OSSOLINSKI, Jerzy (Georges), Politiker und Diplomat, * 15. Dezember
1595 in Sandomierz, + 1650. - O. war ein entschiedener Gegner
der adeligen Anarchie und Befürworter einer Stärkung der königlichen
Macht in Polen. Als offizieller Vertreter der Staatsmacht konnte er
eine Verständigung mit den aufständigen Kosaken (Vereinbarung von
Zborów, 1649) erreichen. O. gilt auch als heftiger Gegner der Andersgläubigen.
1632 sagte er im Parlament, der evangelische Glaube sei ein »Ankömmling«,
während der eigentliche »Hausherr« in Polen die katholische Kirche
sei. Die Vorfahren hätten zwar den Andersgläubigen den Frieden gewährleistet,
sie seien aber nicht damit einverstanden, daß die Protestanten Kirchen
bauen werden. O. war verantwortlich für die Auflösung der antitrinitarischen
Gemeinde und Schulen in Raków 1638, unter seinem Druck mußte auch
die calvinische Gemeinde das Zentrum von Wilna verlassen und sich
in einem Vorort niederlassen (1640). O. führte 1645 den Vorsitz bei
den Gesprächen zwischen Katholiken und Protestanten in Thorn, »Colloquium
charitativum«, bald hatte er sich aber wegen seines untoleranten Vorgehens
unbeliebt gemacht und mußte vom König abgerufen werden. O. war ein
ausgezeichneter Redner und Stilist, wovon seine Memoiren und andere
Werke zeugen.
Werke: Pamietnik (Memoiren), Bearbeitung und Vorwort von
Wladyslaw Czaplinski, Warschau 1972; Dyaryusz legacyi na sejm Rzeszy
Niemieckiej w Ratyzbonie w roku 1639 (Tagebuch über die Reise zum
deutschen Reichstag in Regensburg im Jahre 1639), Hrsg. von A. Hirschberg,
Lemberg 1877.
Lit.: L. Kubala: Jerzy Ossolinski, Warschau 1924; -
Polski Slownik Biograficzny (Polnisches Biographisches Wörterbuch)
Bd. 24, 403-410.