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Band XXVII (2007) Spalten 819-821 Autor: Peter Sieve

LAMPING, Severin (Geburtsname: Henry), Franziskaner, später Weltpriester, Publizist, * 1. Januar 1901 in Cincinnati (Ohio), † 13. April 1986 in Bowling Green (Missouri). - Die Zwillinge Henry und Lawrence L., Söhne eines aus dem Großherzogtum Oldenburg stammenden katholischen Ehepaars, besuchten bis 1920 das St. Francis College in Cincinnati. Als ihre Eltern in die deutsche Heimat zurückkehrten, da sie einen Hof in Oldorf bei Damme (Oldenburg) geerbt hatten, gingen auch die beiden Söhne nach Europa. Nach dem Erwerb der Hochschulreife an der Ordensschule der Sächsischen Franziskanerprovinz in Vlodrop (Niederländisch-Limburg) entschieden sich beide für den Eintritt in den Franziskanerorden, wobei Henry den Namen Severin und Lawrence den Namen Stephan annahm. Am 16. März 1929 empfingen sie im Dom zu Paderborn die Priesterweihe; ihre Heimatprimiz feierten sie in der Pfarrkirche in Rüschendorf bei Damme. Von Paderborn aus trat L. durch Vorlesungen und Publizistik hervor, wobei er sich vor allem an Nichtkatholiken wandte. 1935 gab er im Verlag Kösel & Pustet (München) unter dem Titel "Menschen, die zur Kirche kamen" einen 354 Seiten umfassenden Sammelband mit 42 "Selbstdarstellungen moderner Gottsucher aus einundzwanzig Nationen" heraus. Die meisten Verfasser hatten aus anderen christlichen Konfessionen zum katholischen Glauben gefunden, einige aber auch aus dem Judentum und aus anderen Religionen (Buddhismus, Hinduismus). Die bekanntesten Autoren waren G. K. Chesterton und Paul Claudel. In seiner Einführung erklärte L., er wolle mit dem Buch "bei allen lieben getrennten Brüdern und Schwestern eine tiefe Sehnsucht nach der Mutterkirche wachrufen" und bei den Katholiken "die Liebe zu den getrennten Brüdern und Schwestern stärken und vermehren". Auf die NS-Weltanschauung anspielend, wandte L. sich gegen "die kindliche Behauptung von der ,Artfremdheit' des Christentums" und betonte: "Daß auch Berichte verschiedener Rassenangehöriger aufgenommen wurden, wird niemand befremden, der christliches Empfinden hat." Noch im selben Jahr 1935 emigrierten die Brüder L. in die Vereinigten Staaten. Gemeinsam gaben sie dort ein neues Konvertitenbuch heraus, das 1939 in Milwaukee unter dem Titel "Through Hundred Gates, by Noted Converts from Twenty-Two Lands" erschien und 308 Seiten umfaßte. 32 der 41 Texte dieses Bandes waren aus dem deutschen Konvertitenbuch übernommen; von den neu hinzugekommenen Beiträgen stammte einer von Sigrid Undset. Das Werk erlebte mehrere Auflagen und wurde u. a. ins Portugiesische und Spanische übersetzt. Als Seelsorger und Publizist übernahm Pater Severin verschiedene Aufgaben in Franziskanerkonventen im US-Bundesstaat Ohio. Von 1945 bis 1954 war er Superior im Kloster St. Bonaventure in Cincinnati, von 1949 bis 1951 nahm er zusätzlich das Amt des Zentralpräses der Catholic Kolping Society of America wahr. Nach dem Zweiten Weltkrieg bemühten sich die Brüder L. intensiv um die deutsch-amerikanische Aussöhnung. Im August 1956 erhielten sie ein Stipendium des US-Staatsministeriums für eine dreimonatige Vortragsreise nach Deutschland. Diese Reise konnte jedoch nicht durchgeführt werden, vermutlich weil die Ordensoberen sie nicht genehmigten. Die Brüder L. verließen daraufhin den Franziskanerorden und ließen sich als Weltgeistliche in das neu errichtete Bistum Jefferson City (Missouri) inkardinieren. Dort wurde Severin 1958 Pastor in Bowling Green. 1970 ging er in den Ruhestand und zog zu seinem Bruder Stephen, der von 1957 bis 1973 Pastor in Wellsville war. Seit 1973 wohnten die Brüder gemeinsam in Bowling Green und halfen dort in der Seelsorge aus. Stephen überlebte seinen Zwillingsbruder um neun Jahre und starb am 7. Dezember 1995.

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Werke: Severin Lamping (Hrsg.), Menschen, die zur Kirche kamen. Selbstdarstellungen moderner Gottsucher aus einundzwanzig Nationen, München 1935. * Severin u. Stephen Lamping (Hrsg.), Through hundred gates. By noted converts from twenty-two lands, Milwaukee 1939.

Lit.: Bernhard Harling: Zwei Amerikaner aus Oldenburg. Zwillingsbrüder Lamping wirken als Priester in den USA, in: Kirche und Leben. Bistumszeitung Münster, Nr. 31 v. 5. Aug. 1973, 10; - Peter Sieve, Pater Severin Lamping OFM (1901-1986) und Pater Stephan Lamping OFM (1901-1995), in: Der katholische Klerus im Oldenburger Land. Ein Handbuch, hrsg. v. Willi Baumann u. Peter Sieve, Münster 2006, 371-374.

Peter Sieve

Letzte Änderung: 09.04.2011