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Band V (1993)Spalten 1269-1270 Autor: Matthias Schreiber

MENSCHING, Wilhelm, * 5. Oktober 1887 (Lauenhagen/Schaumburg-Lippe), + 25. August 1964 (Stadthagen), Evangelischer Pfarrer. - Als Missionar in Ruanda (1912-1916) erkannte M. die Schuld des Kolonialismus und arbeitete gegen rassistische, nationalistische und kirchliche Überheblichkeit mancher Missionare. 1916-1920 geriet er in belgische bzw. englische Gefangenschaft und wurde nach Indien verschleppt, wo er Gandhis Freiheitskampf aktiv verfolgte. 1920-1952 Pfr. in Petzen bei Bückeburg. Seit 1922 Mitglied im Internationalen Versöhnungsbund, der größten internationalen christlichen Friedensorganisation, seit 1932 Geschäftsführer und Reisesekretär dessen dt. Zweiges, 1927 Teilnahme am Panafrikanischen Kongreß in Harlem/USA. M. war entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. Er verfasste gegen den Antisemitismus Lebensbilder bedeutender Juden aus dem AT (u.a. Ein Beduinenfürst: Abraham) sowie die von den Quäkern verlegten »Erbguthefte«, in denen antirassistische und pazifistische Traditionen dt. Denkens (u.a. bei Albert Schweitzer, Christoph Blumhardt) der nationalsozialistischen Rasseideologie entgegengestellt wurden. 1948 gründete er das »Internationale Freundschaftsheim Bückeburg«, ein ökumenisches Begegnungs- und Bildungszentrum zur Ausbildung von »Friedensarbeitern«. M. Bedeutung als ein Wegbahner ökumenischer und interreligiöser Verständigung lohnt einer bisher ausstehenden eingehenden Untersuchung und ist nicht zuletzt für heutige Missionswissenschaft von Bedeutung. Auch seine von Realismus und Idealismus zugleich getragenen Abhandlungen zu Pazifismus, Gewissen oder der theologischen Ethik des Politischen sind impulsgebend und verdienen in Theologie und Friedensforschung Beachtung.

Werke: Im vierten Erdteil. Kulturfragen Amerikas, Wernigerode 1929; Religion, Rasse, Kolonien, Berlin 1929; Farbig und Weiß. Rassen-, Kolonial- und Kulturfragen, Wernigerode 1929; Arteigen und heilig. Zum Gespräch Hauer-Leese, in: Neuwerk 16/1934, 162-168; Los von Paulus! Zurück zu Jesus! (Zum »Mythus« des 20. Jahrhunderts), in: Neuwerk 16/1934, 342-363; Wir in der Weltkrise, o.O., o.J.; Biblische Lebensbilder, o.O. 1934 ff.; Jüdisches Vermächtnis, o.O. 1946; Jesus der Neger, o.O., o.J.; Jesus im politischen Zeitgeschehen, Bückeburg 1952; (Hrsg.) Gute Waffen gegen Feindschaft, Frechheit, Furcht und andere Fehler, Bückeburg o.J. (1953); Europäische Provinz Deutschland, o.O., o.J.; Obrigkeit von Gott?, o.O., o.J.; Vom Gewissen - seinem Wesen und seinem Wirken heute, o.O., o.J.; Was bedeutet uns Paulus?, Bad Pyrmont 1955; Die beiden Deutschländer und die Aufgabe der Christen, in: Stimme der Gemeinde 1961; Gefahrvoll leben! Der deutsche Versöhnungsbund im Dritten Reich, in: Versöhnung und Friede. 50 Jahre Internationaler Versöhnungsbund, Minden 1964, 24-28.

Lit.: Hans Gressel, Wilhelm Mensching, Der Gründer des Freundschaftsheimes, in: Fünfundzwanzig Jahre Internationales Freundschaftsheim Bückeburg, Minden 1973, 5-18; - Ders., Der realistische Pazifist Wilhelm Mensching in: General Anzeiger (Bückeburg), 15.10.1987; - Anna Sabine Halle, »Alle Menschen sind unsere Brüder...«. Über Quäkerhaltung und Quäkerarbeit 1933-1941, in: Die Tribüne 1984, 163-168; - Hermes Handlexikon: Die Friedensbewegung, 270.

Matthias Schreiber

Textanmerkungen:

Auf Antrag der Herderschule Bückeburg ist Wilhelm Mensching mit Datum vom 16. Mai 2001 von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem posthum der Titel 'Gerechter unter den Völkern' verliehen worden. Die Verleihung der Urkunde und Medaille erfolgte im beisein seiner Tochter Johanna am 29. November 2001 in Menschings ehemaliger Kirchengemeinde in Bückeburg-Petzen statt. Mensching hatte seinerzeit die verfolgte Berliner Jüdin Ruth Lilienthal vor dem Zugriff der Nazis bewahrt, indem er sie von Oktober 1943 bis März 1944 in seinem Petzer Pfarrhaus versteckte. Im Geburtsort von Pastor Mensching, in Lauenhagen, wird demnächst eine Daueraustellung über Wilhelm Mensching eingerichtet.

Letzte Änderung: 10.01.2003