LUNESLAT (Lünenschloß), Caspar (1550-1613). - L. wurde
um 1550 in der Nähe des Dorfes Neviges in der damaligen Herrschaft
Hardenberg, einer Unterherrschaft des Herzogtums Berg, geboren. Die
Unterherrschaft umfaßte die beiden Hofesverbände Neviges und Mollmershof,
zum Hofesverband Neviges gehörten 40 Häuser und Güter und sechs als
Burglehen ausgegebene Güter, deren Inhaber in Fehdezeiten dem Grundherrn,
dem Grafen von Hardenberg, zu besonderen Leistungen verpflichtet waren
und deren eines der Hof Lunes war. Eine auf dem Hof sitzende Familie
Luneslo ist zuerst 1356, anläßlich des Erwerbs der Unterherrschaft
durch Graf Gerhard von Berg, nachweisbar. Auch C.L.s Vater Jakob hat
das Gut Lunes besessen, er erscheint 1571 als Zeuge in einer Hardenberger
Urkunde und muß ein einflußreicher Ratgeber des damaligen Besitzers
der Unterherrschaft und bergischen Rates Wilhelm von Bernsau gewesen
sein. - C.L. besuchte die Schulen in Emmerich und in Düsseldorf
und studierte danach Theologie an der Universität zu Köln. Noch während
seines Studiums wurde ihm eine Vikarie der Kirche in Sonnborn, heute
ein Stadtteil Wuppertals, übertragen mit der Verpflichtung, für die
Zeit bis zu seinem Antritt der Stelle einen Vertreter zu bestellen.
1576 erhielt er vom Hardenberger Grafen die Margarethen-Vikarie in
Neviges und die Vikarie zu Antoniusheide (Tönisheide) mit der Auflage,
in den beiden Vikarien wöchentlich je einmal zu predigen und auf besonderes
Erfordern auch Gottesdienst auf dem Hardenberger Schloß zu halten.
Unter dem Nevigeser Pfarrer Dietrich Waldmann begann C.L. mit der
reformatorischen Predigt in Neviges, er kann deshalb als eigentlicher
Begründer der heutigen reformierten Gemeinde Neviges bezeichnet werden.
- 1580 wurde C.L. Pfarrer der Kirche in Sonnborn. Seine eindeutig
reformatorische Predigt und Haltung wurde über die Grenzen des Ortes
hinaus bekannt, mehrmals mußte er sich vor den bergischen Räten am
Hof in Düsseldorf verantworten. Manchmal wurde ihm die Kanzel verboten.
Er achtete die Verbote jedoch nicht, sondern predigte darüber hinaus
in anderen Orten der Umgebung. Angeblich sollen Gegner des mutigen
Pfarrers und des neuen Glaubens ihn mehrmals zu entführen bzw. zu
töten versucht haben, doch gelang ihnen nur, C.L. zu verletzen. -
C.L. gehörte zu den insgesamt sieben Pfarrern und zwei Laien, die
am 21. Juli 1589 in Neviges zu der ersten Synode reformierter Gemeinden
des Herzogtums Berg zusammenkamen. Dabei war der Sonnborner Pfarrer
der einzige Geistliche, der - dem reformierten Prinzip folgend - zu
dieser Synode auch einen Laien aus seiner Gemeinde, den Ältesten Laurenz
vorm Stegh, mitbrachte. Diese Tatsache sowie schriftliche Protokolle
aus Sonnborn deuten darauf hin, daß in dieser Gemeinde unter der Führung
ihres Pfarrers schon in den 1580-er Jahren ein Presbyterium zu existieren
begann, das die Gemeinde leitete und reformierte Kirchenzucht übte.
- 1591 wurde C.L. im Auftrag der Bergischen Synode in die Gemeinde
Wald (heute Solingen) gesandt, um den dortigen Pfarrer Winand Sartorius
für die reformierte Lehre und den Beitritt zur Bergischen Synode zu
gewinnen, was ihm auch gelang. - C.L. starb 1613, sein Elberfelder
Kollege Peter Kürten hielt ihm die Leichenpredigt. Er hinterließ u.a.
einen Sohn Johannes, der, 1583 in Sonnborn geboren, von 1614 bis 1656
Pfarrer in Solingen war.
Lit.: L. Bender: Geschichte der vormaligen Herrschaft
Hardenberg... Langenberg 1879; - K. Krafft: Die Stiftung der Bergischen
Provinzialsynode am 21. Juli 1589 zu Neviges bei Elberfeld. Elberfeld
1889; - H. Rosenthal: Solingen. Geschichte einer Stadt. Bd. 1.
Duisburg 1969; - E. Schlesinger: Zur Geschichte der Familie Lüneschloß.
In: Romerike Berge 34 (1984), Heft 2/3, 37 ff.; - G. Aders (Hrsg.):
Quellen zur Geschichte der Städte Langenberg und Neviges und der alten
Herrschaft Hardenberg vom 9. bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts.
Neustadt/Aisch 1967; - K. Priemer: Zu den Strukturen der Reformation
im niederbergischen Raum. In: K. Priemer/V. Wittmütz: 400 Jahre Bergische
Synode. Velbert 1989, 19 ff.; - V. Wittmütz: Die Bildung von
Synoden am Niederrhein. In: K. Priemer/V. Wittmütz, a.a.O., 42 ff.