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Verlag Traugott Bautz
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MARIA (im Neuen Testament). - Die Bedeutung des Namens läßt sich nicht eindeutig klären. Die Deutungen vom Wortstamm aus bieten »Bitterkeit, Betrübnis« oder »Seherin, Herrin« an. Im Neuen Testament werden sechs Frauen als Namensträgerinnen bezeugt: Maria, die Mutter Jesu; Maria aus Magdala, eine der Jesus dienenden Frauen und Zeugin der Auferstehung; Maria von Bethanien; Maria, die Mutter des jüngeren Jakobus und Joses; Maria, die Mutter des Markus und Maria, eine Christin in Rom. Maria, die Mutter Jesu, wird im Neuen Testament 19 mal namentlich, 14 mal als Mutter Jesu und einmal als »die Frau« erwähnt. Die literarisch älteste Stelle ist Galater 4,4. Sie zeigt die Bedeutung, die Maria für den Glauben an den dreieinigen Gott hat. »Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.« Der Sohn Gottes ist zugleich der Sohn eines Menschenkindes, einer Frau. Er kommt von Gott und bleibt mit Gott verbunden, aber zugleich ist er der Sohn einer menschlichen Mutter und gehört ganz zu den Menschen. Mit uns lebt er unter dem Gesetz Gottes, das den Tod bringt für alle, die Gottes Gesetz übertreten und gegen Gott zur Geltung bringen wollen. Weil er ganz zu den Menschen gehört, kann er die Schuldverfallenheit aller unter dem Gesetz auf sich nehmen und als Unschuldiger für alle Menschen sühnen. Weil er ganz zu Gott gehört, kann er uns zu Kindern Gottes machen. Die leibliche Mutter Maria steht für die wahre Menschheit des Sohnes Gottes ein. Das ist ihre wichtigste Bedeutung für den Glauben. Paulus, der auch wenig von dem irdischen Jesus erzählen und wissen will, behandelt Maria ganz abstrakt als die Mutter Jesu. Die literarisch jüngeren Stellen aus den vier Evangelien und der Apostelgeschichte erzählen von der Mutter Jesu als einem Menschenkind mit einer einmaligen Lebensgeschichte. Sie nehmen die wahre Menschheit Jesu darin ernst, daß er wie jeder Mensch nicht irgendeine, sondern seine Mutter gehabt hat. - Das Matthäusevangelium versucht, Maria in der Zuordnung zu Joseph der Familie des Königs David einzugliedern (1,6), an dem Gottes Verheißung festgemacht ist. Matthäus betont die Zeugung als ein Schöpfungswunder Gottes in der Kraft des heiligen Geistes (1,18). Maria ist die Mutter, aber Gott ist der Vater. Sogleich zeigt Matthäus auch die menschlich konkrete Seite des göttlichen Willens auf. Joseph will sich von seiner Verlobten um deren ungeklärter Schwangerschaft willen trennen. Durch eine Offenbarung Gottes erfährt er das Geheimnis der Schwangerschaft Mariens (1,20). Schon hier deutet sich der Leidensweg an, den die Mutter um Jesu willen gehen muß. - Lukas stellt in seiner Geburtsgeschichte nach Jesus dessen Mutter Maria ganz in den Mittelpunkt. Ihr wird die wunderbare Zeugung und Jesu Geburt durch den Botenengel Gottes angekündigt (1,27 ff.). Maria wird als ein (wahrscheinlich) sehr junges Mädchen aus dem Volk nachgezeichnet. Sie antwortet auf das geheimnisvolle Handeln Gottes mehrfach durch ihren Gehorsam (1,38). Die wenigen Schilderungen ihrer Person wollen ein frommes, zurückhaltendes und freundliches Mädchen mitten aus dem Volk der Juden beschreiben. So zeigt sie sich während ihres Besuches bei ihrer Verwandten Elisabeth, der angehenden Mutter Johannes des Täufers (1,41). Als Erwiderung auf den ehrerbietigen Gruß der Elisabeth betet sie das Magnificat (1,46 ff.). Sie lebt in der Gebetstradition ihres Volkes. In der Weihnachtsgeschichte hat Maria vorlaufend Anteil an der kommenden Heimatlosigkeit ihres Sohnes. Ihr gläubiger Gehorsam spiegelt sich in allen Äußerungen wider. Zweimal wird von ihr gesagt: »Sie behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.« Als Mutter erfährt sie, wie sich der Sohn vom Elternhaus löst, um seinem Vater im Tempel nahe zu sein. Sie spürt die Zurückweisung ihres Sohnes, als sie so, wie jede andere Mutter es tun würde, mit ihm umgehen will. Ihr Leiden als Mutter besteht im Loslassen des Sohnes, der Gott gehört. Ihre Größe liegt im Ertragen der Spannung, die ihr durch das wahre Mensch- und Gottsein Jesu auferlegt ist. Sie bleibt die Mutter Jesu. Nach dem Evangelisten Johannes erlebt Maria den Kreuzestod ihres Sohnes mit und erfährt die Zuwendung des Sterbenden (19,26 f.). Nach der Auferstehung Jesu ist Maria unter den Jüngern in Jerusalem zu finden, die unter Leitung der Apostel im stetigen und einmütigen Gebet auf die Kraft des Heiligen Geistes warten. So berichtet die Apostelgeschichte (1,14). - Von dem Leben der Mutter außerhalb ihrer Bindung an Jesus ist wenig bekannt. Der Evangelist Matthäus nennt vier Brüder Jesu, Jakobus, Joseph, Simon und Judas (13,55). Der Evangelist Markus benennt darüber hinaus noch Schwestern Jesu, aber ohne Angabe von Namen.
Lit.: »Maria, die Mutter unseres Herren«, eine evangelische Handreichung. Erarbeitet und verantwortet vom Arbeitskreis der gliedkirchlichen Catholica-Beauftragten der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands und des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes. Herausgegeben von Manfred Kiesig, Verlag Ernst Kaufmann, Lahr 1991, daselbst besonders Seite 11-14; - Wolfgang Beinert und Heinrich Petri »Handbuch der Marienkunde«, Regensburg 1984, daselbst Seite 15-92; - Maria aus Magdala am See Genezareth wird im Neuen Testament viermal erwähnt. Lukas zählt sie unter die Jüngerinnen Jesu und die Frauen, die Jesus von bösen Geistern befreit hatte (8,2). Matthäus berichtet von vielen Frauen, die von Ferne die Kreuzigung beobachten, weil sie Jesus nachgefolgt waren und ihm gedient haben. Als erste der drei namentlich erwähnten Frauen nennt er Maria von Magdala (27,56). Sie wird dann auch als erste der beiden Frauen (mit der »anderen« Maria) genannt, die am ersten Tag der Woche zum Grabe Jesu gehen. Sie empfangen als erste die Auferstehungsbotschaft des Engels und den Auftrag, die Kunde den Jüngern zu überbringen. Auf dem Wege erscheint ihnen der Auferstandene selbst und erneuert den Auftrag, die Botschaft an die Jünger weiterzugeben (28,1.5-10). Der Evangelist Johannes benennt Maria von Magdala als einzige, die am ersten Tag der Woche früh zum Grabe kommt. Sie vermutet eine Grabschändung und benachrichtigt Petrus und den »anderen« Jünger (20,1). Später hört sie die Auferstehungsbotschaft der Engel und begegnet dem Auferstandenen selbst. Maria von Magdala, eine der dienenden Frauen, gilt im Neuen Testament als die erste Zeugin und Künderin der Auferstehung Jesu. Darin liegt ihre Bedeutung. - Alle Kommentare zum Matthäus- und Johannesevangelium. Maria von Bethanien ist als die Schwester der Martha und des Lazarus bekannt. Sie saß hörend zu Jesu Füßen, während Martha für den Gast arbeitete (Lukas 10, 38-42). Sie geht nach dem Johannesevangelium Jesus entgegen, als dieser - ihrer Überzeugung nach - zu spät kommt, um den totkranken Bruder Lazarus zu retten. Sie führt mit Jesus das Gespräch über die Auferstehung der Toten und erlebt die Auferstehung ihres toten Bruders (Johannes 11,1-45). Ebenfalls nach dem Zeugnis des Johannes war sie es, die Jesus auf seinen Tod hin gesalbt und damit den Unmut der Jünger, aber die Dankbarkeit Jesu, erfahren hat (Johannes 12,1-8 und 11,2). - Kommentare zum Lukas- und Johannesevangelium. Die drei anderen im Neuen Testament erwähnten Frauen mit Namen Maria haben im Zusammenhang des Neuen Testamentes keine besondere Bedeutung.
Werner Leich
Zeitschriftenergänzung:
Ephemerides Mariologicae. Madrid 1.1951ff.
Bibliographieergänzung:Enrico DalCovolo, Bibliografia italiana di mariologia patristica (1962-1992), in: Augustinianum 33.1993, S. 84-100.
Literaturergänzung:
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Letzte Änderung: 29.07.2010