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Band V (1993)Spalten 431-433 Autor: Volkmar Wittmütz

LUNESLAT (Lünenschloß), Caspar (1550-1613). - L. wurde um 1550 in der Nähe des Dorfes Neviges in der damaligen Herrschaft Hardenberg, einer Unterherrschaft des Herzogtums Berg, geboren. Die Unterherrschaft umfaßte die beiden Hofesverbände Neviges und Mollmershof, zum Hofesverband Neviges gehörten 40 Häuser und Güter und sechs als Burglehen ausgegebene Güter, deren Inhaber in Fehdezeiten dem Grundherrn, dem Grafen von Hardenberg, zu besonderen Leistungen verpflichtet waren und deren eines der Hof Lunes war. Eine auf dem Hof sitzende Familie Luneslo ist zuerst 1356, anläßlich des Erwerbs der Unterherrschaft durch Graf Gerhard von Berg, nachweisbar. Auch C.L.s Vater Jakob hat das Gut Lunes besessen, er erscheint 1571 als Zeuge in einer Hardenberger Urkunde und muß ein einflußreicher Ratgeber des damaligen Besitzers der Unterherrschaft und bergischen Rates Wilhelm von Bernsau gewesen sein. - C.L. besuchte die Schulen in Emmerich und in Düsseldorf und studierte danach Theologie an der Universität zu Köln. Noch während seines Studiums wurde ihm eine Vikarie der Kirche in Sonnborn, heute ein Stadtteil Wuppertals, übertragen mit der Verpflichtung, für die Zeit bis zu seinem Antritt der Stelle einen Vertreter zu bestellen. 1576 erhielt er vom Hardenberger Grafen die Margarethen-Vikarie in Neviges und die Vikarie zu Antoniusheide (Tönisheide) mit der Auflage, in den beiden Vikarien wöchentlich je einmal zu predigen und auf besonderes Erfordern auch Gottesdienst auf dem Hardenberger Schloß zu halten. Unter dem Nevigeser Pfarrer Dietrich Waldmann begann C.L. mit der reformatorischen Predigt in Neviges, er kann deshalb als eigentlicher Begründer der heutigen reformierten Gemeinde Neviges bezeichnet werden. - 1580 wurde C.L. Pfarrer der Kirche in Sonnborn. Seine eindeutig reformatorische Predigt und Haltung wurde über die Grenzen des Ortes hinaus bekannt, mehrmals mußte er sich vor den bergischen Räten am Hof in Düsseldorf verantworten. Manchmal wurde ihm die Kanzel verboten. Er achtete die Verbote jedoch nicht, sondern predigte darüber hinaus in anderen Orten der Umgebung. Angeblich sollen Gegner des mutigen Pfarrers und des neuen Glaubens ihn mehrmals zu entführen bzw. zu töten versucht haben, doch gelang ihnen nur, C.L. zu verletzen. - C.L. gehörte zu den insgesamt sieben Pfarrern und zwei Laien, die am 21. Juli 1589 in Neviges zu der ersten Synode reformierter Gemeinden des Herzogtums Berg zusammenkamen. Dabei war der Sonnborner Pfarrer der einzige Geistliche, der - dem reformierten Prinzip folgend - zu dieser Synode auch einen Laien aus seiner Gemeinde, den Ältesten Laurenz vorm Stegh, mitbrachte. Diese Tatsache sowie schriftliche Protokolle aus Sonnborn deuten darauf hin, daß in dieser Gemeinde unter der Führung ihres Pfarrers schon in den 1580-er Jahren ein Presbyterium zu existieren begann, das die Gemeinde leitete und reformierte Kirchenzucht übte. - 1591 wurde C.L. im Auftrag der Bergischen Synode in die Gemeinde Wald (heute Solingen) gesandt, um den dortigen Pfarrer Winand Sartorius für die reformierte Lehre und den Beitritt zur Bergischen Synode zu gewinnen, was ihm auch gelang. - C.L. starb 1613, sein Elberfelder Kollege Peter Kürten hielt ihm die Leichenpredigt. Er hinterließ u.a. einen Sohn Johannes, der, 1583 in Sonnborn geboren, von 1614 bis 1656 Pfarrer in Solingen war.

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Lit.: L. Bender: Geschichte der vormaligen Herrschaft Hardenberg... Langenberg 1879; - K. Krafft: Die Stiftung der Bergischen Provinzialsynode am 21. Juli 1589 zu Neviges bei Elberfeld. Elberfeld 1889; - H. Rosenthal: Solingen. Geschichte einer Stadt. Bd. 1. Duisburg 1969; - E. Schlesinger: Zur Geschichte der Familie Lüneschloß. In: Romerike Berge 34 (1984), Heft 2/3, 37 ff.; - G. Aders (Hrsg.): Quellen zur Geschichte der Städte Langenberg und Neviges und der alten Herrschaft Hardenberg vom 9. bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts. Neustadt/Aisch 1967; - K. Priemer: Zu den Strukturen der Reformation im niederbergischen Raum. In: K. Priemer/V. Wittmütz: 400 Jahre Bergische Synode. Velbert 1989, 19 ff.; - V. Wittmütz: Die Bildung von Synoden am Niederrhein. In: K. Priemer/V. Wittmütz, a.a.O., 42 ff.

Volkmar Wittmütz

Letzte Änderung: 09.04.2011