NAPOLEON II., Françcois-Charles-Joseph Bonaparte, gen. Napoleon II,
* 20.3. 1811 (Paris), + 22.7. 1832 (Wien). Er war der Sohn
von Napoleon, der endlich einen legitimen und an den europäischen
Höfen akzeptablen Nachfolger zu haben glaubte und Marie Louise, seiner
zweiten aus dem Hause Habsburg stammenden Frau. Er führte den Titel
»König von Rom« und wurde von seinem Vater zweimal (1814 und 1815)
als sein Nachfolger eingesetzt. Diese Ansprüche werden von den endgültig
bei Waterloo siegreichen Allierten nicht anerkannt, die eine Rückkehr
der Bourbonen auf den französischen Königsthron befürworten, diesen
aber nichtsdestoweniger mit dem zweiten Napoleon drohen, um ihre
Botmäßigkeit zu erlangen. François-Charles-Joseph wird in Wien festgehalten
und muß sich dort mit dem Titel »Duc de Reichstadt» begnügen. Man
hält ihn in fast vollständiger Isolation, was nichts daran ändert,
daß er zum Idol der bonapartistischen Partei der Restauration wird.
(Dichtungsstoff bei Béranger, Hugo u.a.) Politisch anscheinend indifferent,
favorisieren ihn in der Juli-Revolution viele als neuen französischen
Herrscher.
Lit.: Montbel, Le Duc de Reichstadt, Paris 1832; -
J. de Saint-Félix, Histoire de Napoléon II, Paris 1856; - J. de
Bourgoing, Le fils de Napoléon, roi de Rome, Paris 1951; - J.
Thiry, Le Roi de Rome, Paris 1969; - E. von Wertheimer, Der Herzog
von Reichstadt 21913; - J. de Bourgoing, (Hrsg.) Aus den
Papieren des Herzogs von Reichstadt, Berlin 1925.