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Band VI (1993)Spalten 451-452 Autor: Hubertus Kohle

NAPOLEON II., Françcois-Charles-Joseph Bonaparte, gen. Napoleon II, * 20.3. 1811 (Paris), + 22.7. 1832 (Wien). Er war der Sohn von Napoleon, der endlich einen legitimen und an den europäischen Höfen akzeptablen Nachfolger zu haben glaubte und Marie Louise, seiner zweiten aus dem Hause Habsburg stammenden Frau. Er führte den Titel »König von Rom« und wurde von seinem Vater zweimal (1814 und 1815) als sein Nachfolger eingesetzt. Diese Ansprüche werden von den endgültig bei Waterloo siegreichen Allierten nicht anerkannt, die eine Rückkehr der Bourbonen auf den französischen Königsthron befürworten, diesen aber nichtsdestoweniger mit dem zweiten Napoleon drohen, um ihre Botmäßigkeit zu erlangen. François-Charles-Joseph wird in Wien festgehalten und muß sich dort mit dem Titel »Duc de Reichstadt» begnügen. Man hält ihn in fast vollständiger Isolation, was nichts daran ändert, daß er zum Idol der bonapartistischen Partei der Restauration wird. (Dichtungsstoff bei Béranger, Hugo u.a.) Politisch anscheinend indifferent, favorisieren ihn in der Juli-Revolution viele als neuen französischen Herrscher.

Lit.: Montbel, Le Duc de Reichstadt, Paris 1832; - J. de Saint-Félix, Histoire de Napoléon II, Paris 1856; - J. de Bourgoing, Le fils de Napoléon, roi de Rome, Paris 1951; - J. Thiry, Le Roi de Rome, Paris 1969; - E. von Wertheimer, Der Herzog von Reichstadt 21913; - J. de Bourgoing, (Hrsg.) Aus den Papieren des Herzogs von Reichstadt, Berlin 1925.

Hubertus Kohle

Letzte Änderung: 02.02.1999