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Band XV (1999)Spalten 988-990 Autor: Johann Rainer

MAXIMILIAN II. Kaiser, * 31. Juli 1527 in Wien als Sohn Ferdinands I., † 12. Oktober 1576 in Regensburg. Durch seinen 1538 entlassenen Lehrer Wolfgang Schiefer, einen Schüler Luthers, frühzeitige Begegnung mit der evangelischen Bewegung. Begleitete Karl V. im Schmalkaldischen Krieg; 1548 Heirat mit Maria, Tochter Karls V., in Valladolid, 1549/51 Statthalter in Spanien für die im Reich weilenden Karl V. und Philipp II.; Gegensatz zu Karl V., der seinen Sohn Philipp II. auch als Nachfolger im Reich wollte. Auf der Heimreise von Spanien machte er Ende 1551 in Trient, wo das Konzil tagte, Station, am Silvesterabend traf er in Innsbruck ein, wo ihn Karl V. bereits erwartete. Im Januar 1552 verbrachte er einige Tage in Wasserburg bei Herzog Albrecht V. Hier warf ihn eine schwere Krankheit nieder, die sich in Herz- und Magenkrämpfen sowie Ohnmachtsanfällen äußerte. Zeitlebens wurde er dieses Leiden nicht mehr los, das er auf einen Giftanschlag in Trient zurückführte. Seine evangelischen Neigungen wurden vom Hofprediger Sebastian Pfauser gefördert; er legte sich eine »lutherische Bibliothek« zu, pflegte Kontakte zu protestantischen Reichsfürsten, weigerte sich, seine Kinder von Jesuiten erziehen zu lassen und stand in Verbindung mit Pier Paolo Vergerio. Druck von Karl V. und Paul IV. sowie kaum zu erwartende Hilfe von protestantischen Fürsten ließen ihn aus politischen Gründen - Nachfolge im Reich und wegen des Problems Don Carlos eventuell auch in Spanien - katholisch bleiben. Behielt distanzierte Einstellung zur Glaubensspaltung und ihren Fragestellungen, die er als Theologengezänk abtat. Während seiner Regentschaft in Spanien 1548 zum König von Böhmen erhoben, 1562 römisch-deutscher König, 1563 König von Ungarn und 1564 Kaiser. Gemäß der von Ferdinand I. verfügten Länderteilung erhielt M. Ungarn, Böhmen, Nieder- und Oberösterreich. Als Kaiser dachte er an die Möglichkeit einer ausgleichenden, christlichen »Universalreligion«. Er wollte weder Papist noch Lutheraner, sondern nur Christ sein. Gewährte unter dem Druck des Türkenkrieges als österreichischer Landesfürst den Herren und Rittern 1568 mit der Religionskonzession Kultusfreiheit, die nach der Approbation der von David Chytraeus aus Rostock hergestellten christlichen Kirchenagenda 1571 mit der Religionsassekuration auf das Gesinde und die bäuerlichen Untertanen ausgedehnt wurde. Errichtete im Anschluß an die Visitation von 1566 zur Hebung der monastischen Institutionen 1568 den landesfürstlichen Klosterrat; gewährte 1575 in Böhmen den Lutheranern und Utraquisten Religionsfreiheit. Hinter seiner Religionspolitik stand die Hoffnung auf Wiedervereinigung der Konfessionen durch Reformen wie Priesterehe und Laienkelch sowie die Rücksicht auf den Augsburger Religionsfrieden. M. hatte mit Rom nicht nur Probleme wegen seiner konfessionellen Unverläßlichkeit, sondern auch als Verteidiger der kaiserlichen Rechte in Reichsitalien gegen die von Pius V. vorgenommene Rangerhöhung Cosimos I. de' Medici zum Großherzog. Hochgebildet und ein hervorragender Förderer von Kunst und Wissenschaften. Starb 1576 am Reichstag zu Regensburg. Er wurde im Prager Veitsdom beigesetzt.

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Quellen: Nuntiaturberichte aus Deutschland II, Bd. 5-8; III, Bd. 6, 7, bearbeitet von S. Steinherz, I. Ph. Dengel, H. Kramer, J. Rainer, H. Gœtz und A. Bues, 1926-1990; M. Koch (Hrsg.), Quellen zur Geschichte des Kaiser M. II., 2 Bde. (1857/61); W.E. Schwarz (Hrsg.), Briefe und Akten zur Geschichte M. II., 2 Bde. (1889/91); V. Bibl (Hrsg.), Die Korrespondenz M.s II., 2 Bde. 1916/21; R. Rodriguez Razo (Hrsg.), Maximiliano de Austria. Gobernador de Carlos V en España, Cartas al emperador, 1963.

Lit.: V. Bibl, Die Erhebung Cosimos de' Medici zum Großherzog von Toskana 1569-1576, Wien 1911; - O.H. Hopfen, Kaiser M. II. u. d. Kompromißkatholizismus, 1895; - V. Bibl, M. II., Der rätselhafte Kaiser, 1929; - K. Vocelka, Die Begräbnisfeierlichkeiten f. Kaiser M. II., in: MIÖG 84, 1976, 105-136; - M. Altfahrt, Die politische Propaganda für M. II., in: MIÖG 88, 1980, 283-312, MIÖG 89, 1981, 53-92; - A. Bues, Die habsburgischen Kandidaten für den poln. Thron während des Ersten Interregnums in Polen 1572/73, 1984; - F. Edelmayer, M. II., Philipp II. und Reichsitalien, 1988; - V. Press, M. II. NDB 16, 1990, 471-475; - F. Edelmayer u. A. Kohler, Kaiser M. II., Kultur und Politik im 16. Jh., 1992.

Johann Rainer

Literaturnachtrag:

2008

Jochen Birkenmeier, Via regia. Religiöse Haltung u. Konfessionspolitik Kaiser M.s II. (1527-1576). Berlin 2008.

Letzte Änderung: 09.04.2011