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Band IV (1992) Spalten 1564-1565 Autor: Karina Lehnardt

LEVERTOFF, Paul Philipp, Theologe und Judenmissionar, * 14.10. 1878 in Orscha (Belarus), + 31.7. 1954 in London. - P.L. wurde in eine chassidische Familie geboren und konvertierte 1895 zum Christentum. Er studierte an russischen und deutschen Universitäten evangelische Theologie. Vom Sommersemester 1912 bis zum Wintersemester 1917/18 - mit einer kriegsbedingten Pause 1914-1916 - unterrichtete P.L. als Nachfolger von Jechiel Lichtenstein angehende Judenmissionare am Institutum Judaicum Delitzschianum in Leipzig Hebräisch, jüdische Liturgie, moderne jüdische Literatur, Altes und Neues Testament mit jüdischen Kommentaren, rabbinische Literatur und jüdische Mystik. Nach dem Krieg wurde er 1919-1922 Bibliothekar der St. Deiniols Library, Hawarden, und nimmt in England seine judenmissionarische Tätigkeit auf. Seit 1922 bis zu seinem Tode war er Direktor des East London Fund for the Jews, später des London Diocesan Council for Work amongst Jews und Pfarrer in Londons Nordwesten. Als solcher gab er die Zeitschrift der Gesellschaft `The Church among Jews' heraus. P.L.s theologische Arbeit zielte auf einen jüdischen Zweig der allgemeinen Kirche, in dem christusgläubige Juden ihrem christlichen Glauben in jüdischen Formen Ausdruck verleihen. So verfaßte er eine judenchristliche Liturgie in Hebräisch, für die er Teile der anglikanischen Liturgie ins Hebräische übertrug und die vom Bischof von London auch autorisiert wurde.

Werke: St. Paul. His life, works, and travels (hebr.), 1907; Thomas Carlyle. A lecture (hebr.), 1907; Israel's religion and destiny (hebr.), 1908; The Confessions of St. Augustine, translated into Hebrew, 1908; Er und ich (hebr.), 19092; The Son of Man. A survey of the life and deeds of Jesus Christ (hebr.), 19112; Die religiöse Denkweise der Chassidim, 1918; The order of service of the meal of the holy king (hebr.), 1923; Love and messianic age in hitherto untranslated Hasidic writings, 1923; Midrash Sifre on Numbers, translated into English, 1926; Tosefta zum Versöhnungstag, übersetzt und erklärt, 1926; St. Paul in Jewish thought, 1928; Zohar, translated into English, 1933. - Aufsätze: »Heißt nicht seine Mutter Maria?«. Eine Ansprache an Juden und Christen, SaH 49, 1912, 145-152; Judentum und Christentum in der neuesten jüdischen Literatur, SaH 50, 1913, 28-33.179-182, SaH 51, 1914, 75-77, SaH 52, 1915, 130-134; Bericht Levertoffs über seine Reise in Rußland, SaH 51, 1914, 11-19; Aus der kabbalistisch-chassidischen Gedankenwelt, SaH 51, 1914, 19-27, SaH 51, 1914, 78-89; Ein russischer Denker über die Zukunft des Judentums, SaH 51, 1914, 181-191; Eine kabbalistische Weissagung aus dem Aramäischen übersetzt, SaH 52, 1915, 181-184; Aus dem Leben des Baal-Schem, SaH 55, 1918, 7-19; Kabbalistisch-chassidische Wundergeschichten, SaH 55, 1918, 113-118.131-136; Liebe und die messianische Zeit, SaH 61, 1924, 16-23; Liturgie des Hauptgottesdienstes der Judenchristen St. Trinitatiskirche zu London-Stepney, aus dem Hebräischen übersetzt, SaH 63, 1926, 44-54; Claude Montefiore über die Lehre des Paulus vom Gesetz, SaH 65, 1928, 55-63; Jesus nahte zu ihnen, aber ihre Augen wurden gehalten, SaH 67, 1930, 42-45; Wozu Jesus gekommen ist, SaH 74, 1952, 49-57. - Hrsg. der Zeitschrift The Church among Jews; Jechiel Lichtenstein, Kommentar zum Matthäusevangelium (hebr.), hrsg. v. P.L. 1913.

Lit.: EJud X, 832-833; - RGG2 IV, 1600 f.; - EncJud XI, 71; - RGG IV, 335.

Karina Lehnardt

Letzte Änderung: 09.06.1998