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Band IV (1992) Spalten 1064-1067 Autor: Stephan Haering

LANDERSDORFER, Simon Konrad (Taufname: Josef), Bischof von Passau, * 2.10. 1880 in Neutenkam/Niederbayern, + 21.7. 1971 in Passau. - L., aus bäuerlicher Familie stammend, absolvierte die Gymnasialstudien in Scheyern und Freising; nach dem Abitur trat er 1899 in die oberbayerische Benediktinerabtei Scheyern ein und erhielt bei der Einkleidung den Ordensnamen Simon. Nach dem Noviziatsjahr und der Ordensprofeß am 28.10. 1900 studierte L. in Eichstätt Theologie und wurde am 19.12. 1903 in München zum Priester geweiht. Auf eine kurze erzieherische und seelsorgliche Tätigkeit folgte ab Herbst 1905 das Studium der klassischen Sprachen und die Vorbereitung auf das gymnasiale Lehramt in München. Ab 1908 war L. Lehrer und ab 1912 Institutsdirektor in der Abtei Ettal; 1917 wurde er Subprior und Lehrer in Scheyern. 1920 erfolgte die Berufung L.s, der sich seit seiner Eichstätter Zeit intensiv mit orientalistischen und alttestamentlichen Studien befaßt hatte und in diesem Fachgebiet promoviert war (Dr. phil. in München 1907, Dr. theol. in Freiburg i. Br. 1917), zum Professor für alttestamentliche Exegese an der römischen Benediktinerhochschule S. Anselmo. Die akademische Tätigkeit in Rom wurde durch die Wahl zum Abt von Scheyern am 3.3. 1922 beendet; am 21.3. erhielt L. durch Kardinal Faulhaber die Abtsbenediktion. Als Abt richtete L. sein Augenmerk sowohl auf wirtschaftliche Aufgaben als auch auf die geistliche Leitung seines Klosters und die Pflege der Liturgie. 1928 hatte er zusammen mit dem Abt Laurentius Zeller aus Trier im Auftrag von Papst Pius XI. eine außerordentliche Visitation der österreichischen Benediktinerklöster durchzuführen und stellte dabei seine Tatkraft unter Beweis. Am 11. 9. 1936 wurde L. zum Diözesanbischof von Passau ernannt und empfing am 28. 10. 1936 durch den Münchener Metropoliten Kardinal Faulhaber die bischöfliche Weihe (Wahlspruch: »Stat Crux dum volvitur orbis«). Aus Verehrung gegenüber dem 1934 heiliggesprochenen Kapuzinerbruder Konrad von Parzham fügte L. seinem Ordensnamen Simon nun den zweiten Vornamen Konrad hinzu. Dem Nationalsozialismus trat L., als Bischof unterstützt von seinem Generalvikar Riemer, mit Entschiedenheit und Geschick entgegen. Nach dem Anschluß des Sudetenlandes an das Deutsche Reich hatte L. im Einverständnis des zuständigen Bischofs von 1938 bis 1946 zusätzlich zu seinem Bistum Passau drei Dekanate der Diözese Budweis als Apostolischer Administrator oberhirtlich zu leiten. Auf der Ebene der Fuldaer Bischofskonferenz übernahm L. zusammen mit Bischof Stohr von Mainz die Leitung des 1940 errichteten Liturgischen Referats. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war L., dessen Diözese durch ihre Grenzlage und durch den starken Zustrom vor allem böhmischer Heimatvertriebener Belastungen ausgesetzt war, um die zeitgemäße Erneuerung der Seelsorge und des kirchlichen Lebens bemüht; die Diözesankonferenzen von 1946 und 1960 und der Ausbau kirchlicher Einrichtungen (Seminare, Exerzitienhaus Maria-Hilf) sind äußere Zeichen für L.s Aktivitäten. Über die Diözese hinaus wirkte L.s Engagement in der Sorge für die Liturgie und die Ökumene. In den Jahren 1962 bis 1965 nahm L. am Zweiten Vatikanischen Konzil teil. Am 28. 10. 1968 übergab der noch immer rüstige Bischof die Leitung der Diözese seinem 1961 ernannten Koadjutor Anton Hofmann. - L. war eine kraftvolle und vielseitige Persönlichkeit und sowohl für Wissenschaft und Unterricht als auch für kirchliche Leitungsaufgaben in hohem Maße befähigt. Für die Diözese Passau brachte seine kluge und entschlossene Amtsführung als Bischof eine Zeit der Konsolidierung und des Aufbaus. Im deutschen Episkopat hat sich der hochangesehene L. besonders um die liturgische Erneuerung bemüht und damit vorbereitend für die vom Zweiten Vatikanischen Konzil eingeleitete Liturgiereform gewirkt.

Werke: Altbabyl. Privatbriefe, transkribiert, übers. und komm. (Stud. z. Gesch. und Kultur des Altertums III, 2), 1908; Die Bibel und die südarab. Altertumsforsch. (Bibl. Zeitfragen III, 5/6), 1910 (19203); Eine babyl. Qu. f. das Buch Job? (Bibl. Stud. 16, 2), 1911; Arabien und seine Kultur (Geschichtl. Jugend- und Volks-Bibl. 37), 1911; Ausgew. Schrr. der syr. Dichter Cyrillonas, Baläus, Isaak v. Antiochien und Jakob v. Sarug (BKV 6), 1913; Die Kultur der Babylonier und Assyrier, 1913 (19252); Die Götterliste des Mar Jacob v. Sarug in seiner Homilie über den Fall der Götzenbilder, 1914; Sumerisches Sprachgut im AT (BWAT 20), 1916; Die sumerische Frage und die Bibel (Bibl. Zeitfragen VIII, 2), 1917; Die sumerischen Parallelen z. bibl. Urgesch. (ATA VII, 5), 1917; Der Baal tetramorphos und die Kerube des Ezechiel (Stud. z. Gesch. und Kultur des Altertums IX, 3), 1918 (Nachdr. 1967); Die Psalmen, lat. und dt., 1922; Stud. z. bibl. Versöhnungstag (ATA X, 1), 1924; Die Bücher der Könige, übers. und erkl. (Bonner Bibel AT III, 2), 1927; Konstitution des II. Vatikanischen Konzils »Über die hl. Liturgie«. Hrsg. v. Bisch. S. K. L., Josef A. Jungmann und Johannes Wagner, 1964. - Werkverz.: Passauer Stud., 1953, 313-315; Bibliogr. der dt.sprachigen Benediktiner, Bd. I (StMBO Erg.bd. 29/I), 1985, 123 f.

Lit.: Oberhirtliches Verordnungsbl. bzw. Amtsbl. f. das Bist. Passau, 1936-1971; - StMBO 54 (1936), Chron. 17 (Widmungsgedicht v. P. Bonifaz Rauch); - StMBO 55 (1937), Chron. 5-7 (Stephan Kainz); - Episcopo Passaviensi salutem et pacem!, in: Ettaler Mandl 24 (1936/37), 46-50; - Fritz Meingast, S.K.L., in: F. die Menschen bestellt. Porträts kath. Bischöfe Dtld.s, hrsg. v. Konrad W. Kraemer, 1963, 73-76; - Ders., Die Ernte eines Bisch.s, in: Der Scheyerer Turm 25 (1970), 15-20; - Ehrentage für Altbisch. S. K., ebd., 8-15; - Emil Janik, Z. Gedenken an Altbisch. Dr. S.K.L. OSB, in: Klerusblatt 51 (1971), 237 f.; - Ders., Klerus und Klöster des Bist.s Passau im Dritten Reich, 1980, passim; - August Leidl, Bisch. S. K. L. OSB 1880-1971, in: Ostbairische Grenzmarken 13 (1971), 294-298; - Ders., Die Bischöfe v. Passau in Kurzbiographien, 19782, 55-57; - Ders., L., S. K., in: Die Bischöfe der dt.sprachigen Länder 1785/1803 bis 1945, hrsg. von Erwin Gatz, 1983, 429-431; - Ders., Kleine Passauer Bistumsgesch., 1989, 77-80; - Altbisch. S. K. L. +, in: Der Scheyerer Turm 26/27 (1971), 2-24; - Anselm Stitzinger, Bisch. S. K. L. OSB +, in: Ettaler Mandl 50/23 (1971), 103-117; - Josef Scharbert, Bisch. S.K.L. + (1880-1971), in: BZ NF 16 (1972), 157 f.; - Theodor Maas-Ewerd, S.K.L. - Wegbereiter und Steuermann der Liturgischen Erneuerung im dt. Sprachgebiet, in: Bibel und Liturgie 45 (1972), 42-52; - Ders., Die Krise der liturgischen Bewegung in Dtld. und Östr. (Stud. zur Pastoralliturgie 3), 1981, passim; - Ders., Bisch. DDr. S. K. L. OSB und die Liturgische Bewegung im Bist. Passau, in: BM 59 (1983), 192-203; - Ders., Unter »Schutz und Führung« der Bischöfe. Z. Entstehung der Liturgischen Kommission i.J. 1940 und z. ihrem Wirken bis 1947, in: LJ 40 (1990), 129-163; - Albert Siegmund/August Leidl, S. K. L. Bisch. von Passau 1936-68, (1973) = Sonderdruck aus: Der Scheyerer Turm 30 (1973), 1-64; - Walter Ziegler (Bearb.), Die kirchliche Lage in Bayern nach den Regierungspräsidentenberichten 1933-1945, Bd. IV: Regierungsbezirk Niederbayern und Oberpfalz 1933-1945 (Veröff. der Kommission für Zeitgesch., Reihe A: Quellen, Bd. 16), 1973, passim; - Josef Hüttl, Die sudetendt. Administratur Passau 1939-1946, in: Arch. für Kirchengesch. von Böhmen-Mähren-Schlesien 4 (1976), 61-106; - Hdb. des Bist.s Passau, hrsg. vom Bischöfl. Ordinariat Passau, (1981), 50-52; - Claus D. Bleisteiner, Kirchliche Heraldik in Bayern. Die Wappen der Erzbischöfe und Bischöfe seit 1817, 1986, 92 f.; - Herbert W. Wurster, Z. Gesch. des Bist.s Passau im Dritten Reich, in: Ostbairische Grenzmarken 28 (1986), 244-295, passim; - Ernstes und Heiteres aus einem Bischofsleben, in: Der Scheyerer Turm 48 (1991), 57-62 [Autobiograph. Skizzen]; - Kosch, KD II, 2461 f.; - NDB XIII, 498 f.; - Bosls bayer. Biographie (1983), 462.

Stephan Haering

Letzte Änderung: 09.06.1998