NINIAN (Nynia; Niniavos), erster schottischer Missionar und Bischof,
* um 360 als Sohn eines zum Christentum bekehrten Stammesführers
der Britonen in Cumbria (Nordengland); + um 432 in Whithorn
(SW- Schottland). - N. pilgerte als junger Mann nach Rom; wurde
dort zum Priester und 394 (vermutlich von Papst Siricius) zum Bischof
geweiht. Nach seiner Rückkehr widmete er sich ganz der Missionierung
der südlichen Pikten und Skoten (den Ureinwohnern Nordenglands und
Schottlands). Er gründete um 397 in Whithorn ein Kloster und ließ
dort - vermutlich von Handwerkern aus Gallien (möglicherweise vermittelt
durch den HI. Martin von Tours) - die erste Steinkirche auf der britischen
Insel errichten. Diese Kirche wurde wegen des hellen Steins »Candida
Casa« genannt, und dem HI. Martin von Tours geweiht, mit dem N. (nach
Aelred) eine enge Freundschaft verband. Whithorn und die umliegende
Region Galloway wurde unter N. zu einem bedeutenden missionarischen
Zentrum. Whithorn gilt als Wiege des strengen keltischen Mönchtums.
Die letzten Lebensjahre verbrachte N. als Einsiedler in einer Höhle
an der Küste von Galloway. - N. gilt als der »Apostel« von Galloway
und Begründer des Christentums in Schottland. Sein Schrein in Whithorn,
an dem sich nach der Überlieferung zahlreiche Wunder ereigneten, war
bis in die Reformationszeit eine beliebte Wallfahrtsstätte. Heute
führt eine Wallfahrt alljährlich Pilger zu N.s Höhle. - N.s. literarisches
Werk ist nicht überliefert. Es sind auch keine zeitgenössischen Quellen
über sein Leben erhalten. Die früheste Würdigung findet sich in Bedas
Historia Ecclesiastica Gentis Anglorum (731), in der N. als »reverentissimus
et sanctissimus vir de natione Brettonum« (III. iv, 133) bezeichnet
wird. N.s missionarisches Wirken, sein Charisma als Apostel Gottes,
seine Heiligkeit und insbesonders die Wundertätigkeit seiner Begräbnisstätte
in der Kirche von Whithorn werden in einem Gedicht eines Anonymus
aus dem 8. Jhdt. gepriesen. Die vom engl. Benediktiner Aelred von
Rievaulx (1110-67) verfaßte Vita N. ist die umfassendste aller überlieferten
Lebensbeschreibungen des Heiligen; legendarisch ausgeschmückt ist
sie weniger eine verläßliche biographische Quelle, als ein literarisches
Zeugnis des hochma.n. N.-Kultes. - N.s. Festtag ist (nach ODS)
der 26. August, nach anderen Quellen (ODC, LThK u.a.), der 16. September.
Lit.: Beda Venerabilis, HE III, iv, 133 - Aelred von Rievaulx,
Vita Niniani, in: Vitae Antiquae Sanctorum qui Habitaverunt in...Scotia,
hrsg. v. J. Pinkerton, London 1789, 1-23; - John Barrow, Life
of St. N., London 1845; - Alan O. Anderson, N. und sein Einfluß
auf die Ausbreitung des Christenthums in Nord-Britannien, 1891; -
Ders., N. and the Southern Picts, in: Scottish Historical Review 27,
1948, 25-47; - W.D. The Legends of SS.N. and Machor, 1904, 40-83;
- W. Levison, An Eighth-Century Poem on St.N., in: Antiquity 14,
1940, 280-91; - W.D. Simpson, Saint N. and the Origins of the
Christian Church in Scotland, 1940; - William D. Maxwell, St.
N., 1948; - N.K. Chadwick, St.N.: A Preliminary Study in Sources,
in: Transactions of the Dumfriesshire and Galloway Natural History
and Antiquarian Society, 3rd series, 27, 1948-49, 9-53; - John
MacQueen, St.N. A Study of Literary and Linguistic Evidence, 1961;
- Ders., History and Miracle Stories in the Biography of N., in:
Innes Review 13, 1962, 115-29; - Mosa Anderson, St. N., 1964;
- A. Boyle, St.N. Some Outstanding Problems, in: Innes Review
19, 1968, 57-70; - Charles Thomas, Christianity in Roman Britain
to AD 500, 1981, 275-294; - DNB XIV, 513 f.; - SCBD, 340;
- ODC, 961; - LThK VII, 1008; - DCS, 318 f.
Franz Wöhrer
Literaturergänzung:
2009
Marie A. Mayeski, Clothing Maketh the Saint. Aelred's narrative intent in the "Life of Saint Ninian", in: CSQ 44.2009, S. 181-190; - St N. and the earliest christianity in Scotland. Ed. by Jane Murray. Oxford 2009.
Letzte Änderung: 04.05.2012