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Band VI (1993)Spalten 882-884 Autor: Peter-Johannes Schuler

NIKOLAUS von der Flühe, * 1417 auf der Flüeli bei Sachseln (Kt. Oberwalden), † 21. März 1487 im Ranft (Kt. Oberwalden), 1669 selig, 1947 heilig gesprochen. Dieser einzige Schweizer Mystiker nimmt unter den Heiligen eine einzigartige Stellung ein. Fest gefeiert am 21. März, in der Schweiz am 25. Sept. - Sohn des angesehenen Bürgers Heinrich von der Flüe auf dem Flüeli bei Sachseln [Schweiz, Kt. Oberwalden]. Nach seinen eigenen Aussagen hatte N. bereits in der Jugend eine Turmvision, in der ihm seine spätere Lebensaufgabe aufgezeigt worden sei. Dennoch wurde er Bergbauer, heiratete Dororthea Wyss und wurde Vater von 10 Kindern. Er engagierte sich in öffentlichen Angelegenheiten seines Heimatkantons als Gesandter (1457), im Ammanngericht (1459), im Rat (1459) auf der Tagsatzung und im Kriegsdienst. Den Posten als Landeshauptmann lehnte er jedoch ab. Um 1460 verfiel er in Schwermut. In dieser Zeit führten ihn die Pfarrer Heiny am Grund in Kriens und Oswald Irner in Kerns in die Mystik ein. So wurde er wohl auch unter dem Einfluß des Mystikerkreises des Klosters Engelberg und der Gottesfreunde in Straßburg einer der letzten spätmittelalterlichen Mystiker. Am 16. Okt. 1467 verließ er Haus und Familie, um in der Fremde (ellende) die Einsamkeit zu suchen. Er wurde aber bei Liestal (Kt. Basel-Land) durch ein Lichterlebnis und durch den Zuspruch seines Bruders zur Heimkehr bewegt und ließ sich mit Zustimmung von Frau und Familie im Ranft nahe dem Flüeli als Einsiedler nieder. Nach anfänglicher Skepsis gegen ihn bauten ihm die Oberwaldner ein Jahr später auf Landeskosten eine Kapelle. Noch zu Hause hatte N.v.F. seine Ernährung weiter reduziert. Während seinen letzten 19 Lebensjahren soll er nur von der Eucharistie gelebt zu haben. - Als Einsiedler trug er viel zur Befriedigung des Landes bei, vor allem auf der Tagsatzung zu Stans am 22. Dez. 1481, als er die Eidgenossenschaft vor einer endgültigen Spaltung rettete. N.v.F.s Wirken fiel in eine Zeit des Reisläufertums, des päpstlichen Schismas und sonstiger Zerfallserscheinungen. In der Zeit des Schismas waren ganze Landstriche exkommuniziert und ohne Pfarrer. So ist es verständlich, daß Laienbewegungen an Boden gewannen und als die Menschen sich auf sich selbst verwiesen sahen. Bei diesen Zeitumständen war sein Wirken als gesuchter geistlicher und politischer Berater und Mahner besonders segensvoll, weswegen er schon zu Lebzeiten als Friedensstifter, lebendiger Heiliger und Landesvater, pater patriae, bezeichnet wird. - Die Verbindung von Politik und Mystik ist charakteristisch für den historischen N.v.F., zugleich Ausfluß der sozialen Situation in Oberwalden und seiner persönlichen geistlichen Lebensform. Berichte über N.v.F. finden sich in zahlreichen Chroniken, wie in der Schedelschen Weltchronik, in Diebold Schillings Schweizer Chronik, bei Trithemius; auch die Reformatoren Zwingli, Bullinger, Vadian und Myconius sprechen anerkennend von ihm. Sein Wirken fand bereits im 15. Jh. in sog. Bruder-Klaus-Spielen seinen Niederschlag. An schriftlichen Äußerungen haben sich von ihm nur zwei Briefe an die Stadt Konstanz (1482) und an Schultheiß und Rat von Bern (1482), sog. Sprüche »Wir sellen Got also lieb han«, das sog. Nützest und zwei Reimgebete erhalten. Das Pilgertraktat, eine volkstümliche Erbauungsschrift, ist keine Schrift von ihm direkt, gibt aber glaubwürdig die Worte N.v.F. wieder.

Werke: Briefe, hrsg. v. W. Oehl, Mystikerbriefe (...1931) 625 f., 628 f.; Sprüche, hrsg. v. A. Hagenbüchle, Zum ältesten Schrifttum des Bruders Klaus, in: Obwaldner GeschBll. Jg. 1979, 277-324; Reimgebet Klausen gewonlich bet, hrsg. v. K. Ruh, Kleine Schriften, Bd. 2 (1984) 176-182; Pilgertraktat, H. Stirnimann, Der Gottesgelehrte N.v.F. Drei Studien (Fribourg/Uechtl. 1981) 300-330; Originalakten zum Seligsprechungsprozeß des Bruder Klaus vom Jahr 1654 (Pfarrarch. Sachseln).

Quellen: R. Durrer, Bruder Klaus. Die ältesten Quellen über den sel. Nikolaus von der Flüe, 2 Bde (Sarnen 1917-1921; ND: 1981); R. Amschand, Bruder Klaus. Ergänzungsband zum Quellenwerk von R. Durrer (Sarnen 1987). - Bildliche Darstellungen: Nikolaus wird abgebildet als hagerer, bärtiger Einsiedler mit aufrechter Körperhaltung und ungekämmtem Haar, mit braunem Rock, mit Rosenkranz und Pilgerstab in den Händen. Auf seiner Grabplatte eine Porträtdarstellung von 1518 im Beinhaus zu Sachseln, Darstellungen: in Holz auf einem Fensterpfosten des 16. Jh.; heute in der Sammlung des Stifts Engelberg; verwandt damit ist eine Holzstatuette von 1504 in der unteren Ranftkapelle; auf einer Monstranz zu Sachseln, 1516 angebracht; auf einem Altarflügel von 1572: stehend und neben dem Bischof Eligius, heute im Hist. Museum zu Stans; eine Statue in der Pfarrkirche zu Stans (17 Jh.); eine Porträtdarstellung des 16. Jh., heute in der Ambrasser Sammlung zu Wien; Tafelbild von 1650 in der Kirche zu Sachseln; daneben zahlreiche Klausenmedaillen aus dem 16. Jh. Gedruckte Abbildungen: E. Omlin, Das neuentdeckte älteste Bruder-Klausen-Bild und der Hochaltar von Sachseln aus dem Jahre 1492, in: Zs. f. schweiz. Archäologie u. Kunstgesch. Bd. 8 (1946) 129-173, Abb. 149; Paul Hilber/Nikolaus Schmid, Nikolaus von Flüe im Bilde der Jahrhunderte (Zürich 1943); Karl Künstle, Ikonographie der Heiligen, Bd. 2 (Freiburg/Br. 1926) 458; Robert Durrer, Bruder Klaus. Die ältesten Quellen über den sel. Nikolaus von der Flüe, 2 Bde (Sarnern 1917/1921) Taf. I, III, V, VI, VIII, XI, XIV, XV, XVIII-XXX; Robert Durrer, Kunstdenkmäler Unterwaldens (Zürich 1899/1928) Fig. 492.

Lit.: Acta SS Mart. Bd. 3 (1668) 398-439; - Nikolaus v. Flüe, in: LThK Bd. 7 (Freiburg/Br. 19682) Sp. 985 f.; - Johann Ming, Der selige Bruder Nikolaus von Flüe, sein Leben und Wirken, 4 Bde (Luzern 1861-1878); - Stückelberg, Die schweizerischen Heiligen des Mittelalters, (Zürich 1903) 86; - W. Oehl, Bruder Klaus und die Mystik, in: Zs. f. schweiz. Kirchengesch. Bd. 11 (1917) 164-174, 241-254; - A. Wagner, Ein Beitrag zur Bruder Klaus-Forschungen aus Geschichte und Kunst. Festg. f. R. Durrer (1928) 383-398; - W. Muschg, Die Mystik in der Schweiz (Frauenfelden/Leipzig 1935) 383-398; - D. Planzer, Zu Bruder Klaus Sprüchen und Gebet, in: Zs. f. Schweiz. Kirchengesch. Bd. 32 (1938) 39-46; - A. Andrey, Le »saint vivant« (Luzern 1942); - B. Lavand, Vie profonde de Nicolaus (Fribourg/Uechtl. 1942); - L. v. Matt/W. Durrer/J.K. Scheuber, N.v.F. (Zürich 1947) - offizielles Gedenkbuch der Heiligensprechung; - F. Blanke, Bruder Klaus von Flüe. Seine innere Geschichte (Zürich 1948); - M.-L. v. Franz, Die Visionen des Nikolaus von Flüe (Zürich 1959); - J. Hemleben, N.v.F., Der Heilige der Schweiz (Frauenfelden/Stuttgart 1977); - W.T. Huber, Der göttliche Spiegel (Bern 1981).

Peter-Johannes Schuler

Werkeergänzung:

2008

Die ersten Schritte zur Heiligsprechung. Ital.-Dt. Zürich 2008.

Literaturergänzung:

1986

Walter Dirks, Heilig durch Politik. Jeanne u. Klaus, in: Gottes Freunde - unsere Freunde. Erfahrung mit Heiligen. Freiburg/Br. 1986, S. 58-67; - Karl Böck, Menschen und Heilige. 2. Aufl. Donauwörth 1986, S. 288-297; -

2005

Iso Baumer, N.v.F. 3., verb. Aufl. Basel 2005; -

2009

Jean Luc Berthoud, Niklaus v.F. u.d. Prana. Die Meditation d. Eremiten u.d. ätherische Welt. Basel 2009.

Letzte Änderung: 21.01.2010