OSKAN EREVANTZI, Bischof und Theologe der armenischen Kirche, * 1614
in Isfahan/Persien, + 1675 in Marseille. - Die Familie des
Bischofs stammte aus Erewan. O. war Schüler des Vardapets Chatschatur
aus Kaisareia, der Vorsteher des Klosters von Dschulfa war. Katholikos
Philippus I. Aghpaketzi (1633-1655) berief ihn nach Edschmiadzin und
verlieh ihm die Würde eines Vardapet (= Lehrer der Theologie; »Archimandrit«).
Hier erlernte O. bei dem Dominikaner Paolo Piromalli Latein und begann,
zusammen mit seinem Lehrer, abendländische Werke ins Armenische -
in latinisiertem Stil - zu übersetzen. Um das Jahr 1653 wurde er für
elf Jahre Bischof und Vorsteher des Klosters von Uschi. Im Jahre 1664
reiste O. nach Europa, wo sein Bruder in Amsterdam eine Druckerei
unterhielt. Bis 1669 veröffentlichte er dort 17 armenische Werke,
darunter auch eine illustrierte Bibel (1666), die er anhand der lateinischen
Vulgata korrigiert hatte. Auch in Livorno hat er zwei und in Marseille
acht Werke ediert und sich so um das armenische Buchwesen verdient
gemacht. Sein Unternehmen, Werke der armenischen Literatur zu veröffentlichen,
wurde nach seinem Tode fortgeführt.
Lit.: M. Tschamtschian, Geschichte Armeniens, III, Venedig
1786, 620 f., 659 ff. [altarmen.]; - G. Zarbanelian, Geschichte
des armenischen Druckes, Venedig 1805 [armen.]; - H. Adjarian,
Wörterbuch der armenischen Eigennamen, IV, Erewan 1948, 188 [armen.];
- V. Inglisian, Die armenische Literatur (= Handbuch der Orientalistik,
VII), Leiden-Köln 1963, 156-254; - A. S. Atija, A History of Eastern
Christianity, London 1968, 347-350; - M. Krikorian, Die Geschichte
der Armenischen Apostolischen Kirche, in F. Heyer (Hrsg.), Die Kirche
Armeniens (= Die Kirchen der Welt, XVIII), Stuttgart 1978, 29-53,
bes. 41; - LThK
2VII, 1263.
Johannes Madey
Letzte Änderung: 09.04.2011