LANDERSDORFER, Simon Konrad (Taufname: Josef), Bischof von Passau,
* 2.10. 1880 in Neutenkam/Niederbayern, + 21.7. 1971 in Passau.
- L., aus bäuerlicher Familie stammend, absolvierte die Gymnasialstudien
in Scheyern und Freising; nach dem Abitur trat er 1899 in die oberbayerische
Benediktinerabtei Scheyern ein und erhielt bei der Einkleidung den
Ordensnamen Simon. Nach dem Noviziatsjahr und der Ordensprofeß am
28.10. 1900 studierte L. in Eichstätt Theologie und wurde am 19.12.
1903 in München zum Priester geweiht. Auf eine kurze erzieherische
und seelsorgliche Tätigkeit folgte ab Herbst 1905 das Studium der
klassischen Sprachen und die Vorbereitung auf das gymnasiale Lehramt
in München. Ab 1908 war L. Lehrer und ab 1912 Institutsdirektor in
der Abtei Ettal; 1917 wurde er Subprior und Lehrer in Scheyern. 1920
erfolgte die Berufung L.s, der sich seit seiner Eichstätter Zeit intensiv
mit orientalistischen und alttestamentlichen Studien befaßt hatte
und in diesem Fachgebiet promoviert war (Dr. phil. in München 1907,
Dr. theol. in Freiburg i. Br. 1917), zum Professor für alttestamentliche
Exegese an der römischen Benediktinerhochschule S. Anselmo. Die akademische
Tätigkeit in Rom wurde durch die Wahl zum Abt von Scheyern am 3.3.
1922 beendet; am 21.3. erhielt L. durch Kardinal Faulhaber die Abtsbenediktion.
Als Abt richtete L. sein Augenmerk sowohl auf wirtschaftliche Aufgaben
als auch auf die geistliche Leitung seines Klosters und die Pflege
der Liturgie. 1928 hatte er zusammen mit dem Abt Laurentius Zeller
aus Trier im Auftrag von Papst Pius XI. eine außerordentliche Visitation
der österreichischen Benediktinerklöster durchzuführen und stellte
dabei seine Tatkraft unter Beweis. Am 11. 9. 1936 wurde L. zum Diözesanbischof
von Passau ernannt und empfing am 28. 10. 1936 durch den Münchener
Metropoliten Kardinal Faulhaber die bischöfliche Weihe (Wahlspruch:
»Stat Crux dum volvitur orbis«). Aus Verehrung gegenüber dem 1934
heiliggesprochenen Kapuzinerbruder Konrad von Parzham fügte L. seinem
Ordensnamen Simon nun den zweiten Vornamen Konrad hinzu. Dem Nationalsozialismus
trat L., als Bischof unterstützt von seinem Generalvikar Riemer, mit
Entschiedenheit und Geschick entgegen. Nach dem Anschluß des Sudetenlandes
an das Deutsche Reich hatte L. im Einverständnis des zuständigen Bischofs
von 1938 bis 1946 zusätzlich zu seinem Bistum Passau drei Dekanate
der Diözese Budweis als Apostolischer Administrator oberhirtlich zu
leiten. Auf der Ebene der Fuldaer Bischofskonferenz übernahm L. zusammen
mit Bischof Stohr von Mainz die Leitung des 1940 errichteten Liturgischen
Referats. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war L., dessen Diözese durch ihre Grenzlage und durch den starken
Zustrom vor allem böhmischer Heimatvertriebener Belastungen ausgesetzt
war, um die zeitgemäße Erneuerung der Seelsorge und des kirchlichen
Lebens bemüht; die Diözesankonferenzen von 1946 und 1960 und der Ausbau
kirchlicher Einrichtungen (Seminare, Exerzitienhaus Maria-Hilf) sind
äußere Zeichen für L.s Aktivitäten. Über die Diözese hinaus wirkte
L.s Engagement in der Sorge für die Liturgie und die Ökumene. In den
Jahren 1962 bis 1965 nahm L. am Zweiten Vatikanischen Konzil teil.
Am 28. 10. 1968 übergab der noch immer rüstige Bischof die Leitung
der Diözese seinem 1961 ernannten Koadjutor Anton Hofmann. - L.
war eine kraftvolle und vielseitige Persönlichkeit und sowohl für
Wissenschaft und Unterricht als auch für kirchliche Leitungsaufgaben
in hohem Maße befähigt. Für die Diözese Passau brachte seine kluge
und entschlossene Amtsführung als Bischof eine Zeit der Konsolidierung
und des Aufbaus. Im deutschen Episkopat hat sich der hochangesehene
L. besonders um die liturgische Erneuerung bemüht und damit vorbereitend
für die vom Zweiten Vatikanischen Konzil eingeleitete Liturgiereform
gewirkt.
Werke: Altbabyl. Privatbriefe, transkribiert, übers. und
komm. (Stud. z. Gesch. und Kultur des Altertums III, 2), 1908; Die
Bibel und die südarab. Altertumsforsch. (Bibl. Zeitfragen III, 5/6),
1910 (19203); Eine babyl. Qu. f. das Buch Job? (Bibl. Stud.
16, 2), 1911; Arabien und seine Kultur (Geschichtl. Jugend- und Volks-Bibl.
37), 1911; Ausgew. Schrr. der syr. Dichter Cyrillonas, Baläus, Isaak
v. Antiochien und Jakob v. Sarug (BKV 6), 1913; Die Kultur der Babylonier
und Assyrier, 1913 (19252); Die Götterliste des Mar Jacob v.
Sarug in seiner Homilie über den Fall der Götzenbilder, 1914; Sumerisches
Sprachgut im AT (BWAT 20), 1916; Die sumerische Frage und die Bibel
(Bibl. Zeitfragen VIII, 2), 1917; Die sumerischen Parallelen z. bibl.
Urgesch. (ATA VII, 5), 1917; Der Baal tetramorphos und die Kerube
des Ezechiel (Stud. z. Gesch. und Kultur des Altertums IX, 3), 1918
(Nachdr. 1967); Die Psalmen, lat. und dt., 1922; Stud. z. bibl. Versöhnungstag
(ATA X, 1), 1924; Die Bücher der Könige, übers. und erkl. (Bonner
Bibel AT III, 2), 1927; Konstitution des II. Vatikanischen Konzils
»Über die hl. Liturgie«. Hrsg. v. Bisch. S. K. L., Josef A. Jungmann
und Johannes Wagner, 1964. - Werkverz.: Passauer Stud., 1953,
313-315; Bibliogr. der dt.sprachigen Benediktiner, Bd. I (StMBO Erg.bd.
29/I), 1985, 123 f.
Lit.: Oberhirtliches Verordnungsbl. bzw. Amtsbl. f. das
Bist. Passau, 1936-1971; - StMBO 54 (1936), Chron. 17 (Widmungsgedicht
v. P. Bonifaz Rauch); - StMBO 55 (1937), Chron. 5-7 (Stephan Kainz);
- Episcopo Passaviensi salutem et pacem!, in: Ettaler Mandl 24
(1936/37), 46-50; - Fritz Meingast, S.K.L., in: F. die Menschen
bestellt. Porträts kath. Bischöfe Dtld.s, hrsg. v. Konrad W. Kraemer,
1963, 73-76; - Ders., Die Ernte eines Bisch.s, in: Der Scheyerer
Turm 25 (1970), 15-20; - Ehrentage für Altbisch. S. K., ebd.,
8-15; - Emil Janik, Z. Gedenken an Altbisch. Dr. S.K.L. OSB, in:
Klerusblatt 51 (1971), 237 f.; - Ders., Klerus und Klöster des
Bist.s Passau im Dritten Reich, 1980, passim; - August Leidl,
Bisch. S. K. L. OSB 1880-1971, in: Ostbairische Grenzmarken 13 (1971),
294-298; - Ders., Die Bischöfe v. Passau in Kurzbiographien, 19782,
55-57; - Ders., L., S. K., in: Die Bischöfe der dt.sprachigen
Länder 1785/1803 bis 1945, hrsg. von Erwin Gatz, 1983, 429-431; -
Ders., Kleine Passauer Bistumsgesch., 1989, 77-80; - Altbisch.
S. K. L. +, in: Der Scheyerer Turm 26/27 (1971), 2-24; - Anselm
Stitzinger, Bisch. S. K. L. OSB +, in: Ettaler Mandl 50/23 (1971),
103-117; - Josef Scharbert, Bisch. S.K.L. + (1880-1971), in:
BZ NF 16 (1972), 157 f.; - Theodor Maas-Ewerd, S.K.L. - Wegbereiter
und Steuermann der Liturgischen Erneuerung im dt. Sprachgebiet, in:
Bibel und Liturgie 45 (1972), 42-52; - Ders., Die Krise der liturgischen
Bewegung in Dtld. und Östr. (Stud. zur Pastoralliturgie 3), 1981,
passim; - Ders., Bisch. DDr. S. K. L. OSB und die Liturgische
Bewegung im Bist. Passau, in: BM 59 (1983), 192-203; - Ders.,
Unter »Schutz und Führung« der Bischöfe. Z. Entstehung der Liturgischen
Kommission i.J. 1940 und z. ihrem Wirken bis 1947, in: LJ 40 (1990),
129-163; - Albert Siegmund/August Leidl, S. K. L. Bisch. von Passau
1936-68, (1973) = Sonderdruck aus: Der Scheyerer Turm 30 (1973), 1-64;
- Walter Ziegler (Bearb.), Die kirchliche Lage in Bayern nach
den Regierungspräsidentenberichten 1933-1945, Bd. IV: Regierungsbezirk
Niederbayern und Oberpfalz 1933-1945 (Veröff. der Kommission für Zeitgesch.,
Reihe A: Quellen, Bd. 16), 1973, passim; - Josef Hüttl, Die sudetendt.
Administratur Passau 1939-1946, in: Arch. für Kirchengesch. von Böhmen-Mähren-Schlesien
4 (1976), 61-106; - Hdb. des Bist.s Passau, hrsg. vom Bischöfl.
Ordinariat Passau, (1981), 50-52; - Claus D. Bleisteiner, Kirchliche
Heraldik in Bayern. Die Wappen der Erzbischöfe und Bischöfe seit 1817,
1986, 92 f.; - Herbert W. Wurster, Z. Gesch. des Bist.s Passau
im Dritten Reich, in: Ostbairische Grenzmarken 28 (1986), 244-295,
passim; - Ernstes und Heiteres aus einem Bischofsleben, in: Der
Scheyerer Turm 48 (1991), 57-62 [Autobiograph. Skizzen]; - Kosch,
KD II, 2461 f.; - NDB XIII, 498 f.; - Bosls bayer. Biographie
(1983), 462.