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Band V (1993)Spalten 599-602 Autor: Klaus-Peter Todt

MAKRAKIS, Apostolos, griech. Laientheologe, * 1831 auf Siphnos, + 25.12. 1905 in Athen. - M. erwarb seine Bildung an der Megalc tu Genus Schole bei Konstantinopel und übte dort auch im Lykeion des Sp. Patmios seine erste Lehrtätigkeit aus. Bereits 1856 bewies M. seine Neigung zu exzentrischem und theatralischem Verhalten, als er anläßlich des Pariser Friedenskongresses seine Bereitschaft erklärte, die Wahrheit des christlichen Glaubens durch eine Feuerprobe im Wettstreit mit einem Muslim zu beweisen. Von 1862-1864 hielt er sich als Hauslehrer eines griech. Bankiers in Paris auf und setzte sich dort mit der modernen französischen Philosophie und dem Vie de Jésus von E. Renan auseinander. 1864 begab er sich zunächst nach Athen und trug auf dem Universitätsplatz drei Reden über Platons Staatstheorie vor; anschließend kehrte er noch einmal nach Konstantinopel zurück. - Von 1866 bis zu seinem Tode lebte M. in Athen. Mit einer am 29.5. 1866 auf dem Omonia-Platz vorgetragenen Ansprache zum Thema "Wie kann das Werk der Väter von 1821 am schnellsten und am besten vollendet werden?" wandte er sich an die Öffentlichkeit. Durch seine Reden, durch die Gründung von Verbänden (1876 Iohannes ho Baptistes; 1879 Megas Konstantinos; 1884 Iohannes ho Theologos; 1901 Platon) und vor allem durch seine Publikationsorgane Dikaiosyne (Gerechtigkeit), ho Logos (das Wort) und Kerygma (Botschaft) gewann er eine große und ergebene Anhängerschaft in Athen und ganz Griechenland, schuf sich aber auch durch seine scharfen Angriffe auf echte und angebliche Freimaurer, Angehörige der kirchl. Hierarchie und Verwaltung und auf die Regierung einflußreiche Gegner. Besonders erbittert bekämpfte er die Universität von Athen, die er als Panskotisterion ("Allverfinsterungsanstalt"; statt Panepistemeion = Universität) verunglimpfte. M. wollte sie durch eine "Christl. Universität" ersetzen und gründete zu diesem Zweck eine "Philosophische Schule des Logos", in der er philosophische und vor allem exegetische Vorlesungen hielt, aus denen seine umfangreichen und sehr eigenartigen Bibelkommentare hervorgingen. - Zum offenen Konflikt mit der Heiligen Synode der Kirche von Griechenland kam es, als diese 1876 drei wegen Simonie verurteilte Bischöfe nicht mit der Absetzung, sondern nur mit einer dreijährigen Suspension vom Amt bestrafte und ihnen auch die Feier von Gottesdiensten und die Spendung von Sakramenten gestatette. M. verurteilte alle Synodalen als Simonisten und forderte Klerus und Kirchenvolk zur Gehorsamsverweigerung auf. 1879 verurteilte die Synode zunächst bestimmte Lehraussagen M's (besonders seine trichotomische Anthropologie und seine merkwürdige Deutung der Taufe Christi, dessen Seele erst damals durch den Empfang des Geistes Vollkommenheit erlangt habe), anschließend neun seiner wichtigsten Anhänger, von denen sich sechs im Juni 1884 öffentlich von ihm lossagten (darunter vor allem der spätere Archimandrit Eusebios Mathopulos, der 1907 die Erweckungsbewegung "Zoe" = Leben gründete). Der kirchl. Verurteilung folgten die Schließung seiner freilich 1887 wiedereröffneten Schule und Prozesse vor weltlichen Gerichten, die 1879 und 1881 zu Verurteilungen zu je zwei Jahren Haft führten. - Das im März 1881 gegen M. gefällte Urteil wurde wegen Formfehlern vom Obersten Gericht aufgehoben. Ein weiterer Prozeß kam nicht zustande. M. wurde freigelassen und setzte bis zu seinem Tode seine Lehrtätigkeit unverdrossen fort.

Werke: Zeitschriften: Dikaiosyne. Ephemeris ton hellenikon archon, Nr. 1-92, erschienen in Athen vom 30.9.1866-28.9.1867; Logos. Ephemeris tes en Christo threskeias, politeias kai philosophias, 1. Serie: 2.3.1868-20.3.1871; 2. Serie: 4.12.1876-29.12.1905; Eirene, Nr. 1-146, erschienen in Athen vom 12.1.1874-27.11.1876. - Dogmatisch-polemische Schriften: Apokalypsis tu thesauru tu kekrymmenu, Konstantinopel 1858 (2. Aufl. Athen 1883); He polis Siōn e he epi petras oikodometheisa ekklesia, etoi he anthropinos koinonia en Christo, Konstantinopel 1860; Lysis philosophike epi tu problematos tu anthropinu prohorismu eis tauton te threskeutike sympiptusa, K. 1860; Aspis tes anatolikes orthodoxu ekklesias pros apokrisin tu kat' autes epitithemenu papismu, K. 1862; He papike mania exegumene kai he phone tes iatrikes epistemes eis ta hemetera patriarcheia epharmozomene, Athen 1862; Ho Gerontismos, ta praktika kai he phone tu kyriu hemon Iesu Christu pros hapan to pleroma tes orthodoxu ekklesias, Athen 1862; Etudes philosophiques, Paris 1864 (Griech. Athen 1867 und 1869); Hypomnema peri tes physeos tes tu Christu ekklesias kai tu themeliodus autes nomu, K. 1865 (2. Aufl. Athen 1891); to ethnodoxaston ergon, egun poion ergon dynatai na doxase tus nyn Hellenas hyper panta tes ges ta ethne, K. 1865 (2. Auf. Athen 1875); Logikos elenchos thorakotu tinos elenchu (gegen Theokletos Bimpos), ca. 1870; Logoi katechetikoi epi tu symbolu tes pisteos, Athen 1871; Apologia Apostolu Makrake peri ton heautu aisthematon, phronematon kai praxeon, Athen 1873; He kata tu Apostolu Makrake epi hairesei dike, Athen 1881; To trisyntheton tu anthropu, Athen 1882; Theia kai hiera katechesis, Athen 1885; Hypomnema pros ton oikumenikon patriarchen Dionysion ton pempton, Konstantinopel 1888; He philosophia kai hai philosophikai epistemai I-IV, Athen 1876-1890; Ho karpos tu en Athenais politiku syllogu ho Platon I-II, Athen 1901 u. 1902. - Schriften gegen die Freimaurerei (alles in Athen publiziert): He eleuthera tektonike, 1867; He massonia gnorizomene kai dia tu massoniku diplomatos, 1868; Ho en Helladi eleutheros tektonismos en horismo kai en synkrisei pros ton en Helladi christianismon, 1899. - Schriften zur Reform des Unterrichtswesens (alles Athen): Neon ekpaideutikon systema (Grammatomatheia, leximatheia, logomatheia), 1876-1882. - Bibelexegese (alles Athen): Hermeneia eis ten pros Hebraius epistolen, 1881; Hermeneia ton ennea tes Ekklesias odon, 1881; Hermeneia tes Apokalypseos Ioannu tu Theologu, 1882; Hermeneia ton psalmon tu David I-III, 1887-1889; Hermeneia holes tes Kaines Diathekes, 1891; He Graphe kai ho kosmos, etoi to mega tu Theu biblion dia tu mikru meletomenon, 1905 (Gesammelte Aufsätze aus der Zeitschrift Logos). - J. Kaminares (Hrsg.), Meletai kai logoi Apostolu Makrake, Athen 1914; Englisch: Papal primacy and the innovation of the Roman Catholic Church, Chicago 1948; Philosophy and the philosophical sciences, Chicago 1960.

Lit.: A. Diomedes Kyriakos, Geschichte der Orientalischen Kirchen von 1453-1898, Leipzig 1902 (Reprint Hildesheim 1975), 197-201; - K. Beth, Die oriental. Christenheit der Mittelmeerländer, 1902, 370-372; - Polykarpos Synodinos, Biographia Apostolu Makrake, in: Nea Sion 3, 1906, 486-493 und 618-635; - D. Mpalanos, Ho Apostolos Makrakes (1831-1905), in: Gregorios ho Palamas 4, 1920, 65-112; - V. Grégoire, Un reformateur laic dans l'Eglise grecque, Apostolos Makrakis, in: EO 19, 1920, 403-414; - Chrysostomos Papadopulos, Apostolos Makrakes, Athen 1939; - M.-J. Le Guillou, Apostolos Makrakis: ses intuitions apostoliques et spirituelles, in: Istina 7, 1960, 261-278; - Basileios K. Stephanides, Ekklesiastike Historia, Athen 19703, 719-720; - Panagiotis, Bratsiotis, Die geistigen Strömungen und die religiösen Bewegungen in der orthodoxen Kirche Griechenlands, in: Die Orthodoxe Kirche in griech. Sicht. Hrsg. von Panagiotis Bratsiotis, (1. und 2. Teil), 19702, 261-264; - George A. Maloney, A History of Orthodox Theology since 1453, Belmont/Mass. 1976, 190-193; - DThC IX, 1503-1507; - Threskeutike kai Ethike Enkyklopaidei VIII, 514-517; - RGG IV, 623 f.; - LThK VI, 1319 f.

Klaus-Peter Todt

Letzte Änderung: 26.12.2009