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Band XVII (2000)Spalten 918-919 Autor: Ekkart Sauser

MAURITIUS und Gefährten: Märtyrer, Primicerius der Thebaischen Legion, gegen Ende des 3. Jh. im Lager bei Agaunum (Wallis) gest., Fest: 22.9. - Als älteste Quellen für das Martyrium des Mauritius und seiner Gefährten Exuperius und Candidus dient zunächst die »Passio Acaunensium martyrum« des Bischofs Eucherius von Lyon (gest. 449-450) sowie die eigenständige, »vielleicht auch schon im 5. Jh. entstandene Passio anonyma« (Ernst Tremp). M. war Führer der Thebaischen Legion im Lager bei Agaunum (Wallis). Die Enthauptung des M. und seiner Gefährten soll auf Befehl von Kaiser Maximianus erfolgt sein. Um das Jahr 380 hat Bischof Theodor von Octodurus die Gebeine der Märtyrer erheben lassen. Darüber ließ er eine Kirche erbauen, die bald ein großer Wallfahrtsort geworden ist. Dies ist auch die Keimzelle der Abtei von St-Maurice, die hier 515 gegründet wurde. Ab 824 wurde St Maurice Stift, das den Kult des hl. M. sehr verbreitete. Die zahlreichen Pilger trugen die Verehruug nach Frankreich, Italien, Deutschland, England, Spanien und ganz vereinzelt auch nach Österreich. M. wird erwähnt bei Gregor von Tours in dessen Gloria martyrum 75. Dieser Tatsache entspricht auch die Aufnahme in das Martyrologium Hieronymianum. Bereits bei den Merowingern wurde M. sehr verehrt. Dann erscheint er in den karolingischen Laudes regiae als Militär-Heiliger. 888 wird er Patron des Königreiches Burgund. Kaiser Otto I. widmete das im Jahre 937 gegründete Kloster und das 967 »durchgesetzte« (K. H. Krüger) Erzbistum Magdeburg dem M. Der Grund hierfür war: Otto schrieb den Sieg über die Ungarn auf dem Lechfeld am 10. August 955 der Fürsprache des M. zu. Schließlich ließ Otto I. das Fest des M. im Jahre 962 vom Papst bestätigen. Kaiser Otto III. übergab Boleskaw Chrobry eine Hl. Lanze als Mauritiusspeer. M. blieb auch Reichspatron unter den Saliern. Nach K. H. Krüger wurde vom 12. Jh. an der Kaiser in St. Peter am Mauritiusaltar gesalbt (Ordo Cencius II). Im 15. Jh. wurde M. Patron von Ritterorden. (z.B. Orden vom Goldenen Vlies). Seit dem 12. Jh. wurde M. als »herzoge der More« bezeichnet, so an der Deutschen Kaiserchronik, Vs. 6503. Zunächst wird er vereinzelt (so in Magdeburg), dann vom späten 14. Jh. an »sehr häufig« (K. H. Krüger) als Schwarzer dargestellt. Daher gilt er auch als Patron der Farbhandwerke. In Deutschland ist bis zum heutigen Tage die Abteikirche von Tholey im Saarlande ein Verehrungsort des hl. M. Dort liegen auch Reliquien des Heiligen. In Nordtirol ist ein Verehrungsort von M. in St. Moritzen bei Telfs im Oberinntal. Er gilt auch als Patron der Pferde. Nicht zu vergessen ist auch die Wallfahrt zu M. in Allmannshofen (Bistum Augsburg).

Lit.: BHL, 5737-5764; - BiblSS IX 193-206; - Catholicisme VIII, 953-955; - B. Widmer: Sankt Mauritius und seine Verehrer in der großen Welt und in der Schweiz; Der Gesch.-Freund 148 (1995) 5-66; - J. Straub: Die Hll. Gräber der Schweiz, Bern 1987; - D. Thurre: Culte et iconographie de'saint M. d Agaune: ZAK 49 (1992) 7-18; - M. Zufferey: Der Mauritiuskult im Früh- und Hochmittelalter: HJb 106, 1986, 23-58; - LThK2 Bd. VI, Sp. 195 (E. Herrgott); - LThK3 Bd. VI, Sp. 1500-1501 (E. Tremp); - LCHI Bd. VII, 610-613 (F. Reusch); - Künstle II 448; - Braun, 528-531; - Réau III/2 935-939; - Lexikon des Mittelalters, Bd. VI, Sp. 412 (K. H. Krüger); - J. Torsy: Der Große Namenstagskalender, Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe, hrsg. von. H. J. Kracht, Freiburg-Basel-Wien 19972, 258-259.

Ekkart Sauser

Literaturergänzung:

2005

M. u.d. Thebäische Legion. Akten d. internat. Kolloquiums Freiburg, Saint-Maurice, Martigny, 17.-20.9.2003. Hrsg. von Otto Wermelinger ... Fribourg 2005 (=Paradosis; 49); -

2006

Bernd Ulrich Hucker, D. "schwarze Heilige". M.verehrung im Kloster Ebstorf, in: Kloster u. Bildung im MA. Hrsg. von Nathalie Kruppa u. Jürgen Wilke. Göttingen 2006, S. 197-228; - Lellia Cracco Ruggini, I martiri della legione tebea: considerazioni in margine a ricerche recenti, in: RSLR 42.2006, S. 151-161; - Bernd Ulrich Hucker, Der "schwarze Heilige". M.verehrung im Kloster Ebstorf, in: Kloster und Bildung im Mittelalter. Göttingen 2006, S. 197-228; - Matthias Hamann, Die liturg. Verehrung d. hl. M. am Neuen Stift in Halle, in: "Ich armer sundiger mensch". Göttingen 2006, S. 287-313; -

2008

Giselher Quast, M. im Magdeburger Dom. Magdeburg 2008; -

2009

Uta Luise Zimmermann-Krause, Otto der Große u. Mauritius in Magdeburg. Der Kaiser u. sein Patron - einst römischer Legionär. Magdeburg 2009.

Letzte Änderung: 19.01.2010