LIBERIUS, Papst (17.352-24.9.366), Römer. Laut der nicht sicher zuzuordnenden
Grabinschrift war er der Sohn eines Augustus und seit frühester Jugend
zur geistlichen Laufbahn bestimmt. - Zunächst war er Lektor, dann
Diakon. Sein Pontifikat war überschattet von den arianischen Wirren.
Auch im Westen versuchte nun der ab 353 allein regierende Kaiser Konstantinus
II. seine arianer-freundliche Reichskirchenpolitik rücksichtslos durchzusetzen.
L. wies, wie zuvor sein Vorgänger Julius I. (+ 352), die Anschuldigungen
gegen den entschiedensten Kämpfer der Orthodoxie, Athanasios d. Gr.,
zurück. Er richtete an den Kaiser die Bitte, eine Synode nach Aquileia
einzuberufen, deren Ziel die Wiederherstellung des Kirchenfriedens
im Reich sein sollte. Die Legaten des Papstes fanden jedoch den Kaiser
unter dem Einfluß der pannonischen Bischöfe Valens und Ursacius. Konstantius
berief eine Synode der gallischen Bischöfe nach Arles (353), ihnen
wurde ein bereits vorformuliertes Verdammungsdekret gegen Athanasios
zur Unterschrift vorgelegt. Trotz des Protestes der päpstlichen Legaten
kam es nicht zur Beratung über die theologischen Differenzen. Ähnlich
wie die Synode von Mailand (355) versagte L. dem unter Druck und Bedrohung
zustandegekommenden Urteil seine Anerkennung. Bis Ende 355 versuchte
der Kaiser durch Bestechung und offene Drohungen auch den römischen
Bischof auf seine Seite zu ziehen. Als L., nach Mailand an den Hof
zitiert, sich weiterhin standhaft weigerte, erfolgte die Verbannung
nach Beröa (Thrakien). Dort begann die persönliche Tragödie des Papstes,
die nachhaltigen Einfluß auf das Amt und die Stellung des römischen
Bischofs haben sollte. Konstantius rechnete mit einem langen Exil
und ernannte deshalb einen ihm hörigen Diakon Felix zum Gegenpapst.
Vier wohl echte Briefe, die Hilarius von Poitiers überliefert hat,
zeigen, daß L. die Qualen des Exils, den Druck der ihn beaufsichtigenden
arianischen Bischöfe, die persönlichen Demütigungen nicht verarbeiten
konnte. L. unterzeichnete schließlich eine Glaubensformel (die erste
von Sirmium, 351). Sie ließ eine nicht zwingend häretische Interpretation
zu. Auch stimmte er der Verurteilung des Athanasios zu. 358 erlaubte
ihm der Kaiser die Rückkehr nach Rom, wo er jedoch zusammen mit Felix
sein Amt ausüben mußte. Das Volk indes vertrieb rasch den Gegenpapst
(vgl. die Schilderungen in den Kirchengeschichten von Sozomenus und
Theodoret). L. unterschrieb schließlich 358 die von Basileios von
Ankyra vorbereitete 3. sirmianische Formel, die eine Annäherung ans
Nicäum bedeutete. Zur Doppelsynode von Rimini-Seleukia (359) waren
römische Legaten erst gar nicht eingeladen worden. In den beiden folgenden
Jahren erreichte der Arianismus seinen Zenit. Die Toleranzpolitik
des Julian Apostata, sie diente dem Ziel eines heidnischen Restaurationsversuchs,
die den Umschwung der kaiserlichen Religionspolitik einleitete, ermöglichte
jedoch wieder die freiere theologische Diskussion. L. unterstützte
die Friedensbemühungen zwischen Nicänern und Arianern (Versöhnungsschreiben
an die italischen Bischöfe 362/363; Antwortschreiben an die Bischöfe
des Ostens 366, mit Bekenntnis zum Nicänum). L. hinterließ ein bleibendes
Zeichen in der von ihm erbauten Basilica Liberiana (S. Maria Maggiore).
Das MartHieron datiert sein Fest auf den 23. September, im MartRom
fehlt er. Spätere Legenden des 6. Jahrhunderts entstellten seine Rolle
in den arianischen Streitigkeiten.
Lit.: Migne PL VIII, 1331-1410, X, 678-695; - LibPont
I, 207-211 (Reg.); - Jaffé 2I, 32-36, II, 691; - Collectio
Avellana: CASEL 35; - Briefe bei Hilarius: CSEL LXV, 89-93, 155,
164-173; LXXI, 423-426; - Caspar I, 166-196, 588-592; - Haller
2I, 71-75, 503 f.; - Seppelt 2I, 95-109; - AnBoll,
Bibliotheca hagiographica Latina, Brüssel 1900/1901, 729, Suppl. (1911),
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- Dort nicht verzeichnet: Andrea Ferrato, Cronologia Costantiniana
e dei papi Eusebio e S. Milziade. Iscrizioni di S. Damaso attribuite
erroneamenteai tempi Costantiniani spiegate per i tempi di Liberio
Papa, S. Pier d'Arena, 1910; - V. Monachino, Il primato nella
controversia ariana, in: Saggi storici intorno al Papato, Rom 1959,
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