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Band V (1993)Spalten 175-177 Autor: Beate Köster

LÖSCHER, Valentin Ernst, luth. Theologe, * 29.12. 1673 in Sondershausen als Sohn des Superintendenten Kaspar L., † 12.2. 1749 in Dresden. - L. studierte seit 1690 Philologie, Geschichte und Theologie in Wittenberg, 1694 in Jena, wo sein kirchengeschichtliches Interesse geweckt wurde. 1695 wurde L. Assessor der Philosophischen Fakultät Wittenberg. Nach einer Bildungsreise 1695/96 durch Niedersachsen, nach Hamburg, in die Niederlande, nach Dänemark, Rostock und Berlin kehrte er nach Wittenberg zurück. 1698 wurde L. Superintendent in Jüterbog, 1701 in Delitzsch. 1707 ging er als Prof. nach Wittenberg, 1709 wurde er als Pfarrer an der Kreuzkirche, Oberkonsistorialassessor und Superintendent nach Dresden berufen, wo er bis zu seinem Tode wirkte. - L. war der letzte bedeutende Vertreter der luther. Orthodoxie. In einer Zeit des Übergangs setzte er sich sowohl mit Pietismus und Aufklärung, als auch mit Katholizismus und Reformierten auseinander. Dennoch verschloß er sich dem Anliegen des Pietismus und den Anregungen der Aufklärung nicht. Die Forderungen Ph. J. Speners konnte er noch billigen, mit dem Halleschen Pietismus kam es jedoch nach Speners Tod zum Streit. Bes. mit Joachim Lange setzte sich L. auseinander. Sein Hauptwerk gegen das »Malum Pietisticum« war der »Vollständige Timotheus Verinus« (1718/21). Die Unionsbestrebungen des reformierten Berliner Hofes weckten L.s Empörung. Seine gegen die Reformierten gerichtete »Ausführliche Historia Motuum« erschien 1707/08. L.s Kampf gegen den Katholizismus, der in Dresden nach der Konversion Augusts des Starken immer einflußreicher wurde, schlug sich in etlichen polemischen Schriften nieder, er führte aber auch zur Edition dreier Quellenbände, der »Vollständigen Reformations-Acta und Documenta« (1720-29). Der Philosophie Chr. Wolffs und seiner Schule trat L. 1735 mit »Quo ruitis?« entgegen. - L. war auch Herausgeber der ersten theologischen Zeitschrift, den »Unschuldigen Nachrichten« (so der Titel seit 1702, vgl. a. die Bibliogr.). Sie sollte bedeutende Veröffentlichungen vorstellen, auch aus der kath. und ref. Kirche, sowie über wichtige kirchliche und theologische Themen berichten. Sie wurde jedoch immer mehr zu einer Rezensionszeitschrift, die die theologische Literatur ihrer Zeit aus der Sicht der luth. Orthodoxie kritisch prüfte.

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Werke: Altes und Neues aus dem Schatz Theologischer Wissenschaften, 1701, 1702-1720 unter dem Titel: Unschuldige Nachrichten von Alten und Neuen Theologischen Sachen, ab 1720 unter dem Titel: Fortgesetzte Sammlung von Alten und Neuen Theologischen Sachen (1721-1731 nicht unter L.s Redaktion); Edle Andachts-Früchte, Frankfurt/Leipzig 1702, 17413; Ausführliche Historia Motuum zwischen den Evangelisch-Lutherischen und Reformirten, 2 Bde, Frankfurt/Leipzig 1707/08, 17232, Teil 3 1724; Praenotiones Theologicae contra Naturalistarum et Fanaticorum omne genus, Wittenberg 1708; Abgewiesener Demas, Zur Uberzeugung der Päbstler und der den Abfall befördernden Frey-Geister, Leipzig 1713; Vollständiger Timotheus Verinus oder Darlegung der Wahrheit und des Friedens in denen bisherigen Pietistischen Streitigkeiten, 2 Bde, Wittenberg 1718/21; Vollständige Reformations-Acta und Documenta, 3 Bde, Leipzig 1720, 1723, 1729; Die merckwürdigen Werke Gottes in denen Reichen der Natur, der Kunst und des Glückes, Dresden 1724; Stromateus, Wittenberg 1724; Anti-Latitudinarius, Wittenberg/Leipzig 1724; Quo ruitis?, 12 Aufsätze in den Anhängen zu den »Unschuldigen Nachrichten«: Frühaufgelesene Früchte der Theologischen Sammlung von Alten und Neuen, Leipzig 1735-1739.

Bibliographie: Martin Greschat, Zwischen Tradition und neuem Anfang. V. E. L. und der Ausgang der luth. Orthodoxie, 1971, 359-414.

Lit.: Moritz v. Engelhardt, V. E. L. Eine kirchenhistorische Abhandlung, 1853; - Ders., V. E. L. nach seinem Leben und Wirken. Ein geschichtlicher Beitrag zu den Streitfragen über Orthodoxie, Pietismus und Union, 18562; - Franz Blanckmeister, Aus dem Leben D. V. E. L.s. Beiträge zur sächsischen Kirchengeschichte 8, 1893, 330-344; - Ders., Der Prophet von Kursachsen. V. E. L. und seine Zeit, 1920; - Hermann Schüttroff, D.V.E.L.'s geistliche Lieder, auf Grund der Quellen untersucht und beurteilt, 1912; - Hans Leube, Die Reformideen in der deutschen lutherischen Kirche zur Zeit der Orthodoxie, 1924; - Theodor Wotschke, L.s Bemühungen um einen Theologenbund, ZKG 47, 1928, 145-161; - Wilhelm Kersten-Thiele, Die Kirchengeschichtsschreibung V. E. L.s, 1937; - Paul Schreyer, V. E. L. und die Unionsversuche seiner Zeit, 1938; - Hans-Martin Rotermund, Orthodoxie und Pietismus. V. E. L.s »Timotheus verinus« in der Auseinandersetzung mit der Schule August Hermann Franckes, 1959; - Hans Friese, V. E. L., 1964; - Klaus Petzoldt, Studien zu einer Biographie V. E. L.s, L.s Berufung nach Dresden 1709, Konventikelwesen in Dresden zwischen 1690 und 1750, Katalog der Manuskripte L.s 1688-1749, Diss. (Leipzig) 1971; - Martin Greschat, Zwischen Tradition und neuem Anfang. V. E. L. und der Ausgang der luth. Orthodoxie, 1971; - Ders., V. E. L., Gestalten der Kirchengeschichte 7, 1982, 287-300; - Wilhelm Kühnert, Quo ruitis? Bemerkungen zu V.E.L.s Kritik an der zeitgenössischen Philosophie, in: FS Martin Schmidt, Arbeiten zur Geschichte des Pietismus 14, 1975, 315-325; - ADB XIX, 209-213; - NDB XV, 63 f.; - RE3 XI, 593-598; - RGG3 IV, 429 f.; - LThK2 VI, 1150; - EKL2 II, 1156 f.; - TRE XXI, 415-419.

Beate Köster

Werkeergänzung:

1721

'Übung der Gottseligkeit'. Dr. Valentin Ernst Löscher, Oberconsistorialn und Superintendentens zu Dresden. Dresden, zu finden bey Christian Robring, Buchbinder Leipzig, in Commision bey Joh. Grossens sel. Erben, gedruckt mit Harpeterischen Schrifften, 1721.

Literaturergänzung:

1997

Werner Raupp, Art. Löscher, Ernst Valentin, in: LTHK3, Bd. 6 (1997), Sp. 1060f.

2001

Klaus Petzoldt: Der unterlegene Sieger. Valentin Ernst Löscher im absolutistischen Sachsen. Leipzig 2001; -

2010

Kathleen M. Rochester, Prophetic ministry in Jeremiah and Ezekiel, in: TyBu 61.2010, S. 317-320.

Letzte Änderung: 09.04.2011