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Band V (1993)Spalten 490-492 Autor: Martin Papenheim

LUZERNE, César-Guillaume de la, französischer Bischof, * 8.7. 1738 in Paris, + 21.6. 1822 daselbst. - L. stammte aus einer der ersten Familien der Normandie. Sein Vater war César-Antoine de La Luzerne (+ 1755), marquis de Beuzeville und maréchal de camp, seine Mutter, Marie-Elisabeth de Lamoignon de Malesherbes (1716-1758), die Tochter des Kanzlers Guillaume de Lamoignon de Malesherbes (1683-1772) und Schwester von Chrétien-Guillaume de Lamoignon de Malesherbes (1721-1794), directeur de la Librairie und 1793 Verteidiger von Louis XVI. - L. wurde nach Studien und Inbesitznahme einiger niedrigerer kirchlicher Pründe 1762 zum Priester geweiht und Generalvikar des Bischofs von Narbonne. 1765 wurde er agent général du clergé, 1770 Bischof und Herzog von Langres. Nachdem er schon 1773 eine Leichenpredigt auf Charles-Emmanuel III., König von Sardinien, in Notre-Dame de Paris gehalten hatte, hielt er 1774 dort auch die Totenrede auf Ludwig XV., in der (wenn auch moderat), die Mißstände seiner Regierungszeit zur Sprache kamen: »A chacque abus il s'élève un cri de la nation, qui reclame le souverain contre l'opression dont son autorité est le prétexte.« - 1787 und 1788 war er Mitglied der beiden Notablenversammlungen. 1789 schlug er in einer Broschüre »Sur la forme d'opiner aux Etats généraux« für Frankreich ein Parlamentssystem vor, in dem Adel und Klerus eine Kammer, der dritte Stand die zweite bilden sollten. Innerhalb der Kammern solle nach Köpfen abgestimmt werden. 1789 war L. Redakteur des cahiers de doléances seines bailliage und wurde in die Generalstände gewählt. Im Dezember 1789 reichte er seine Entlassung aus der Assemblée constituante ein. L. gehörte 1791 zu den Klerikern, die dem vergeblichen Vorschlag des Bischofs Bonal folgten, den Eid auf die Zivilverfassung des Klerus dann zu leisten, wenn er keine spirituellen Angelegenheiten beträfe. Am 23. März 1791 emigrierte L. u.a. nach Konstanz und Wien. Er erlaubte jedoch im August 1793 mit sieben anderen kirchlichen Oberhirten seinen Gläubigen den Eid »Liberté-Egalité«. Obwohl selbst Monarchist, gestattete er 1795 die Anerkennung der Direktorialverfassung und 1800 der Konsularverfassung, nicht jedoch 1797 den Eid des Hasses auf die Monarchie und Anarchie. 1801 legte L. gemäß der Vereinbarungen zwischen Papst Pius VII. und Napoleon über die Reorganisation der französischen Kirche sein Bischofsamt nieder. Erst 1814 kehrte er jedoch nach Frankreich zurück. 1817 wurde er zum Kardinal ernannt und erneut zum Bischof von Langres, konnte aber von seinem Bistum nicht Besitz ergreifen. 1820 wurde er zum commandeur du Saint-Esprit ernannt. - L. gehörte zu denjenigen französischen Bischöfen, die, obwohl monarchistisch gesonnen, erkannten, daß mit der Französischen Revolution unwiderruflich das Ancien Régime zuende gegangen war und die Kirche sich mit verschiedenen Regierungsformen werde arrangieren müssen. - L. war Autor zahlreicher theologischer und pastoraler Schreiben.

Werke: siehe vollständiges Werkverzeichnis: Catalogue de la Bibliothèque nationale Paris, Bd. 86, 1151-1165; vor allem: La Luzerne, Oeuvres complètes,... augmentées, de près d'un tiers, en ouvrages inédits, reproduits d'après des manuscrits autographes ou faits par les ordres de l'auteur, précédées d'une préface biographique et critique, publiées par M. l'abbé Migne [et l'abbé Léon Godard.] 6 Bände Paris 1856; Œuvres oratoires complètes de l'abbé Richard, de Legris Duval, du cardinal de la Luzerne et de Perret de Fontenailles, Paris 1856 (= Collection intégrale et universelle des orateurs sacrés, 2e série, publiée par M. l'abbé Migne, Bd. 73).

Lit.: Anonym, Art. La Luzerne, César-Guillaume, in: (Michaud), Biographie universelle ancienne et moderne, Paris nouvelle édition, Paris 1854 ff., Bd. 22, 662 f.; - J. Charonnot, Mgr de La Luzerne et les serments pendant la Révolution, Paris 1918; - Michel Peronnet, Les évêques de l'ancienne France, 2 Bde. Paris 1977; - Yann Fauchois, Les évêques émigrés et le royalisme, in: François Lebrun, Roger Dupuy (Hrsg.), Les Résistances à la Révolution, Paris 1987, 386 ff.; - Edna Hindie Lemay (Hrsg.), Dictionnaire des Constituants, Bd. 2, Oxford 1991, 507 f. (der maßgebliche Artikel zu L.); - Martin Papenheim, Erinnerung und Unsterblichkeit, Semantische Studien zum Totenkult in Frankreich, Stuttgart 1992.

Martin Papenheim

Letzte Änderung: 10.07.1998