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Band V (1993)Spalten 370-372 Autor: Stefan Burghardt

LUDWIG XIV. (1638), König von Frankreich, genannt der Sonnenkönig, frz. Roi Soleil, * 5.9. 1638 in Saint-Germain-en-Laye, † 1.9. 1715 in Versailles, ein Sohn von Ludwig XIII. und der Anna von Österreich. - L. wuchs unter der Regentschaft seiner Mutter heran. Seine politischen Jugendeindrücke wurden durch die Adelserhebung der Fronde (1648-1653) und die Erschütterung der monarchischen Staatsautorität entscheidend geprägt. Gestützt auf die großen außenpolitischen Erfolge der Minister-Kardinäle Richelieu und Mazarin (Westfäl. Friede 1648, Pyrenäenfriede 1659) entfaltet L. mit dem Beginn der Selbst-Regierung 1661 den Absolutismus in seiner für das Europa des 17. Jhr. prägenden Form. Er begründete in drei Kriegen (Devolutionskrieg 1667/68, Holländischer Krieg 1672-79, Pfälzischer Erbfolgekrieg 1688-97) die europäische Hegemonie Frankreichs, die erst im Spanischen Erfolgekrieg (1701-1714) erschüttert wurde. Nach innen vollendete er die absolute Macht der Krone durch Identifizierung von Herrscher und Staat (L'État c'est moi). Die glanzvolle Repräsentation des Sonnenkönigtums wurde zum Symbol der ganz auf die Person des Herrschers bezogene Hofkultur des »Grand Siecle«, in der die vom König geförderten Künste und Wissenschaften eine hohe Blüte erreichten. Sie war zugleich politisches Machtinstrument, um den widerspenstigen Frz. Adel an den Hof zu ziehen und zu überwachen. Durch Unterstützung seiner hervorragenden Mitarbeiter (J.-B. Colbert, Marquis De Louvois, H. de Lionne, Marquise De Pomponne), erweiterte L. die militär., institutionellen und materiellen Machtgrundlagen der frz. Monarchie.. Durch den aggressiven Geist seiner Politik rief er überall in Europa Gegenkräfte hervor, die sich schließlich gegen Frankreich zusammenschlossen (1689 und 1701 Große Allianz). Die von L. betonte nationale Selbstständigkeit der frz. Kirche führten zwangsläufig zu Konflikten mit dem Hl. Stuhl (Quartierfreiheit, Regalienstreit). Je gespannter sich sein Verhältnis zur Kurie gestaltete, um so entschiedener trat L. allen geistig-religiösen Strömungen entgegen, die die kirchliche Einheit der frz. Monarchie gefährdeten (Jansenismus, Quietismus). Die Revolution des Edikts von Nantes (1685) war die letzte Konsequenz einer Reihe von gescheiterten Versuchen, die mit Sonderrechten ausgestattete protestantische Minderheit mit der Masse der katholischen Untertanen zu verschmelzen. Gerade L.s Vorgehen gegen religiöse Gruppen innerhalb des Katholismus, besonders aber gegen die Hugenotten, hat sowohl das moralische Ansehen der frz. Krone geschädigt als auch (durch Auswanderung zahlreicher Verfolgter) die Wirtschaftskraft Frankreichs geschwächt. L. war eine imponierende Herrschaftspersönlichkeit. Seinen unbestreitbaren großen Erfolgen in seiner Regierungszeit stehen aber auch Schattenseiten gegenüber. Am Ende seiner Regierungszeit stand Frankreich vor dem Staatsbankrott, und die Aufrechterhaltung immer unhaltbarer werdender gesellschaftl. Strukturen sollte eine Hauptursache der Frz. Revolution werden. - Nach dem Tod seiner Gemahlin Maria Theresia schloß L. 1684 eine zweite, geheime Ehe mit Madame de Maintenon, einer konvertierten Hugenottin.

Lit.: E. Lavisse, Hist. de France VII-VIII/1, Paris 1911; - F. M. Voltaire, Le siècle de L. XIV., 2 Bde, 1912; - M. Dubruel, L excommunication de L. XIV. 1687, in Etudes 137, 1913; - W. Heinecker, Die Persönlichkeit L.s. XIV., 1915; - A. de Boislisle u. L. Lecestre, Memoires, 36 Bde., Paris 1923/25; - A. Baudrillart La psychologie religieuse de L. XIV. (Rede auf dem Historikerkongreß in Oslo, 1928); - D. Jackson, Le grand roi, Paris, 1929; - L. O'Brien, Innocent XI. and the Revocation of the Edict of Nantes, Berkley, 1930; - P. Gaxotte (Hrsg.), Lettres de L., Paris 1930, dtsch. 1931; - M. Langlois, Madame de Maintenon, 1932; - J. Longnon, Memoires de L., Paris, 1927, dtsch. Basel, 1932; - P. Gaxotte, Le siècle de L. XIV., 1933; - J. Ocribal, Louis XIV. contre Innocent XI., 1949; - J. Ocribal, Louis XIV. et les protestants, 1951; - P. Gaxotte, La France de Louis XIV., Paris, 1946, dtsch. München 1951; - A. Martimort, Le gallicanisme de Bossuet, 1953; - Andrey Lossky, Louis XIV., William III., and the baltic crisis of 1683, Berkley - Los Angeles, 1954; - C. Hinrichs, Zur Selbstauffassung L.s. XIV. in seinen Mèmoires; Formen der Selbstdarstellung, hrsg. v. G. Reichenkron/E.Haase, (Festschrift für F. Neubert, 1956); - G. Guitton, Le P. de La Chaise confesseur de Louis XIV., 1959; - H.G. Judge, Church and State under Louis XIV.: History 45, London 1960; - E. Lèonard, Histoire gènèrale du protestantisme, 1961; - Georges Mongredien, Louis XIV.. Presentation de Louis XIV.. Textes de Saint-Simon (u.a.), Paris 1963; - Paul Sonnio, Louis XIV.s. view of the papacy, Berkley - Los Angeles, 1966; - Pierre Coubert, L'avènement du Roi-Soleil, (Quellentexte), Paris 1967; - Alfred Neymack, Colbert et son temps, Genève 1970; - P. Gaubert, Ludwig der XIV. und 20 Mill. Franzosen, a. d. Frz., 1973; - K. Malettke, Opposition und Konspiration unter Ludwig XIV, 1976; - R. Mandrou, Louis XIV. en son temps, Paris 1978; - N. Elias, Die höfische Gesellschaft. Unters. zur Soziologie des Königtums und der höfischen Aristokratie, 1983; - F. Bluche, Louis XIV., Paris 1986; - F. Bluche, Im Schatten des Sonnenkönigs, Alltagslegen im Zeitalter L.s. XIV., a.d.Frz., 1986; - P. Erlanger, L. XIV., a.d.Frz., 1987; - LThK VI., 1192 f.

Stefan Burghardt

Literaturergänzung:

1993

Pierre Blet, Louis XIV et les papes aux prises avec le jansénisme, in: AHP 31.1993, S. 109-192; -

1994

Pierre Blet, Louis XIV et les popes aux prises avec le jansénisme. (Suite, 1665-1669), in: AHP 32.1994, S. 65-148; -

2000

Daniella J. Kostroun, The nuns of Port Royal. A case of reasonable disobedience?, in: The adventure of religious pluralism in early modern France. Oxford [u.a.] 2000, S. 261-274; -

2004

Joseph Bergin, Crown, church, and episcopate under L. XIV. New Haven 2004; -

2005

Louis Martin, Das Porträt d. Königs. Berlin 2005; - Albert Cremer, Weshalb L. XIV. kein "absoluter" König war, in: Die Macht d. Königs. Hrsg. von Bernhard Jussen. München 2005, S. 319-325; -

2006

Britta Garstka, L. XIV. - tanzender König u. absolutist. Herrscher. Hamburg 2006; -

2007

Paul Sonnino, Louis XIV's religious policy and his "guerre de Hollande", in: Papes, princes et savants dans l'Europe moderne. Genève 2007, S. 191-200;- Jean-Claude Waquet, L'ambassadeur, son domestique et son maitre. Trois conceptions de la négociation sous Louis XIV, in: ebd. S. 237-251; - Philipp Dieudonné, Ambitions gallicanes, résistances ultramontaines. Les lendemains turbulents de la Paix clémentine (1669), in: Papes, princes et savants de l'Europe moderne. Genève 2007, S. 219-235; - Dirk Witt & Lynn-Sven Kohl, Der Sonnenkönig. Die Zeit d. Absolutismus. Kerpen 2007; -

2009

Max Melbo, Die Königsfälschung. Louis XIV. - das Kardinalsbaby. Berlin 2009; - Ingrid Sammler, Höfische Festkultur im Zeitalter Ludwigs XIV. Frankfurt/M. 2009; -

2010

Christian Quaeitzsch, "Une société de plaisirs". Festkultur u. Bühnenbilder am Hofe Ludwigs XIV. u. ihr Publikum. Berlin 2010.

Letzte Änderung: 19.02.2010