LUTHER, Ralf Johannes Ferdinand, Pastor und theologischer Schriftsteller in Dorpat (Tartu), * 23.6. 1887 in Reval (Estland), † 3.6. 1931 in Dorpat. - L. war Sohn des Oberpastors Ferdinand Luther und seiner Frau Marie, geb. Steding. In Reval besuchte er 1896-1899 die Jucumsche Schule und 1899-1904 das Nicolai-Gymnasium. Zwischen 1905 und 1910 studierte er in Dorpat Theologie, bevor er sich nach einer Zeit als Hauslehrer noch einmal zum Studium nach Leipzig wandte (1912). Nach bestandenem Konsistorialexamen und einem halbjährigen Vikariat wurde L. 1913 zum Pastor Adjunkt in Pönal bestellt; von 1914 an diente er als Pastor in Kusal (Estland), bevor er 1922 als Nachfolger Traugott Hahns (s.d.) auf die Stelle des deutschen Universitätspastors in Dorpat wechselte, die er bis zu seinem frühen Tode innehatte. In das Jahr 1922 fiel auch seine Eheschließung mit Gabriele Hoffmann (vier Kinder). Wegen seiner Kritik an der Verstaatlichung des Domes wurde er 1927 kurze Zeit bis zu seiner Entschuldigung seines Amtes durch das Konsistorium enthoben. L.s Predigtbegabung belegen einige frühe Veröffentlichungen. Er vertrat eine pietistische, von Blumhardt beeinflußte Frömmigkeit; seine Theologie war auf Wort, Gebet und Hoffnung eingestellt. Aus Bibelstunden zu wichtigen Ausdrücken des NT entstand in Dorpat- an gebildete Laien gerichtet - ein "Neutestamentliches Wörterbuch", welches zwar erst postum veröffentlicht (hrsg. von Otto Schmitz), aber doch vielfach aufgelegt und übersetzt wurde und großen Einfluß errang (allein zwölf Auflagen zwischen 1931 und 1941!).
Werke: Die letzten Dinge. Vier Predigten, gehalten an d. letzten Sonntagen d. Kirchenjahres 1923, Dorpat 1924; Tod und Vollendung. Predigten, gehalten an d. beiden letzten Sonntagen d. Kirchenjahres 1925 in d. Universitätskirche zu Dorpat, Dorpat 1925; Adventsgruß 1928. Predigt, gehalten am 2. Dez. in d. Universitätskirche zu Dorpat, Dorpat 1928; Spannungen und Lösungen im Evangelium. Zehn Predigten, gehalten in d. Universitätskirche zu Dorpat, Dorpat 1928; Das Reich Gottes. Eine neutestamentl. Studie. Vortrag, gehalten auf d. deutschen Propstsynode am 16. April 1929 in Reval, Dorpat 1929; Herr, mache dein Werk lebendig. Zwölf Predigten, gehalten in d. Universitätskirche zu Dorpat, Dorpat 1931; Neutestamentliches Wörterbuch. Eine Einführung in Sprache und Sinn des urchristlichen Schrifttums, Berlin 1932,
51933,
71934,
81935,
111937,
121941, Hamburg
131951,
141958, Hamburg und Stuttgart
151962,
161963,
171966,
181976 als Taschenbuch Gütersloh
41980 -
61989, zuletzt: Metzingen 1998 (u.a. Ungarisch 1989; Estnisch, Tallin 1992; Finnisch, Helsinki 1993); Herr, ich warte auf dein Heil. Neun Predigten, Dorpat 1934; Was versteht das Neue Testament unter Hoffnung? Marburg
21959; Begriffserklärungen zum Neuen Testament, Metzingen 1986,
21990.
Lit.: Wilhelm Neander, Lexikon deutschbaltischer Theologen seit 1920, Hannover 1967, 91; - Amburger, Erik: Die Pastoren des Konsistorialbezirks Estland 1885-1919, Quellen und Studien zur baltischen Geschichte Bd. 11, Köln / Wien 1988, 67; - Heinrich Wittram, Kirche, Staat und Minderheiten in Estland und Lettland 1920-1940 und ihre Bedeutung für die Gegenwart, in: Gert v.Pistohlkors, Mathias Weber (Hrsg.), Staatliche Einheit und nationale Vielfalt im Baltikum, Oldenburg 2005, 90.
Gregor Heidbrink.
Letzte Änderung: 09.04.2011