Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band V (1993)Spalten 648-650 Autor: Birthe Koch

MALRAUX, André, * 3.11. 1901 als Sohn einer Beamtenfamilie in Paris, studierte Archäologie, Sanskrit und Chinesisch; † 23.11. 1976 in Créteil. - Nach seiner Heirat mit der Deutschen Clara Goldschmidt ging M. 1923 im Rahmen einer archäologischen Expedition nach Südostasien, wo er erstmals mit den Problemen des Kolonialismus und dem Kommunismus konfrontiert wurde und sein Interesse an sozialistischen Ideen erwachte. Er nahm an der kommunistischen Revolution in Annam und Kotschinchina teil, wurde Mitglied des Zwölferkommitees, dem auch Tschiangkaitschek angehörte, und schließlich Propagandakommissar der Kantoner Nationalregierung. 1927 kehrte er nach Frankreich zurück, von wo aus er weitere Expeditionen nach Arabien unternahm, auf denen er 1934 die sagenhafte Stadt Scheba entdeckt zu haben glaubte. Er wurde 1937 im Spanischen Bürgerkrieg General und Kampfflieger der ausländischen Luftwaffe auf republikanischer Seite. Nach seinem radikalen Bruch mit dem Kommunismus 1939 meldete er sich als Freiwilliger im 2. Weltkrieg, und schloß sich nach seiner Flucht aus deutscher Gefangenschaft der französischen Widerstandsbewegung an. Dort befehligte er als »Oberst Berger« die Brigade Elsaß-Lothringen. 1945/46 wurde M. Informationsminister der Regierung de Gaulle, 1947-53 Propagandaleiter des Rassemblement du Peuple Français und 1958 erneut Informations- und Kultusminister de Gaulles. M. starb am 23.11. 1976 in Créteil. - M. literarisches Werk ist beeinflußt von Nietzsche, Spengler, Gide und Dostojewskij, sein Ruhm begründet sich mit dem Roman »La condition humaine« (So lebt der Mensch), der 1933 erscheint und für den er mit dem »Prix Goncourt« ausgezeichnet wird. Das Werk beschreibt die Eroberung Schanghais im Frühjahr 1927, die gleichzeitig die Machtübernahme durch die chinesische Nationalpartei bedeutete. M., der selbst am Kanton-Aufstand beteiligt war, schildert die Eroberung aus Sicht der Kommunisten, die zunächst taktisch mit den Truppen der Kuomintang unter Tschiangkaitschek verbündet waren, später aber brutal ausgerottet werden sollten. Die Personen in diesem chronikähnlichen Roman stehen sich gruppenweise gegenüber: die Nationalisten unter Tschiangkaitschek und die Kommunisten. Es gibt keinen Helden, nur Schicksale Einzelner, die in der dargestellten Massentragödie in absoluter Einsamkeit stattfinden. Schon in seinem ersten Roman »Les conquérants« (Die Eroberer) von 1928 verarbeitet er in Tagebuchform die Ereignisse der chinesischen Revolution. Auch hier steht der Tatenmensch im Mittelpunkt, dessen einzige Hoffnung die Tat an sich ist, mit der er dem Leben einen Sinn zu geben versucht. Ein weiterer Asienroman ist »La voie royale« (Der Königsweg) von 1928 (erschienen 1930), ein echter Abenteuerroman, der weniger politisch beeinflußt ist und noch mehr den revolutionistischen Einzelkämpfer verherrlicht - ein Jugendwerk. Auch seine Erlebnisse im spanischen Bürgerkrieg verarbeitet M. in einem Roman, »L'Espoir« (Die Hoffnung) von 1937. Eine ehrliche Auseinandersetzung des begeisterten Revolutionärs mit dem Krieg, der als Konflikt zwischen Gut und Böse beginnt und jenseits moralischer Rechtfertigung im gegenseitigen Blutbad endet. Den Abschluß des erzählenden Werks M.' bildet »Les noyers de l'Altenburg«, der erste Teil des Romans »La lutte avec l'ange« (Der Kampf mit dem Engel), dessen zweiter Teil von der Gestapo zerstört wurde. Der Dialogroman beschäftigt sich mit dem Thema des Kampfes zwischen Mensch und göttlicher Macht - Revolution und Krieg. Dieses spätere Werk steht an der Schwelle zu M.' Erinnerungen, den »Antimemoires« (Anti-Memoiren) von 1967 und seinem kunsthistorischen Werk »Les voix de silence« (Stimmen der Stille) von 1951.

Werke: (Ausgaben): Romans, 7 Bde, Paris 1961/62; Œuvres, 4 Bde, Paris 1970; Romans, Pleiade, Paris 1978. Übersetzungen: F. Hardekopf, Die Eroberer, Stuttgart 1953, 1983; ders., Der Königsweg, Karlsruhe 1963; ders., So lebt der Mensch, Stuttgart 1955; H. Kauders, Die Hoffnung, Stuttgart 1954, 1981; ders., Der Kampf mit dem Engel, Zürich 1948; J. Lauts, Stimmen der Stille, Baden-Baden 1956, 1961; C. Schmid, Anti-Memoiren, Frankfurt a.M. 1968, 1971.

Lit.: R. Aubert, L'absolu et la métamorphose. Théologique sur A.M., Genf 1985; - D. Bevan, M. Toward the Expression of Transcendence, Kingston / Montreal 1986; - G. Blumenthal, A.M., The Conquest of the Dread, Baltimore 1970; - P. Brodin, Les Ecrivains français de l'entre-deux-guerres, 1942; - D. Cain, M., Der Weg vom Revolutionär zum Konservativen, Diss. Würzburg 1988; - M. Cazenave, M., Une vie, une œuvre, une époque, Paris 1985; - M. de Courcel, Hrsg., M. Être et dire, Paris 1976; - F.A. Ellis, A.M. et le monde de la nature, Paris 1975 (ALM); - W.M. Frohock, A.M. and the Tragic Imagination, Stanford 1952; - J.R. Hewitt, A.M., New York 1978; - I. Juilliand, Dictionnaire des idées dans l'œuvre d'A.M., Den Haag/Paris 1968; - J. Leeker, Die Perspektive der Wirklichkeitsflucht im Romanwerk von A.M., Genf 1977; - D. Marion, M., Paris 1970; - A. Marissel, La pensée créatrice d' A.M., Toulouse 1979; - C. Mauriac, M. ou le mal du héros, 1946; - Ch. Moatti, Le prédicateur et ses masques. Les personnages de M., Paris 1987; - W. Morisey, Reflections on M., Lanham 1984; - R. Payne, A Portrait of A.M., Englewood Cliffs /N.J. 1970; - G. Picon, A.M., 1953; - R.A. Schulte, M. und sein Romanwerk in der französischen Literaturkritik von 1928-1948, Diss. Berlin 1969; - R. Tarica, Imagery of the Novels of M., Toronto 1980; - A. Vandegans, La jeunesse littéraire d' A.M., Paris 1964; - D. Wilkinson, M. An Essay on Political Criticism, Cambridge/Mass. 1967; Mélanges Malraux Miscellany, Laramie / Wyo. 1969 ff. (Ab 1986 Revue André Malraux Review). Revue des Lettres Modernes, Paris 1972 ff. (Reihe A.M.); - RHLF, 81, 1981, Nr. 2. CAIEF, 33, Mai 1981.

Birthe Koch

Literaturergänzung:

1998

Francois de Saint-Chéron, A.M. et l'art, in: Aletheia 14.1998, S. 125-129; -

2007

Jean-Yves Perrouin, Notes de lecture: "L'expérience existentielle de l'art", in: BLE 108.2007, S. 553-558; - Maurice Blanchot, Museumskrankheit. Das Museum, d. Kunst u.d. Zeit. Köln 2007; -

2008

Claudia Bahmer, Weltkunst. Formpsychologie u. Kulturanthropologie in A.M.' Kunstschriften. Berlin 2008.

Letzte Änderung: 17.06.2009