MARTIN, Arthur, Archäologe, Experte für das Mittelalter, * 4.9.
1801 in Auray (Morbihan), + 24.11. 1856 in Ravenna (Italien).
- 1819 tritt M. in den Jesuitenorden ein und wird für seine theologische
Ausbildung nach Rom gesandt. Aufgrund seiner Aufgeschlossenheit gegenüber
den schönen Künsten passioniert er sich für die künstlerische Vergangenheit
der Kirche. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich wird er 1826 zum
Priester geweiht und beginnt eine fruchtbare Laufbahn als Prediger.
Nachem er 1838 Prediger an der Kathedrale zu Bourges wurde, beginnt
er, ihre bemerkenswerten Fenster aus dem 13 Jh. zu zeichnen. Von dieser
Zeit an widmet M. sich der religiösen Kunst. In Zusammenarbeit mit
seinem Ordensbruder Charles Cahier veröffentlicht er eine monumentale
»Monographie der Kathedrale zu Bourges«, die sich trotz des Titels
auf Kommentare über seine Radierungen der Glasfenster beschränkt.
Später veröffentlicht er »Mélanges d'archéologie«. In der Zeit, da
man die Kunst des Mittelalters wiederentdeckt, gibt M. dem Ganzen
eine Seele, als er aufzeigt, daß die belebende Quelle dieser Kunst
der christliche Geist, die Heilige Schrift und die Theologie dieser
Kunst und der Schlüssel zu ihrer Interpretation darstellen. In gewissem
Sinn ist er Wegbereiter für die Arbeiten von Emile Mâle, ein halbes
Jahrhundert später. - Bald anerkannt als einer der Pioniere der
religiösen Archäologie erhält M. die Gold-Medaille des Instituts,
wird Mitglied der Kommission für religiöse Künste und der Gesellschaft
der Antiquare Frankreichs sowie Ritter der Ehrenlegion. M. arbeitet
an der Restaurierung und Ausschmückung zahlreicher religiöser Gebäude:
N.D. von Bonsecours (in der Nähe von Rouen), N.D. de la Treille in
Lille, in Paris die Kirche in der Rue de Sèvres (zusammen mit seinem
Ordensbruder Tournesac), die Kapelle Sainte-Geneviève in Saint-Etienne
du Mont. Als Spezialist für Glasfenster liefert er Entwürfe für die
»Sainte-Chapelle« in Paris, die Kathedralen von Mans und Chartres
u.a. Für das Haus Poussielgue entwirft er eine schöne Kollektion für
Kircheninventar. Ein Werk über die Katakomben vor Augen reist er nach
Rom. Auf dem Weg dorthin hält er in Ravenna, um die Fresken zu zeichnen.
Dort erliegt er überraschend einem Schlaganfall.
Werke: Sommervogel 5, 619-621; Monographie de la cathédrale
de Bourges, in-folios, Paris, 1841; Mélanges d'archéologie, 4 Bde.,
1848-1856, Paris; 6 ouvrages de piété, mit vielen Abbildungen - zahlreiche
Artikel zur Kunst und Architektur.
Lit.: Lasteyrie, »Notice sur la vie et les travaux d'A.M«.
in: Bull. de la Soc.impériale des Antiquaires de France, 1857; -
Hautcoeur, Hist. de N.D. de la Treille, 1900, 126; - Burnichon,
Hist. d'un siècle..., 3, 239-244; 4, 183-184; - Delattre, Etabliss.
des jésuites en Fr., 1, 2, 5 (Illustriert); - Catholicisme VIII,
756-757; - Enc.Catt VIII, 205.
Paul Duclos
Werkeergänzung:
1994
Lettere di Raffaele Garrucci ad A.M. e Ch. Cahier, in: ASHI 63.1994,125, S. 125-139.
Letzte Änderung: 09.04.2011