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Band V (1993)Spalten 1250-1251 Autor: Karl Dienst

MENDELSSOHN, Arnold Ludwig, Komponist und ev. Kirchenmusikmeister, * 26.12. 1855 in Ratibor. Eltern: Wilhelm M. (1821-1866), ein Vetter vom Felix M.-Bartholdy, und Aimée Luise Cauer (1826-1894). Urgroßvater: Moses M. (1729-1786). A.M. war verheiratet (12.11. 1885) mit Maria (Marika) Cauer (1861-1928). 4 Kinder. + 19.2. 1933 in Darmstadt. - Nach Schulbesuch in Ratibor, Berlin, Danzig (Abitur 1876) studierte M. ab 1877 am Institut für Kirchenmusik (Orgel: Haupt, Klavier: Loeschhorn) und an der Kgl.Akademie (Komposition: Grell, Kiel, Taubert) in Berlin. 1880 wurde er Univ.-MD und Organist in Bonn (Bekanntschaft mit Friedrich Spitta und Julius Smend), 1882 MD in Bielefeld und 1885 Kompositionslehrer am Konservatorium in Köln. 1891 wurde M. als hessischer Kirchenmusikmeister und Gymnasiallehrer nach Darmstadt berufen. Zu seinen Schülern zählten P. Hindemith, G. Raphael, H. Spitta und K.Thomas. 1899 wurde M. zum Professor, 1917 zum Dr.theol.h.c. (Gießen) und 1927 zum Dr. phil.h. c. (Tübingen) ernannt. M. war ein wichtiger Träger des deutschen Kirchenchorwesens, Vorstandsmitglied des Ev.Kirchengesangvereins in Deutschland (1911-1933) und Mitglied der Melodiekommission des Deutschen Ev. Kirchenausschusses. Er trug ferner wesentlich zur Schütz-Renaissance und zur Bach-Pflege bei. Von seinen kirchenmusikalischen Kompositionen sind viele ausgesprochen gottesdienstliche Gebrauchsmusik, was seinen vielfältigen Bemühungen um eine enge Verbindung von Kirchenmusik und Gottesdienst entsprach. Daneben schrieb M. auch weltliche Musik (u.a. 3 Opern). Daß er nach 1933 in Vergessenheit geriet, hängt neben seiner jüdischen Abstammung väterlicherseits vor allem mit dem Verdikt der neuen kirchenmusikalischen Generation über die Romantik zusammen.

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Werke: A.M., Gott, Welt und Kunst, hrsg. von Wilhelm Ewald, 1949; MGG IX, 58 (Auswahl); Hans Martin Balz, A.M. und die ev. Kirchenmusik, in: Musik in Darmstadt zwischen den beiden Weltkriegen, hrsg. von Hubert Unverricht und Kurt Oehl (Beitr. zur mittelrhein. Musikgeschichte Nr. 18), 1980, 57-94 (Lit.).

Lit.: Hermann Hering, A.M. (Phil.Diss.Marburg), 1927; - Herbert Kupferberg, Die Mendelssohns, 1972; - Arnold Werner-Jensen, A.M., in: Rheinische Musiker, 8. Folge (Beitr. zur rheinischen Musikgeschichte 111), 1974, 101-109; - Ders., A.M. als Liederkomponist, 1976; - Erika Weber-Ansat, A.M. und seine Verdienste um die Erneuerung der ev. Kirchenmusik (Kölner Beitr. zur Musikforschung 106), 1981; - Ilse Rabien, A.M. als Kirchenmusikmeister von Hessen. Hausarbeit zum Staatsexamen im Fb Musikerziehung Mainz (Masch. schr.), 1985.

Karl Dienst

Literaturergänzung:

2008

Sven Hiemke, Schriftl. Denker. Zum 75. Todestag von A.M., in: MuK 78.2008, S. 44f.; - Thomas Lackmann, "Einen jüdischen Confucius giebt es nicht ..." Konfession u. Glaubenswechsel in d. Neuzeit am Beisp. d. Familie M., in: Ehe - Familie - Verwandtschaft. Paderborn [u.a.] 2008, S. 373-400; -

2009

Julius H. Schoeps, Das Erbe d. Mendelssohns. Biographie e. Familie. Frankfurt/M. 2009; -

2010

Julius H. Schoeps, Das Erbe d. Mendelssohns. Biographie e. Familie. Ungekürzte Ausg. Frankfurt/M. 2010.

Letzte Änderung: 09.04.2011