LOCH, Valentin, Dr. theol., katholischer Theologe, * 24.9.
1813 in Bamberg, + 14.6. 1893 in Bamberg. L. studierte von 1832-1838
am Lyzeum in Bamberg Philosophie und katholische Theologie und wurde
am 22. September 1838 zum Priester geweiht. Anschließend Theologiestudium
und am 14. August 1830 Promotion zum Dr. theol. in München. Kurzzeitig
war er in der Stadtpfarrei Coburg tätig. Vom 15.6. 1840 bis zum 15.4.
1842 war er als Hauslehrer und Erzieher beim bayerischen Gesandten
Karl Graf zu Spaur und Flavon in Rot tätig. Danach wurde er Kuratus
bei St. Johann in München und Religionslehrer an der Landwirtschafts-
und Gewerbeschule und am Polytechnikum in München, am 31.1. 1843 Theologieprofessor
am Lyzeum in Amberg. Nach Aufhebung der theologischen Fakultät des
Lyzeums wurde er am 1.10.1863 pensioniert; L. siedelte deshalb 1864
nach Bamberg über. Hier lehrte er zunächst vom 11. November 1865 an
neutestamentliche Exegese, Einleitung ins NT, biblische Hermeneutik
und biblische Archäologie und von 1876 an auch die alttestamentliche
Exegese am Lyzeum. 1.1. 1868 erzbischöflicher Geistlicher Rat; 4.10.
1884 Emeritierung; 1889 päpstlicher Hausprälat. - Bedeutung erlangte
L., »eine sehr kritische Natur, ein Mann des trockenen, reflectierenden
Verstandes«, der zum ultramontanen Teil des Bamberger Klerus gehörte,
zunächst auf dem wissenschaftlichen Gebiet der Exegese und Bibelübersetzung,
indem er z.B. mit dem Regensburger Theologen Wilhelm Th. Reischl die
gesamte Hl. Schrift übersetzte und mit praktischen Erklärungen versah.
In seiner Bamberger Zeit widmete er sich auch der Landesgeschichte,
war von 1875 bis 1883 Vorstand es Historischen Vereins Bamberg und
veröffentlichte mehrere geschichtliche Beiträge. - Auf sozial-caritativem
Sektor errichtete er Stiftungen (»St.-Martha-Asyl«; Stifung zur Zahlung
der Umlagen für finanzschwache Bamberger Bürger; »Bücherstiftung für
Kanditaten der Theologie am Lyzeum in Bamberg«) und vermachte zahlreiche
testamentarische Legate.
Werke: Das Dogma der griechischen Kirche vom Purgatorium,
Regensburg 1842; Antheil des Markus Eugenikus an dem Fortbestehen
des griechischen Schismas durch seine Agitation auf dem Concile zu
Florenz und nach demselben, in: Jahresbericht von der Königlichen
Studien-Anstalt in Amberg, Amberg 1844, 3-14; Biblia sacra Vulgatae
Editionis iuxta exemplaria ex typographia Apostolica Vaticana Romae
1592 & 1593, 4 Bde., Regensburg 1849, 7. Aufl. 1899; Übersetzungsbuch
aus dem Hebräischen in das Deutsche, Regensburg 1851; (Mit Wilhelm
Reischl), Die heiligen Schriften des alten und neuen Testamentes nach
der Vulgata mit steter Vergleichung des Grundtextes, 4 Bde., Regensburg
1851-1866; 2. Aufl. 1867-1870; 3. Aufl. 1883, neue illustrierte Ausgabe
in 5 Bänden 1884 f.; 5. Aufl. 1914; Die Evangelien und Lectionen
für alle Sonn- und Festtage des katholischen Kirchenjahres und der
Fastenzeit, Regensburg 1859, 2. Aufl. 1861; H KAINH # IA # HKH. Novum
Testamentum Textum Graecum ex Codice Vaticano, latinum ex Vulgatae
editionis exemplaribus Romanis Correctum, Regensburg 1862 (auch in
einer nur den griechischen Text enthaltenden Ausgabe); Vetus Testamentum
Graece iuxta LXX interpretes, Regensburg 1866, 2. Aufl. 1886; Canones
et Decreta sacrosancti oecumeici concilii tridentini, Regensburg 1869
(auch eine Ausgabe des deutschen Textes allein); Materialien zu einer
lateinischen Grammatik der Vulgata, Programm zur Schlußfeier des Studienjahres
1869/70, Bamberg 1870; Katechismus nach dem Beschlusse des Concils
von Trient für die Pfarrer, Regensburg 1872; Neuauflage von Christian
Gottlob Wilke, Lexicon graeco-latinum in libros Novi Testamenti, Regensburg
1858, Jahresbericht im Bericht über das Bestehen und Wirken des historischen
Vereins zu Bamberg, Bamberg 1875-1883; Schenkungsbrief von Conrad
Zolner an das Kloster von St. Clara dahier, in: Bericht des Historischen
Vereins Bamberg 38 (1876), 77-81; Fürstbischof Johann Georg II. als
Präsident der Kaiserlichen Commission für den fränkischen Kreis zur
Durchführung des Restitutionsedicts im Jahre 1629, ebd. 39 (1877),
33-103; Dr. Adam Martinet, ebd. 40 (1877), 303-316; Gedenkblatt für
Herrn Pfarrer Georg Raab, ebd. 44 (1882), XXXXI-XXXXVII; Geschichte
der Pfarrei zu Unserer Lieben Frau in Bamberg, im fünften Jahrhundert
ihres Bestehens, 1787-1887, ebd. 50 (1888), 1-242; Notizen über den
am 20. Mai 1891 auf Michaelsberge gemachten Fund, ebd. 53 (1891),
1-4.
Lit.: Heinrich Joachim Jäck, Zweites Pantheon der Literaten
und Künstler Bambergs vom XI. Jahrhunderte bis 1844, Bamberg 1844,
80; - Gutenäcker Joseph, Verzeichnis aller Programme und Gelegenheitsschriften
welche an den Kgl. Bayer. Lyceen, Gymnasien und lateinischen Schulen
vom Schuljahre 1823/24 bis zum Schlusse des Schuljahres 1859/60 erschienen
sind, Bamberg 1862, 112; - Jahres-Bericht über das Königl. Bayer.
Lyceum, Gymnasium und über die lateinische Schule zu Bamberg, Bamberg
1866, 7; - Nachruf von Martin Katzenberger in: Königlich-Bayerisches
Lyceum in Bamberg. Jahresbericht für 1892/93, Bamberg 1893, 18 f.,
22-24; - ADB 52 (1906), 52 f.; - Friedrich Wachter, General-Personal-Schematismus
der Erzdiözese Bamberg 1007-1907. Bamberg 1908, 301; - Josef Urban,
Die Bamberger Kirche in Auseinandersetzung mit dem 1. Vatikanischen
Konzil, Bamberg 1982; - Ders., Das Priesterseminar [Bamberg] und
die Bamberger Theologie im 19. Jahrhundert, in: Seminarium Ernestinum.
400 Jahre Priesterseminar Bamberg, Bamberg 1986, 171-197; - Ders.,
Döllinger und Bamberg, in: Geschichtlichkeit und Glaube. Zum 100.
Todestag Johann Joseph Ignaz von Döllingers (1799-1890), München 1990,
171-211.
Josef Urban
Letzte Änderung: 09.04.2011