LA FAYE, Antoine, ref. Theologe; * um 1540 Chateaudun, + 1615
Genf. - Der aus einer reichen Familie stammende La Faye wanderte
1561 in Genf ein und wurde, nach seiner Verheiratung von 1563, 1568
Bürger von Genf. Ab 1570 lehrte er am Gymnasium zu Genf, immer etwas
schwankend zwischen Theologie und Philosophie. Nach einem Jahresurlaub,
in welchem er sich in Padua 1574 den Doktortitel in Medizin erwarb,
lehrte er ab 1577/78 an der Akademie in Genf Philosophie. Zwischen
1781 und 1610 war er daselbst Prof. der Theologie und in den Jahren
1580-84 Rektor der Akademie. Weil er ein Schützling von de Bèze war,
konnte er sich trotz schlechter Qualifikation in seinen Stellungen
halten, aber es gelang F. nicht, zum direkten Nachfolger de Bèzes
designiert zu werden. Im Auftrag der Compagnie des Pasteurs, deren
Vorsitzender er war, gab er zusammen mit Perrot, Goulart und Rotan
eine französische Übersetzung der Bibel heraus, zu welcher er das
Vorwort verfaßte. Zusammen mit Beza beteiligte er sich 1589 an der
erfolglosen Disputation von Montbéliard, nachdem er sich bereits 1584
an der Synode national de Montauban beteiligt hatte. Auch in verschiedenen
privaten Disputationen war La.F. meistens unterlegen. Er starb an
den Folgen der Pest in Genf 1615. - La.F. ist vor allem bekannt,
weil er ein Schützling von de Bèze war. Ihm verdankt er auch seine
aus rein persönlichen Motiven angestrebte Karriere, die er trotz fehlender
Ausbildung und Qualifikation recht weit vorantrieb. Sein theologisches
und literarisches Schaffen hat wenig Bedeutung.
Werke: De vernaculis bibliorum interpretationibus et sacris
vernacula lingua peragendis. Genf 1572; De verbo Dei. Genf 1591; De
traditionibus adversus pontificios. Genf 1592; De Christo mediatore.
Genf 1597; De bonis operibus. Genf 1601; Geneva liberata, seu narratio
liberationis illius quae divinitus inmissa est Genevae. Genf 1603;
De Tergemina Genevae deliberatione, ex A.F. Geneva deliberata. Genf
1603; Enchiridion theologicum, aphoristica methodo compositum ex disputationibus
Antonii Fayi. Genf 1605; Enchiridion disputationum theologicarum.
Genf 1605; De vita et obitu Theodori Bezae. Genf 1606; In D. Pauli
apostoli Epistolam ad romanos commentarius. Genf 1608; In librum Salomonis
qui inscribitur Ecclesiastes commentarius; accessit ejusdem commentarius
in Psalmum XLIX. Genf 1609; Commentarii in Psalmos XLIX et LXXXVII.
Genf 1609; In divi Pauli apostoli Epistolam priorem ad Thimotheum
commentarius Antonii Fayi. Accessit ejusdem Commentarius in Psalmum
87. Genf 1609; De vita et obitu Bezae Hypomnemata. Genf 1606; idem
französisch ed. P. Solomeau. Genf 1610; Emblemata et Epigrammata selecta
ex stromatis peripateticis. Genf 1610; Les vies de Jean Calvin écrite
en latin par Théodore de Bèze et de Théodore de Bèze écrite en latin
par Antoine de la Faye, mise en français par Antoine Theissier. Genf
1681.
Lit.: Albert de Montet, Dictionnaire biographique des
Vaudois et Genevois. Lausanne 1877/78; - Charles Borgeaud, Histoire
de l'Université de Genève. I Genève 1900, 232 ff.; - Paul-Frédéric
Geisendorf, L'Université de Genève 1559 bis 1959. Quatre siècles d'histoire.
Genf 1959, 64 ff.; - Josef Zweifel, Der Wortschatz der religiösen
Polemik in französischer Sprache um 1600. Lexikologische Untersuchung
der Kontroverse um die Kreuzesverehrung zwischen Antoine de la Faye
von Genf und Franz von Sales von Savoyen. Diss. (Fribourg) 1963, Eichstätt
1963 (v.a. 9-18); - NBG 1859, 686-87; - HBLS IV 1927, 57-58;
- RGG IV 1961, 200.