MARTINA, Märtyrerin und Heilige (Gedenktag: 30.1.). Lebte im 3. Jahrhundert
in Rom. Sichere historische Quellen fehlen. Ihr Kult ist seit dem
7. Jahrhundert bezeugt. Einer in dieser Zeit verfaßten Passio zufolge,
war M. die Tochter eines ehemaligen Konsuls. Als Diakonisse und Märtyrerin
starb sie während der Christenverfolgungen unter dem römischen Kaiser
Severus Alexander (222-235). Im 13. Jahrhundert verfaßte Hugo von
Langenstein anhand der Martina-Legende eine geistliche Dichtung, die
das vorbildliche Verhalten der Heiligen im Kampf mit den Heidenmächten
als Adel des wahren Ritters Christi veranschaulichen will. Dieser
Text der `Martina' ist nur in einer einzigen undatierten Handschrift
(1350) erhalten und gilt als die älteste geistliche Dichtung aus dem
Deutschen Orden. Nach Auffindung der angeblichen Reliquien M.s im
Jahre 1634 ließ Papst Urban VIII. ihren Kult wiederaufleben. Eine
unter Honorius I. (625-638) erbaute Kirche war 1588 der Accademia
di S. Luca übergeben worden und wurde 1653 durch einen Neubau (Kirche
SS. Luca e Martina) ersetzt.
Lit.: (allgemein) Johann Peter Kirsch, Kirchengeschichte.
Die Kirche in der antiken und griechisch-römischen Kulturwelt, Bd.I,
Freiburg i.Br. 1930; - Kurt Ruh u.a.(Hrsg.), Die deutsche Literatur
des Mittelalters. Verfasserlexikon, 1983; - Hans Dieter Stöver,
Christenverfolgung im Römischen Reich. Ihre Hintergründe und Folgen,
Düsseldorf-Wien 1982; - Hildegard Temporini/ Wolfgang Haase (Hrsg.),
Aufstieg und Niedergang der Römischen Welt. Geschichte und Kultur
Roms im Spiegel der neueren Forschung, Bd. I und II, Berlin-New York
1979. Literatur (speziell) P. D'Archiardi, Atti e Memorie della R.
Accad. di S. Luca 4, Rom 1933, 9-14; - M. Armellini, Le Chiese
di Roma dalle loro origini sino al secolo XVI., ed. C. Cecchella,
Rom 1942, 203 ff; - Theodor Klauser, Das römische Capitulare Evangeliorum,
Münster 1935, 59. 173; - Erna und Hans Melchers, Das große Buch
der Heiligen. Geschichte und Legenden im Jahreslauf, München
91986,
77-78; - Otto Wimmer-Hartmann Melzer, Lexikon der Namen und Heiligen,
Innsbruck-Wien-München
41982, 565
Gabriele Lautenschläger
Letzte Änderung: 09.04.2011