Verlag Traugott Bautz |
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NARDINI, Paul Josef, Dr. theol., katholischer Priester und Gründer der »Mallersdorfer Schwestern«, * 25.7. 1821 in Germersheim in der Pfalz, † 27.1. 1862 in Pirmasens. - N. wurde als uneheliches Kind geboren (Lichtenberger) und wuchs in der Familie einer Großtante auf. Er erhielt den Namen »Nardini« von seinem Pflegevater. Nach dem Besuch der Volksschule sollte er das Schusterhandwerk erlernen, doch wegen seiner besonderen Begabung durfte er 1834 die Lateinschule in Germersheim besuchen. 1838 wechselte er auf das Gymnasium in Speyer über und wurde 1840 in das nun eröffnete Bischöfliche Konvikt aufgenommen. Nach dem Abitur 1841 und philosophischen Studien in Speyer ging N. zum Theologiestudium nach München, wo er am 25.7.1846 mit Auszeichnung zum Dr. theol. promovierte. Schon am 22.8.1846 wurde er im Dom zu Speyer von Bischof Nikolaus von Weis zum Priester geweiht und zwei Tage später zum Stadtkaplan von Frankenthal ernannt. Doch bereits am 1.12.1846 wurde N. zum Präfekt im bischöflichen Konvikt ernannt. Er wollte jedoch in der Pfarrseelsorge wirken, und deshalb wurde er am 11.4.1850 zum Pfarrverweser in Geinsheim ernannt. Schon nach zehn Monaten wurde N. nach Pirmasens berufen und am 8.5.1851 zum Pfarrer der damals 1800 Katholiken zählenden Diasporagemeinde ernannt. Um der Not in Pirmasens zu begegnen, errichtete N. gegen große Widerstände eine Niederlassung der Niederbronner Schwestern aus dem Elsaß. Die Schwestern galten jedoch als Ausländerinnen, und als mit ihrer Ausweisung gedroht wurde, faßte er den Entschluß, eine neue Schwesterngemeinschaft zu gründen. Er löste die Niederlassung der Niederbronner Schwestern auf, und gründete am 2.3.1855 eine Schwesterngemeinschaft, die er »Arme Franziskanerinnen von der hl. Familie« nannte. Bereits 1856 konnten von Pirmasens aus die ersten Schwestern in andere pfälzische Orte geschickt werden. Ihre Aufgabe lag in der Armen- und Krankenpflege und in der Erziehung verwahrloster Kinder. Doch der bayerische Staat und der Speyerer Bischof, der sich übergangen fühlte, versagten N.s Werk zunächst die Anerkennung. Erst am 10.3.1857 erteilte der Bischof seine Zustimmung. Mitten in seinen Bemühungen um die staatliche Genehmigung seiner Kongregation erkrankte N. zu Beginn des Jahres 1862 an einer Lungenentzündung und starb am 27. Januar im Alter von nur 40 1/2 Jahren. Er fand seine letzte Ruhestätte in der Kapelle des Nardinihauses in Pirmasens. Die junge Schwesterngemeinschaft zählte damals 220 Schwestern. Das Lebenswerk N.s entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten stetig weiter; heute gehören der Kongregation über 2000 Schwestern an. 1869 erfolgte die Verlegung des Mutterhauses von Pirmasens in die ehemalige Benediktinerabtei Mallersdorf (Niederbayern), was zu der Bezeichnung »Mallersdorfer Schwestern« geführt hat.
Hans Ammerich
Werkeergänzung:
2008
Ihr ergebenster Pfarrer Nardini. Der Briefwechsel zwischen Paul Josef Nardini u. Bischof Nicolaus von Weis - e. Blick in d. Kirchengeschichte d. 19. Jhrs. M. Radegund Bauer/Hans Ammerich (Hrsg.). München 2008.
Literaturergänzung:
1992
Franz Josef Huth ; Karg Klaus, Die Einrichtungen der Armen Franziskanerinnen in der Pfalz, e. Ordensgrüdung von P.J.N. Ein Bericht von Pfarrer Franz Josef Huth von 1869, in: AmrhKG 44.1992, S. 381-398; -
2006
Seligsprechungsverfahren beendet, in: Orden heute 2006, Nr. 1, S. 10; - Hans Ammerich, P.J.N. Kehl am Rhein 2006; - Maria Radegund Bauer, P.J.N. München 2006; - Norbert Rönn/M. Radegund Bauer, P.J.N. Speyer 2006; - José Saraiva Martins ; Edward Nowak, Beatificationis et canonizationis ven. servi Dei Pauli Iosephi Nardini, sacerdotis dioecesani, fundatoris Congregationis Sororum Franscicalium a Sacra Familia (1821-1862) decretum super miraculo, in: AAS 98.2006, S. 867-869; - P.J.N.: der Mensch - der Priester - der Selige. Speyer 2006; -
2007
M. Radegund Bauer, P.J.N. Priester u. sozialer Vorkämpfer f.d. Armen. München 2007.
Letzte Änderung: 09.04.2011