OLDECOP, Johann. J.O. ist 1493 im der Hildesheimer Neustadt geboren.
Sein Vater war Stadtbaumeister, arbeitete besonders an St. Lamberti
umd war auch Oldermann dieser Kirche, also eine Art Kirchenvorsteher.
O. saß 1515/16 als Student in Wittenberg zu Luthers Füßen und hörte
die Römerbriefvorlesung des Reformators. Er erzählte später, die Studenten
hätten Luther gern gehört, da ein solcher Mann bis dahin noch nicht
dagewesen sei, der jedes lateinische Wort so tapfer, so treffend,
verdeutscht habe. O. ging auch zu Luthers Predigten . Er wurde sogar
Beichtkind des künftigen Propheten der Deutschen. Der Hildesheimer
merkte aber bereits, daß Luther mit der auch in Hildesheim die gesamte
Frömmigkeit bestimmenden Heiligenverehrung nicht recht einverstanden
war. Schon 1516 befahl sein besorgter Vater den Studenten wieder nach
Hildesheim. Dann war er fünf Jahre in Rom. Erst 1524 kam er für immer
nach Hildesheim zurück . O. blieb beim hergebrachten Glauben. 1527
predigte er in der Andreaskirche gegen die lutherische Irrlehre. Er
begleitete dann den Vizereichskanzler Merklin auf dessen Reise an
viele deutsche Fürstenhöfe und in andere Staaten Europas. - 1531
wurde O. Kanonikus, 1549 Dechant des altehrwürdigen Kreuzstiftes.
Hier verfaßte er seine von ca. 1500 bis 1573 reichende, stilistisch
frische Chronik, die besonders für Stift und Stadt Hildesheim hohen
historischen Wert hat, besonders in den Partien, die Selbsterlebtes
darstellen. Der dezidiert altgläubige Standpunkt des Chronisten führt
wohl zu abschätzigen Urteilen über die Gestaltung der Reformation
in Hildesheim, aber diese persönlichen Äußerungen verfälschen doch
nicht die mitgeteilten Tatbestände. Oft lassen sich O. Mitteilungen
mit anderen, urkundlichen Nachrichten vergleichen. So ergibt sich
ihre durchgehende Zuverlässigkeit. Er starb 1574. Die Stätte seines
Wirkens ist weithin erhalten.
Quellen: Karl Euling ed.: Chronik des Johann Oldecop,
Tübingen 1891 - Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart
Bd. 190.
Lit.: Richard Doebner: Studien zur Hildesheimischen
Geschichte, Hildesheim 1902, 70-81; - Günter Scholz: Die Aufzeichnungen
des Hildesheimer Dechanten Johan Oldecop, Münster 1971 = Reformationsgeschichtliche
Studien und Texte 103; - Nicolaus Heutger: Aus Hildesheims Kirchengeschichte,
Hildesheim 1984, 65 f.