste Band der von Buber und Rosenzweig gemeinsam unternommenen »Verdeutschung« der Bibel (d.h. des Alten Testaments) erschien. Die beiden Übersetzer hatten das Ziel verfolgt, eine inhaltlich und auch phonetisch-klanglich dem hebräischen Original möglichst nahestehende Übertragung zu liefern, um so die Wahrheitsgehalte der jüdischen Überlieferung neu zur Sprache bringen zu können. Sie setzten mit ihrem Werk zunächst eine religiös bereits hinreichend sensibilisierte Auffassungsbereitschaft voraus. K. trat in einem kritischen Essay der Rechtmäßigkeit eines solchen Verfahrens entgegen. Ungeachtet der philologisch-theologischen Qualifikation der Übersetzer sei ihr Unternehmen prinzipiell verfehlt. Luther konnte das Projekt einer »Aktualisierung« der Schrift durch Übersetzung noch gelingen, weil er mit dem Rückgriff auf die deutsche Volkssprache zugleich den kirchlichen und sozialen Protest aufnahm. Heute jedoch könne der Bereich der profanen Lebenswirklichkeit nicht mehr in theologische Kategorien gefaßt werden. Der »Ort der Wahrheit« habe sich in das »gemeine« öffentliche Leben verlagert; auch die Sprache gehöre diesem Bereich an. K. wirft daher Buber und Rosenzweig vor, mit ihrer Sprachschöpfung nicht die reale Lebenswelt abzubilden, sondern sich in eine altertümelnde, neuromantische, esoterische Sprache zu flüchten (Die Bibel auf Deutsch. Zur Übersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig [Teil I], in: Frankfurter Zeitung vom 27. April 1926 (1. Morgenblatt), 1-2 / [Teil II], in: Frankfurter Zeitung vom 28. April 1926 (1. Morgenblatt), 1 (wiederabgedruckt in: Das Ornament der Masse, 173-186); vgl. hierzu: Siegfried Kracauer 1889-1966. Bearbeitet von Ingrid Belke und Irina Renz (Marbacher Magazin 47/1988), Marbach 1989, 43). Mit seiner scharfen Polemik, die K. durch ironisch kommentierte und geschickt ausgewählte Beispiele unterstützte, vollzog er endgültig seine Abkehr von den früheren Grundlagen seines Denkens. Die Reaktion auf K.s Vorgehen war gespalten: Bloch, Benjamin und Löwenthal zeigten sich begeistert; Rosenzweig, Buber und Margarete Susman waren tief verletzt und brachen den Kontakt zu K. für lange Zeit ab; sie warfen K. eine »negative Kritik« vor, die dem sprachschöpferischen Anspruch der Bibelübersetzung nicht gerecht werde (vgl. etwa den Brief von Margarete Susman an K. vom 22. März 1926; Nachlaß Kracauer. Deutsches Literaturarchiv Marbach). Die Auseinandersetzung bestimmte auch noch Jahre später zahlreiche persönliche Beziehungen und hatte sogar maßgeblichen Einfluß auf die fachliche Beurteilung des kulturphilosophischen Werkes von K. - Ein Jahr vor dieser Kontroverse hatte K. seine Einschätzung der religiösen Situation in Deutschland präzise zusammengefaßt (Zur religiösen Lage in Deutschland, in: Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. Main 3 (1924/25), Nr. 1-2 vom September-Oktober 1924, 6-7). Erst die Erschütterungen des Weltkrieges hätten die elementare Krise zum Bewußtsein gebracht, die selbst für den Kriegsausbruch mitverantwortlich gewesen sei. In dieser Situation habe sich, anders als bei den parallelen, gleichfalls durch das Kriegserlebnis bestimmten materialistischen Weltanschauungsformen mit ihrer immanenten, anthropozentrischen Utopie, im religiösen Denken eine Sichtweise durchgesetzt, die der menschlichen Urteils- und Handlungskompetenz grundsätzlich skeptisch gegenübersteht. Religion wird nach K. zu einer radikalen Form von Kulturkritik. Dabei wird von den Vertretern dieser Sicht »die Verlorenheit des heutigen Menschen« in erster Linie aus der »Nichterfüllung des Mensch-Gottesverhältnisses« erklärt. Auf seine »Wiederherstellung« komme es in erster Linie an, um den »Widergeist in der Welt« zu überwinden. Nur dies sei auch der Weg zu einer erfüllenden Form des kreatürlichen Miteinanders der Menschen. K. weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die drastische Krisenperspektive vor allem Konsequenzen für die geistige Verfassung der Religionsgemeinschaften selber gehabt habe. Der religiöse Aufbruch nach 1918 sei daher primär als ein Erneuerungsgeschehen innerhalb dieser Gemeinschaften zu verstehen. Seine Bedeutung für den gesamtkulturellen Zusammenhang veranschlagt K. insgesamt eher als gering. - Dennoch stellt K. in beiden christlichen Konfessionen eine Tendenz fest, die sich als Zurückgewinnung der Symbolisierungsfähigkeit des Glaubens auffassen läßt. Er beurteilt diesen Prozeß als Zuwachs an kulturprägender Kraft der Religionen; denn, so sein Eindruck, die soziale Dimension der welthaften Existenz des Menschen tritt nunmehr wesentlich stärker in den Blick der spezifisch religiösen Wirklichkeitsdeutung, als es einer zivilisationskritischen, selbstbezogenen Frömmigkeitspraxis möglich war. K. unterstellt mit dieser Analyse, daß eine langfristig angelegte, spätestens in den 1860er Jahren einsetzende Entwicklung, die vor allem in den diversen kulturprotestantischen Strömungen des kirchlichen und theologischen Vorkriegsprotestantismus, aber auch im liberalen Judentum und Katholizismus vor 1914 bereits eine breite Wirkung entfaltet hatte, nunmehr aus einem partikularen konfessionellen Geschehen zu einer übergreifenden, allgemeinen Bewegung innerhalb der drei großen Konfessionen geworden sei. Aus den Religionen könne daher eine Gegenkraft gegen die desolate gegenwärtige soziale Situation erwachsen, in der »sämtliche Formen und Bindungen zerbrochen sind und die Menschen sich in die Leere der Beziehungslosigkeit zerstreuen«. Das Verhältnis von Religion und Kultur wird von K. als paradox beschrieben. Indem die Religion die fromme Subjektivität in den Mittelpunkt stellt, tut sie dies doch immer von der Voraussetzung aus, daß die Individualität des Einzelnen sich dem ständigen Bezug auf die Gemeinschaft erst verdankt. Frömmigkeit ist notwendigerweise eine soziale Lebensäußerung der religiösen Persönlichkeit. In der sozialen Wirklichkeit ist daher subjektive »Erhebung« nach K. ebenso gefordert wie »das Sich-Neigen« unter vorgegebene kulturelle Gegebenheiten. Kulturelle Produktivität in der Religion sei insofern nur dann möglich, wenn immer auch die spezifische Differenz zwischen Religion und Kultur in Geltung bleibe. Die nach K. vom liberalen Protestantismus vor 1914 umstandslos vorgenommene Einbeziehung der Religion in die Kultur habe dagegen letzten Endes die kulturelle Gestaltungskraft der Religion auf das niedrige Niveau moralischer Lehrpredigten im Stil spätaufklärerischer Erbauungsrethorik herabgesetzt. Die Autonomievoraussetzung der idealistischen Anthropologie und die prinzipielle Skepsis gegenüber dem Gedanken der kreatürlichen Existenz des Menschen sind für K. denn auch nicht akzeptabel. - Im Katholizismus ist es vor allem die liturgische Bewegung, reflektiert in der Theologie Romano Guardinis (1885-1968), die das tief ins katholische Lager eingedrungene abstrakt-begriffliche Denken überwindet und in eine neue Sensibilität für das Mysterium des Glaubens überleitet. Als aversive Reaktion auf den Idealismus deutet K. die Aufbruchsbewegungen im deutschen Nachkriegsprotestantismus. Thurneysen (1888-1974), Barth (1886-1968) und Gogarten (1887-1967) sind ihm Repräsentanten einer ursprünglichen religiösen Einstellung, derzufolge allein Gott die Brücke zur Kreatur schlagen könne, während dem Menschen jede Fähigkeit abgesprochen werde, einen eigenen Beitrag zu seiner Rettung zu leisten. Schon die emphatische Indizierung jener »widergöttlichen Überheblichkeit« des Idealismus charakterisiere den entschlossenen Kampf um die Erneuerung eines radikalen Protestantismus, den die Aufbruchstheologen führten. K. begegnet dieser Bewegung zunächst mit Sympathie, da sie gegenüber der intellektualisierten und ethisierten Theologie der Vorkriegszeit über ein ungleich höheres Maß an Wirklichkeitstiefe verfüge. Dennoch bleibt auch er gegenüber der eindimensionalen theologischen Antithetik und der anthropologischen Überhöhung des Sündenbegriffes kritisch eingestellt. Die absolute Abwertung von Kultur und Ethos vollzieht K. nicht mit. Überdies war K. der Ansicht, daß die vor allem von Gogarten eingeschlagene Bahn einer sich immer weiter radikalisierenden theologischen Auslegung des religiösen Lebens selbst nur für einen zeitlich eng begrenzten Ort, nämlich den der unerhörten Krisenerfahrung nach dem Zusammenbruch, Geltung beanspruchen könne. Die Selbstbezeichnung der Aufbruchsbewegung unter dem Titel ihrer Zeitschrift »Zwischen den Zeiten« bringt so, vielleicht unfreiwillig, die Vorläufigkeit und Bedingtheit ihrer eigenen Positionen zum Ausdruck. Der theologische Neubeginn trägt nach K. die Revisionsbedürftigkeit seiner selbst schon in sich. Gerade in dieser sich selbst überholenden und insofern doch wieder auf den kontinuierlichen Entfaltungsprozeß theologischer Auslegung bezogenen Gestalt bleibt auch der radikale, antihistoristische und antiidealistische theologische Neubeginn auf die Begründung der modernen protestantischen Theologie in der idealistischen Bewegung des späten achtzehnten Jahrhunderts angewiesen: »Was der junge Luther in konkreter und aktueller Bedeutung verkündet hat, daß nur der Glaube es tue und die Worte ohnmächtig seien, das lehren sie in Form von Erkenntnissen, deren theoretischer und konstruktiver Charakter sie noch in demselben Bereich des idealistischen Denkens befangen zeigt, dem zu entrinnen sie strebten. Ihnen zu danken ist, daß über alles Menschliche wieder jener tiefe Schatten gebreitet wird, den der Idealismus nicht sah und nicht sehen wollte - doch der Schatten bedeckt nur einen Teil des Lebens der Wirklichkeit, und ihre Begrenztheit besteht darin, daß sie den anderen Teil nicht einzubeziehen vermögen.« So verschieden die religiösen und theologischen Strömungen in den beiden christlichen Konfessionen auch sind -, nach K. laufen sie doch auf Intentionen hinaus, von denen auch die marxistische Utopie getragen wird. Ob allerdings »zwischen denen, die Gott unmittelbar anrufen, und denen, die vielleicht aus nicht minder starkem Glauben heraus die heiligen Namen ungesprochen lassen, dereinst eine wirkliche und echte Begegnung stattfinde - die Antwort auf diese Frage kann die Zukunft erst geben« (Zur religiösen Lage in Deutschland, 7). - K.s intensive Aneignung der erkenntnistheoretischen Grundposition Kants ließ es ihm als unmöglich erscheinen, in Fragen von Religion und Theologie über die Ebene der subjektiven Glaubensüberzeugung hinauszukommen. Insofern decken sich eine dogmenkritische Religionstheorie und ein dialogisches, von Buber beeinflußtes philosophisches Grundverständnis. Religion erscheint demnach als eine individuell bedingte, grundsätzlich vorreflexive, in ihrer konkreten Gestalt auf die Nöte und Freuden, die Ängste und Sorgen, die Stärken und die Schwächen der eigenen Existenz bezogene Haltung einer für die transzendentalen Sinnbezüge des eigenen Seins sensiblen Subjektivität. Geschichtlich differenziert K. zwischen zwei grundlegend voneinander unterschiedenen Epochen religiösen Empfindens: In einer zeitlich vorangehenden ersten, der »sinnerfüllten« Epoche »sind alle Dinge auf den göttlichen Sinn bezogen«. Es gibt hier weder einen leeren Raum noch eine leere Zeit; »Raum und Zeit bilden vielmehr die unentbehrliche Hülle von Gehalten, die in irgendeiner bestimmten Beziehung zum Sinn« stehen. »[...] das Ich, das Du, sämtliche Gegenstände und Ereignisse empfangen von ihm her ihre Bedeutung und ordnen sich zu einem Kosmos von Gestalten«; in diesem Sinne zeugt selbst noch ein Stein vom göttlichen Wesen. In einer zweiten Epoche, derjenigen nämlich, die im Abendland seit dem Ende der mittelalterlich-katholischen Einheitskultur besteht, ist alle Wirklichkeitserfahrung von der Erfahrung des Sinnverlustes gekennzeichnet. Der früher so lebendige, weil tief in der religiösen Subjektivität verankerte Glaube wird wegen seiner geschichtlichen Geformtheit mehr und mehr als Inbegriff eines beengenden Dogmas empfunden. »Der durch den Sinn zusammengehaltene Kosmos« bricht auseinander, und die Welt spaltet sich in die Mannigfaltigkeit des Seienden und das der Mannigfaltigkeit gegenüberstehende Subjekt. Dieses Subjekt, »das vorher einbezogen war in den Reigen der die Welt erfüllenden Gestalten«, entsteigt nun vereinsamt dem Chaos als alleiniger Träger des Geistes. Vor seinem Blick öffnen sich die unermeßlichen Reiche der Realität. Anders als noch in der frühneuzeitlichen religionskritischen Philosophie Spinozas, die K. zeitlebens hoch geschätzt hat, brechen in der Beschreibung dieses emanzipativen weltanschaulichen Prozesses bei K. eine traditionell religiöse und eine entzauberte, jedem Bezug auf eine sinnintegrierende Instanz entkleidete Perspektive relationslos auseinander: »Hinausgeschleudert in die kalte Unendlichkeit des leeren Raumes und der leeren Zeit, befindet es [scil. das Subjekt] sich angesichts eines jeglicher Bedeutung entblößten Stoffes, den es gemäß der ihm, dem Subjekt innewohnenden [...] Ideen verarbeiten und formen muß.« In der »leeren Zeit« bleibt der sich seiner selbst weniger denn je gewisse Mensch dennoch allein auf sich selbst und die Zeitlichkeit seiner Existenz gewiesen. Zuletzt bleibt nur noch die formende Kraft, die bewußte Aneignung des Vorgegebenen, die Gestaltung des »Stoffes« übrig, von der allenfalls eine Humanisierung des an sich Sinnleeren ausgehen könnte. Nur in der Kunst, nur in der formenden Gestaltung sah K. einen Weg, der das Chaos nicht zum Gefängnis, sondern zu einem lebbaren Lebensort werden läßt (vgl. Soziologie als Wissenschaft. Eine erkenntnistheoretische Untersuchung (Dresden 1922), in: Schriften. Band 1, 7-101, hier: 12-15). Auch die eigene sozialwissenschaftliche Theorie sollte, ähnlich schon jener propädeutischen Funktion der Kantschen Erkenntniskritik, hierzu einen Beitrag leisten. Wie nach K. Kants Theorie nicht primär als skeptische Abwehr der Metaphysik, sondern als deren kritische Vorbereitung zu verstehen ist, weil ihren Kern eine Begrenzung der Kategorien der Erfahrungswelt bildet, so wollte auch K. die Grenzen einer wertfreien Soziologie bestimmen, die zugleich Objektivität und Notwendigkeit für ihre Aussagen reklamiert. Es sollte damit einer Verabsolutierung derjenigen Kategorien vorgebeugt werden, die allein für die Bereiche der Immanenz gültig seien. Im Gegenzug werde denjenigen Kategorien Raum verschafft, die der Sphäre der Transzendenz, wie sie nach K. gleichfalls Teil der Welt des vergesellschafteten Menschen ist, angemessen seien. Insofern beruht K.s Kritik auf der Voraussetzung »einer unter einer höchsten transzendentalen Bedingung stehenden, Welt und Ich gleichermaßen umfangenden gestalthaften Wirklichkeit«. Vor diesem Hintergrund war K.s positives Interesse darauf gerichtet, über eine Kritik jeglicher Immanenzphilosophie, vor allem aber über eine Kritik des idealistischen Denkens, eine Wandlung vorbereiten zu helfen, »die, hier und da schon schwach spürbar, eine vertriebene Menschheit wieder in die neu-alten Bereiche der gotterfüllten Wirklichkeit führt« (Soziologie als Wissenschaft, 11). An dieser Zielsetzung hielt K. auch später fest. Zwar bahnte sich eine Neuorientierung des religionstheoretischen Standpunktes seit der Mitte der zwanziger Jahre unter dem Einfluß einer breiten Marxismus-Rezeption an. Doch blieb K. auch dann noch der Auffassung verpflichtet, daß als ein weltanschaulich »Letztes« der Bereich des Materiellen und Profanen auch in dem Konzept eines radikalen Materialismus nicht könne angesehen werden, wenn nicht die über ihn hinausweisende, sich im Gegenständlichen nicht erschöpfende Kraft des Seins nicht verleugnet werden solle.

Bibliographie: Thomas Y. Levin: Siegfried Kracauer. Eine Bibliographie seiner Schriften (Deutsches Literaturarchiv. Verzeichnisse, Berichte, Informationen. Band 14), Marbach am Neckar 1989; Thomas Y. Levin: Kracauer in English. A Bibliography, in: New German Critique. Nr. 40 (1987); Thomas Y. Levin: The English-Language Reception of Kracauer's Work. A Bibliography, in: New German Critique. Nr. 54 (1991).

Nachlaß: Ein sehr umfangreicher Personalnachlaß befindet sich im Deutschen Literaturarchiv Marbach (vgl. die ausführliche Beschreibung in: Die Deutsche Bibliothek. Inventar zu den Nachlässen emigrierter deutschsprachiger Wissenschaftler in Archiven und Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland. Bearbeitet im Deutschen Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Bibliothek in Frankfurt am Main. Band 1, München / New Providence / London / Paris 1993, 617-629). - Der Nachlaß (insgesamt 50 Kästen) ist in folgende Rubriken untergliedert: A: Tagebücher und biographische Texte; B: Briefe von Kracauer (darunter 86 Briefe an Adorno von 1925 bis 1966, 30 Briefe an Ernst und Karola Bloch von 1926 bis 1966, 39 Briefe und 1 Telegramm an Horkheimer von 1930 bis 1965, 1 Brief an Edmund Husserl von 1934, 9 Briefe an Thomas Mann von 1934 bis 1945), weitere Korrespondenz von Kracauer vor allem zur Emigration, Korrespondenz an Kracauer (darunter 134 Briefe mit weiteren Beilagen, 24 Karten und 4 Telegrammen von Adorno von 1925 bis 1966, 40 Briefe und 1 Telegramm von Horkheimer von 1930 bis 1965, 6 Briefe und 1 Karte von Thomas Mann von 1934 bis 1945) und weitere Korrespondenz (v.a. von und an Elisabeth Kracauer); C: Materialien zu Veröffentlichungen und z.T. unausgeführten oder nicht abgeschlossenen Arbeitsprojekten Kracauers; D, H, I, M, N: weitere Bestände. Auch andere Nachlässe des Deutschen Literaturarchivs enthalten Materialien zu Kracauer (u.a. Nachlaß Willy Haas, Kurt Pinthus, Margarete Susman, Berthold Viertel, Teilnachlaß Walter Benjamin). Darüber hinaus werden in folgenden Bibliotheken weitere Kracauer-Materialien verwahrt: Deutsche Bibliothek / Deutsches Exilarchiv, Frankfurt am Main: Archiv der American Guild, sowie: Nachlaß Wilhelm Sternfeld; Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main: Nachlaß Max Horkheimer; Sozialwissenschaftliches Archiv Konstanz: Teilnachlaß Albert Salomon; Bayerische Staatsbibliothek München: Nachlaß Max Scheler.

Werke (Auswahl vornehmlich religionsphilosophisch und theologisch relevanter Texte): Vom Erleben des Kriegs, in: Preußische Jahrbücher 58 (1915), 410-422; [Rezension zu:] Max Scheler: Krieg und Aufbau, in: Das neue Deutschland 5 (1916/17), 443-445; Über die Freundschaft, in: Logos 7 (1917/18), 182-208; »Im Dom zu Osnabrück«, in: Osnabrück und seine Berge 12 (1918). Nr. 2 vom September 1918, 1; Das Bekenntnis zur Mitte, in: Frankfurter Zeitung vom 2. Juni 1920 (1. Morgenblatt), 1; Unechtes Pflichthandeln (Ein Blick hinter die Kulissen der Pflichtethik), in: Frankfurter-Universitätszeitung 6 (1920), 116-119; Philosophie des Werks [Rezension zu: Georg Burckhardt: Individuum und Welt als Werk, München 1920], in: Frankfurter Zeitung vom 27. Juli 1920 (1. Morgenblatt), 1; Schicksalswende der Kunst, in: Frankfurter Zeitung vom 18. August 1920 (1. Morgenblatt), 1-2; Idee und Stoffgebiet der Soziologie, in: Frankfurter Universitätszeitung 6 (1920), 212-217; Georg Simmel, in: Logos 9 (1920/21), 307-338; Gedanken über Freundschaft, in: Gabe. Herrn Rabbiner Dr. Nobel zum 50. Geburtstag. Dargebracht von Martin Buber u.a., Frankfurt am Main 1921, 24-39; Kurzgefaßte Stammtafel der Philosophie [Rezension zu: Georg Burckhardt: Kurzgefaßte Stammtafel der Philosophie in Tabellen wichtigster Denker und Werke, Frankfurt am Main 1920], in: Frankfurter Zeitung vom 30. Januar 1921. Literaturblatt Nr. 3, 2-3; Rudolf Steiners Geisteswissenschaft, in: Frankfurter Zeitung vom 6. Februar 1921 (2. Morgenblatt), 2; [Anonym:] Aussprache-Abend über Spengler, in: Frankfurter Zeitung vom 10. Februar 1921 (2. Morgenblatt), 2; Autorität und Individualismus, in: Frankfurter Zeitung vom 15. Februar 1921 (1. Morgenblatt), 1-2; [Anonym:] Politische Strömungen in der Jugendbewegung, in: Frankfurter Zeitung vom 5. März 1921 (2. Morgenblatt), 3; [Anonym:] Warnung, in: Frankfurter Zeitung vom 10. März 1921 (Abendblatt), 1; [Anonym:] Weltbund für Freundschaftsarbeit der Kirchen, in: Frankfurter Zeitung vom 22. März 1921 (Abendblatt), 2; [Anonym:] Quäkertum und Weltkrisis, in: Frankfurter Zeitung 4. April 1921 (Morgenblatt), 3; Brahmanismus und Buddhismus, in: Frankfurter Zeitung vom 10. April 1921 (1. Morgenblatt), 3; [Anonym:] Lebensgemeinschaft und Zukunft der Liebe, in: Frankfurter Zeitung vom 14. April 1921 (Abendblatt), 2; Die Philosophie Chinas, in: Frankfurter Zeitung vom 15. April 1921 (2. Morgenblatt), 3; [Anonym:] Der Einzelne und die Weltnot, in: Frankfurter Zeitung vom 17. April 1921 (2. Morgenblatt), 3; [Anonym:] Weltrevolution und Welterlösung, in: Frankfurter Zeitung vom 21. April 1921 (1. Morgenblatt), 2; [Anonym:] Chinesische und europäische Kultur, in: Frankfurter Zeitung vom 22. April 1921 (1. Morgenblatt), 2; Die Struktur der Weltgeschichte [Rezension zu: Theodor Haering: Die Struktur der Weltgeschichte. Philosophische Grundlegung an einer jeden Geschichtsphilosophie (in Form einer Kritik an Oswald Spengler, Tübingen 1921], in: Frankfurter Zeitung vom 27. April 1921 (Literaturblatt Nr. 9), 2; [Anonym:] Revolution der Seelen, in: Frankfurter Zeitung vom 14. Mai 1921 (2. Morgenblatt), 2; [Anonym:] Ausspracheabend über Spengler, in: Frankfurter Zeitung vom 2. Juni 1921 (1. Morgenblatt), 2; Das Wesen des politischen Führers, in: Frankfurter Zeitung vom 12. Juni 1921 (1. Morgenblatt), 1-2; Simmels Philosophie des Schauspielers [Rezension zu: Georg Simmel: Zur Philosophie des Schauspielers, in: Logis 9 (1920/21), 339-363], in: Frankfurter Zeitung vom 18. Juni 1921 (1. Morgenblatt), 2; Nietzsche und Dostojewski, in: Vivos Voco 2 (1921/22), 211-225; Die Welt als Schuld und Gleichnis [Rezension zu: Wilhelm Müller-Walbaum: Die Welt als Schuld und Gleichnis. Gedanken zu einem System universeller Entsprechungen, Wien 1920], in: Frankfurter Zeitung vom 6. Juli 1921 (Literaturblatt Nr. 14), 2; Anthroposophie und Wissenschaft. Bemerkungen zur anthroposophischen Hochschultagung in Darmstadt, 25. bis 30. Juli, in: Frankfurter Zeitung vom 2. August 1921 (1. Morgenblatt), 1-2; Georg von Lukßcs' Romantheorie, in: Neue Blätter für Kunst und Literatur 4 (1921/22), 1-5; Von der Schule der Weisheit, in: Frankfurter Zeitung vom 6. Oktober 1921 (1. Morgenblatt), 1-2; Die Tagung der Schopenhauer-Gesellschaft, in: Frankfurter Zeitung vom 18. Oktober 1921 (Abendblatt), 2; [Anonym:] Rudolf Steiners Anthroposophie, in: Frankfurter Zeitung vom 28. Oktober 1921 (2. Morgenblatt), 2; Rudolf Steiner und seine Jünger, in: Deutscher Pfeiler 1 (1921/22), 396-398; [Anonym:] Christentum und Spengler, in: Frankfurter Zeitung vom 15. November 1921 (2. Morgenblatt), 2; Universität und Geistesleben, in: Frankfurter Zeitung vom 17. November 1921 (Abendblatt); Katholizismus und Relativismus: Zu Max Schelers Werk »Vom Ewigen im Menschen«, in: Frankfurter Zeitung vom 19. November 1921 (1. Morgenblatt), 1-2; Die psychische Dingwelt [Rezension zu: Wilhelm Haas: Die psychische Dingwelt, Bonn 1921], Frankfurter Zeitung vom 23. November 1921 (Literaturblatt Nr. 24), 2; Deutscher Geist und deutsche Wirklichkeit, in: Die Rheinlande. Monatsschrift für deutsche Kultur und Bildung 22 (1922), 44-47; »Religion als Gegenwart«, in: Frankfurter Zeitung vom 21. Januar 1922 (Abendblatt), 1; Religiöse Versuche der Gegenwart, in: Frankfurter Zeitung vom 22. Februar 1922 (Abendblatt), 1-2; Humanismus und Reformation, in: Frankfurter Zeitung vom 24. Februar 1922 (1. Morgenblatt), 2; Museum jüdischer Altertümer, in: Frankfurter Zeitung vom 7. März 1922 (2. Morgenblatt), 2; Die Wartenden, in: Frankfurter Zeitung vom 12. Februar 1922 (1. Morgenblatt), 1-3; Geschichtsphilosophie [Rezension zu: Otto Braun: Geschichtsphilosophie. Eine Einführung, Leipzig 1921], in: Frankfurter Zeitung vom 17. März 1922 (Abendblatt. Literaturblatt Nr. 3), 3; Die Krisis der deutschen Kulturpolitik, in: Frankfurter Zeitung vom 24. März 1922 (2. Morgenblatt), 1-2; Kurt Leese: Moderne Theosophie [Rezension], in: Deutscher Pfeiler 2 (1922/23), 112; Phänomenologie und Religion [Rezension zu: Robert Winkler: Phänomenologie und Religion. Ein Beitrag zu den Prinzipienfragen der Religionsphilosophie, Tübingen 1921], in: Frankfurter Zeitung vom 26. Mai 1922 (Abendblatt. Literaturblatt Nr. 11), 2; Die Gruppe als Ideenträger, in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 49 (1922), 594-622; Der nationaldeutsche Jude in der deutschen Umwelt [Rezension zu: Max Naumann: Der nationaldeutsche Jude in der deutschen Umwelt. Beiträge zur Klärung der deutschen Judenfrage, Berlin 1921], in: Frankfurter Zeitung vom 4. August 1922 (Abendblatt. Literaturblatt Nr. 16), 3; Prophetentum [Rezension zu: Ernst Bloch: Thomas Müntzer als Theologe der Revolution, München 1921], in: Frankfurter Zeitung vom 27. August 1922 (1. Morgenblatt), 1-2; Die Autonomie des philosophischen Bewußtseins [Rez. zu: Carl Unger: Die Autonomie des philosophischen Bewußtseins, Stuttgart 1921], in: Frankfurter Zeitung vom 29. September 1922 (Abendblatt. Literaturblatt Nr. 19), 3; Schule der Weisheit. Zu der Tagung in Darmstadt, in: Frankfurter Zeitung vom 5. Oktober 1922 (1. Morgenblatt), 1; Neuzeitliche philosophische Strömungen, in: Frankfurter Zeitung vom 18. Oktober 1922 (Stadt-Blatt), 1-2; Führende Denker und Forscher [Rezension zu: Alois Riehl: Führende Denker und Forscher, Leipzig 1922], in: Frankfurter Zeitung vom 3. Dezember 1922 (2. Morgenblatt), [4]; Soziologische Pädagogik, in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 50 (1922/23), 515-518; Was ist Kultur?, in: Frankfurter Zeitung vom 17. Januar 1923 (Stadt-Blatt), 1; Religion und Phänomenologie [Rezension zu: Otto Gründler: Elemente zu einer Religionsphilosophie auf phänomenologischer Grundlage. Einleitung von Max Scheler, Kempten und München 1922], in: Frankfurter Zeitung vom 19. Januar 1923 (Abendblatt. Literaturblatt Nr. 2), 1-2; Wege zum Heil in den indischen Religionen, in: Frankfurter Zeitung vom 24. Januar 1923 (Stadt-Blatt), 1; Zwischen den Zeiten, in: Frankfurter Zeitung vom 30. Januar 1923 (Abendblatt), 1-2; Judentum und Staat, in: Frankfurter Zeitung vom 6. Februar 1923 (Stadt-Blatt), 2; Die Wissenschaftskrisis. Zu den grundsätzlichen Schriften Max Webers und Ernst Troeltschs. I [Rezension zu: Ernst Troeltsch: Der Historismus und seine Probleme (Gesammelte Schriften. Band 3), Tübingen 1922], in: Frankfurter Zeitung vom 8. März 1923 (Abendblatt. Hochschulblatt), 3; Die Wissenschaftskrisis. Zu den grundsätzlichen Schriften Max Webers und Ernst Troeltschs. II [Rezension zu: Max Weber: Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, Tübingen 1922], in: Frankfurter Zeitung vom 22. März 1923 (Abendblatt. Hochschulblatt), 3-4; Welt-Erlösung, in: Frankfurter Zeitung vom 9. Mai 1923 (Stadt-Blatt), 1; Neue Literatur zur Anthroposophie, in: Frankfurter Zeitung vom 11. Mai 1923 (Abendblatt. Literaturblatt Nr. 10), 2; Georg Simmel: »Zur Philosophie der Kunst« [Rezension zu: Georg Simmel: Zur Philosophie der Kunst, Potsdam 1922], in: Frankfurter Zeitung vom 4. Juli 1923 (1. Morgenblatt), 1-2; »Ich und Du« [Rezension zu: Martin Buber: Ich und Du, Leipzig 1923], in: Frankfurter Zeitung vom 6. Juli 1923 (Abendblatt. Literaturblatt Nr. 14), 1; »Die Schule des Geistes« [Rezension zu: Eberhard Grisebach: Die Schule des Geistes, Halle 1921], in: Frankfurter Zeitung vom 12. Juli 1923 (Abendblatt. Hochschulblatt Nr. 14), 3; Martin Buber [Rezension zu: Martin Buber: Ich und Du, Leipzig 1923], in: Die Tat 15 (1923/24), 389-393; »Der Christ und sein Schatten« [Rezension zu: Walter Tschuppik: Der Christ und sein Schatten, Leipzig 1923], in: Frankfurter Zeitung vom 21. September 1923 (Abendblatt), 1; Untergang?, in: Frankfurter Zeitung vom 9. Oktober 1923 (1. Morgenblatt), 1-2; Ein Aufruf an die Zeit [Rezension zu: Emil Cohn: Judentum. Ein Aufruf an die Zeit, München 1923], in: Frankfurter Zeitung vom 19. Oktober 1923 (Abendblatt), 1-2; Anthroposophie und Christentum, in: Frankfurter Zeitung vom 28. Oktober 1923 (Stadt-Blatt), 1; Nachwort zur Aarauer Studentenkonferenz [Rezension zu: Vorträge von der 27. Aarauer Studentenkonferenz, München 1923], in: Frankfurter Zeitung vom 1. November 1923 (Abendblatt. Hochschulblatt), 3; Max Scheler als Ethiker [Rezension zu: Michael Wittmann: Max Scheler als Ethiker, Düsseldorf 1923], in: Frankfurter Zeitung vom 23. November 1923 (Abendblatt. Literaturblatt Nr. 24), 3; Vom Institut für Sozialforschung, in: Frankfurter Zeitung vom 24. November 1923 (Stadt-Blatt), 1; Bergpredigt und moderne Kultur, in: Frankfurter Zeitung vom 8. Dezember 1923 (Stadt-Blatt), 2; Georg Simmel: »Fragmente und Aufsätze« [Rezension zu: Georg Simmel: Fragmente und Aufsätze aus dem Nachlaß. Herausgegeben von Gertrud Kantorowicz, München 1923], in: Frankfurter Zeitung vom 18. Dezember 1923 (Abendblatt), 1; Spengler und das Judentum [Rezension zu: Ignaz Ziegler: Das magische Judentum, Leipzig 1922], in: Frankfurter Zeitung vom 29. Dezember 1923 (2. Morgenblatt), 2; Von Kant bis Hegel [Rezension zu: Richard Kroner: Von Kant bis Hegel. Band 1 und 2, Tübingen 1921/1924], in: Frankfurter Zeitung vom 18. Januar 1924 (Abendblatt), 3; Staat und Gemeinschaft. Ein Vortrag Martin Bubers, in: Frankfurter Zeitung vom 7. Februar 1924 (Abendblatt. Hochschulblatt Nr. 3), 4; Der Geist der jüdischen Kultur und das Abendland [Rezension zu: Friedrich Muckle: Der Geist der jüdischen Kultur und das Abendland, Wien 1923], in: Frankfurter Zeitung vom 15. Februar 1924 (Abendblatt. Literaturblatt Nr. 4), 2-3; Liebert, Prof. Dr. Arthur: Die geistige Krisis der Gegenwart [Rezension zu: Arthur Liebert: Die geistige Krisis der Gegenwart, Berlin 1923], in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 51 (1923/24), 831-832; Jaspers, Karl: Psychologie der Weltanschauungen [Rezension zu: Karl Jaspers: Psychologie der Weltanschauungen. Zweite Auflage, Berlin 1922], in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 51 (1923/24), 832-834; Protestantismus und moderner Geist. Ein Vortrag Gogartens, in: Frankfurter Zeitung vom 3. April 1924 (Abendblatt. Hochschulblatt), 4; [Anonym:] Immanuel Kant. 200. Geburtstag 1724-1924, in: Das Illustrierte Blatt 2 (1924). Nr. 17 vom 22. April 1924, 15; Christliche Wissenschaft, in: Frankfurter Zeitung vom 1. Mai 1924 (Stadt-Blatt), 3; Erkenntnis und Glaube [Rezension zu: Eberhard Grisebach: Erkenntnis und Glaube, Halle 1923], in: Frankfurter Zeitung vom 18. Juli 1924 (Abendblatt. Literaturblatt Nr. 15), 2; Zur religiösen Lage in Deutschland, in: Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. Main 3 (1924/25), Nr. 1-2 vom September-Oktober 1924, 6-7; Neuerscheinungen der Philosophischen Bibliothek, in: Frankfurter Zeitung vom 10. Oktober 1924 (Abendblatt. Literaturblatt Nr. 21), 2; Clemens Baeumker +, in: Frankfurter Zeitung vom 14. Oktober 1924 (Abendblatt), 2; Philosophie der Gemeinschaft [Rezension zu: Helmuth Plessner: Grenzen der Gemeinschaft. Eine Kritik des sozialen Radikalismus, Bonn 1924 / Karl Dunkmann: Die Kritik der sozialen Vernunft. Eine Philosophie der Gemeinschaft, Berlin 1924], in: Frankfurter Zeitung vom 30. Oktober 1924 (Abendblatt. Hochschulblatt), 4; Das Chaos als objektive Weltreligion [Rezension zu: Friedrich Grave: Das Chaos als objektive Weltreligion. Ein metaphysischer Versuch, Berlin 1924], in: Frankfurter Zeitung vom 16. Januar 1925 (Abendblatt. Literaturblatt. Nr. 2), 3; Die Lehre Nietzsches, in: Frankfurter Zeitung vom 29. Januar 1925 (Stadt-Blatt), 1; Die Gestalt Stefan Georges, in: Frankfurter Zeitung vom 30. Januar 1925 (Stadtblatt), 2; »Der Kampf mit dem Nichts«, in: Frankfurter Zeitung vom 3. Februar 1925 (Abendblatt), 2; Religiöse Welterfassung, in: Frankfurter Zeitung vom 6. Februar 1925 (Stadt-Blatt), 2; Hans Driesch. Zu seiner Philosophie [Rezension unter anderem zu: Hans Driesch: Ordnungslehre. Ein System des nichtmetaphysischen Teiles der Philosophie. Zweite Auflage, Jena 1923], in: Frankfurter Zeitung vom 28. Mai 1925 (1. Morgenblatt), 1-3; Philosophen-Kongreß. Zur Tagung der Kant-Gesellschaft, in: Frankfurter Zeitung vom 13. Juni 1925 (1. Morgenblatt), 1-3; Ferdinand Tönnies, in: Frankfurter Zeitung vom 29. Juni 1925 (Abendblatt), 1; Das Religiöse und das Profane. Zur Tagung der Katholischen Akademiker, in: Frankfurter Zeitung vom 25. August 1925 (1. Morgenblatt), 1-2; Die Kulturkrise und die Religion, in: Frankfurter Zeitung vom 20. November 1925 (Stadt-Blatt), 3; Die Bibel auf Deutsch - epochal!, in: Frankfurter Zeitung vom 25. Januar 1926 (Abendblatt), 1; Die jüdische Gesellschaft, in: Frankfurter Zeitung vom 28. Februar 1926 (Stadt-Blatt), 3; Die Bibel auf Deutsch. Zur Übersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig [Teil I] [Rezension: Das Buch im Anfang. Übersetzt von Martin Buber und Franz Rosenzweig, Berlin 1925], in: Frankfurter Zeitung vom 27. April 1926 (1. Morgenblatt), 1-2; Die Bibel auf Deutsch. Zur Übersetzung von Martin Buber und Franz Rosenzweig [Teil II], in: Frankfurter Zeitung vom 28. April 1926 (1. Morgenblatt), 1; [Anonym:] Weltbund für Freundschaftsarbeit der Kirchen, in: Frankfurter Zeitung vom 28. April 1926 (1. Morgenblatt), 3; Gegen wen?. Duplik [Antwort auf eine Replik Martin Bubers und Franz Rosenzweigs zu Kracauers Rezension], in: Frankfurter Zeitung vom 18. Mai 1926 (1. Morgenblatt), 2-3; Lebensphilosophie [Rezension zu: Ernst Barthel: Lebensphilosophie, Bonn 1923], in: Frankfurter Zeitung vom 27. Juni 1926 (2. Morgenblatt. Literaturblatt Nr. 26), [11]; Okkultismus und Spiritismus. Zu den Vorträgen von Prof. Max Dessoir, in: Frankfurter Zeitung vom 9. März 1927 (Stadt-Blatt), 3; Das Ornament der Masse. I-II, in: Frankfurter Zeitung vom 9. Juni 1927 (2. Morgenblatt), 1; Das Ornament der Masse. III-IV, in: Frankfurter Zeitung vom 10. Juni 1927 (2. Morgenblatt), 1-2; Der Zionistenkongreß. Die Eröffnung, in: Frankfurter Zeitung vom 31. August 1927 (2. Morgenblatt), 2; Der Stand der zionistischen Bewegung. Eindrücke vom Baseler Zionistenkongreß, in: Frankfurter Zeitung vom 20. September 1927 (2. Morgenblatt), 1-2; Max Scheler +, in: Frankfurter Zeitung vom 22. Mai 1928 (1. Morgenblatt), 1-2; Vortrag von Prof. [Martin] Heidegger, in: Frankfurter Zeitung vom 25. Januar 1929 (Abendblatt), 2; [Anonym:] Edmund Husserl, in: Frankfurter Zeitung vom 9. April 1929 (1. Morgenblatt), 1; Ideologie und Utopie [Rezension zu: Karl Mannheim: Ideologie und Utopie, Bonn 1929], in: Frankfurter Zeitung vom 28. April 1929 (2. Morgenblatt. Literaturblatt Nr. 17), [5]; Ernst Bloch, in: Frankfurter Zeitung vom 17. Mai 1931 (2. Morgenblatt. Literaturblatt Nr. 20), 6; Minimalforderungen an die Intellektuellen, in: Die Neue Rundschau 42 (1931), 71-75; Philosophische Brocken. Vom internationalen Hegel-Kongreß, in: Frankfurter Zeitung vom 23. Oktober 1931 (Abendblatt / 1. Morgenblatt), 1-2; Theologie gegen Nationalismus, in: Frankfurter Zeitung vom 14. Januar 1933 (Abendblatt / 1. Morgenblatt), 1; [Anonym:] Résistance de protestants allemands [Rezension zu: Karl Barth: Theologische Existenz heute, München 1933], in: L' Europe Nouvelle 16 (1933), 1099; [Anonym:] Une adaption intellectuelle à l' hitlérisme [Rezension zu: Oswald Spengler: Deutschland und die weltgeschichtliche Entwicklung, München 1933 / Oswald Spengler: Untergang des Abendlands, München 1927-1930], in: L' Europe Nouvelle 16 (1933), 1137-1140; Time and History, in: Zeugnisse. Theodor W. Adorno zum sechzigsten Geburtstag. Herausgegeben von Max Horkheimer, Frankfurt am Main 1963, 50-64; General History and the Aesthetic Approach, in: Die nicht mehr schönen Künste. Grenzphänomene des Ästhetischen (Poetik und Hermeneutik. Band III. Herausgegeben von Hans Robert Jauß), München 1968, 111-127; Diskussionsbeiträge, in: Ebd., 561-562. 568-569. 576-577. Buchveröffentlichungen: Die Entwicklung der Schmiedekunst in Berlin, Potsdam und einigen Städten der Mark vom 17. Jahrhundert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts (Diss. TH Berlin), Worms 1915; [Friedel Kracauer:] Auf der großen Fahrt, München o.J. [1915]; Soziologie als Wissenschaft. Eine erkenntnistheoretische Untersuchung, Dresden 1922; Die Wartenden. Erste Gabe des Frankfurter Bundes tätiger Altstadtfreunde [broschierter Sonderdruck aus der Frankfurter Zeitung], Frankfurt am Main 1922; [Anonym:] Ginster. Von ihm selbst geschrieben, Berlin 1928 (Zweite Ausgabe (Bibliothek Suhrkamp. Band 107), Frankfurt am Main 1963. Zweite Auflage der zweiten Ausgabe (Bibliothek Suhrkamp. Band 107), Frankfurt am Main 1972); Die Angestellten. Aus dem neuesten Deutschland, Frankfurt am Main 1930 (zahlreiche weitere Ausgaben, darunter italienische, japanische und tschechische Übersetzungen); Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit, Amsterdam 1937 (zahlreiche weitere Ausgaben, darunter englische, amerikanische, französische, italienische, japanische und schwedische Übersetzungen); Propaganda and the Nazi War Film, New York 1942; The Conquest of Europe on the Screen. The Nazi Newsreel 1939-1940; Washington D.C. 1943; From Caligari to Hitler. A Psychological History of the German Film, Princeton 1947 (zahlreiche weitere Ausgaben, darunter deutsche, finnische, französische, italienische, japanische, polnische, russische, spanische, tschechische und ungarische Ausgaben [deutsche Ausgaben: Von Caligari bis Hitler. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Films. Autorisierte Übertragung von Friedrich Walter (Rowohlts Deutsche Enzyklopädie. Band 63), Hamburg 1958 / Von Caligari zu Hitler. Eine psychologische Geschichte des deutschen Films. Übersetzt von Ruth Baumgarten und Karsten Witte, Frankfurt am Main 1979]); Les Types Nationaux vus par Hollywood. UNESCO Broschüre o.J. [1949]; Udlaendinge i amerikanske film. Oversat af Karl Roos, Copenhagen 1951; [With Paul L. Berkman:] Attitudes Toward Various Communist Types in Hungary, Poland and Czechoslovakia, New York o.J. [1955]; [With Paul L. Berkman:] Satellite Mentality. Political Attitudes and Propaganda Susceptibilities of Non-Communists in Hungary, Poland and Czechoslovakia. A Report of the Bureau of Applied Social Research, Columbia University. With a Foreword by Henry L. Roberts, New York 1956; Theory of Film. The Redemption of Physical Reality. New York 1960 (hiervon deutsche, italienische, polnische, russische, serbokroatische, tschechische und ungarische Übersetzungen); Das Ornament der Masse. Essays, Frankfurt am Main 1963 (Zweite Ausgabe: Mit einem Nachwort von Karsten Witte (Suhrkamp Taschenbuch. Band 371), Frankfurt am Main 1977); Straßen in Berlin und anderswo, Frankfurt am Main 1964 (Zweite Ausgabe: Mit einem Essay von Gerwin Zohlen. Berlin 1987); History. The Last Things Before the Last, New York 1969 (hiervon deutsche, italienische und japanische Übersetzungen [deutsche Ausgabe: Geschichte - Vor den letzten Dingen. Aus dem Amerikanischen von Karsten Witte, Frankfurt am Main 1971]); Über die Freundschaft. Essays, Frankfurt am Main 1971 (Zweite Auflage. Frankfurt am Main 1980 / Dritte Auflage. Frankfurt am Main 1986); Kino. Essays, Studien, Glossen zum Film. Herausgegeben von Karsten Witte (Suhrkamp Taschenbuch. Band 126), Frankfurt am Main 1974; Georg (Bibliothek Suhrkamp. Band 567), Frankfurt am Main 1977; Der Detektiv-Roman. Ein philosophischer Traktat (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft. Band 297), Frankfurt am Main 1979 (hiervon französische und italienische Übersetzungen); Der verbotene Blick. Beobachtungen, Analysen, Kritiken. Herausgegeben von Johanna Rosenberg, Leipzig 1992. - Siegfried Kracauer - Erwin Panofsky. Briefwechsel 1941-1966. Herausgegeben, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Volker Breidecke. Mit einem Anhang: Siegfried Kracauer »under the spell of the living Warburg tradition« (Schriften des Warburg-Archivs im Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg. Band 4), Berlin 1996; Berliner Nebeneinander. Ausgewählte Feuilletons 1930-1933. Herausgegeben von Andreas Volk, Zürich 1996; Frankfurter Turmhäuser. Ausgewählte Feuilletons 1906-1930. Herausgegeben von Andreas Volk, Zürich 1997. Werkausgabe: Schriften. Band 1-9. Herausgegeben von Karsten Witte, Frankfurt am Main 1971ff.: Band 1: Soziologie als Wissenschaft. Der Detektiv-Roman. Die Angestellten, Frankfurt am Main 1971; Band 2: Von Caligari zu Hitler. Eine psychologische Geschichte des deutschen Films. Übersetzt von Ruth Baumgarten und Karsten Witte, Frankfurt am Main 1979; Band 3: Theorie des Films. Die Errettung der äußeren Wirklichkeit. Vom Verfasser revidierte Übersetzung von Dr. Friedrich Walter und Ruth Zellschan, Frankfurt am Main 1973; Band 4: Geschichte - Vor den letzten Dingen. Aus dem Amerikanischen von Karsten Witte, Frankfurt am Main 1971; Band 5: Aufsätze. Herausgegeben von Inka Mülder-Bach. Teilband 5/1: Aufsätze 1915-1926, Frankfurt am Main 1990 / Teilband 5/2: Aufsätze 1927-1931, Frankfurt am Main 1990 / Teilband 5/3: Aufsätze 1932-1965, Frankfurt am Main 1990; Band 7: Ginster. Georg, Frankfurt am Main 1973; Band 8: Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit, Frankfurt am Main 1976. (Die Bände 6 [Schriften zum Film] und 9 [Schriften aus dem Nachlaß] stehen noch aus.)

Lit.: Zeitschrift für Sozialforschung. Herausgegeben im Auftrag des Instituts für Sozialforschung (seit 1934: The Institute of Social Research, New York) von Max Horkheimer, Paris / New York. Band 1-9 (1932-1940) [Bände 8-9 unter dem Titel: Studies in Philosophy and Social Science] (Nachdruck: München 1970); - Theodor W. Adorno: Der wunderliche Realist, in: Neue deutsche Hefte 11 (1964), 17-18; - Margarete Susman: Ich habe viele Leben gelebt. Erinnerungen, Stuttgart 1964; - Margarete Susman: Vom Geheimnis der Freiheit. Gesammelte Aufsätze 1914-1964. Herausgegeben von M. Schlösser, Darmstadt / Zürich 1965; - Theodor W. Adorno: Siegfried Kracauer tot, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. Dezember 1966; - Walter Benjamin: Briefe. Zwei Bände. Herausgegeben von Gershom Scholem und Theodor W. Adorno, Frankfurt am Main 1966; - Ulrich Sonnemann: Wer war Siegfried Kracauer?, in: Süddeutsche Zeitung vom 17./18. Dezember 1966; - Hans G. Helms: Der wunderliche Kracauer. Zu seinen Schriften I-IV, in: Neues Forum Juni/Juli 1971; Oktober/November 1971; Dezember 1971; September/Oktober 1972; - Hans Heinz Holz: Philosophie als Fragment. Siegfried Kracauer und das Denken der zwanziger Jahre, in: National-Zeitung vom 26. März 1972; - Martin Jay: The exterritorial Life of Siegfried Kracauer, in: Salmagundi 31/32 (1975), 49-106; - Martin Jay: Dialektische Philosophie. Die Geschichte der Frankfurter Schule und des Instituts für Sozialforschung 1923-1950, Frankfurt am Main 1976; - G. L. Mosse: Die Nationalisierung der Massen. Übersetzt von O. Weith, Frankfurt am Main / Berlin / Wien 1976; - Arno Münster (Hrsg.): Tagträume vom aufrechten Gang. Sechs Interviews mit Ernst Bloch, Frankfurt am Main 1977; - Deutsche Literatur im Exil 1933-1945. Texte und Dokumente. Herausgegeben von Michael Winkler, Stuttgart 1977; - Alexander Stephan: Die deutsche Exilliteratur 1933-1945. Eine Einführung, München 1979; - Siegfried Kracauer. Text + Kritik. Zeitschrift für Literatur. Herausgegeben von Heinz Ludwig Arnold. Heft 68, München 1980; - M. Schröter: Weltzerfall und Rekonstruktion. Zur Physiognomik Siegfried Kracauers, in: Text + Kritik. Zeitschrift für Literatur. Herausgegeben von Heinz Ludwig Arnold. Heft 68, München 1980, 18-40; - Leo Löwenthal: Mitmachen wollte ich nie. Ein autobiographisches Gespräch mit Helmut Dubiel, Frankfurt am Main 1980; - Rolf M. Bäumer: Gesellschaftskritik als Erkenntniskritik. Zu Siegfried Kracauers Sozial- und Soziologiekritik. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Marburg 1981; - Genia Schulz: Traum und Aufklärung. Die Stadtbilder Siegfried Kracauers, in: Merkur 36 (1982), 878-888; - Fritz K. Ringer. Die Gelehrten. Der Niedergang der deutschen Mandarine 1890-1933. Übersetzt von K. Laermann, Stuttgart 1983; - H. A. Strauss / W. Röder (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945. Drei Bände, München u.a. 1983; - Horst Möller: Exodus der Kultur. Schriftsteller, Wissenschaftler und Künstler in der Emigration nach 1933, München 1984; - Inka Mülder: Siegfried Kracauer-Grenzgänger zwischen Theorie und Literatur. Seine frühen Schriften 1913-1933, Stuttgart 1985; - Martin Jay: Permanent Exiles. Essays on the Intellectual Migration From Germany to America, New York 1985 (darin: Kapitel 11: The Exterritorial Life of Siegfried Kracauer; Kapitel 12: Politics of Translation: Siegfried Kracauer and Walter Benjamin on the Buber-Rosenzweig Bible; Kapitel 13: Adorno and Kracauer: Notes on an troubled Friendship); - Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule. Geschichte-Theoretische Entwicklung-Politische Bedeutung, München 1986; - Walter Benjamin: Briefe an Siegfried Kracauer. Mit vier Briefen von Siegfried Kracauer an Walter Benjamin. Herausgegeben vom Theodor W. Adorno Archiv (Marbacher Schriften. Herausgegeben vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar), Marbach am Neckar 1987; - C.-D. Krohn: Deutsche Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler in den USA und die New School for Social Research, Frankfurt am Main / New York 1987; - Inka Mülder-Bach: Der Umschlag der Negativität. Zur Verschränkung von Phänomenologie, Geschichtsphilosophie und Filmästhetik in Siegfried Kracauers Metaphorik der »Oberfläche«, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 61 (1987), 359-373; - Karsten Witte: Siegfried Kracauer im Exil, in: H. L. Arnold (Hrsg.): Exilforschung. Band 5, München 1987, 135-149; - Gertrud Koch: »... noch nirgends angekommen«. Über Siegfried Kracauer, in: Dan Diner (Hrsg.): Zivilisationsbruch. Denken nach Auschwitz, Frankfurt am Main 1988 (vgl. darin auch: Dan Diner: Aporie der Vernunft. Horkheimers Überlegungen zu Antisemitismus und Massenvernichtung, Ebd., 30-53); - Angela Huß-Michel: Literarische und politische Zeitschriften des Exils 1933-1945, Stuttgart 1987; - Martin Jay: Massenkultur und deutsche intellektuelle Emigration. Der Fall Max Horkheimer und Siegfried Kracauer, in: Ilja Srubar (Hrsg.): Exil, Wissenschaft, Identität. Die Emigration deutscher Sozialwissenschaftler 1933-1945, Frankfurt am Main 1988, 252-280; - Tilo Rudolf Knops: Zwischen Weimar und Hollywood. Zum Widerstreit von Erfahrung und Theorie bei Siegfried Kracauer, in: Rundfunk und Fernsehen 36 (1988), 465-483; - Siegfried Kracauer 1889-1966. Bearbeitet von Ingrid Belke und Irina Renz (Marbacher Magazin 47/1988), Marbach 1989 (Dritte Auflage. Marbach 1994); - Inka Mülder: »Mancherlei Fremde«. Paris, Berlin und die Exterritorialität Siegfried Kracauers, in: Juni. Magazin für Kultur und Politik 3 (1989), 60-72; - Thomas Y. Levin: Der enthüllte Kracauer. Eine Einleitung, in: Thomas Y. Levin: Siegfried Kracauer. Eine Bibliographie seiner Schriften (Deutsches Literaturarchiv. Verzeichnisse, Berichte, Informationen. Band 14), Marbach am Neckar 1989; - David Frisby: Fragmente der Moderne. Georg Simmel, Siegfried Kracauer, Walter Benjamin. Übersetzt von A. Rinsche, Rheda-Wiedenbrück 1989; - Hans Speier: Die Angestellten vor dem Nationalsozialismus. Zur deutschen Sozialstruktur 1918-1933, Frankfurt am Main 1989; - Michael Kessler / Thomas Y. Levin (Hrsg.): Siegfried Kracauer. Neue Interpretationen. Akten des internationalen, interdisziplinären Kracauer-Symposions Weingarten, 2.-4. März 1988 (Stauffenberg Colloquium. Band 11), Tübingen 1990; - Dagmar Barnouw: »An den Rand geschriebene Träume«. Kracauer über Zeit und Geschichte, in: Ebd., 1-15; - Inka Mülder-Bach: Schlupflöcher. Die Diskontinuität des Kontinuierlichen im Werk Siegfried Kracauers, in: Ebd., 249-266; - Rolf Wiggershaus: Ein abgrundtiefer Realist. Siegfried Kracauer, die Aktualisierung des Marxismus und das Institut für Sozialforschung, in: Ebd., 285-295; - Walter Benjamin 1892-1940. Bearbeitet von Rolf Tiedemann, Christoph Gödde und Henri Lonitz (Marbacher Magazin 55/1990), Marbach am Neckar 1990; - Inka Mülder-Bach: History as Autobiography: »The Last Things Before the Last«, in: German Critique 54 (1991), 139-157; - G. L. Mosse: Jüdische Intellektuelle in Deutschland. Zwischen Religion und Nationalismus. Übersetzt von C. Spelsberg (Edition Pandora), Frankfurt am Main 1992; - T. von Stockhausen: Die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg. Architektur, Einrichtung, Organisation, Hamburg 1992; - Gertrud Koch: Die Einstellung ist die Einstellung. Visuelle Konstruktionen des Judentums, Frankfurt am Main 1992; - Margarete Susman: »Das Nah- und Fernsein des Fremden«. Essays und Briefe. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Ingeborg Nordmann, Frankfurt am Main 1992; - Miriam Hansen: Mass Culture as Hieroglyphic Writing: Adorno, Derrida, Kracauer, in: New German Critique. Nr. 56 (1992); - Deutsche Intellektuelle im Exil. Ihre Akademie und die »American Guild for German Cultural Freedom«. Eine Ausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933-1945 der Deutschen Bibliothek, Frankfurt am Main. Bearbeitet von Werner Berthold, Brita Eckert und Frank Wende (Die Deutsche Bibliothek. Sonderveröffentlichungen. Band 18), München 1993; - Ingrid Belke: »Das Geheimnis des Faschismus liegt in der Weimarer Republik«. Der Kunsthistoriker Meyer Schapiro über Kracauers erstes Filmbuch, in: Filmexil 4 (1994), 35-49; - Ingrid Belke: Identitätsprobleme Siegfried Kracauers, in: Wolfgang Benz / M. Neuss (Hrsg.): Deutsch-jüdisches Exil: das Ende der Assimilation? Identitätsprobleme deutscher Juden in der Emigration, Berlin 1994, 45-65; - Dagmar Barnouw: Critical Realism. History, Photography and the World of Siegfried Kracauer, Baltimore / London 1994; - Volker Breidecker: Kracauer und Panofsky. Ein Rencontre im Exil, in: Hamburger Kunsthalle (Hrsg.): Im Blickfeld. Jahrbuch der Hamburger Kunsthalle. Konstruktion der Moderne, Hamburg 1994, 125-147; - D. Hoeges: Kontroverse am Abgrund: Ernst Robert Curtius und Karl Mannheim. Intellektuelle und »freischwebende Intelligenz« in der Weimarer Republik, Frankfurt am Main 1994; - Gertrud Koch: Kracauer zur Einführung, Hamburg 1996.

Matthias Wolfes

Werkeergänzung:

2006

Werke. Hrsg. von Inka Mülder-Bach u. Ingrid Belke. Frankfurt a.M. 2006ff.; - L'histoire. Des avant-dernières choses. Trad. de l'anglais par Claude Orsoni. Ed. par Nia Perivolaropoulou et Philippe Despoix. Paris 2006; -

2008

L'ornement de la masse. Essais sur la modernité weimarienne. Trad. de l'allemand par Sabine Cornille. Texte ed. par Olivier Agard et Philippe Despoix. Paris 2008; - Le voyage et la danse. Figures de ville et vues de films. Textes choisis et présentés par Philippe Despoix. Trad. de l'allemand par Sabine Cornille. Nouv. éd. Paris 2008; - El ornamento de la masa. Trad. de Laura S. Carugati. Prólogo de Christian Ferrer. Posfacio de Karsten Witte. 1: La fotografía y otros ensayos. Barcelona 2008;

2009

O ornamento da massa. Trad. Carlos Eduardo J. Machado e Marlene Holzhausen. Sao Paulo 2009.

Literaturergänzungen:

1992

Klaus Michael: Vor dem Café. Walter Benjamin und Siegfried Kracauer in Marseille. In: Aber ein Sturm weht vom Paradiese her. Texte zu Walter Benjamin. Herausgegeben von M. Opitz, E. Wizisla. Leipzig 1992; -

1994

Klaus Michael: Filmkritik als Kulturkritik. Siegfried Kracauers frühe Filmkritik 1921-1941. (Diss. Berlin 1994) (Manuskriptdruck); -

2006

S.K.s Blick. Anstöße zur Ethnographie d. Städischen. Christine Holste (Hrsg.). Berlin 2006; -

2007

Tara Forrest, The politics of imagination. Benjamin, Kracauer, Kluge. Bielefeld 2007; - Gerhard Richter, Thought-images. Frankfurt School writers. Reflections from damaged life. Stanford, Calif. 2007; -

2008

Georg Steinmeyer, S.K. als Denker d. Pluralismus. Eine Annäherung im Spiegel Hannah Arendts. Berlin 2008; -

2009

Denken durch d. Dinge. S.K. im Kontext. Frank Grunert ; Dorothee Kimmich (Hrsg.). Paderborn 2009.

Letzte Änderung: 03.03.2010