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Band V (1993)Spalten 1044-1051 Autor: Ingeborg Dorchenas

MAULBERTSCH, Franz Anton, (Maulpertsch, Maulbersch, Malberz), Maler. * 7.6. 1724 in Langenargen am Bodensee, Grafschaft Montfort (ab 1779 österreichisch) als Sohn des Malers Dominus Anton Maulbertsch und der Maria Anna Modtlin, † 7.8. 1796 in Wien. Bruder Franz Xaver, Schwester Katharina, 1745 Eheschließung mit Barbara Schmid, 1780 mit Katharina Schmutzer, Kinder: 1780 Jakob Felix Theodor, 1782 Anton Jakob Privat. - M. gilt als der wichtigste Vertreter der ausgehenden österreichischen Barockmalerei. In eigenständiger Umsetzung der künsterlischen Anregungen und Errungenschaften seiner Zeit gelang ihm die Entwicklung eines ganz persönlichen Stils. Sein umfangreiches Werk umfaßt bedeutende Fresken und Altarbilder sowie zahlreiche Ölskizzen und Zeichnungen. Kleinere Gemälde hingegen, u.a. auch Porträts, stellen Ausnahmen dar, und von seinen bedeutenden Radierungen sind nur noch wenige erhalten. - M. war seinerzeit der bevorzugte Freskenmaler der Donaumonarchie. Die Zentren seiner Tätigkeit sind neben Wien und Niederösterreich Ungarn und Mähren, doch führten ihn wichtige Aufträge auch nach Dresden, Innsbruck (1775) und Prag (1794). Thematisch stehen Historienbilder im Vordergrund, infolge der Auftragslage meist religiöser Natur, aber auch reine Allegorien. Gestalterisch darf der dramatisch-erzählende Impetus mit typologisierender Tendenz als Charakteristikum der M.schen Malerei gelten. - Nach seiner Grundausbildung wird M. 1739 16jährig Schüler der Wiener Akademie, 1748/49 entstehen die ersten Altarbilder, 1750 erhält er den ersten Akademiepreis im Malerfach. - Süddeutsche Einflüsse vor allem im Interpretatorischen mischen sich mit stilistischen Anregungen durch die italienische und österreichische Kunst, maßgeblich der Piazzettas und seines Akademiekollegen Paul Troger. Die ausdruckssteigernde Lichtführung seiner frühen Arbeiten zeigt die Schulung an der venezianischen Helldunkeltechnik. Atmen die frühen Werke bei aller Eigenständigkeit in Ausdruck und Gestaltung noch den Geist jener beiden Künstler in Bildaufbau und Malweise, so entwickelt M. mit seinem ersten Hauptwerk, der Piaristenkirche in Wien (1752/53), einen eigenen monumentalen Freskenstil. Dieser hebt sich als typisch österreichische Variante des Spätbarock deutlich von der französischen und venezianischen Freskomalerei ab. Die expressive Bildwirkung entlädt sich in formsprengendem Sprühen von Farbe und Licht, die gewaltig bewegten und verzerrten Einzelmotive fügen sich zu einer dramatischen Gesamtkomposition und verschmelzen die Architektur zu malerischer Einheit. - Dann beginnt die Zeit der großen Freskenserien: Heiligenkreuz-Gutenbrunn 1757, die Pfarrkirche in Sümeg 1757/58, die Piaristenkirche in Nikolsburg 1759, der Ratssaal der Alten Universität in Wien, die Residenz in Kremsier 1759 und die Bibliothek des Klosters Mistelbach 1760. - Das Kolorit wird heller, die Formstruktur zarter und verliert ihre monumentale Schwere. Dominierten in der ersten Hälfte der 60er Jahre Werke in luftiger Rokokostimmung (die Kirche in Bohuslavice, Pastorale des Piaristenrefektoriums, Allegorie auf Schloß Halbturn u.a.), bei denen Imaginationsreichtum und die konsequente Anwendung fiktiv gemalter Architektur ein "Theatrum sacrum" mit größtmöglicher Illusion der Vergegenwärtigung schaffen, wie sie die Kunst der Gegenreformation gefordert hatte. Ein Kirchenraum von äußerster suggestiver Bildwirkung gelingt M. in Sümeg, seinem ersten großen ungarischen Auftrag. Er schafft ein sakrales Interieur, in dem sich die Architektur in einem beispiellosen Illusionismus auflöst und alle architektonischen Schmuckelemente wie Stukkatur, Marmorpartien und selbst Skulpturen und Altarbilder einschließlich der Rahmen vollkommen durch die Freskierung ersetzt werden. In den Deckengemälden des Lehenssaales des ehemaligen erzbischöflichen Schlosses Kromeríz (Kremsier), einem Auftrag, der M. innerhalb des allegorischen Rahmenthemas äußerste Freiheit in der Wahl der Gestaltung gestattete, begegnet uns eine der bedeutendsten Freskenschöpfungen des gesamten außeritalienischen Barock. Schon ab 1760 mit der Klosterbibliothek Mistelbach beruhigt sich M.s Stil allmählich, wird klarer und gewinnt eine neue Deutlichkeit im Szenischen und Gestischen. Komposition und Architekturgestaltung werden strenger, geschlossener. Damit kündigt sich die Überwindung des Spätbarock und der Übergang zum Klassizismus an. Diese Linie verfolgen die Werke der 60er und 70er Jahre (Kreuzherrenkirche in Pöltenburg bei Znaim, Karmeliterkirche in Stuhlweißenburg, die Benno-Kapelle in Dresden u. das Deckenbild in der ehemaligen Ungarischen Hofkanzlei in Wien, die Kathedrale von Vác, Domkirche zu Györ). - Am 1766 entstandenden Wiener Hauptwerk, dem Deckengemälde des Theologiesaales der alten Universität, sind die neuen Stilelemente bereits deutlich ausgeprägt: stärkere Zentrierung, Abkehr von der illusionistischen Flächenbehandlung, Bemühung um klare Einteilung und Übersichtlichkeit. - Bei den Fresken der 70er Jahre (etwa Korneuburg, Innsbruck, Mühlfraun (Dyje) wird konsequent auf Illusion und optische Täuschung verzichtet, die Darstellung wird statisch, die Deckengemälde auf einen Rahmen festgelegt. - Ab 1770 ist M. hauptsächlich für den ungarischen Klerus tätig und zunehmend auch für das Kaiserhaus. Maria Theresia beauftragt ihn mit der Ausmalung des Riesensaales der Innsbrucker Hofburg (1775/76). Hier schafft M. eine der großen fürstlichen Apotheosen des Barock. In den 80er Jahren änderte sich nicht nur endgültig die herrschende Kunstansicht, sondern auch die Auftragslage. Die hoch- und spätbarocke Vorherrschaft des Freskos mit seinen illusionistischen Mitteln galten bald als künstlerisch-jesuitischer Betrug, der dem neuen Postulat nach dem Licht der Vernunft und des Wissens weichen mußte. - So wird nicht zufällig das Grisaille mit seiner Loslösung des Lichts von der Farbe eine beliebte Ausdrucksform des spätbarocken Klassizismus, der sich M. in seinem Versuch, mit den neuen Forderungen Schritt zu halten in Fresko, Ölgemälde und Skizze gerne bedient. - Seit 1785, da die kirchlichen Aufträge spärlicher werden, konzentriert sich M. auf Tafelbild und Radierung. Schon in den 50er Jahren waren bedeutende Ölmalereien entstanden. In die 60er Jahre fällt der Höhepunkt seiner großen Leinwandbilder, zu denen u.a. das "Martyrium der hll. Judas Thaddäus und Simon" (Schottenkirche Wien, um 1760), "Christus erscheint dem hl. Thomas" (Thomaskirche Brünn zw. 1762-64), die "Immaculata" (Kapelle v. Trenčanské Bohuslavice, 1763) gehören. M.s Ölskizzen sind berühmt für ihre spontane Ausdruckskraft und geben den dramatisch-expressiven Stil der 50er Jahre nicht ganz auf. Nun entstehen auch Genrebilder ("Guckkastenmann", "Qacksalber"), vor allem aber eine Vielzahl meisterhafter Skizzen. Von seinen Radierungen, die zu den ganz großen Schöpfungen in dieser Technik gehören, sind nur 12 erhalten (um 1785). - Die letzten großen Aufträge führen ihn 1783/84 nach Ungarn (Palais in Steinamanger, Pfarrkirche zu Pápa, Erzbischöfliches Palais von Kalocsa) und Böhmen. An die Stelle des kirchlichen Feudalismus war nun der Reformkatholizismus mit seiner vernunft- und fortschrittsbetonten Religiosität getreten. Diesem aufklärerischen Katholizismus hatte M. schon Ende der 70er Jahre in der Bibliothek des Prämonstratenserklosters Bruck, (später zerstört) Ausdruck gegeben. Nach dessen Aufhebung führte er 1794 fast als Zitat das Deckenfresko des Schwesterklosters Strahov in Prag aus und schuf damit eines der letzten Monumentalfresken seiner Epoche.

Werke: Auswahl: 1752 "Allegorie der Zeit" in Schloß Kirchstetten, NÖ (in Decke eingelassenes monumentales Ölgemälde); 1752/53 Wien, Ausmalung der Piaristenkirche Maria Treu: Verherrlichung Mariae; 1753 Wien, Vollendung der Fresken in der Jesuitenkirche Am Hof: Verherrlichung des hl. Franz Regis und der Christenlehrbruderschaft; 1754 Ebenfurth, NÖ, Schloß Suttner, Deckengemälde der Kapelle: Verherrlichung des hl. Leopold, u. eines Eckzimmers: Diana und Aktäon; Zirc, Ungarn, Hochaltarbild der Zisterzienserkirche; 1757 Pfarrkirche Heiligenkreuz-Gutenbrunn, NÖ, Deckenfresken: Himmelfahrt Mariens; Engel mit Tuch der Veronika, Schutzengel mit Passionswerkzeugen, Auffindung u. Verherrlichung des hl. Kreuzes; Maria als Heil der Kranken; 1757/58 Sümeg (Ungarn), Pfarrkirche, Decken- u. Altarfresken. Hochaltar: Himmelfahrt Christi; Nebenaltäre: Szenen aus dem Leben Jesu; Wandgemälde: Kirchenväter, Fides; Vorfahren Christi, Propheten u. Sybillen (Vorhalle); Deckenfresken: Erzengel Gabriel, Moses, Verkündigung, Hl. Drei Könige, Kreuztragung, Hl. Geist, Christus unter den Aposteln (Schiff); Aufnahme Christi im Himmel (Chor); 1759 Nikolsburg (Mikulov, ČSFR), Piaristenkirche, Deckenfresken: Geburt des hl. Johannes d.T., Triumph der Hl. Dreifaltigkeit, Heimsuchung Mariens, Johannes-Vita; Kremsier (Kromeríz, ČSFR), Ausmalung des Lehenssaales der bischöflichen Sommerresidenz: Verherrlichung des Auftraggebers Bischof L. Eckh; Wien, Akademie der Wissenschaften (ehem. Universität), Deckenfresko des Ratssaals: Allegorie der Künste (nur z.T. erhalten, gemalt als Aufnahmesstück in die Wiener Akademie; 1760 Mistelbach, NÖ, Barnabitenkloster, Allegorisches Deckengemälde der Bibliothek: Fortschritt u. Früchte der Wissenschaften; Komorn (Komárom, ČSFR), Jesuitenkirche, Fresken (zerstört); Budweis (Ceské Budejovice, ČSFR), Domkirche, Johann-von-Nepomuk-Altarblatt; 1763 Trenčianske Bohuslavice, ČSFR, Schloßkapelle, Deckengemälde: Triumph der Kirche, Himmelfahrt Mariens; Allegorie des Alten u. des Neuen Bundes; 1764 Schwechat, Pfarrkirche, Fresken (zerstört); 1765 Halbturn/Burgenland, Schloß, Freskierung des Prunksaals: Triumph Apolls (erste größere Arbeit im Auftrag des Kaiserhauses); Klosterbruck (Louka, ČSFR), Decke des Sommerrefektoriums des Prämonstratenserstifts; 1766 Pöltenberg (Hradiste, ČSFR), Propsteikirche, Deckengemälde: Schwebende Engel, Kuppel: Verherrlichg. des hl. Kreuzes; 1766/67 Wien, ehem. Universität, Deckengemälde des Theologiesaals: Taufe Christi; 1767 Stuhlweißenburg (Székesfehérvár, Ungarn), ehem. Karmeliterkirche (Seminarkirche), Decken- u. Wandgemälde: Allegorie der Erlösung; Kirchenväter (Chor); Geburt Mariens, die vier bibl. Vorbilder Mariens, hl. Stephan u. Emmerich (Schiff); 1768 Wien, Ungarische Botschaft (ehem. Hofkanzlei), Deckengemälde des Ratssaals: Verleihung des Stephansordens (Auftrag Maria Theresias); 1769 Brünn-Königsfeld (Brno-Kralcvo Pole, ČSFR), ehem. Kartause, Decken- u. Wandgemälde: Triumph des Glaubens (Kuppel); hl. Bruno, Ecclesia-Synagoge, Szenen aus Nepomuk-Vita (Kapitelsaal); 1770 "Allegorie auf das Schicksal der Kunst", Galerie der Akademie der bildenden Künste, Wien; Deckengemälde der Bennokapelle, Hofkirche Dresden (Auftrag des Kurfürsten Friedrich August, zerstört); 1770/71 Waitzen (Vác, Ungarn) Kathedrale, Decken- u. Wandgemälde, Kuppelbild: Verherrlichung der Hl. Dreifaltigkeit; Hauptaltarfresko: Heimsuchung Mariens; 1772 Wien, Hofburg, Hofkammerkapelle. Decken- u. Wandgemälde (Auftrag Maria Theresia): Verherrlichung des hl. Kreuzes (Decke); Abraham u. Melchisedek, die zwölf Apostel (Wand); 1772/73 Raab (Györ, Ungarn), Kathedrale. Fresken u. Altarblätter. Deckengemälde: Engel mit Monstranz; Verkündigung Mariens, Triumph Christi (Marienschiff); Verherrlichung der ungarischen Heiligen (Presbyterium); 1773 Korneuburg, Augustinerkirche. Hochaltarfresko: Das letzte Abendmahl; 1775/76 Innsbruck, Hofburg. Deckenfresken des Riesensaals: Allegorie auf die Verbindung der Fürstenhäuser Österreich und Lothringen, die Schätze Tirols; 1776/77 Mühlfraun (Dyje, ČSFR), Pfarrkirche. Decken- u. Wandgemälde: Allegorie der Kirche, Kirchenväter, Allegorie der Erlösung, Propheten, Anbetung der Hirten, Evangelisten; 1781 Györ, Kathedrale. Deckengemälde des Hauptschiffs: Verklärung Christi; Die Propheten; Preßburg (Bratislava, ČSFR), Primitial-Palast. Decken- u. Wandgemälde der Ladislauskapelle: Der hl. Ladislaus schlägt Wasser aus dem Felsen; 1783 Steinamanger (Szombathely, Ungarn), Bischöfliches Palais. Freskierung des Prunkssaales: Allegorie der göttlichen Vorsehung; Verherrlichung des Bistums; Grisaillewandbilder: Themen aus der römischen Geschichte; 1782/83 Pápa, Pfarrkirche. Deckengemälde: Stephans-Vita; 1893/84 Kalocsa (Ungarn), Erzbischöfl. Palast. Deckengemälde: Sieg der hl. Hostie; Apotheose des Erzbischofs Adám von Fatasich; Wandgemälde: Putten mit Grundriß der Kathedrale u. Plan des Palastes; 1785 "Das Bild der Duldung", Radierung mit allegorischer Verherrlichung des Toleranzpatents Josephs II.; 1788 "Allegorie auf Wilhelm II. als Kronprinz", Aufnahmestück in die Akademie der bildenden Künste u. der mechanischen Wissenschaften, Berlin (verloren); 1792 "Allegorie der Dankbarkeit der Künstler Wiens" (für die Wohltätigkeitsredoute der Pensionsgesellschaft bildender Künstler); 1792/93 Eger, Lyzeum, Deckengemälde der Kapelle: Glorie der Allerheiligen; 1794 Kloster Strahov, Prag, Deckengemälde der Bibliothek: Allegorie der Wissenschaften.

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Ingeborg Dorchenas

Literaturergänzung:

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Letzte Änderung: 23.12.2009