MALACHIAS (altirisch: Maol m'Aedog), * ca. 1095 in Armagh, wo sein Vater, Mughron UA Morgair († 1102), an der Klosterschule Lektor war, † 1./2. November 1148 in Clairvaux (Frankreich). M. wurde zunächst von seinem Vater, nach dessen Tod vom hl. Celsus (Ceallach), Erzbischof von Armagh und Primas von Irland, erzogen. Sein theol. Lehrer war der Mönch Imar. Im Jahre 1111, nach der Reform der Mönchskirche von Armagh, fand in Rath Breasail die von Ceallach einberufene erste irische Reformsynode statt. Im Alter von 25 Jahren weihte der Erzbischof M. zum Priester (1119), damit er ihn bei der Durchführung der Reformen unterstützte. Benediktinisches Leben lernte er in Lismore kennen. Von der Abtei Bangor aus begann er im Sinne des Erzbischofs zu wirken. Im Jahre 1123 wurde er Bischof von Down, aber schon 1124 sollte er das schwierige Bistum Connor übernehmen, wo die Bevölkerung zwar dem Namen nach christlich, in ihrer Lebensführung aber heidnisch war. Die Bekehrungsarbeit gestaltete sich sehr hart. So mußte M. sein Bistum verlassen. Er zog sich nach Iveragh in der Grafschaft Kerry zurück, wo er einer klösterlichen Neugründung als Abt vorstand. Auf dem Sterbebett bestimmte ihn 1129 Ceallach zu seinem Nachfolger als Erzbischof von Armagh und Primas von Irland. Zwischen seinen Anhängern und denen des Rivalen Murtaugh und danach Niall kam es zu heftigen Auseinandersetzungen um den erzbischöflichen Sitz. Schließlich blieb die Reformgruppe siegreich. M. verzichtete jedoch auf sein Amt 1136 zugunsten von Gelasius (Gille Mac Liag) und wurde 1137 Bischof von Down. Er lebte in einem Kloster in Bangor. Auf M. geht die Einführung der römischen Liturgie in Irland zurück. Innozenz II. ernannte den Bischof von Down während eines Romaufenthalts (1140) zum päpstlichen Legaten. Auf der Rückreise machte M. Halt in der Abtei Clairvaux, wo er den hl. Bernhard traf und zisterziensisches Leben kennenlernte. Nach Irland zurückgekehrt, förderte er das Entstehen der ersten dortigen Zisterziensergründung (1142), der Abtei Mellifont. In Frankreich hatte er auch das Augustiner-Chorherrenstift Aroasia besucht, nach dessen Regel es in den folgenden Jahren zu zahlreichen Neugründungen in Irland kam. Im Jahre 1148 brach er erneut nach Rom auf, um die Pallien für die irischen Erzbischöfe von Armagh und Cashell, die Papst Innozenz II. 1140 verweigert hatte, zu holen. Doch starb M. in Clairvaux auf der Hinreise. Am 6. Juli 1190 wurde er heiliggesprochen; sein Fest ist am 3. November. Die sog. »Weissagung des M.« über die päpstliche Nachfolge geht auf ein Phantasieprodukt des 16. Jahrhunderts zurück. Sie wurde erstmals veröffentlicht von Arnold Wion OSB in seinem Buch »Lignum Vitae«, Venedig 1595. Sie hat mit dem historischen Erzbischof M. von Armagh nichts zu tun.
Quellen: Bernard von Clairvaux, Vita S. Malachiae, in: Migne PL 182, 1073-1118; ders., Reden »in transitu Malachiae«, in: Migne PL 183, 481-490, siehe auch PL 204, 1466.
Lit.: E. Vacandard, St-Malachie, in: Revue des questions historiques 52 (1892), 5-57; - ders., Vie de St-Bernard, II, Paris 1927, 358-388; - G. Goyau, S. Bernardo, Brescia 1928, 188-193; - J. F. Kenney, The Sources for the Early History of Ireland. An Introduction and Guide I. Ecclesiastical, New York 1929, (verb. Nachdr. 1966), 764-767; - P. J. Dunning, The Arroasian Order in Medieval Ireland, in: Irtish Historical Studies 4 (Dublin 1945), 397-315; - J. De Ghellinck, L'essor de la littérature latine au XIIe siècle, II, Brüssel-Paris 1946, 195; - A, Gwynn, in: The Irish Ecclesiastical Record 73 (1948), 961-978, 74 (1949), 134-148, 317-331; - A. Butler, The Lives of the Saints (rev. ed. H. Thurston-D. Attwater), I, New York 1956, 249-253; - J. L. Baudot-L. Chaussin, Vie des saints et bienheureux selon l'ordre du calendrier avec l'historique des fêtes (par les RR. PP. Bénédictins de Paris), XI, Paris 1935-1956, 112-117; - J. Leclercq, Documents of the Cult of St. Malachy, in: Seanchas Ardmhacha 3 (Maynooth 1959), 318-332; - ECatt VII, 11184, - LThK2 IV, 1322f.; - Encyclopedic Dictionary of Religion, Philadelphia-Washington, D.C., 1979, 2218.
Johannes Madey
Letzte Änderung: 09.04.2011