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Verlag Traugott Bautz
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NIPPOLD, Friedrich, evangelischer Kirchenhistoriker, * 15.9. 1838 in Emmerich, + 3.8. 1918 in Oberursel. - Als Kind einer evangelisch-katholischen Mischehe wurde N. nachhaltig durch die Diasporasituation des rheinischen Protestantismus geprägt und erhielt dadurch schon sein Lebensthema vorgegeben. Nach dem Studium in Halle, Bonn, Amsterdam und Leiden unternahm er 1861-1863 eine ausgedehnte Orientreise. Seine ersten wissenschaftlichen Arbeiten waren der niederländischen Kirchengeschichte gewidmet. 1865 habilitierte er sich in Heidelberg und wurde dort 1867, gleichzeitig mit dem Erscheinen der ersten Auflage seines Handbuchs der neuesten Kirchengeschichte, Extraordinarius. 1871 wurde er Ordinarius in Bern, 1884 Nachfolger von Karl von Hase in Jena, wo er bis zu seiner Emeritierung 1907 mit wachsendem Ansehen lehrte. Wie sein Hauptinteresse der neueren Kirchengeschichte galt, so nahm er auch zeitlebens zu aktuellen kirchenpolitischen Fragen Stellung. - N. war Mitbegründer des Evangelischen Bundes zur Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen, gehörte 1888-1906 zu dessen Zentralvorstand und griff mit zahleichen Vorträgen und Broschüren in die konfessionelle Auseinandersetzung ein. So sehr er sich - schon vor dem Ersten Vaticanum - dem katholischen Ultramontanismus entgegenstellte, so suchte er doch den Ort, an dem »der ideale Katholizismus und der ideale Protestantismus« zusammenfallen. Seine besondere Teilnahme galt deshalb der altkatholischen Bewegung. Als Vertrauter des späteren Kaisers Friedrich III. vertrat er eine nationalliberale Haltung, die mit seinem theologischen Liberalismus harmonierte. Sein Hauptwerk, die auf fünf Bände erweiterte dritte Auflage des Handbuchs der neuesten Kirchengeschichte, ist in seinen Urteilen stark subjektiv geprägt, enthält aber eine Fülle von Informationen aus erster Hand, die es heute noch wertvoll machen.
Werke: Eine ausführliche Bibliographie in IKZ 9 (1919), 150-168. 289-294. Bes. wichtig: Heinrich Niclaes. Ein Beitrag zur Sektengeschichte des Mittelalters, 1862 (auch in ZHTh 32, 1862); David Joris von Delft, sein Leben, seine Lehre und seine Sekte, in: ZHTh 33 (1863), 1-166; 34 (1864), 483-673; 38 (1868), 475-591; Referat über Scholten: »De Leer der Hervormde Kerk in hare grondbeginselen«, in: ZHTh 35 (1865), 323-505; Handbuch der neuesten Kirchengeschichte seit der Restauration von 1814, 1867 (18682; 1880-19063); Der Jesuitenorden von seiner Wiederherstellung bis zur Gegenwart, 1867; Beiträge zur holländischen Kirchengeschichte, in: ZHTh 38 (1868), 165-217; Christian Carl Josias Freiherr von Bunsen. Aus seinen Briefen und nach eigener Erinnerung geschildert von seiner Witwe. Deutsche Ausgabe, durch neue Mittheilungen vermehrt, 3 Bde., 1868-1871; Ägyptens Stellung in der Religions- und Kulturgeschichte, 1869; Die Gleichnisse Jesu und das Gottesreich in der Gegenwart, 1869/70; Kirchenpolitische Rundschau im Advent 1868, 1869; Welche Wege führen nach Rom? Geschichtliche Beleuchtung der römischen Illusionen über die Erfolge der Propaganda, 1869; Die altkatholische Kirche des Erzbistums Utrecht, 1872; Stille Stunden. Aphorismen aus Richard Roths Nachlaß, 1872 (18872); Richard Rothe. Ein christliches Lebensbild auf Grund der Briefe Rothes entworfen, 2 Bde., 1873/74; Ursprung, Umfang, Hemmnisse und Aussichten der altkatholischen Bewegung, 1873; Die gegenwärtige Wiederbelebung des Hexenglaubens, 1875; Die Gleichnisse Jesu von der wachsenden Saat, vom großen Abendmahl und vom sterbenden Weizenkorn, 1877; Die römisch-katholische Kirche der Niederlande. Ihre geschichtliche Entwicklung seit der Reformation und ihr gegenwärtiger Zustand, 1877; Religion und Kirchenpolitik Friedrichs des Großen, 1879; Studien über die kirchengeschichtliche Bedeutung der französischen Revolution, in: DEBl 5 (1880), 19-42; Die Theorie der Trennung von Kirche und Staat geschichtlich beleuchtet, 1881; Die englischen Romfahrten im 19. Jahrhundert, in: JpTh 9 (1883), 641-699; Zur geschichtlichen Würdigung der Religion Jesu, 10 Bde., 1884-1893; Richard Rothers gesammelte Vorträge und Abhandlungen, 2 Bde., 1886; Katholisch oder jesuitisch? Drei zeitgeschichtliche Untersuchungen, 1888; Die vertrauten Briefe des Erzbischofs Spiegel von Köln, 1889; Ziele und Vorgeschichte des Evangelischen Bundes, 1889; Hermann von Boyen, Erinnerungen, 3 Bde., 1889/90; Der christliche Adel deutscher Nation. Sendschreiben an Graf Wintzigerode, 1893; Die theologische Einzelschule, 6 Bde., 1893-1900; Der Entwicklungsgang des Lebens Jesu, 1895; Die jesuitischen Schriftsteller der Gegenwart in Deutschland, 1895; Die Anfänge des Evangelischen Bundes und seiner Preßtätigkeit, 1897; Kleine Schriften zur inneren Geschichte des Katholizismus, 2 Bde., 1899; Kollegiales Sendschreiben an Ernst Haeckel, 1901; Der religiöse Friede der Zukunft und seine Anbahnung durch die altkatholische Kirche, 1901; Das deutsche Christuslied des 19. Jahrhunderts, 1903; Aus dem Leben der beiden ersten deutschen Kaiser und ihrer Frauen, 1906; Der Solinger Kirchenstreit, 1907; Die Wege nach Rom und die Los-von-Rom-Bewegungen, 1909; Moderne Klostergründungen. Das erste halbe Jahrhundert der Beuroner Kongregation und die internationale Gestaltung der Klosterfrage, 1910; Altkatholizismus und Evangelischer Bund, 1911; Führende Persönlichkeiten zur Zeit der Gründung des deutschen Reiches. Forschungen und Erinnerungen, 1911; Erinnerungen an Großherzog Friedrich I. von Baden. Mit Heidelberger Skizzen aus den Jahren 1860-1872, 1912; Das Kaiserin-Augusta-Problem 1914.
Lit.: H. Hüttenrauch, Der Evangelische Bund. Sein Werden, Wachsen und Wirken, 1911; - Prof. D. Dr. Friedrich Nippold zum Gedächtnis, in: IKZ 8 (1918), 297-302; - KJ 46 (1919), 570 f.; - Karl Heussi, Geschichte der theologischen Fakultät zu Jena, 1954, bes. 327-332; - RGG IV, 816 f.; - RGG2 IV, 572; - RGG3 IV, 1498.
Martin Friedrich
Literaturnachtrag:
Wilhelm Emanuel von Ketteler, Was hat Herr Professor Nippold in Heidelberg bewiesen?, in: ders., Sämtliche Werke und Briefe Bd. 1/2, hrsg. v. E. Iserloh u.a., 1978, 543-599.
Letzte Änderung: 06.09.1999