LE SAUX, Henri (Swami Abhishiktananda), französischer Benediktinermönch,
der in Indien in der Tradition eines hinduistischen Einsiedlers lebte,
um die christlich-spirituellen Werte durch die mystisch-hinduistischen
Traditionen hindurch zu bezeugen, * 30.8. 1910 in Saint-Briac (Frankreich),
† 7.12. 1973 in Indore (Indien).
1925 trat H. le S. ins Priesterseminar
von Rennes ein, aber 1929 wählte er das monastische Leben in der Abtei
Sainte-Anne von Kergonan (Bretagne). Dort verspürte er den Ruf nach
Indien, den er aber erst 1948, nach dem Krieg, als sich das Leben
in seiner Abtei wieder normalisiert hatte, realisieren konnte. In
Indien angekommen, tat er sich mit einem anderen französischen Priester,
Abbé Jules Monchanin (1895-1957), der eine ähnlich Berufung hatte,
zusammen. Gemeinsam gründeten sie eine kleine Einsiedelei in Kulittalai,
nahe von Tiruchirapalli in Südindien und sie legten - gekleidet wie
hinduistische Einsiedler - Zeugnis der Heiligen Dreifaltigkeit ab.
An diesem Ort hat H. le S. den hinduistischen monastischen Namen Abhishiktananda
angenommen (»Die Freude des Gesalbten«). Nach dem vorzeitigen Tod
seines Kameraden Abbé Monchanin, 1957, zog H. le S. immer weiter in
den Himalaya, um ein reines Einsiedlerleben zu leben. Er behauste
eine kleine Hütte in Gyansu (Uttarakashi) in den Ausläufern des Himalaya.
Dort redigierte er die meisten seiner Werke, und von dort aus strahlte
er bis fast zu seinem Tod dank zahlreicher Reisen über ganz Indien.
- Das Werk von H. le S. in Indien begann im Wesentlichen mit einem
christlichen Zeugnis, aber er öffnete sich schnell den spirituellen,
hinduistischen Werten und Traditionen, so daß seine Erfahrung von
der christlichen Kirche Indiens des Synkretismus verdächtigt wurde.
Abhishiktananda selbst durchlebte eine Krise in Bezug auf die kirchlichen
Strukturen, seine Theologie und das Advaita, spirituelle Gedanken
des »Nicht-Dualismus« in Indien. Aber gegen Ende seines Lebens, besonders
nach dem 2. Vatikanischen Konzil und dem All India Seminar von 1969,
fühlte er sich gut integriert in der öffentlichen Meinung der Kirche,
als mehrere junge Inder seinen Lebensstil annahmen, obwohl er sich
weigerte, Zentren zu gründen, welche sich auf sein Werk stützten.
Er blieb seiner Berufung als Einsiedler treu. Die letzten Ereignisse
seines Lebens sind etwas geheimnishaft verschleiert: Sein Jünger Marc
Chaduc, junger französischer Priester, als Mönch eingeweiht in die
christliche und in die hinduistische Tradition, verschwand nach »spirituellen
Erfahrungen«, die er in Gegenwart seines Meisters erlebte, plötzlich.
Der Meister selber starb 1973 friedlich in einem von Ordensschwestern
geleiteten Spital in Indore, nachdem er in den Straßen von Rishikesh
einen Herzinfarkt erlitten hatte.
Anand Nayak
Werkeergänzung:
2009
Das Feuer d. Weisheit. Ein Benediktiner verbindet d. lebendigen christl. Glauben mit d. reichen spirituellen Erbe Indiens. Übers. aus d. Franz. von Martin Kämpchen. 2., durchges. u. erw. Aufl. / hrsg. von Bettina Bäumer und Christian Hackbarth-Johnson. Grafing 2009.
Literaturergänzung:
2001
Francoise Jacquin, L'immersion d'H. Le S. dans l'hindouisme. 1950-1973, in: L'alterité religieuse. Paris 2001, S. 191-205; -
2006
André Gozier, H. Le S. OSB (1910-1973): e. Mönch durchbricht d. Schranken d. Geistes, in: Religionen unterwegs 12.2006, S. 24-26; -
2007
Francoise Jacquin, H.L.S. à l'école de l'Inde, in: Chd 2007, S. 119-133; -
2008
Shirley du Boulay, Arunachala, in: ReArts 12.2008, S. 197-213; - Colette Poggi, "Arunodaya", l'aube intérieure et la re-connaissance du "Je suis" ("aham"), dans le cheminement d'H. Le Saux-Abhisiktananda (1910-1973), in: Chd 2008, Nr.31, S. 59-92; - Fabrice Blée, L'Occident chrétien et l'Inde hindoue: un rendez-vouz à ne pas manquer. Rencontre entre Robert Vachon et H. Le S., in: Theoforum 39.2008, S. 5-38.
Letzte Änderung: 09.04.2011