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Verlag Traugott Bautz
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LUCIUS III., Papst (1.9. 1181-25.11. 1185), vorher: Ubaldo Allucingoli, SOCist, * in Lucca, + in Verona. - Der Zisterzienser, noch mit Bernhard von Clairvaux bekannt und von ihm in den Orden aufgenommen, war bereits 1141 zum Kardinal-Priester ernannt worden. Unter seiner Verhandlungsführung hatte er 1156 den Frieden von Benevent mit Wilhelm I. von Sizilien vermittelt. 1159 ernannte ihn Alexander III. zum Kardinal-Bischof von Ostia. L. erwies sich in der Folge stets als ein loyaler Anhänger des Papstes, zu dessen engstem Vertrauten er zählte. Gleichzeitig erkannte der Kardinal jedoch die Notwendigkeit eines Ausgleichs mit Kaiser Friedrich Barbarossa. Dieser erbat ihn nach dem Frieden von Venedig (1177) als Schiedsrichter im Streit um die Mathildischen Güter. Es war zwischen Papsttum und Kaiser zur Auseinandersetzung gekommen, weil der Kaiser das Recht der Kirche auf die von der Markgräfin Mathilde zuerst an Gregor VII. und dann durch eine erneute Schenkung an Paschalis II. (17.11. 1102) überlassenen Güter nicht anerkannte. Es gelang L. nicht, eine beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden. Dennoch rühmten die Zeitgenossen seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Als Nachfolger Alexanders III. gewählt, trat L. sein Pontifikat bereits hochbetagt an. Die Gunst der Römer, die in beständigem Streit mit dem Papsttum lagen, verscherzte sich der Ordensmann dadurch, daß er es ablehnte, die beim Pontifikatswechsel üblichen Geldzuwendungen an das Volk vorzunehmen. Die Inthronisation konnte deshalb auch nur in Velletri (6.9. 1181) stattfinden. L. gelang es nicht, die römischen Wirren zu lösen. Nur wenige Monate konnte er sich im Lateran halten (November 1181 - März 1182). Das in Rom regierende Kollegium von 25 Senatoren wünschte die Unterwerfung des papstfreundlichen Tusculums unter die Stadtherrschaft. L. richtete einen Hilferuf an den kriegerischen Erzbischof von Mainz, Christian von Buch, der mit seinen Truppen aus der Toscana herbeieilte und dem Papst die notwendige Unterstützung zuteil werden ließ. 1183 erlag jedoch diese einzige Stütze des Papstes einem Fieber. Völlig auf sich allein gestellt suchte L. den Kaiser in Verona auf. Er traf dort am 22. Juli 1183 ein, die Verhandlungen begannen aber erst, nachdem Friedrich Ende September in die Stadt eingezogen war. Das Treffen zu Verona, das zeitweilig den Charakter einer Kirchenversammlung annahm, stellt den Höhepunkt des Pontifikats des L. dar. Kaiser und Papst beschlossen ein gemeinsames Vorgehen gegenüber den Ketzern (Katharer, Waldenser) und legten den Grundstein für die spätere Inquisition (Bulle »Ab olendam« vom 4.11.1184). Gleichzeitig hatte es L. verstanden, die Anwesenheit des Patriarchen Heraklios von Jerusalem und der Großmeister der Ritterorden zur Einforderung eines neuen Kreuzzuges bei Friedrich zu nutzen. Daneben bestätigte L. auch die im Privilegium Romanum Paschalis' II. (1100) und in der Bestätigung der Charta caritatis durch Kalixt II. (1119) angedeutete Exemtion der Zisterzienser (22.11. 1184). In anderen Verhandlungspunkten konnte keine Einigung mit dem Kaiser erzielt werden: die Klärung bezüglich der Mathildischen Güter wurde vertagt, die Doppelwahl in Trier - Friedrich hatte den von der Minderheit gewählten Dompropst Rudolf als Erzbischof investiert, der Kardener Archidiakon Folmar wandte sich an den Papst - wurde nicht entschieden (erst 1190); die Frage der Anerkennung der im Schisma geweihten und bepfründeten Kleriker, die das 3. Laterankonzil (1179) abgesetzt hatte, wünschte L. auf einem Konzil zu verhandeln; des weiteren lehnte er es ab, den Sohn Friedrichs, Heinrich VI., zu Lebzeiten des Kaisers zum Mitregenten zu krönen. Dagegen ist es als gesichert anzunehmen, daß L. der Verlobung Heinrichs VI. mit Konstanze von Sizilien nicht ablehnend gegenüberstand, wenn sich auch durch diese Verbindung die Stellung des Papstes in Mittelitalien verschlechterte. Teile der Kurie verhinderten jedoch eine weitergehende Einigung mit dem Kaiser. Die erzielten Ergebnisse waren allerdings nicht von Dauer, das militärische Eingreifen Heinrichs in Trier sowie das Ausbleiben der kaiserlichen Hilfe gegen die Römer verschärften die Situation. L. starb vor Ausbruch neuer Konfrontationen in Verona. Dort hat er im Dom seine letzte Ruhetätte gefunden.
Werke: Quellen: Migne PL CCI, 1067-1380; Libpont II, 450; J. B. Watterich, Pontificum Romanorum qui fuerunt inde ab exunte saeculo IXo usque ad finem saeculi XIIIi vitae ab aequalibus conscriptae, Leipzig 1862; Jaffé 2II, 431-492, 725 f., 766-769.
Lit.: P. Scheffer-Boichorst, Kaiser Friedrichs I. letzter Streit mit der Kurie, Berlin 1866; - Johannes Haller, Heinrich VI. und die röm. Kirche, in: MIÖG 35 (1914), 385-454; - W. Lenel, Der Konstanzer Friede 1183 und die Italienpolitik Friedrichs I., in: HZ 128 (1923), 189-261; - K. Wenck, Die röm. Päpste zwischen Alexander III. und Innocenz III. und der Designationsversuch zu Weihnachten 1197, in: Papsttum und Kaisertum (FS Paul Fridolin Kehr), hrsg. von A. Brackmann, München 1926, 415-475, hier: 417-425; - H. Kauffmann, Die ital. Politik Kaiser Friedrichs I. 1183-1189, Greifswald 1933; - Johannes Ramackers, Eine Kassation von Papstbriefen unter L. III., in: HJ 55 (1935), 547-551; - P. Brezzi, Roma e l'Impero medioevale, Bologna 1947, 367-369; - Henri Maisonneuve, Etudes sur les origines de l'Inquisition, Paris 19602; - Hans Wolter, Bedrohte Kirchenfreiheit (1153-1198), in: Handb. der Kirchengesch. III/2: Vom kirchl. Hochmittelalter bis zum Vorabend der Reformation, hrsg. von Hubert Jedin, Freiburg 1968, 67-143, hier: 106-108; - August Franzen/Remigius Bäumer, Papstgesch., Freiburg 1974, 192 f.; - Volker Pfaff, Hospitalaria, Scholaria, Pecuniaria und die Päpste des späten XII. Jh.s, in: HJ 97-98 (1978), 463-497; - Erich Wisplinghoff, Eine unbek. Urkunde des Papstes L. III., in: RhVjbl 46 (1982), 81-84; - Catholicisme VII, 1255 f.; - DThC IX, 1058-1062; - EC VII, 1633 f.; - Fliche-Martin IX/2, 189-194; - Gebhart-Grundmann 8I, 325 ff.; - Haller 2III, 520 ff.; - Hefele 2V, 722-729; - LThK 1VI, 680 f.; - LThK 2VI, 1176 f.; - RGG 3IV, 465; - Seppelt III, 291-297, 609 f.; - Wetzer-Welte VIII, 210-213.
Ekkart Sauser
Literaturergänzung:
P. Halfter, Das Papsttum und die Armenier im frühen und hohen Mittelalter, Köln, Weimar Wien 1996, (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters 15).
Letzte Änderung: 14.04.2002