Verlag Traugott Bautz |
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LASAULX, Peter Ernst von, Philosoph und Philologe, + 16.3.1805 in Koblenz, † 9.5.1861 in München. - L. entstammte einer bedeutenden katholischen Koblenzer Familie (der Vater war ein bekannter Architekt), die in enger Bekanntschaft u. a. mit Josef und Guido Görres sowie Clemens und Christian Brentano stand. Nach dem Besuch des Koblenzer Gymnasiums studierte L. ab 1824 in Bonn Altphilologie und belegte zahlreiche geschichtsphilosophischen Vorlesungen. Zu seinen akademischen Lehrern zählten Friedrich Schlegel, Niebuhr, Brandis und Welcker. 1828 übersiedelte er zur Fortsetzung des Studiums nach München, wo er bei Görres und Schelling sowie bei Franz v. Baader, seinem späteren Schwiegervater, Vorlesungen belegte. Zu zahlreichen Vertretern der sogenannten Wiener und Münchener Spätromantik hatte er Kontakt. 1830 besuchte er in ausgedehnten Reisen Wien, Rom (dort zwei Jahre Aufenthalt mit Studium der christlichen Schriftsteller), Griechenland, die Türkei und Palästina. Aufgrund einer religionsphilosophischen Dissertation wurde er im Februar 1835 von der Universität in Kiel zum Doktor der Philosophie promoviert und trat im September des gleichen Jahres das Extraordinariat der klassischen Philologie in Würzburg an, wo er neun Jahre lehrte. 1840 bekleidete er das Amt des Rektors der Universität. 1844 wurde L. ordentlicher Professor in München, wurde im Verlauf der Lola-Montez-Affäre am 1.3. 1847 in den Ruhestand versetzt, im März 1849 aber wieder reaktiviert. Vom Mai 1848 bis zum Mai 1849 gehörte er als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung an. Er schloß sich dem rechtsstehenden Klub »Steinernes Haus« an, der seine Interessen, die Stärkung von Monarchie und Christentum, vertrat. L. geriet durch seine unorthodoxen religionsphilosophischen Lehren in Widerspruch zur offiziellen Lehrmeinung der katholischen Kirche. Diese lehnte seine Ideen wegen angeblich »gnostischer« bzw. »pantheisierender« Tendenzen ab und setzte die letzten Werke nach seinem Tod kurzerhand auf den römischen Index. L. geriet bald in Vergessenheit und wurde erst im 20. Jahrhundert, vor allem durch Jacob Burckhardt, wieder entdeckt.
Lit.: Docekal, a.a.O., 137-138. Zu ergänzen sind die Lit.angaben in folgenden Werken: ADB XVII, 728-729; - Kosch KD, 2496; - LThK 1VI, 394-395; - LThK 2VI, 801-802; - NDB XIII, 645; - Bosls bayer. Biographie, Regensburg 1983, 465; - Willibald Mathäser, Der Orientalist Daniel, Abt Bonifaz von Haneberg, die Malerin Emilie Linder, der Dichter Clemens Brentano und der Philosoph L., in: Studien und Mitteilungen zur Gesch. des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige 92 (1981), 226-273; - Ernst Klee, »Die SA Jesu Christi». Die Kirchen im Banne Hitlers, Frankfurt am Main 1989, passim.
Martin Persch
Werkeergänzung:
2008
Ernst von Lasaulx, Des S. Leben Lehre und Tod. Nach d. Zeugnissen d. Alten. Repr. d. Ausg. 1857. Saarbrücken 2008.
Literaturergänzung:
1989
Siegbert Peetz: Die Wiederkehr im Unterschied. Ernst von Lasaulx. Freiburg/München 1989. (Iintellektuelle Biographie Lasaulx', Darstellung seiner Religions- und Geschichtsphilosophie in neuer Perspektive auf der Grundlage der Erschließung des bislang unbekannten umfangreichen Nachlasses in München und Cambridge. Anhang mit wichtigen Dokumenten aus dem Nachlaß, einem Verzeichnis sämtlicher von ihm gehaltenen Lehrveranstaltungen und umfangreicher Bibliographie).
Letzte Änderung: 09.04.2011