LEVERTOFF, Paul Philipp, Theologe und Judenmissionar, * 14.10. 1878
in Orscha (Belarus), + 31.7. 1954 in London. - P.L. wurde
in eine chassidische Familie geboren und konvertierte 1895 zum Christentum.
Er studierte an russischen und deutschen Universitäten evangelische
Theologie. Vom Sommersemester 1912 bis zum Wintersemester 1917/18
- mit einer kriegsbedingten Pause 1914-1916 - unterrichtete P.L. als
Nachfolger von Jechiel Lichtenstein angehende Judenmissionare am Institutum
Judaicum Delitzschianum in Leipzig Hebräisch, jüdische Liturgie, moderne
jüdische Literatur, Altes und Neues Testament mit jüdischen Kommentaren,
rabbinische Literatur und jüdische Mystik. Nach dem Krieg wurde er
1919-1922 Bibliothekar der St. Deiniols Library, Hawarden, und nimmt
in England seine judenmissionarische Tätigkeit auf. Seit 1922 bis
zu seinem Tode war er Direktor des East London Fund for the Jews,
später des London Diocesan Council for Work amongst Jews und Pfarrer
in Londons Nordwesten. Als solcher gab er die Zeitschrift der Gesellschaft
`The Church among Jews' heraus. P.L.s theologische Arbeit zielte auf
einen jüdischen Zweig der allgemeinen Kirche, in dem christusgläubige
Juden ihrem christlichen Glauben in jüdischen Formen Ausdruck verleihen.
So verfaßte er eine judenchristliche Liturgie in Hebräisch, für die
er Teile der anglikanischen Liturgie ins Hebräische übertrug und die
vom Bischof von London auch autorisiert wurde.
Werke: St. Paul. His life, works, and travels (hebr.),
1907; Thomas Carlyle. A lecture (hebr.), 1907; Israel's religion and
destiny (hebr.), 1908; The Confessions of St. Augustine, translated
into Hebrew, 1908; Er und ich (hebr.), 19092; The Son of Man.
A survey of the life and deeds of Jesus Christ (hebr.), 19112;
Die religiöse Denkweise der Chassidim, 1918; The order of service
of the meal of the holy king (hebr.), 1923; Love and messianic age
in hitherto untranslated Hasidic writings, 1923; Midrash Sifre on
Numbers, translated into English, 1926; Tosefta zum Versöhnungstag,
übersetzt und erklärt, 1926; St. Paul in Jewish thought, 1928; Zohar,
translated into English, 1933. - Aufsätze: »Heißt nicht seine
Mutter Maria?«. Eine Ansprache an Juden und Christen, SaH 49, 1912,
145-152; Judentum und Christentum in der neuesten jüdischen Literatur,
SaH 50, 1913, 28-33.179-182, SaH 51, 1914, 75-77, SaH 52, 1915, 130-134;
Bericht Levertoffs über seine Reise in Rußland, SaH 51, 1914, 11-19;
Aus der kabbalistisch-chassidischen Gedankenwelt, SaH 51, 1914, 19-27,
SaH 51, 1914, 78-89; Ein russischer Denker über die Zukunft des Judentums,
SaH 51, 1914, 181-191; Eine kabbalistische Weissagung aus dem Aramäischen
übersetzt, SaH 52, 1915, 181-184; Aus dem Leben des Baal-Schem, SaH
55, 1918, 7-19; Kabbalistisch-chassidische Wundergeschichten, SaH
55, 1918, 113-118.131-136; Liebe und die messianische Zeit, SaH 61,
1924, 16-23; Liturgie des Hauptgottesdienstes der Judenchristen St.
Trinitatiskirche zu London-Stepney, aus dem Hebräischen übersetzt,
SaH 63, 1926, 44-54; Claude Montefiore über die Lehre des Paulus vom
Gesetz, SaH 65, 1928, 55-63; Jesus nahte zu ihnen, aber ihre Augen
wurden gehalten, SaH 67, 1930, 42-45; Wozu Jesus gekommen ist, SaH
74, 1952, 49-57. - Hrsg. der Zeitschrift The Church among Jews;
Jechiel Lichtenstein, Kommentar zum Matthäusevangelium (hebr.), hrsg.
v. P.L. 1913.
Lit.: EJud X, 832-833; - RGG2 IV, 1600 f.;
- EncJud XI, 71; - RGG IV, 335.