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Band V (1993)Spalten 1359-1361 Autor: Johannes Madey

MESROP, hl., in den älteren Quellen und in seiner Vita von Korium Maštoc' genannt; * ca. 360 in Katzikk' in der armenischen Provinz Taraun, † 7.2. 440. Er erhielt eine hellenistische Ausbildung, wahrscheinlich in Antiochien, wo er mit Theodoros von Mopsuestia bekannt wurde. Für kurze Zeit war er Soldat im Dienste des armenischen Königs in Walarschapat, der ihn zu seinem Sekretär machte. Nachdem das römische Reich und Persien Armenien unter sich aufgeteilt hatten, wurde M. Mönch und empfing 392/393 durch Handauflegung des Katholikos Sahak [Isaak] d. Gr. (ca. 457-438) die Priesterweihe. Als Missionar reiste er mit Gleichgesinnten bis in die entlegensten Provinzen Armeniens; er sah dabei seine Arbeit vor allem dadurch behindert, daß es weder die Heilige Schrift noch die Liturgie in der armenischen Sprache gab. Mit Unterstützung des Katholikos und des Königs Vramšapuh (401-408/409) erarbeitete er zusammen mit anderen Gelehrten das auf dem Griechischen basierende armenische Alphabet (36 Buchstaben). Anschließend begann er mit mehreren Mitarbeitern, die Bibel ins Armenische zu übersetzen; er selbst soll das NT und das Buch der Sprüche übersetzt haben. Auch die Liturgie wurde ins Armenische übertragen, ebenso die Schriften vieler griechischer und syrischer Kirchenväter. So trug er zur Entstehung der armenischen Literatur entscheidend bei. Es bestehen erhebliche Zweifel, ob die 23 Briefe und Homilien, die den Namen Gregors des Erleuchters tragen, ihn zum Verfasser haben; dagegen bestehen gute Gründe für die Annahme, daß die sog. "Lehre Gregors" bei Agathangelos auf ihn zurückgeht. M. gründete Schulen und förderte vor allem das Mönchtum, er missionierte unter den Georgiern und Albanern und bekämpfte die Irrlehren seiner Zeit, besonders die der Borborianer. Nach dem Tode des Katholikos Sahak wurde M. selbst zum Katholikos gewählt, doch konnte er die armenische Kirche nur sechs Monate leiten. Sein Leben beschrieb sein Schüler Korium, der ihm außer der Schaffung der armenischen Alphabets auch die des georgischen zuschreibt. Die Kirche verehrt M. als Heiligen und feiert sein Fest zusammen mit dem des hl. Sahak d. Gr. am 4. Donnerstag nach dem Fest der heiligsten Dreifaltigkeit.

Lit.: J. Marquart, Über den Ursprung des armenischen Alphabets, Wien 1917; - Baudot et Chaussin, Vies des Saints et des Bienheureux selon l'ordre du calendrier avec l'historique des fêtes (par les RP. Bénédictins de Paris), 12 Bde, Paris 1935-1956, XI, 872 f.; - N. Akinian, Der hl. Machtotz Wardapet, Wien 1949 [armen. mit deutsch. Zusammenfassung]; - H. Thorossian, Histoire de la littérature arménienne, Paris (1951); - M. Abeğean, Hayoc' hin grakanut'ean patmut'iwn, I [Erewan 1944], Nachdr. Beirut 1955, 123-133; - A. Butler (rev. ed. H. Thurston-D. Attwater), The Lives of the Saints, I, New York 1956; - O. Bardenhewer, Geschichte der altkirchlichen Literatur, V, [Freiburg 1932], Nachdr. Darmstadt 1962, 197-202; - V. Inglisian, Die armenische Literatur (= Handbuch der Orientalistik, VII), Leiden-Köln 1963, 160 f.; - Banber Matendarani 7 (Erewan 1964: Sonderheft über die Erfindung der armenischen Schrift); - J. Mécerian, Histoire et Institutions de l'Église Arménienne - Évolution nationale et doctrinale, spiritualité, monachisme (= Recherches publiées sous la direction de L'institut de Lettres Orientales de Beyrouth), Beirut 1965, 48-53, 211; - M. Kanalanian, M. Maštoc' dans la tradition arménienne, in: Revue des études arméniennes, NS 3 (Paris 1966), 359-367; - R.W. Thomson, The Teaching of St. Gregory, Cambridge, Mass. 1970; - M. Krikorian, Die Geschichte der Armenisch-Apostolischen Kirche, in: F. Heyer (Hrsg.), Die Kirche Armeniens - Eine Volkskirche zwischen Ost und West (= Die Kirchen der Welt, XVIII), Stuttgart 1978, 31; - ECatt VIII, 757; LThK 2VII, 319; - New Catholic Encyclopedia IX, 713; - J. Aßfalg-P. Krüger (Hrsg.), Kleines Wörterbuch des Christlichen Orients, Wiesbaden 1975, 265; - Encyclopedic Dictionary of Religion, Philadelphia-Washington, D. C. 1979, 2348 f.

Johannes Madey

Literaturergänzung:

2008

Bärbel Dümler, Zwischen Professionalität u. Charisma. Die Erfindung d. armen. Alphabets durch Mesrop Mastoc nach d. Vita d. Koriwn, in: Das Charisma. Berlin 2008, S. 97-125.

Letzte Änderung: 23.12.2009