LABRE, Benoit-Joseph: hl. Pilger u. Asket, * 26.3. 1748 in Amettes, † 16.4. 1783 in Rom, Fest: 16.4. - Nachdem L. es versucht hatte, bei den Kartäusern, Zisterziensern und Trappisten einzutreten, aber überall ohne Erfolg, begann er ein Pilgerleben zu führen, das ihn durch ganz Europa brachte. Seit 1770 währte dieses Leben eines »heimatlosen, unbekannten Pilgers«. (J. Cambell). Seine Wege führten ihn unter Spott, Verachtung und Anfeindung durch Frankreich, Italien, Spanien, die Schweiz und Deutschland. Er suchte die Wallfahrtsorte in Rom, Loreto, Assisi, Bari, Monte Gargano, Einsiedeln und viele andere auf. Er pflegte das immerwährende, schweigende Gebet. Er war, nach J. Cambell, durch Ekstase, Verklärung und Schau des Künftigen begnadet. Er war Mitglied der »Gürtelbruderschaft« des hl. Franz v. Assisi. Am Ende seines Lebens war L. in Rom, doch fast niemand schenkte ihm Beachtung. Nach der ältesten Biographie, die von seinem Beichtvater Joseph Marconi vier Jahre nach dem Tode L. erschien, erlitt, wie Walter Nigg berichtet, seine »zärtliche Seele« in der Osterwoche auf den Stufen der Kirche Madonna dei Monti in Rom einen Svhwächeanfall, er war offenbar aus Hunger ohnmächtig geworden. Der Benachbarte Metzger Zaccarelli nahm sich seiner an, führte ihn in sein Haus und hier verschied er mit den Worten: »Ja, ich bin müde, ich will schlafen«. In den Straßen der Stadt Rom fingen Kinder an zu rufen: »Der Heilige ist tot, der Heilige ist tot«. Sehr viel Volk nahm an seinem Begräbnis teil. Er fand sein Grab in der Kirche Madonna dei Monti zu Rom - 1860 wurde er seliggesprochen, 1881 heiligesprochen. Sein Kult verbreitete sich besonders in Rom, Frankreich und im Franziskanerorden. Er war in Rom einer der volkstümlichsten Heiligen. Dargestellt wird er als Pilger, mit Stab und Rosenkranz. In seinem Leben spielten nach A. Calufetti zwei Frömmigkeitsformen eine besndere Rolle: Das »Vierzigstündige Gebet« und die Verehrung der Gottesmutter. Täglich betete er den Rosenkranz und wiederholte diesen dann am Abend mit den Armen des römischen Hospizes. Bei Sonnenuntergang sah man ihn beim Beten der Lauretanischen Litanei in der Kirche S. Maria ai Monti, Vor allem im Heiligtum zu Loreto konnte er seine Marienverehrung ganz ausleben. Aus dieser Liebe zu Maria erwuchs bei ihm auch die Gepflogenheit, berühmte Bilder Mariens zu besuchen und zu betrachten - so etwa die Bilder in S. Maria Maggiore zu Rom, in der Kirche des heiligsten Namens Mariens, in der Kirche S. Maria in Via Lata, ebenfalls in Rom. Auch der Gedanke des miterlösenden Leidens Mariens erfüllte L. sehr. Ganz eigenartig in seinem Leben war es, daß er »nie Fragen stellte«. (A. Calufetti).
Lit.: LThK2 Bd. V, Sp. 721 (J. Cambell); - LThK3 Bd. V, Sp. 579 (H. Moll); - BiblSS 2, 1218 ff.; - W. Nigg: Des Pilgers Wiederkehr, Zürich-Stuttgart 1954, 83-125; - MartRom 141; - L. Bracaloni: Il Santo della strada, Rom 1946; - ECatt II 1297 f.; - Reau III/1, 204; - W. Nigg: Die Hoffnung der Heiligen - Wie sie starben und uns sterben lehren, Herderbücherei Nr. 1800, 31-33; - J. Richard: Le vagabond de dieu s, B. L., Paris 1982; - V. Schauber: Pattloch Namenstagskalender, Dokumentation H. M. Schindler, Augsburg 1994, 97; - Marienlexikon, Bd. 3, 699-700 (A. Calufetti); - LCHI Bd. 5, Sp. 361 (V. Mayr); - Doye I 122 f.; - Ricci 334; - Reau III/1 2o4; - J. Torsy: Der große Namenstagskalender, aktualisierte u. erweiterte Neuausgabe, hrsg. H. J. Kracht, Freiburg-Basel-Wien2, 1997, 107; - O. Lechner-U. Schütz: Mit den Heiligen durch das Jahr, Freiburg-Basel-Wien 19882, 85.
Ekkart Sauser
Literaturergänzung:
1986
Wolfgang Beinert, Eine gescheiterte Existenz. Benedikt-Joseph L., in: Gottes Freunde - unsere Freunde. Freiburg/Br. 1986, S. 30-36.