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Verlag Traugott Bautz
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MANEGOLD von Lautenbach, Frühscholastiker, † nach 1103. Geburts- und Todesjahr M.s sind unbekannt. Ob sich Berichte aus dem 12. Jh. über einen modernorum magister magistrorum M. und einen M., der nach 1060 mit Frau und Töchtern als Wanderlehrer durch Frankreich gezogen sei, auf M. von Lautenbach beziehen, ist nicht unumstritten. Fest steht jedoch, daß er 1085 von Anhängern Kaiser Heinrichs IV. aus dem Stift Lautenbach im Elsaß, wo er zumindest einige Jahre gelebt hatte, vertrieben wurde und sich ins Stift Rottenbuch flüchtete. 1094 ist er als Prior des neugegründeten elsässischen Augustinerchorherrenstifts Marbach bezeugt. Zwei Jahre später traf er mit Papst Urban II. in Tours zusammen. Der letzte Beleg aus M.s Leben stammt von 1103, und er dürfte nicht allzulang danach an einem 24. Januar gestorben sein. Die einzigen Werke, die dem bedeutenden Frühscholastiker mit Sicherheit zugeschrieben werden können, sind der Liber contra Wolfelmum und der Liber ad Gebehardum, beide um 1085 verfasst. In Liber contra Wolfelmum geht M. der Frage nach dem Verhältnis zwischen Philosophie und Theologie nach. Gegen die Ansichten des Abts Wolfhelm von Brauweiler will er nachweisen, daß die Lehren der heidnischen Philosophie gefährlich für den christlichen Glauben sind. Der Liber ad Gebehardum, gewidmet dem Erzbischof Gebhard von Salzburg, greift direkt in die Problematik des Investiturstreits ein. Die Antwort auf die weitverbreitete Streitschrift des Winrich von Trier ist ein vehementer Angriff auf Kaiser Heinrich IV. und zugleich eine bedingungslose Verteidigung Gregors VII. Obwohl diese Schrift in weiten Teilen nicht viel mehr als eine Materialsammlung darstellt, ist sie dennoch bemerkenswert, da in ihr bereits gewisse Gedanken einer »Volkssouveränität« anklingen.Inwieweit weitere einem Manegold zugeschriebene Psalmen-, Cicero-, Ovid-, Boethius- und Chalcidiuskommentare sowie eine Auslegung der Paulusbriefe, die sämtlich als verloren gelten müssen, tatsächlich von M. stammten, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen.
Werke: Liber contra Wolfelmum, hrsg. von Wilfried Hartmann, MGH Quellen zur Geistesgeschichte des Mittelalters VIII, Weimar 1972; Auszüge in: MGH Libelli de lite I, hrsg. von Kuno Francke, Hannover 1891, 303-308; Manegoldi ad Gebehardum liber, hrsg. von K.Francke in: MGH Libelli de lite I, Hannover 1891, 308-410
Lit.: Josef Anton Endres, Manegold von Lautenbach. Ein Beitrag zur Philosophiegeschichte des 11. Jahrhunderts, in: Historisch-politische Blätter für das katholische Deutschland 127 (1901), 389-401 und 486-95; - Georg Koch, Manegold von Lautenbach und die Lehre von der Volkssouveränität unter Heinrich IV. (Historische Studien 34), Berlin 1902 (ND 1965); - Josef Anton Endres, Manegold von Lautenbach, »modernorum magister magistrorum«, in: HJb 25 (1904) 168-176; - Ders., Forschungen zur Geschichte der frühmittelalterlichen Philosophie (Beiträge zur Geschichte der Philiosophie des Mittelalters 17), Münster 1915, 87-113; - M.T. Stead, Manegold of Lautenbach, in: English Historical Review 29 (1914) 1-15; - Max Manitius, Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters III, München 1931, 175-180; - F. Chatillon, Recherches critiques sur les différents personnages nommés Manegold, in: Revue du moyen âge latin 9 (1953) 153-170; - Charles Haaby, Stift Lautenbach (Alsatia Monastica. Forschungen herausgegeben von der Gesellschaft für Elsässische Kirchengeschichte zu Strassburg 2), Kevelaer 1958, 22-38; - Julius Gross, Die Erbsündenlehre Manegolds von Lautenbach nach seinem Psalmen-Kommentar in: Zs. für Kirchengeschichte 71 (1960) 253-261; - Reinhold Laakmann, Die Königsgewalt bei Manegold von Lautenbach, Diss. (Hamburg) 1969; - Wilfried Hartmann, Manegold von Lautenbach und die Anfänge der Frühscholastik, in: DA 26 (1970) 47-149; - Pietro de Leo, Ricerche sul Liber ad Gebehardum di Manegoldo di Lautenbach, in: Rivista di Storia e Letteratura religiosa 10 (1974) 112-153; - Horst Fuhrmann, »Volkssouveränität« und »Herrschaftsvertrag« bei Manegold von Lautenbach in: FS Hermann Krause, Köln/Wien 1975, 21-42; - Ders., Papst Urban II. und der Stand der Regularkanoniker, in: Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist.Kl. 1984 Heft 2; - LThK VI, Sp. 1348; - NDB XVI, 21-22.
Ulrich Schmidt
Werkeergänzung:
Liber contra Wolfelmum. Transl. with introd. and notes by Robert Ziomkowski. Paris 2002.
Letzte Änderung: 23.04.2006