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Band V (1993)Spalten 13-15 Autor: Ekkart Sauser

LIBERIUS, Papst (17.352-24.9.366), Römer. Laut der nicht sicher zuzuordnenden Grabinschrift war er der Sohn eines Augustus und seit frühester Jugend zur geistlichen Laufbahn bestimmt. - Zunächst war er Lektor, dann Diakon. Sein Pontifikat war überschattet von den arianischen Wirren. Auch im Westen versuchte nun der ab 353 allein regierende Kaiser Konstantinus II. seine arianer-freundliche Reichskirchenpolitik rücksichtslos durchzusetzen. L. wies, wie zuvor sein Vorgänger Julius I. (+ 352), die Anschuldigungen gegen den entschiedensten Kämpfer der Orthodoxie, Athanasios d. Gr., zurück. Er richtete an den Kaiser die Bitte, eine Synode nach Aquileia einzuberufen, deren Ziel die Wiederherstellung des Kirchenfriedens im Reich sein sollte. Die Legaten des Papstes fanden jedoch den Kaiser unter dem Einfluß der pannonischen Bischöfe Valens und Ursacius. Konstantius berief eine Synode der gallischen Bischöfe nach Arles (353), ihnen wurde ein bereits vorformuliertes Verdammungsdekret gegen Athanasios zur Unterschrift vorgelegt. Trotz des Protestes der päpstlichen Legaten kam es nicht zur Beratung über die theologischen Differenzen. Ähnlich wie die Synode von Mailand (355) versagte L. dem unter Druck und Bedrohung zustandegekommenden Urteil seine Anerkennung. Bis Ende 355 versuchte der Kaiser durch Bestechung und offene Drohungen auch den römischen Bischof auf seine Seite zu ziehen. Als L., nach Mailand an den Hof zitiert, sich weiterhin standhaft weigerte, erfolgte die Verbannung nach Beröa (Thrakien). Dort begann die persönliche Tragödie des Papstes, die nachhaltigen Einfluß auf das Amt und die Stellung des römischen Bischofs haben sollte. Konstantius rechnete mit einem langen Exil und ernannte deshalb einen ihm hörigen Diakon Felix zum Gegenpapst. Vier wohl echte Briefe, die Hilarius von Poitiers überliefert hat, zeigen, daß L. die Qualen des Exils, den Druck der ihn beaufsichtigenden arianischen Bischöfe, die persönlichen Demütigungen nicht verarbeiten konnte. L. unterzeichnete schließlich eine Glaubensformel (die erste von Sirmium, 351). Sie ließ eine nicht zwingend häretische Interpretation zu. Auch stimmte er der Verurteilung des Athanasios zu. 358 erlaubte ihm der Kaiser die Rückkehr nach Rom, wo er jedoch zusammen mit Felix sein Amt ausüben mußte. Das Volk indes vertrieb rasch den Gegenpapst (vgl. die Schilderungen in den Kirchengeschichten von Sozomenus und Theodoret). L. unterschrieb schließlich 358 die von Basileios von Ankyra vorbereitete 3. sirmianische Formel, die eine Annäherung ans Nicäum bedeutete. Zur Doppelsynode von Rimini-Seleukia (359) waren römische Legaten erst gar nicht eingeladen worden. In den beiden folgenden Jahren erreichte der Arianismus seinen Zenit. Die Toleranzpolitik des Julian Apostata, sie diente dem Ziel eines heidnischen Restaurationsversuchs, die den Umschwung der kaiserlichen Religionspolitik einleitete, ermöglichte jedoch wieder die freiere theologische Diskussion. L. unterstützte die Friedensbemühungen zwischen Nicänern und Arianern (Versöhnungsschreiben an die italischen Bischöfe 362/363; Antwortschreiben an die Bischöfe des Ostens 366, mit Bekenntnis zum Nicänum). L. hinterließ ein bleibendes Zeichen in der von ihm erbauten Basilica Liberiana (S. Maria Maggiore). Das MartHieron datiert sein Fest auf den 23. September, im MartRom fehlt er. Spätere Legenden des 6. Jahrhunderts entstellten seine Rolle in den arianischen Streitigkeiten.

Lit.: Migne PL VIII, 1331-1410, X, 678-695; - LibPont I, 207-211 (Reg.); - Jaffé 2I, 32-36, II, 691; - Collectio Avellana: CASEL 35; - Briefe bei Hilarius: CSEL LXV, 89-93, 155, 164-173; LXXI, 423-426; - Caspar I, 166-196, 588-592; - Haller 2I, 71-75, 503 f.; - Seppelt 2I, 95-109; - AnBoll, Bibliotheca hagiographica Latina, Brüssel 1900/1901, 729, Suppl. (1911), 106 f., Nov. Suppl. (1986), 535; - Detzel II, 487; - Ladner I, 12-16; - Ältere Lit. in: Bibliographia Patristica. Patres latini, 1900-1914, hrsg. von A. van Roey und G. Dreesen, Leuven 1974, 162-164; - Dort nicht verzeichnet: Andrea Ferrato, Cronologia Costantiniana e dei papi Eusebio e S. Milziade. Iscrizioni di S. Damaso attribuite erroneamenteai tempi Costantiniani spiegate per i tempi di Liberio Papa, S. Pier d'Arena, 1910; - V. Monachino, Il primato nella controversia ariana, in: Saggi storici intorno al Papato, Rom 1959, 17-90; - Johannes Herrmann, Ein Streitgespräch mit verfahrensrechtl. Argumenten zw. Kaiser Konstantius und Bischof Liberius, in: Festschr. Hans Liermann zum 70. Geb., Erlangen 1964, 77-86; - L. Campeau, Le catalogue libérien, in: Sciences ecclésiastiques (Montréal) 18 (1966), 187-206; - A. men, Sv. L., papa Rimskij (K 1600 - letiju s duja prestavlenija), in: Zurnal Moskovskoj Patriarchii 1966, H. 8, 52-57; - Perikles Petros Joannou, Die Ostkirchen und die Cathedra Petri im 4. Jh., bearb. von Georg Denzler, Stuttgart 1972, 106-158 (Reg.); - Karl Baus, Die Reichskirche nach Konstantin dem Großen (= Hdb. der Kirchengesch. II/1), Freiburg 1973, 42-51; - August Franzen/Remigius Bäumer, Papstgesch., Freiburg 19742, 51 f.; - Friedericke Tschochner, L., in: Lex. der christl. Ikonographie, VII, Freiburg u. a. 1974, 403; - Manlio Simonetti, La crisis ariana nel IV secolo, Rom 1975, 211-249; - Ch. Pietri, Roma Cristiana, Rom 1976, 237-268; - Walter Tietze, Lucifer von Calaris und die Kirchenpolitik des Constantius II. Zum Konflikt zw. dem Kaiser Constantius und der nikänisch-orthodoxen Opposition, Tübingen 1976; - Altaner 19788, 354; - G. N. Verrando, L.-Felice. Osservazioni e rettifiche di carattere storico-agiografico, in: RSCI 35 (1981), 91-125; - Basilius Studer, L., in: Dizionario patristico e di antichità cristiane, hrsg. von Angelo Di Berardino, II, Casale Monferrato 1984, 1948 f.; - G. Fernández, Athanasius of Alexandria and L. of Rome. Analysis of the letter Pro deifico timore of L. in the light of the Edict of Arles of 353, in: Arianism. Historical and theological reassessments. Papers from the 9th international Conference on patristic studies (sept. 5-10, 1983, Oxford), hrsg. von R. C. Gregg, Cambridge/Mass. 1985, 303-311; - Agostino Amore/Claudio Mocchegiana Carpano, L., in: Bibliotheca Sanctorum VIII, 17-23; - Catholicisme VII, 601-604; - DThC IX, 631-659; - ECatt VII, 1269-1272; - LThK 1VI, 549 f.; - LThK 2VI, 1015 f.; - Wetzer-Welte VII, 1945-1959.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 25.06.1998