OSOUF, Pierre-Marie, Bischof; * 26.3. 1829 Cérisy-la-Salle (Manche);
+ 27.6. 1906 Tokio. - O. lernte zuerst bei seinem Onkel,
der Pfarrer war, Latein und trat 1841 ins Gymnasium von Saint-Lô und
1848 ins Seminar von Coutance ein. Nach erfolgter Priesterweihe (1852)
konnte er wegen seiner schlechten Gesundheit nicht der Mission Etrangère
in Paris beitreten, sondern wurde Sekretär des Bischofs von Coutance.
1855 bestand er die Probezeit der Mission Etrangère und wurde auf
Zeit aufgenommen und er verreiste im Juni 1856 nach Hongkong. Beim
dortigen Generalprokurator verbrachte O. eine Lehrzeit und erhielt
1857 den Auftrag in Singapur eine neue Generalprokur einzurichten.
1862 kehrte er nach Hongkong zurück und wurde 1866 Generalökonom und
beschäftigte sich mit vielen Neubauten der Gesellschaft. - Nach
einem Aufenthalt in Paris wurde O. zum apostolischen Vikar vom nördlichen
Japan ernannt, 1877 geweiht und er ließ sich in Tokio nieder. In diesem
Teil Japans zählte man 1235 Katholiken und alles mußte von Grund auf
organisiert werden. Wiederum ließ er viele Bauten erstellen, darunter
seine Kathedrale in Tokio. Da die Missionare keine Zeit für Unterricht
hatten, rief O. u.a. die Marianisten sowie Ordensschwestern nach Japan.
1884 unternahm er eine Reise nach Amerika, um sich Mittel für seine
Unternehmungen zu beschaffen. Bevor er nach Japan zurückkehrte, mußte
er in Rom einen päpstlichen Brief an den Kaiser in Japan abholen.
Zwischen 1888 und 1891 wurden weitere Vikariate geschaffen, so daß
O. Erzbischof von Japan wurde. 1890 berief er eine erste Synode nach
Nagasaki und 1895 eine weitere nach Tokio, um eine erste Bilanz zu
ziehen und weitere Bedürfnisse abzuklären. Den verlangten Koadjutor
erhielt er allerdings erst 1902. Da der Koadjutor zwischen 1904 und
1906 wieder in Europa weilte, lastete die ganze Arbeit auf O., dessen
Gesundheit sich rasch verschlechterte und 1906 den Tod herbeiführte.
- Obwohl O. schlecht japanisch sprach hat er unter schwierigen
Bedingungen den Aufbau der Hierarchie und der Missionen in Japan wirkungsvoll
geleitet.
Werke: Acta et decreta primae Synodi regionalis Japoniae
et Coreae Nagasaki habitae 1890. Hongkong 1893; Acta et decreta primae
Synodi regionalis Japoniae et Coreae Tokiensis habitae 1895. Hongkong
1896.
Lit.: F. Ligneul, Notice biographique sur Mgr. P.-M. O.,
archevêque de Tokyo. Tokio 1906; - Adrien Launay, Mémorial de
la Société des Missions étrangères, 2e partie. Paris 1916, 479-480;
- Catholicisme X, 316; - Archive biographique français. Paris-London
1988, MF 799, 278-283.