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Band V (1993)Spalten 1175-1178 Autor: Ekkart Sauser

MEISTERMANN, Georg, Künstler, Lehrer, Kulturphilosoph, Kulturpolitiker, * 16.6. 1911 Solingen, + 12.6. 1990. - 1928-1933 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Heinrich Nauen und Ewald Matare. 1933 zwangsweiser Abbruch des Studiums und Ausstellungsverbot, 1933-1940 Freie Arbeiten in Solingen, 1937-1939 Reisen anch Holland, Frankreich und England. 1938 Erste Glasfenster für St. Engelbert, Solingen-Mangenberg (im Kriege zerstört), 1944 Zerstörung fast aller frühen Bilder durch Kriegseinwirkung, 1945 erste Ausstellung im Studio des Städtischen Museums in Wuppertal, 1943 Gastdozent an der Landeskunstschule in Hamburg, 1953 Berufung an die Städelschule in Frankfurt (Klasse für freie Grafik), 1954 erstes Wandbild für St. Alphons in Würzburg, 1955 Professor an der Kunstakademie Düsseldorf (Freie und monumentale Malerei), 1960-1976 Professor an der Kunstakademie Karlsruhe, 1964-1967 Lehrauftrag an der Akademie der Bildenden Künste in München, 1967-1972 Präsident des Deutschen Künstlerbundes, 1976 nach der Pensionierung als freischaffender Künstler in Köln. - Eines seiner fast schon geflügelten Worte lautet: »Ich will die Ikonen unseres heutigen Bewußtseinszustandes schaffen«. Hier zeigt sich, was der Meister an anderer Stelle sagte: »Kunst bricht immer aus der Geschichte aus - niemand möge sich vermessen, Vergangenes aufwecken zu wollen: Dies können nur Totengräber der Gegenwart oder der Zukunft tun«. Schließlich seine Formulierung vom »Nach vorne hin bewahren«, was Karl Ruhrberg zu M.s treffender Kennzeichnung geführt hat: »Georg M. war und ist als Künstler, als redender und handelnder Kulturpolitiker eine der unabhängigsten Gestalten auf der Bühne der Zeit. Auch im Umgang mit den Mächtigen hat er sich nicht irritieren lassen. Er blieb immer er selbst, im Leben wie in der Kunst. Er hat niemanden nachgeahmt, aber er war auch ... nie Avantgardist«. Immer wieder wird mit Recht die Freiheit eines Christenmenschen, gepaart mit einer »beneidenswerten Glaubensgewißheit« (K. Ruhrberg) an ihm gerühnmt. Als Maler und Zeichner wie als Lehrer hat er stets bei sich und seinen Schülern das Recht auf freie Entfaltung hochgehalten und von der »Kostbarkeit des Einzelnen« gesprochen. Als Meister »von der Expression zur Meditation« hat er sich auch einen Ruf verschafft als Porträtist (Carlo Schmid, Walter Scheel, Willy Brandt). Den zentralen Platz in seinem Wirken nimmt aber die Glasmalerei ein, vorab im sakralen Raum. Aufbauend auf den Arbeiten von Jan Thorn-Prikker am Anfang des 20. Jahrhunderts hat er »Wege beschritten und Zeichen gesetzt, die von St. Engelbert in Solingen-Mangenberg (1938) bis nach St. Gereon in Köln (1986) führen« (Friedhelm Hofmann). Vor allem in den Fenstern von St. Gereon zu Köln wird der Höhepunkt seines Schaffens offenbar. Er ist geprägt von Bild und Hoffnung auf den wiederkehrenden Christus hin. Friedhelm Hofmann hat dazu bemerkt: »Der Sieg Christi in seinen Heiligen, die Einheit von himmlischem und irdischem Jerusalem ist in vier übereinandergelegten Kreisen angeordnet. Im untersten Kranz der antiken Apsiden ist die Zone der Martyrer. Darüber erheben sich die Chöre der Heiligen ... In der dritten Fächerfensterzone sind die vier apokalyptischen Wesen mit alttestamentlichen Gestalten angelegt, und in der obersten, frühgotischen Maßwerkfensterzone umschließt ein der Apokalypse entnommener Zyklus mit dem Kranz der zwölf Apostel als Verdichtung der vierundzwanzig Ältesten der Apokalypse das verherrlichte Lamm. Dem Lamm gegenüber ... vollenden drei Lanzettfenster den Kranz der Heiligen. In der Mitte: Auferstehung und Himmelfahrt Christi, seitlich Fegefeuer und Hölle sowie Aberntung und Himmel. Nach dem anagogischen Zugang ist der Aufbau dieses Fensterzyklus ein nach oben führender Weg, der in den wahrnehmbaren Scheiben das transzendente Licht, Christus selbst, aufruft. Das materielle Leuchten des Werkes will den Betrachter zur geistlichen Erleuchtung führen. M. ordnet sich somit dem geschichtsträchtigen Bauwerk ein und folgt in seinen Fenster mittelalterlicher Lichtmetaphysik.« (in: J. M., Die Kirchenfenster ... S. 103). Zu einer Stadt bekam G.M. eine ganz besondere Beziehung: Wittlich. Hier entstanden seine berühmten Rathausfenster (1954), hier kann man die Glasgemälde mit Geburt und Anbetung Christi, Auferstehung und Himmelfahrt Christi, Pfingstausgießung und Mondsichelmadonna (1949) in der kath. Pfarrkirche St. Markus bestaunen. In Wittlich konstituierte sich auch am 17. Februar 1990 eine Meistermann-Gesellschaft. - Seine letzten Kirchenfenster, gewissermaßen das Credo und Testament des Künstlers und Christen zugleich, sind der von 1985-1990 entstandene Fensterzyklus im Dom zu Münster/W. Das Grundmotiv seiner Fenster in den vier Chorkapellen ist der Lobpreis Gottes gemäß dem 3. Kapitel des Danielbuches in der Bibel (Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen). Das Thema des Lobpreises wird in vier Sätzen entfaltet: Lobpreis aus dem Feuer, Lobgesang durch die Geschichte hindurch, Lobgesang durch Tag und Nacht hindurch, Lobpreis mit der ganzen Schöpfung. Dazu kommen noch drei Fenster im Chorumgang (Daniel in der Löwengrube sowie ein »Schlußakkord« in abstrakten Formen). G.M. hat die Vollendung dieses Werkes nicht mehr erlebt. Jüngst hat B. Lipps-Kant in der Zeitschrift »Das Münster« die klassischen Worte für G.M. gefunden: »Zusammen mit Künstlern wie Wilhelm Geyer, Dominikus Böhm, Egbert Lammers, Albert Birkle, Hans Gottfried von Stockhausen, Hans Buschulte oder Johannes Schreiter hat er das Medium in Deutschland revolutioniert, mit neuen Qualitäten versehen. Obgleich gegenüber den früheren Jahrhunderten in einen anderen Ausdrucksbereich gerückt, als neuer, differenzierter Formenkanon begriffen und frei von jeglichem Zwang, abbilden zu müssen, stehen die Farbfenster von G.M. in einer großen Tradition.« (S. 189).

Lit.: M. de LaMotte, G. M. Dokumentation zur Gegenwartskunst, Galerie Hennemann, 1977; - Ders., G. M. »Die Fenster der Feldkirche«. Œuvre-Verzeichnis der Glasfenster, Galerie Hennemann, 1979; - Archiv für Bildende Kunst am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, G. M., Das Leben ist eingehüllt in Farbe, Ritter, Klagenfurt 1981; - H. Orth, Die M.-Fenster im Wittlicher Rathaus, in: Kreis Bernkastel-Wittlich, Jb. 1982, 181-183; - G. M., Die Kirchenfenster, Freiburg-Basel-Wien 1986; - E. Derix, Fenster von G. M. für das Ev. Gemeindezentrum in Bonn-Tannenbusch, in: Das Münster 42 (1989), 1, 26; - W. Thissen, Einsichten in Unsichtbares - Die Fenster Georg Meistermanns im Dom zu Münster, Freiburg, Basel, Wien 1992; - J.M. Calleen (Hrsg.), Georg Meistermann-Druckgraphiken, Zeichnungen, Glasfenster/Kartons, Glasbilder, Ölgemälde. Wittlich 1992; - E. Göhner, D. Buttscheid, B. Lipps-Kant: Die Biberacher Friedenskirche mit ihrem Fensterzyklus von G.M., Kunstführer 1869, München u. Zürich 1991; - Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg. Der Landkreis Biberach. Bd. II, Sigmaringen 1990, 513 (B. Lipps-Kant); - B. Lipps-Kant, Georg Meistermann-Kirchenfenster aus dem Spätwerk im Kreis Biberach, in: Das Münster 45 (1992) 3, 181-189.

Ekkart Sauser

Literaturnachtrag

R. Schneck, Die Meistermannfenster der Wittlicher Markuskirche - Briefe 1949, in: Kreis Bernkastel-Wittlich, Jahrbuch 1994,116-119.

Das Georg-Meistermann Museum

Letzte Änderung: 23.05.2002