MONTGELAS, Maximilian Joseph, Graf von Garnerin (seit 1809); Staatsmann;
* 10. September 1759 München, † 14. Juni 1838 München. -
Als Sohn eines Obersten aus savoyardischem Geschlecht geboren, wurde
er vorerst von der Mutter, dann zu Freising am geistlichen Hof und
schließlich in Nancy erzogen und ausgebildet. 1768-76 besuchte er
die internationale Diplomatenschule des Chr. Wilhelm Koch, die ihn
mit den Ideen des bürokratischen, zentralistischen und omnipotenten
Staates vertraut machte. Nach einem Aufenthalt an der Universität
zu Ingolstadt wurde M. 1777 kurbayerischer Hofrat. Zwei Jahre später
wurde er mit dem Büchereizensurrat betraut. Als Illuminat wurde er
entlassen und mußte 1785 nach Pfalz-Zweibrücken fliehen. Bei Karl-August
in Ungnade gefallen, diente er dessen Bruder Max-Joseph als Privatsekretär,
nach dessen Regierungsantritt 1796 als Geheimer Rat. Er vertrat ihn
am Rastatter Kongreß und erwarb so Erfahrungen in der Außenpolitik.
1799 tritt Max-Joseph die Regierung in Bayern an und beruft M. als
Minister für auswärtige Angelegenheiten. - Geprägt von Aufklärung
und Rationalismus sowie von Kochs Staatsauffaßung, versuchte M. Bayern
konsequent in dieser Richtung zu verändern. Bald vereinigte er in
seiner Hand eine ansehnliche Fülle von staatlichen Aemtern: auswärtiges,
inneres und Finanzen. Er beseitigte alte Rechte des Adels, der Kirche
und der Gemeinden zugunsten einer konstitutionellen Verfaßung, säkularisierte
Kirchengut um zu Finanzen zu kommen, rundete das Staatsgebiet ab,
zentralisierte und vereinheitlichte das geistige wie das kirchliche
Leben. Unter Anlehnung an Frankreich erreichte Bayern Territorien
und die Königswürde und konnte diese Errungenschaften am Wiener Kongreß
erfolgreich verteidigen. Das teilweise sehr energische und rücksichtslose
Vorgehen M.s sowie die zögernde Haltung gegenüber dem sich entwickelnden
deutschen Bund führten schließlich 1817 zu seinem Sturz, inszeniert
von der eigenen Bürokratie. M. zog sich von der Politik zurück, wurde
1819 trotzdem erblicher Reichsrat der Krone Bayerns. - M. war
für Bayern ein sehr wichtiger Politiker, vor allem was Modernisierung
der Verfaßung und Verwaltung, sowie das Verhältnis von Kirche und
Staat betrifft. Wenn auch einiges von seinen weitgehenden Reformen
wieder rückgängig gemacht wurde, so haben sie doch Wesentliches geprägt.
Werke: Briefe des Staatsministers Grafen Maximilian Joseph
von Montgelas. Hrsg. von Julie von Zerzog. Regensburg o.D. [1853];
Denkwürdigkeiten des bayerischen Staatsministers Maximilian Grafen
von Montgelas (1799-1817), im Auszug aus dem französischen Original
übersetzt von Max Freiherr von Freyberg-Eisenberg und hrsg. von Ludwig
Grafen von Montgelas. Stuttgart 1887; Denkwürdigkeiten des Grafen
Maximilian von Montgelas über die innere Staatsverwaltung Bayerns
(1799-1817). Hrsg. von Georg Laubmann und Michael Doeberl. Nebst einer
Einleitung über die Entstehung des modernen Staates Bayern von M.
Doeberl. München 1908.
Lit.: Pluckhard Stumpf, Denkwürdige Bayern. Kurze Lebensbeschreibungen
verstorbener verdienter Männer. München 1865; - Richard Graf Du
Moulin Eckart, Bayern unter dem Ministerium Montgelas 1799-1800. München
1895; - Anton Doeberl, M.s Kirchenpolitk In: HPBL CLIV 1914, 104-114;
- Ludwig Doeberl, Maximilian von Montgelas und das Prinzip der
Staatssouveränität. München 1925; - Goetz von Pölnitz, Kronprinz
Ludwig und M. In: ZBLG VII 1934, 35-85; - Horst Raffael, Ausbau
und Entwicklung der Ministerialverfaßung Bayerns unter Maximilian
von Montgelas (1799-1808). Diss. Masch. München 1952; - Karl Othmar
Frhr. von Aretin, Der Sturz des Grafen M. In: ZBLG XX 1957, 83-135;
- Hanns Hubert Hofmann, Adelige Herrschaft und souveräner Staat.
Studien über Staat und Gesellschaft in Franken und Bayern im 18. und
19. Jahrhundert. München 1962; - Eberhard Weis, Maximilian Joseph
Graf von Montgelas. In: Männer der deutschen Verwaltung. Köln 1963,
59-78; 389-91; - Kurt von Raumer, Préfecture francaise. Montgelas
und die Beurteilung der napoleonischen Rheinbundpolitik 1806. In:
Spiegel der Geschichte. Festgabe für Max Braubach. Hrsg. Konrad Repgen,
Stephan Skalweit. Münster i.W. 1964, 635-661; - Max Spindler,
Der neue Staat Montgelas' und Ludwig I. In: Unbekanntes Bayern Bd.
VIII. München 1964, 210-219; - Ernst Anegg, Zur Gewerbestruktur
und zur Gewerbepolitk Bayerns während der Regierung Montgelas. Diss.
München 1965; - Ludwig Doeberl, Die Entstehung des modernen souveränen
Staates. Hrsg. Hanns Hubert Hofmann Köln-Berlin 1967; - Wolfgang
Gimbel, Der Wandel der Rechtsbeziehungen von Kirche und Staat unter
Montgelas. Diss. München 1967; - Eberhard Weis, Montgelas 1759-1799,
zwischen Revolution und Reformation. München Bd. 1, 1971; Bd. 2, 2005; -
Ders., Montgelas innenpoltische Reformprogramme. Das Ansbacher Memoire
für den Herzog vom 30.09. 1796 In: ZBLG XXXIII 1970, 219-256; -
Ders., Die Begründung des modernen bayerischen Staates unter König
Max I. (1799-1825). In: Handbuch der bayerischen Geschichte Hrsg.
Max Spindler Bd. IV.1 München 1979, 3-86, beso. 38-60; - Walter
Demel, Der bayerische Staatsabsolutismus 1806/08-1817: Staats- und
gsellschaftspolitische Motivationen und Hintergründe der Reformaera
in der ersten Phase des Königreiches Bayern. München 1983; - Franz
Herre, Montgelas: Gründer des bayerischen Staates. Weilheim 1988;
- Maximilian Joseph Graf von Montgelas (1759-1838): Dokumente
zu Leben und Wirken des bayerischen Staatsmannes. Eine Ausstellung
anläßlich seines 150. Todestages [Hermann-Jospeh Busley, Liselotte
Klemmer]. München 1988; - Deutsches biographisches Archiv. München
1982-90, Microfiche 856, 371-190; - ADB XXII 1885, 193-204; -
NBG XXXVI 1861, 271-272; - LThK VII 1935, 305-306; - RGG IV
1960, 1123; - LThK VII 1962, 590; - The new catholic encyclopedia
IX 1967, 1093; - Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte
II 1974, 1930-32.
Walter Troxler
Literaturergänzung:
20091
M. zwischen Wiss. u. Politik. Krisendiagnostik, Modernisierungsbedarf u. Reformpolitik in d. Ära M. u. am Beginn d. 21, Jhrs. Hrsg. von Katharina Weigand und Jörg Zedler. München 2009.
Letzte Änderung: 09.04.2011