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Band V (1993)Spalten 7-8 Autor: Erika Bosl

LHOTZKY, Heinrich, Theologe und Publizist, * 21.4. 1859 (NDB: 1850) Claußnitz b. Burgstädt / Sachsen als Sohn des Pfarrers Julius Lhotzky, † 24.11. 1930 Ludwigshafen am Bodeneee. - Nach einem zweijährigen Aufenthalt in der Herrenhuter Erziehungsanstalt Niesky (Schlesien), wo er vor allem von der dort lebendigen Theologie Schleiermachers nachhaltig beeinflußt wurde, besuchte er das Gymnasium in Bautzen. 1878 begann L. kurzzeitig an der Universität Leipzig klassische Philologie zu studieren. Unter pietistischen Erziehungseinflüssen und angeregt durch die Persönlichkeit des Theologen Franz Delitzsch wandte L. sich hier rasch dem theologischen und assyrologischen Studium zu. Dieses schloß er 1881 mit dem Examen ab und wurde für ein Jahr Lehrer in Dorpat. 1883/84 leistete er seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger bei der Infanterie ab. Seine Promotion zum Dr. phil erfolgte 1885 mit der Arbeit »Die Annalen Asurnazirpals (884-860 v. Chr.)«. Im gleichen Jahr bekam er auf Vermittlung von Franz Delitzsch eine Stelle als Lehrer und Hilfsprediger bei deutschen Auswanderern in Bessarabien. In ähnlicher Funktion war er 1890-1901 auf der Krim tätig. Nach seiner Rückkehr wurde er Mitarbeiter der »Blätter zur Pflege persönlichen Lebens« (seit 1917 »grüne Blätter«) und lebte auf Schloß Mainberg b. Schweinfurt bei dem Lebensreformer Johannes Müller, dem er freundschaftlich verbunden war. Daneben studierte er bis 1903 in Berlin Naturwissenschaften. Nachdem L. sich 1904 von Müller getrennt hatte, siedelte er im gleichen Jahr nach München-Pasing über und lebte hier als freier Schriftsteller. Von 1910 bis zu seinem Tod lebte L. in Ludwigshafen am Bodensee. In seinem Denken von Johann Christoph und Christoph Blumhardt, sowie von Friedrich Zündel bestimmt, war L. ein zu seiner Zeit vielgelesener Schriftsteller. Zusammen mit Hermann Kutter und Leonhard Ragaz gehörte er der »Blumhardt-Bewegung« an. Seine Gottesvorstellung wandte sich im Lauf der Zeit immer mehr völkisch-antisemitischem Gedankengut zu. So kann L. als Vordenker der völkischen Religion des Nationalsozialismus angesehen werden, dem er selbst seit etwa 1920 große Sympathien abgewann. Daneben propagierte L. einen politischen Antisemitismus, der mit einer entschiedenen Abkehr vom Christentum verbunden war und schließlich in offenem völkisch verstandenem Heldentum gipfelte.

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Werke: (u.a.) Predigten zur Feier der Staatsfeste in Rußland, 1896; Leben und Wahrheit, 1897; Die Zukunft der Menschheit, 1907; Vom Erleben Gottes, 1908; Vater und Sohn, 1909; Die Seele des Kindes, 1910; Das Buch von der Ehe, 1911; Vom Du, Gedanken über Liebe, Sinnlichkeit und Sittlichkeit, 1913; Aus gottsuchender Zeit. Ein Andachtsbuch für neuzeitlich denkende Menschen, 1913; Das Evangelium der Kraft, 1914; Der Planet und ich, Lebenserinnerungen und Zukunftsgedanken, 1925; Lebe, kämpfe, siege!, 1927; Deutschland ohne Armut, 1927.

Lit.: NDB XIV, 440 f.; - Kosch, Lit.-Lexikon IX, 1350 f.; - Walter Killy (Hrsg.), Literatur-Lexikon VII, 261 f.

Erika Bosl

Werkeanmerkungen:

im Text: Vom Du, Gedanken über Liebe, Sinnlichkeit und Sittlichkeit, 1913; richtiger: Vom Ich und vom Du. Gedanken über Liebe, Sinnlichkeit und Sittlichkeit.

Werkeergänzung:

1919

"Arbeiten, nichts als arbeiten". Verlag J. Engelhorns Nachf. in Stuttgart 1919; -

1921

Die Geschichte von den Schäfchen an der Hand der Bibel und der Natur erzählt für Kinder und ihre Gesellen. Mit 15 Zeichnungen von Ludwig Koch-Hanau. Heilbronn, 1907; Daß ich mich nicht ärgere, Ludwigshafen, 19212;

2010

Johannes Müller ; Heinrich Lhotzky, Blätter zur Pflege des persönlichen Lebens. Eine Auswahl aus d. Jahresbänden 1 - 10 der Jahre 1898 - 1907. Hrsg. von Matthias Dräger. St. Goar 2010.

Letzte Änderung: 09.04.2011