LA MARCHE, Jean-François de, französischer Prälat und Kämpfer
gegen die Revolution. - * 4.7. 1729 in Ergué-Baberic (Finistère),
+ 25.11. 1806 in London. - Aus adeligem bretonischen Hause
stammend entschied sich La M. zunächst für den Militärdienst, kämpfte
in den Kriegen nach 1740 im französischen Heer und wurde in der Schlacht
bei Plaisance schwer verwundet. 1747 promoviert er zum Capitaine des
Régiment de la Reine-lnfantrie nimmt aber noch im gleichen Jahr seinen
Abschied und tritt, nach einem offensichtlichen Sinneswandel, noch
1747 in das Petit Séminaire von St. Sulpice zum Studium der Theologie
ein. 1751 erfolgt der Wechsel ins Grand Séminaire und am 6. April
1756 wird La M. zum Priester geweiht. Sein seelsorglicher Eifer, seine
gallikanistische, aber antijansenistische Haltung, sowie sein untadeliges
Verhalten gewähren einen raschen Aufstieg: 1759 Canonicus und Generalvikar
von Tréguier, 1764 Abbé von Aubin-du-Bois, schließlich 1772 durch
Ernennung Ludwigs XVI. Bischof von St. Paul-de-Léon. Während er in
den Jahren kurz vor der Revolution noch auf seiten der Großadeligen
gegen die Reformen des Königs votierte, wird er nach Ausbruch der
Revolution zum Kämpfer für das Ancien Régime. Mit großer Unterstützung
durch seine Diözesanen setzt er revolutionsfreundliche Priester seines
Sprengels ab und unterbindet jede Sympathisierung mit den neuen Ideen.
Als er den geforderten Eid auf die Verfassung ablehnt, wird die Situation
unhaltbar. Am 8. Januar 1791 flieht La M. auf Veranlassung einiger
Freunde nach London, nachdem bereits einige Tage zuvor ein Haftbefehl
gegen ihn erlassen worden war. Bis zu seinem Tode in der britischen
Hauptstadt verweilend, organisierte er dort die Seelsorge und Betreuung
der französischen Emigranten. Auf seinen Sprengel hat er niemals rechtens
verzichtet, allerdings entband er 1802 seine Gläubigen von ihrer Gewissenspflicht
und riet zur Akzeptanz des neuen Konkordatsbischofs. - Gemäß seiner
soldatischen Ausbildung ein unermüdlicher Kämpfer für die katholische
Wahrheit lag der Hauptverdienst La M.s wohl in seinem Pastoralwerk
für seine Diözesanen, zunächst in St. Paul-de-Léon, dann in London.
War sein Leben bis 1789 in den normalen Bahnen des `abbé noble' verlaufen,
so gereichten ihm danach sein Mut und sein Organisationstalent zu
außerordentlicher Bedeutung. Daß die frz. Emigranten in England Aufnahme
fanden und ein halbwegs normales Leben führen konnten - auch in finanzieller
Hinsicht - ist vor allem sein Verdienst.
Werke: Lettre pastorale ou Ordonance vom 20. August 1791
(das Schisma betreffend); Lettre à M. Laligne... 1791 (die Kleruskonst.
betreffend); Lettre... aux Écclésiastiques François réfugiés en Angleterre
(gerdr. London) 1793; Lettre de M. l'Évèque de Saint-Paul-de-Léon
à notre très saint père le Pape Pie VII (Original lat., gedr. frz.
und engl. in London) 1804.
Lit.: Charles-François de Lubersac de Livron, Journal
historique et religieux de l'émigration et deportation du clergé de
France en Angleterre, 1802; - Charles de Chatellier, Oraison funèbre
de Jean-François de LaM., Évèque et comte de Léon, prononcée le 29
janvier 1807, dans la Chapelle Françoise de Conway-Street, Fitzroy-Square,
1807; - François-Xavier Plasse, Le clergé français refugié en
Angleterre, 1886; - Mémoires des évèques français résidants à
Londres, 1898; - Victor Pierre, Le clergé français en Angleterre,
in: Revue des questions historiques LXVI (1899); - Louis Kerbirou,
Jean-François de LaM. évèque comte de Léon (1729-1806), 1924; -
Eduard de Pressence, L'Église et la Revolution Française, (Ndr.) 1982;
- Bernard Cousin, La pique et la croix, 1989; - Yann Fanchois,
Réligion et France révolutionnaire, 1989; - Catholicisme VI (1967),
1683-1685; - Nouv. Biogr. Gén. XXIX (1967), 51 f.; - Hier.Cath.
VI, 259.
Josef Johannes Schmid
Letzte Änderung: 09.04.2011