Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres
Spenden für die Arbeit am BBKL
Um auch weiterhin die Arbeit am BBKL zu ermöglichen, brauchen wir Ihre Unterstützung..
NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.
Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!
Bestellmöglichkeiten

Band V (1993)Spalten 583-584 Autor: Agnes Becherer

MAINTENON, Françoise d`Aubigné, Marquise de (seit 1674), Geliebte und zweite Gemahlin Ludwigs XIV, Enkelin von T.A. d`Aubigné, * Niort 27.11. 1635 † St. Cyr 15.4. 1719. - M. verbrachte ihre Kindheit auf Martinique. Von einer Tante kalvinistisch unterwiesen, wird sie nach dem Tod ihres Vaters von den Ursulinerinnen erzogen und konvertiert 1650 zum kath. Glauben. 1652 heiratet sie den Dichter Scarron, in dessen Haus sie die bedeutendsten Schriftsteller kennenlernt und wichtige Kontakte zu den späteren Gönnern knüpft. Nach dem Tode ihres Gatten 1660 lernt sie im Hôtel d`Albret Mme de Montespan kennen, die sie 1669 als Gouvernante der »Bâtards«, der Kinder Ludwigs und der Montespan, an den Hof holt. Der König findet allmählich Gefallen an ihr und schenkt ihr, offiziell als Würdigung ihrer pädagogischen Fähigkeiten, 1674 die Domäne Maintenon. Ihre Stellung bei Hofe wird durch Ehrentitel aufgewertet. Ein knappes Jahr nach dem Tod der Königin (1683) wird sie, zunächst heimlich, die Gemahlin Ludwigs. - Ihr Bild wird bis heute entscheidend von dem großen Memoralisten und Kritiker Ludwigs XIV, L. de Saint-Simon bestimmt. Er beschreibt sie als intelligente Frau, die aufgrund ihrer Lebensumstände dazu gezwungen war, sich anzupassen und durch Beredsamkeit und Verstellung ihre Interessen zu verfolgen. Insbesondere kritisiert er ihre in seinen Augen gespielte Frömmigkeit und ihren »unheilbringenden« Einfluß auf Ludwig XIV . Dieser ist nicht zu unterschätzen, wenn auch ihre Mitwirkung an der Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) nicht eindeutig beurteilt werden kann. In ihren Privatgemächern finden die wichtigen Kabinettssitzungen statt und oft trifft der König nach Befragung und scheinbar spontanem Ratschlag der M. die Entscheidungen, die diese bereits vorher mit dem zuständigen Minister abgesprochen hat. Von der Gunst der M. hängt zuweilen auch deren Karriere ab: Louvois fällt in Ungnade, Colbert wird protegiert. 1686 gründet sie in Saint-Cyr ein Internat, in dem 250 mittellose adelige Töchter eine vorbildliche Erziehung erhalten. Nach dem Tod Ludwigs XIV 1715 zieht sie sich dorthin zurück. Von ihrem Tod 1719 nimmt am Hofe niemand Kenntnis.

weiterlesen ...
Lit.: La Correspondance de Mme de M., hrsg. v. . Langlois, 4 Bde., Paris 1935-39; - A. Geffroy: Mme de M. d`après sa correspondance authentique, 2 Bde., Paris 1887; - Comte d`Haussonville u. G. Hanotaux, Souvenirs sur Mme de M., 2 Bde., Paris 1902-04; - L. Mermaz: Mme de M. ou l`amour dévot, Lausanne 1965; - J. Cordelier: Mme de M., Paris 1955; - G. Mauguin: La jeunesse mystérieuse de Mme de M., Paris 1959; - J. Guelfi: Mme de M. 1635-1719, Lyon 1986.

Agnes Becherer

Literaturergänzung:

1986

Lucien Ceyssens, Autour de la bulle "Unigenitus". Madame de Maintenon (1635-1719), in: Augustiniana 36.1986, S. 101-154.

Letzte Änderung: 09.04.2011