MALVENDA, Thomas. Spanischer Dominikaner, Kirchen- und Ordenshistoriker,
Exeget. * Mai 1566, nach anderen Biographen 1565, in Játiva (Valencia),
† 7.5. 1628 in Valencia. Nachdem er bei den Dominikanern seiner
Heimatstadt die ersten Studien absolviert hatte, trat er 1581 in Llombay
(Valencia) in den Dominikanerorden ein. Von 1586 an lehrte er dort
Logik und Philosophie, von 1590 bis 1600 Theologie. 1601 wurde vom
Generalmagister seines Ordens nach Rom gerufen, um dort an den von
Kardinal Baronius herausgegebenen Annales ecclesiastici mitzuarbeiten.
Ferner revidierte er auf Geheiß seiner Oberen die liturgischen Bücher
seines Ordens (Brevier, Martyrologium, Missale). Im Auftrag der Index-Kongregation
unterzog er die Bibliotheca veterum Patrum von Marguerin de La Bigne
(in 9 Bänden erstmals erschienen in Paris 1575-79, 2. Auflage 1598)
einer kritischen Durchsicht und publizierte zusammen mit den Kardinälen
Bellarmin und Baronius in Rom 1605 die Expurgatio Bibliothecae veterum
Patrum, die in den späteren Ausgaben der Bibliotheca mitgedruckt wurde.
Außerdem verfaßte er im Auftrag des Ordensgenerals eine Geschichte
seines Ordens. Weil er darin die ihm zugänglichen Dokumente zunächst
nur gesammelt hatte, ohne sie kritisch zu sichten, lehnte er selbst
die Autorschaft für dieses Werk ab; es wurde 1627 in Neapel von seinem
Mitbruder Domenico Gravina veröffentlicht unter dem Titel: Annalium
sacri ordinis praedicatorum centuria prima (bis 1246). 1608 kehrte
Malvenda nach Valencia zurück. 1610 wurde er vom Großinquisitor Spaniens,
dem Erzbischof von Toledo Bernardo de Rojas y Sandoval, an den königlichen
Hof in Madrid gerufen, um den Index novus expurgatorius librorum prohibitorum
zu erstellen, der dann 1612 veröffentlicht wurde. Danach lebte M.
wieder in Valencia, und zwar im Hause des Erzbischofs, seines Mitbruders
Isidoro Aliaga. Dort widmete er sich ganz der Erklärung der Heiligen
Schrift. 1615 begann er damit, die ganze Bibel neu ins Lateinische
zu übersetzen und zu kommentieren. Das monumentale Werk, das viel
Anerkennung, aber auch Kritik (Richard Simon) fand, blieb unvollendet;
es bricht, bedingt durch Malvendas Tod, mit dem Kommentar zum Buch
Ezechiel (16,6) ab.
Werke: De antichristo libri XI (Roma 1604); De antichristo
libri XIII (Valencia 1621; Lyon 1746); De paradiso voluptatis (Roma
1605); Commentaria in sacram Scripturam una cum nova de verbo ad verbum
ex hebraico translatione variisque lectionibus. 5 Bde. (Lyon 1650,
in Bd. 1 auch eine Biobibliographie Malvendas von Nicolás Figueres);
Duodecim fragmenta ad sacram Scripturam pertinentia (hrsg. von N.
Figueres) (Valencia 1655). - Zahlreiche Werke (Kommentare zur
Summa theologica des Thomas von Aquin, kirchenhistorische und exegetische
Abhandlungen) sind nur handschriftlich überliefert; sie befinden sich
heute in der Universitätsbibliothek von Valencia.
Lit.: M. S. Blanquer, Tomás de Malvenda, su obra y su
doctrina escatológica (Roma 1964, diss. masch.); - Laureano Robles,
Documentación para un estudio sobre Tomás Malvenda, O.P. (1565-1628),
in: Revista española de teología 38 (1978) 133-140; - Quétif-Echard
I, 454-57; - Hurter III, 763-67; - ECatt VII, 1932-33 (Antonio
Romeo); - LThK VI (1961) 1338 (J. Schmid); - RGG IV, 706 (P.
F. Barton); - Diccionario de historia eclesiástica de España II
(1972) 1406 (L. Galmés).
Klaus Reinhardt
Literaturergänzung:
2008
Gerhard Podskalsky, T.M.s "De Antichristo" (Lyon 1647). Zu e. Eckpfeiler d. byzant. Reichseschatologie, in: Endzeiten. Berlin [u.a.] 2008, S. 363-367.