MAINTENON, Françoise d`Aubigné, Marquise de (seit 1674), Geliebte
und zweite Gemahlin Ludwigs XIV, Enkelin von T.A. d`Aubigné, * Niort
27.11. 1635 † St. Cyr 15.4. 1719. - M. verbrachte ihre
Kindheit auf Martinique. Von einer Tante kalvinistisch unterwiesen,
wird sie nach dem Tod ihres Vaters von den Ursulinerinnen erzogen
und konvertiert 1650 zum kath. Glauben. 1652 heiratet sie den Dichter
Scarron, in dessen Haus sie die bedeutendsten Schriftsteller kennenlernt
und wichtige Kontakte zu den späteren Gönnern knüpft. Nach dem Tode
ihres Gatten 1660 lernt sie im Hôtel d`Albret Mme de Montespan kennen,
die sie 1669 als Gouvernante der »Bâtards«, der Kinder Ludwigs und
der Montespan, an den Hof holt. Der König findet allmählich Gefallen
an ihr und schenkt ihr, offiziell als Würdigung ihrer pädagogischen
Fähigkeiten, 1674 die Domäne Maintenon. Ihre Stellung bei Hofe wird
durch Ehrentitel aufgewertet. Ein knappes Jahr nach dem Tod der Königin
(1683) wird sie, zunächst heimlich, die Gemahlin Ludwigs. - Ihr
Bild wird bis heute entscheidend von dem großen Memoralisten und Kritiker
Ludwigs XIV, L. de Saint-Simon bestimmt. Er beschreibt sie als intelligente
Frau, die aufgrund ihrer Lebensumstände dazu gezwungen war, sich anzupassen
und durch Beredsamkeit und Verstellung ihre Interessen zu verfolgen.
Insbesondere kritisiert er ihre in seinen Augen gespielte Frömmigkeit
und ihren »unheilbringenden« Einfluß auf Ludwig XIV . Dieser ist nicht
zu unterschätzen, wenn auch ihre Mitwirkung an der Aufhebung des Edikts
von Nantes (1685) nicht eindeutig beurteilt werden kann. In ihren
Privatgemächern finden die wichtigen Kabinettssitzungen statt und
oft trifft der König nach Befragung und scheinbar spontanem Ratschlag
der M. die Entscheidungen, die diese bereits vorher mit dem zuständigen
Minister abgesprochen hat. Von der Gunst der M. hängt zuweilen auch
deren Karriere ab: Louvois fällt in Ungnade, Colbert wird protegiert.
1686 gründet sie in Saint-Cyr ein Internat, in dem 250 mittellose
adelige Töchter eine vorbildliche Erziehung erhalten. Nach dem Tod
Ludwigs XIV 1715 zieht sie sich dorthin zurück. Von ihrem Tod 1719
nimmt am Hofe niemand Kenntnis.
Lit.: La Correspondance de Mme de M., hrsg. v. . Langlois,
4 Bde., Paris 1935-39; - A. Geffroy: Mme de M. d`après sa correspondance
authentique, 2 Bde., Paris 1887; - Comte d`Haussonville u. G.
Hanotaux, Souvenirs sur Mme de M., 2 Bde., Paris 1902-04; - L.
Mermaz: Mme de M. ou l`amour dévot, Lausanne 1965; - J. Cordelier:
Mme de M., Paris 1955; - G. Mauguin: La jeunesse mystérieuse de
Mme de M., Paris 1959; - J. Guelfi: Mme de M. 1635-1719, Lyon
1986.
Agnes Becherer
Literaturergänzung:
1986
Lucien Ceyssens, Autour de la bulle "Unigenitus". Madame de Maintenon (1635-1719), in: Augustiniana 36.1986, S. 101-154.