Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres
Spenden für die Arbeit am BBKL
Um auch weiterhin die Arbeit am BBKL zu ermöglichen, brauchen wir Ihre Unterstützung..
NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.
Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!
Bestellmöglichkeiten

Band XV (1999)Spalten 945-947 Autor: Johann Rainer

MATTHIAS, Kaiser, * 14. Februar 1557 in Wien als Sohn Kaiser Maximilians II. und der Kaiserin Maria, Tochter Karls, † 20. März 1619 ebenda. 1576 am Reichstag zu Regensburg erste Kontakte zu den gemäßigten niederländischen Ständen unter Herzog von Aerschot, die ihn 1577 gegen den Willen Philipps II. zum Generalstatthalter der Niederlande wählten. Trat in der Nacht vom 3. auf 4. Oktober 1577 ohne Wissen seines Bruders, des Kaisers Rudolf II., die Fahrt in die Niederlande an. Da sein Protektor, der Herzog von Aerschot, am 28. Oktober gefangen genommen wurde, mußte er sich unter den Schutz Wilhelms von Oranien begeben und einem von den Generalstaaten ernannten Staatsrat unterstellen. M. konnte die konfessionelle Polarisierung zwischen den südlichen und nördlichen Teilen der Niederlande nicht aufhalten. Von den Generalstaaten finanziell im Stich gelassen, geriet er in Schulden und dankte kurz vor der niederländischen Unabhängigkeitserklärung 1581 ab. Nach Österreich zurückgekehrt, richtete er einen kleinen Hof in Linz ein und bemühte sich 1582-1593 vergeblich um die Bistümer Münster, Lüttich und Speyer sowie um den polnischen Thron. 1594 wurde er Statthalter von Nieder- und Oberösterreich, nachdem der bisherige Inhaber dieses Amtes, Erzherzog Ernst, von Philipp II. zum Generalstatthalter der Niederlande ernannt worden war, befehligte zur selben Zeit die kaiserlichen Truppen gegen die Türken und warf 1595/97 mit Strenge den Bauernaufstand in Österreich nieder. Aus dem bisher eher konzilianten Katholiken wurde ein eifriger Gegenreformator, der immer mehr von Melchior Klesl, Passauer Offizial in Österreich, Inhaber der Bistümer Wiener Neustadt und Wien und seit 1615 Kardinal, abhängig wurde. Im sogenannten Bruderzwist in Habsburg Haupt der Opposition gegen Rudolf II., der ihm 1608 Ungarn, Mähren und Österreich und schließlich 1611 auch Böhmen, Schlesien und die Lausitzen abtreten mußte. Für die Unterstützung im Bruderzwist erhielten die evangelischen Stände religiöse Konzessionen, von Rudolf II. den Majestätsbrief und von M. die Religionskapitulation (1609). 1611 wurde M. zum König von Böhmen und 1612 nach dem Tod Rudolfs II. zum Kaiser gewählt. Unter dem Einfluß Klesls, der sich vom Generalreformator zum Ausgleichspolitiker entwickelt hatte, suchte er im Reich erfolglos einen Kompromiß zwischen den konfessionellen Parteiungen. Trotz der Religionskapitulation in Österreich und dem Majestätsbrief in Böhmen entstanden mit der Zeit große politische Spannungen zwischen der landesfürstlichen und ständischen Macht, die am 23. Mai 1618 zum Prager Fenstersturz führten. M., der anfangs unter dem Einfluß Klesls an Verhandlungen mit den Aufständischen dachte, verlor nach dessen Verhaftung am 20. Juli 1618 in der Hofburg zu Wien durch den Deutschmeister Erzherzog Maximilian und Erzherzog Ferdinand II. von Innerösterreich, den Vertretern der radikalen katholischen Richtung, jeden Einfluß, starb kinderlos an der Schwelle des Dreißigjährigen Krieges und wurde als erster Habsburger in der Kapuzinergruft in Wien beigesetzt.

weiterlesen ...
Lit.: J. Rainer, Der Prozeß gegen Kardinal Klesl, in: Röm. Hist. Mitt. 5 (1961/62), 35-163; - K. Vocelka, M. contra Rudolf. Zur politischen Propaganda in der Zeit des Bruderzwistes, in: Zs. f. Hist. Forschung 10 (1983), 341-351; - G. Wacha, M. Archidux Austriae, in: Mitt. d. Oberösterr. Landesarchivs 14 (1984), 231-240; - H. Noflatscher, Glaube, Reich und Dynastie, Maximilian d. Deutschmeister (1558-1618), 1986; - V. Press, Matthias, NDB 16 (1990), 403-405.

Johann Rainer

Letzte Änderung: 09.04.2011