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Band IV (1992) Spalten 1466-1468 Autor: Adriaan Breukelaar

LEODEGAR (Leger, Ledger), Hl., Mönch, Bischof, * um 616, + 2. Oktober ? (Festtag) 679. - Über L.s Leben berichten zwei frühe, aber nicht zeitgenössische Viten. Beide Viten gehen zurück auf eine gemeinsame Urfassung, wovon Bruno Krusch eine vorläufige Rekonstruktion besorgt hat. Sohn der Sigrada (Nonne im Marienkloster in Soissons), erhielt L. seine Erziehung an der Palastschule Chlothars d. II. (584-629) in Paris und stand somit in Verbindung mit dem Zentrum des iro-fränkischen Mönchtums im 7. Jhdt., dem Kreis um Audoenus (Ouen). Im Alter von zwanzig Jahren war er Archidiakon in Poitiers, der Diözese seines Onkels. Nach seiner Priesterweihe wurde L. Titularabt des Maxentiusklosters in Compiègne bei Paris, das er durch Einführung der Benediktregel reformiert haben soll, wenn man der späteren Vita II Glauben schenken darf. L. wurde 663 von der Regentin Balthilde zum Bischof von Autun berufen. Nach dem Tode Chlothars III. 673 unterstützte er die Partei Childerics II. (662-675) gegen den maiordomus Ebroin und dessen Parteigänger Praejectatus v. Clermont. Die Vita berichtet, daß L. von Childeric nach Luxeuil verbannt wurde, weil er sich in dessen Eheangelegenheiten eingemischt haben soll, daß er später von Theuderich III. (673-690) rehabilitiert, aber von Ebroin verfolgt und getötet wurde. - Der Bericht über sein Exil und sein Lebensende verrät eine iro-schottische Prägung (Konflikte über königliche Ehen, vgl. Vita Columbani, Vita Corbiniani, Passio Kiliani, usw.) und die Neigung, L. als einen Märtyrer zu verehren. Die Vita legt Wert auf L.s großzügige Unterstützung der Klöster seiner Diözese. Klöstergründungen sind aber sonst nicht bekannt. L. ist eher als Reformator zu würdigen. Schon im Maxentiuskloster soll er die Benediktregel eingeführt haben, und Prinz (136) vermutet, daß die sog. »canones Augustodunenses«, die die Regel in Autun propagierten, von L. angeregt werden sein dürften.

Quellen: Passiones Leudegarii I-III (I: auctore monacho S. Symphoriani; II: auctore Ursino Locogiacensi; III: auctore Frulando Murbacensi), hrsg. v. Bruno Krusch in: MGH SRM V, 1979 (=1910), 249-362.

Werke: Epistula ad Sigradam, hrsg v. Wilhelm Gundlach, in Ernst Dümmler (Hrsg.), Epistolae Merowingici et Karolini aevi I (=MGH EPP III), Berlin 1978 (=1892), 464-467; Nachdr. in: CCsl 117, Turnhout 1957, 503-508; Testamentum (dubium), CCsl 117, Turnhout 1957, 513-516.

Lit.: Bruno Krusch, Die älteste Vita Leudegarii, NA 16 (1891), 565-595; - C.A. Bernoulli, Die Heiligen der Merowinger, Tübingen 1900, 143; - J. Camerlinck, Saint L., évêcque d'Autun, Paris 1910; - G. le Bras, `Notes pour servir à l'histoire des collections canoniques', Revue historique de droit français et étranger 8 (1927), 775; - F. Vollmer, `Die Etichonen; ein Beitrag zur Frage der Kontinuität früher Adelsfamilien', in: G. Tellenbach, Studien und Vorarbeiten zur Geschichte des großfränkischen und frühdeutschen Adels, Freiburg i.Br. 1957, 137-184; - G. Dez, `Sur l'itinéraire suivi en Poitou par la translation des cendres de saint L.', Bulletin de la Société d'antiquaires de l'Ouest et des Musées de Poitiers 13 (1975), 73-76; - F. Chatillon, `Les »ornements indispensables« dans la Vita Leudegarii', RMAL 35 (1979), 101-118; - Joseph-Claude Poulin, `Saint L. d'Autun et ses premiers biographes (fin VIIe - milieu IXe siècle)', Bulletin de la Société d'antiquaires de l'Ouest et des Musées de Poitiers 4, 14 (1977), 167-200 u. Cahiers de civilisation médiévale 21 (1979), 339-355; - Pierre Guégan, Hagiographie et numismatique: saints Amand, Lambert, Laurent, L.', L'Echo de Calètes 51 (1982), 2-5; - Friedrich Prinz, Frühes Mönchtum im Frankenreich; Kultur und Gesellschaft in Gallien, den Rheinlanden und Bayern am Beispiel der monastischen Entwicklung (4. bis 8. Jahrhundert), Darmstadt 19882, 136, 176, 295 f.; - H. Leclercq, in: DACL VIII/2 (1929), 2460-2493; - Butler's Lives of the Saints IV2 (1954), 9 ff.; - Wattenbach-Levison I (1952), 129; - Hauck I7 (1952), 369 ff.; - J. Cambell in LThK2 VI (1961), 958 f.; - J. Mathon in Catholicisme VII (1975), 216 ff.; - David Hugh Farmer, in: The Oxford Dictionary of Saints,19872, 260 f.

Adriaan Breukelaar

Literaturergänzung:

1988

Walter Berschin, Biographie u. Epochenstil im lat. Mittelalter. Bd. 2. Stuttgart 1988, S. 66-82.

Letzte Änderung: 21.01.2009