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Band IV (1992) Spalten 915-916 Autor: Paul Duclos

LA BRIERE, Yves de, Spezialist für Internationale Ethik, * 30.1. 1877 in Vif a.d. Isère, + 27.2. 1941 in San Miguel (Argentinien), Großneffe mütterlicherseits des berühmten Ägyptologen Champollion. 1894 trat er in den Jesuitenorden ein, wo er eine solide geistliche Bildung erhielt, die er mit 3 Staatsexamina in Literaturwissenschaft, Geschichte und später in Jura abschloß, das er mit einer öffentlichen Verteidigung theologischer Thesen krönte. In den folgenden 2 Jahren lehrte er über die »Ekklesiologie« am Scholastikat in Hastings in England. Danach wurde er nach Paris berufen, wo er von 1909 bis zu seinem Tod eine regelmäßige Chronik »Les luttes présentes« (Die gegenwärtigen Kämpfe) verfaßte, die bis 1925 in den »Etudes« veröffentlicht wurden. Mit der großen Gabe klarer Darstellung und gestraffter Dialektik, die ohne Umwege zum Wesentlichen führten, wurde La B. zum Spezialisten der Beziehungen zwischen Kirche und Staat. In den schwierigen Jahren vor dem Krieg kommentierte er die Enzykliken gegen den Modernismus, wobei er mit großer Objektivität das Denken der Gegner analysierte. Als 1917 eine heftige Kampagne gegen die von Papst Benedikt XV. den kriegführenden Staaten - vielleicht ein wenig verfrüht - angebotene Vermittlung entfesselt wurde, übernahm La B. die äußerst mutige Verteidigung des Papstes, indem er dessen Wunsch nach Abbruch der Massaker erklärte und dessen Anstrengungen für die Opfer der verfeindeten Lager aufzeigte. 1920 betraute Kardinal Baudrillart La B. mit einem neuen Lehrstuhl am »Institut catholique« über die »Christlichen Grundlagen der Menschenrechte«. In seinen Vorlesungen suchte er eine Organisation des internationalen Lebens zu entwickeln, die sich auf eine vom Evangelium erhellte Geschichtsphilosophie gründete. Als Historiker der Ideenlehre war er bestrebt, die Entwicklung der Tradition aufzuzeigen, die auf den »Gottesstaat« von Augustinus zurückgeht, sich mit den juristischen Theologen Vitoria im 16.Jh. und Suarez im 17.Jh. wie mit den kühnen Ausblicken des Taparelli d'Azeglio im 19.Jh. erweiterte und schließlich zu den päpstlichen Lehren des 20.Jh. führte. Ohne sich Illusionen über die gravierenden Unzulänglichkeiten der Verträge von 1919 wie des Völkerbundes zu machen, reagierte La B. auf die systematische Mißachtung und bemühte sich, der Genfer Ideologie ein seelisches Moment aus christlichem Geist hinzuzufügen. Die Zusammenfassung seines Gedankenguts führte er in seinem Hauptwerk »La Communauté des Puissances« (Die Gemeinschaft der Mächte) aus. Seine Sachkenntnis, die Ausgewogenheit seines Urteils und seine Höflichkeit verliehen La B. nach und nach internationale Beachtung: Man bat ihn um Vorlesungen an der Völkerrechtsakademie in Den Haag und an der Carnegiestiftung für den internationalen Frieden in Genf; er war ein Freund von Professor Le Fur und verkehrte häufig mit Aristide Briand; er nahm oft an Sitzungen des Völkerbundes teil; er war Mitglied verschiedener internationaler Organisationen wie des Instituts des Rechts, der Diplomatischen Akademie, der Juridischen Union etc. Doch starb er viel zu früh, zutiefst enttäuscht vom Mißerfolg seiner Bemühungen im 2. Weltkrieg, während einer Vortragsreise durch Lateinamerika.

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Werke: Article important Papauté, dans Dict.d'Apologétique, 3, 1331-1371; Luttes présentes de l'Eglise, 6 Bde., 1909-1925; L'organisation internationale... et la Papauté, 3 Bde., 1924-1930; La Communauté des Puissances, 1932; L'Eglise et son Gouvernement, 1935; Le droit de juste guerre, 1937.

Lit.: Construire (Etudes pendant la guerre), 3° série, 134-160; - Etudes, nov. 1956, 293-298; - A. de La Pradelle, Maitres... du droit des gens, 1950, 345-358; - Catholicisme, 6, 1539-41; - Encicl. Cattolica, 7, 780. (Aux archives S.J de Vanves, manuscrit non publié d'une biographie d'Y. de La B. par H. du Passage).

Paul Duclos

Letzte Änderung: 09.04.2011